Champions-League-Finale : Endlich Tage wie diese

Der FC Bayern überwindet gegen Dortmund sein Champions-League-Trauma und schenkt den Lahms und Schweinsteiger den ersten internationalen Titel. Von C. Spiller, London
Bastian Schweinsteiger mit dem Pokal der UEFA Champions League © REUTERS/Eddie Keogh

Wie zwei Halbstarke schlendern Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller in die Interviewzone. Ihr Gang ist federnd und breitbeinig. Schweinsteiger hat eine Flasche Sekt dabei, ab und zu setzt er sie an. Müller trägt dieses burschikose Grinsen, das ihn in Situationen wie diesen ins Gesicht gemeißelt ist. Sie laufen an Philipp Lahm vorbei, der gerade gewissenhaft ein Interview gibt. "Das sind sie, die Führungsspieler, die keine Führungsspieler sind", ruft Müller im Vorbeigehen und dann: "An jeden, der mal so etwas geschrieben hat: Haben wir die Champions League gewonnen, oder nicht?" Jetzt brüllt er.

Zuerst dachte man an einen Scherz. Thomas Müller treibt ja nicht nur zwischen den gegnerischen Defensivlinien allerhand Schabernack. Aber diesmal war es ihm ernst. Schweinsteiger und er zogen an allen Reportern vorbei, ohne eine Frage zu beantworten. Das kann schon mal vorkommen, wenn Spieler keine Lust zum Reden haben. Nach Titeln ist das aber eher ungewöhnlich, weil jeder gerne von sich und bisherigen Intimitäten mit dem Pokal erzählt. Dass Müller so derb reagierte, zeigt, dass sich bei den Bayern so einiges aufgestaut hat.

Dieses Champions-League-Endspiel war kein gewöhnlicher Kick. Es ging gegen die aufmüpfigen Dortmunder, die bis vor Kurzem keine Gelegenheit ausließen, dem FC Bayern die lange Nase zu zeigen. Es wurde deshalb als Überspiel, als Jahrhundert-Partie, als Germanico gepriesen. Der Hype erreichte Weltmeisterschaftsniveau. Man musste sich in dieser Woche schon im Keller einschließen, um nicht zu wissen, wer da gegen wen spielt: Gut gegen Böse, Arm gegen Reich, wie einer der beiden Finalteilnehmer öffentlichkeitswirksam durchscheinen ließ.

Doch für die Münchner ging es um mehr. Noch immer denkt der FC Bayern mit Grauen an die Final-Niederlage des Vorjahres gegen Chelsea. Damals hatten sie es geschafft, den Henkelpott den eigentlich schon besiegten Engländern doch noch zu schenken. Kaum auszudenken also, wenn auch noch dieses Finale verloren gegangen wäre, das dritte im vierten Jahr. Die Lahms und Schweinsteiger, so hätten es wieder alle gesagt, würden nie einen großen Titel holen, könnten nicht führen, seien zu lieb und nett. Wie in der Nationalmannschaft: Wenn es drauf ankommt, verlieren sie.

"Der Druck war heute enorm, weil wir schon zwei Finals verloren haben", gab Philipp Lahm dann nach dem Spiel auch zu. "Wenn man eine Goldene Generation werden will, dann muss ein internationaler Titel her. Und den haben wir jetzt in der Tasche." Bayerns Trainer Jupp Heynckes bestätigte: "Es ist ja klar, dass es für die Generation Lahm und Schweinsteiger, meine beiden Kapitäne, an der Zeit war, Titel zu gewinnen."

Dass diese Goldene Generation ihr Spiel genau an diesem Tag veredeln wollte, war in fast jeder Sekunde der Partie zu spüren. Die Intensität der Zweikämpfe war so hoch, dass der italienische Schiedsrichter Nicola Rizzoli drei Spieler vom Platz hätte stellen können, ohne dass er sich dafür hätte rechtfertigen müssen. Das Tempo war so irrwitzig schnell, dass man selbst auf der Tribüne aus der Puste kam. Überhaupt hätte es schon zur Halbzeit 3:3 stehen können, wenn sich Manuel Neuer und Roman Weidenfeller nicht entschlossen hätten, den Gastgebern aus England zu zeigen, wie gut Deutschland sein Torhüter-Handwerk beherrscht.

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Kommentare

228 Kommentare Seite 1 von 18 Kommentieren

nochmal überdenken .........

......... sollten Sie Ihre Ansichten über den Einkauf von Spielern des FCB aus der BL. Es gab oft genug Spielerkäufe des FCB, die nicht unbedingt den Anschein hatten, die Mannschaft zu verstärken. Man musste und durfte oft genug die Frage stellen: warum wurde gerade jetzt und gerade dieser oder jener Spieler gekauft, wenn er von einem direktem Konkurrenz-Verein gekauft wurde. Und von diesen Spielern versauerten dann viele auf der Reserve-Bank. Man könnte dann auch in Richtung der Spieler sagen: selbst in Schuld. Auffallend ist auch, dass der FCB bis heute aus der BL immer mehr Geld für Spielerausgeben musste, als die Klubs, die die Spieler aufgebaut hatten oder als unbekannte Spieler zu sich geholt hatte. Ansonsten holten sie sich Stars aus dem Ausland, teuer und nicht immer einträglich. Also, man darf auch von Fans dieses ausgezeichneten FCB verlangen, etwas Neutralität zu verlangen, wenn sie glaubhaft sein wollen.

Danke für Ihre Kommentare

die ich - obwohl ich Bayernfan bin - aufgrund deren Sachlichkeit und Ausgewogenheit immer sehr genieße.
Ich weiß, dass Trost nach so einem Finale immer schwierig ist, aber ich möchte gerade Ihnen sagen, womit ich mich letztes Jahr getröstet habe: dieses Finale war nicht das letzte Finale. Ich bin sicher, dass der BVB wieder eine Chance auf den CL-Titel bekommen wird, in der er mit gereifteren und erfahreneren Spielern womöglich ein besseres Ende erlebt. Sollte der BVB nicht gerade wieder gegen meine Bayern spielen, drücke ich ihm dann sicher die Daumen!