Champions LeagueDer FC Bayern ist das bessere Barcelona

Mit verblüffender Leichtigkeit fügen die Bayern dem FC Barcelona eine historische Niederlage zu. Es könnte der Anfang einer Ära sein und das Ende einer anderen. von 

Arjen Robben, Torschütze des 1:0

Arjen Robben, Torschütze des 1:0  |  © David Ramos/Getty Images

Es hat schon seinen Grund, warum der FC Barcelona den Fans seiner Gäste diese Plätze auf dem obersten Ring der Gegengerade zuteilt. Dort oben ist der Himmel näher als das Fußballfeld. Es ist der beste Ort, um die monumentale Architektur des Camp Nou, des größten Vereinsstadions der Welt, zu bestaunen. Man ist ja nicht jeden Tag hier.

Dass dafür die Fußballer, für die man ja eigentlich gekommen ist, plötzlich nur noch in Stecknadelgröße ihrer Arbeit nachgehen – geschenkt. Und es macht auch nichts, dass ein Großteil der vorgetragenen Anfeuerungsrufe nicht bei den Adressaten ankommt, weil der Weg zu weit ist oder sich die Appelle wegen des fehlenden Dachs in die katalanische Luft verflüchtigen. Für gewöhnlich gibt es in der Riesenschüssel eh nichts zu holen.

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Doch an diesem Abend war alles anders. Die Bayern-Fans gaben den Ton an. Sie waren so laut, man hätte sie auch gehört, wenn ihnen die Gästetribüne am örtlichen Stadtstrand gebaut worden wäre. Sie sangen und klatschten pausenlos. Und manchmal rüttelten sie auch so doll an dem Fischernetz, das die verängstigten Heimfans eine Etage tiefer von den Bajuwaren trennte, dass es irgendwann kaputt ging. Es muss sich Besonderes zugetragen haben an diesem Abend im Camp Nou.  

In der Tat, ihre Mannschaft, der FC Bayern, gewann 3:0 in Barcelona. Was umso bemerkenswerter ist, weil die Bayern bereits das Hinspiel mit 4:0 gewonnen hatten. Macht in Summe 7:0, so hoch hat der FC Barcelona noch nie verloren. Überhaupt hat der FC Barcelona in der Champions League noch nie sowohl das Hin- als auch das Rückspiel verloren. Und Barcelona spielt oft Champions League.

Nur zur Klarstellung: Wir reden hier über den FC Barcelona. Jenen Verein, der seit etwa zehn Jahren zuverlässig als Erstes genannt wird, wenn über schönen Fußball geredet wird. Dem Klub von Messi und Xavi und Iniesta. Dem Klub, der als Nonplusultra im Weltfußball gilt. Oder galt. Denn diese kühle katalanische Frühlingsnacht war eine dieser seltenen Momente, in denen sich das Weltgeschehen so verdichtete, dass man das Gefühl hatte, gerade wurde Geschichte geschrieben.  

Die Münchner gewannen nicht nur, sie machten mit Barça, was sie wollten. Kurz vor Ende ließen die Bayern den Ball laufen. Ihre Fans bejubelten jeden Pass mit jenen höhnischen Olé-Rufen, mit denen man minderbemittelten Gegnern seine spielerische Überlegenheit klar macht. "Wenn wir wollen, bekommt ihr nie mehr den Ball", ist die diabolische Botschaft dieses Spiels im Spiel, das einst von Barcelona zur Perfektion getrieben wurde. Nun waren die Bayern die Spielmacher. Es muss lange her sein, dass Xavi und Iniesta schon einmal so hinterherliefen.  

Christian Spiller
Christian Spiller

Christian Spiller ist Redakteur im Ressort Sport bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Barcelonas Fans brachte das noch einmal in Wallung. Sie pfiffen ob des dreisten spielerischen und anfeuerungstechnischen Plagiats. Es war eine der wenigen Male, in denen die 90.000 Zuschauer außerhalb des Bayern-Sektors überhaupt zu hören waren. Am Vortag in Madrid hatten die Real-Fans von der ersten Minute an einen Höllenlärm veranstaltet, weil sie spürten, dass noch etwas geht. 

Die Barça-Fans blieben weitgehend stumm. Fast apathisch sahen sie mit an, wie die Bayern und nicht etwa ihr Verein auf das erste Tor drängten. Mit bleichen Gesichtern verließen sie das Stadion, viele schon weit vor dem Schlusspfiff, und tranken nicht einmal mehr eine cervesa in den Kneipen rundherum. Dort hätten sie sowieso nur Bayern-Fans getroffen, die ihnen das Bier wegtranken und mit großen Augen den Daheimgebliebenen am Handy von ihren Erlebnissen erzählten.

Leserkommentare
  1. 1. […]

    Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche, differenzierte Beiträge. Danke, die Redaktion/jp

    4 Leserempfehlungen
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    Weshalb?

    Und es ist anzunehmen, dass dieser Artikel Herrn Spiller ein klein wenig Überwindung abverlangt hat.

    Er ist ja jüngst nicht unbedingt als großer Bayernfan aufgefallen. ;-)

    Man kann dem Herrn Spiller eine Menge vorwerfen in Bezug auf seine Artikel über den FC Bayern, aber hier scheint ihm ausnahmsweise mal ein guter gelungen zu sein, der frei von Sticheleien etc. ist und das gestrige Spiel viel eher angemesser würdigt.
    Was man bemängeln kann ist, dass er nicht klar genug hervorarbeitet, dass gestern endgültig ein "Changing of the guard" vollzogen wurde, vom vormals besten Team der Welt, zum jetzt besten Team der Welt.

    dann kann die Wahrheit schonmal arrogant erscheinen!

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf persönliche Anfeindungen. Danke, die Redaktion/jp

  2. Höchstens zu einseitig. Angesichts dieses Ergebnisses ist es aus sportlicher Sicht momentan allerdings auch schwer, etwas anderes über den FC Bayern zu sagen.

    Eine Leserempfehlung
  3. BESTES TEAM DER WELT.

    Mehr gibt es nicht zu sagen.

  4. Also mal schön auf dem Teppich bleiben.

    Ist gesünder als die manisch-depressive Variante.

    Man erinnere sich nur an dieses Spiel. Gar nicht lange her:

    Bayern unterliegen Arsenal London. Barcelona? Träumt weiter!
    http://www.stern.de/sport...

    11 Leserempfehlungen
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    beiden souveränen Champions in Spanien und Italien wagen sich allen ernstes noch die Arsenal-Spiel-Trolle hervor? Ernsthaft???

    Ich habe zwei Fakten für Sie:

    1) Bayern hat ohne Ribery und Schweinsteiger gespielt, also ihre beiden wichtigsten Spieler.

    2) Bayern hat das Hinspiel 3-1 auswärts gewonnen und war sich weder richtig sicher, ob sie angreifen oder verteidigen sollen und obendrein darf man sich bei so einem Hinspielergebnis durchaus mal ein wenig Selbstgefälligkeit erlauben.

    Das Arsenal-Argument ist toter als das Tote Meer.

    • SteB
    • 02. Mai 2013 10:21 Uhr

    Der Artikel ist ein wenig sehr überschwenglich geraten.
    Gestern hätte auch Freiburg gegen Barcelona gewinnen oder zumindest 0:0 spielen können, das war wahrlich kein Maßstab.
    Natürlich lag das auch an der Klatsche aus dem Hinspiel, welches die Bayern überragend gestaltet haben. Damit im Hinterkopf fehlte Barcelona gestern von Anfang an das Feuer. Ich glaube, hier kommen zwei Dinge zusammen. Zum einen sind die Bayern diese Saison wirklich sensationell gut, zum anderen aber auch zufällig genau dann, wenn Barcelona eine Schwächephase hat. Das deutete sich ja schon früher an. In Glasgow verloren! Also bitte. Der Wechsel zu Vilanova und dann seine Erkrankung sind mit Sicherheit auch nicht ganz unwesentlich.
    Damit will ich aber keinesfalls die Bayern-Leistung schmälern. Das Hinspiel war grandios, gestern wurde ganz cool nur das Nötigste gemacht. Chapeau.
    Das wird ein ganz heißer Tanz in Wembley, wobei ich die Bayern gegen meine Borussia im leichten Vorteil sehe. Aber das muss ja nicht unbedingt was heißen...

    Nö, die sind nicht so gut, Barca war nur schlecht? Bayern hat taktisch hervorragend gespielt, hatte eine Raumaufteilung die ein ums andere mal dazu führte das Barca nach 2 Stationen den Ball verlor, um dann seinerseits mit Kurzpässen sich zu befreien. Das war zu 90% fehlerlos und sowas kriegt auch der SC Freiburg nicht hin.

    Haben beim 8:1 der Katalanen gegen die Klinsmann-Bayern auch alle alles runtergespielt, von wegen das Bayern ja so schlecht war und Barca gar nicht so gut? Ich kann mich nicht erinnern.

    Das 3:0 ist das Ergebnis einer hervorragenden Spielweise, das sollte man anerkennen.

  5. Weshalb?

    Und es ist anzunehmen, dass dieser Artikel Herrn Spiller ein klein wenig Überwindung abverlangt hat.

    Er ist ja jüngst nicht unbedingt als großer Bayernfan aufgefallen. ;-)

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "[…]"
  6. Man kann dem Herrn Spiller eine Menge vorwerfen in Bezug auf seine Artikel über den FC Bayern, aber hier scheint ihm ausnahmsweise mal ein guter gelungen zu sein, der frei von Sticheleien etc. ist und das gestrige Spiel viel eher angemesser würdigt.
    Was man bemängeln kann ist, dass er nicht klar genug hervorarbeitet, dass gestern endgültig ein "Changing of the guard" vollzogen wurde, vom vormals besten Team der Welt, zum jetzt besten Team der Welt.

    Antwort auf "[…]"
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    Ich will die Leistung des FC Bayern gar nicht klein reden. Was die in dieser Saison spielen ist einfach nur bemerkenswert.
    Aber das Gerede von einer Wachablösung ist doch ein ziemliches Spektakel. Barca musste ein halbes Jahr ohne Trainer auskommen. Sollte der FC Bayern es jemals ohne einen Trainer ins Halbfinale der Champions League schaffen und nebenbei auch noch klar und deutlich die Meisterschaft gewinnen, dann ziehe ich meinen Hut, ach was, ich fresse ihn.
    Also lassen wir mal schön die Kirche im Dorf.

  7. Das diese beiden Spiele das Ende der Ära Barcelona und des spanischen Spielstils sein werden glaube ich zwar nicht, allerdings lässt sich nicht bestreiten, dass der deutsche Fussball in den letzten Jahren eine reife Entwicklung durchlaufen hat, die in ihrer Ausprägung höchsten Respeckt verdient.

    Der jetzige Erfolg der deutschen Mannschaften ist aus meiner Sicht hauptsächlich auf die hervorragende deutsche Nachwuchs und Jugendarbeit zurückzuführen. Viel interessanter, als der Einzug der Münchener und Dortmunder in das Finale der Championsleague ist doch der Fakt, dass eine unheimlich große Anzahl an talentierten jungen Nationalspielern am Halbfinale teilgenommen haben. Die Reaktion des DFB und der Bundesliga auf das katastrophale Abschneiden der DFB-Elf bei der Em-2004 zahlt sich nun aus. Ich freue mich auf ein spannendes Finale in Wembley und weiß ehrlich gesagt gar nicht wem ich die Daumen drücken soll, beide Mannschaften hätten es verdient! :)

    9 Leserempfehlungen
  8. beiden souveränen Champions in Spanien und Italien wagen sich allen ernstes noch die Arsenal-Spiel-Trolle hervor? Ernsthaft???

    Ich habe zwei Fakten für Sie:

    1) Bayern hat ohne Ribery und Schweinsteiger gespielt, also ihre beiden wichtigsten Spieler.

    2) Bayern hat das Hinspiel 3-1 auswärts gewonnen und war sich weder richtig sicher, ob sie angreifen oder verteidigen sollen und obendrein darf man sich bei so einem Hinspielergebnis durchaus mal ein wenig Selbstgefälligkeit erlauben.

    Das Arsenal-Argument ist toter als das Tote Meer.

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    Na, merken Sie was?

    • SteB
    • 02. Mai 2013 10:24 Uhr

    bitte die gleiche Analyse für das gestrige Spiel.
    Danke ;-)

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