Der FC Bayern wird nett

Es gibt viele Gründe, den FC Bayern blöd zu finden: Sein Präsident hinterzieht Steuern, Kalle Rummenigge schmuggelt teure Uhren, das Festgeldkonto platzt aus allen Nähten und Paul Breitner ist Paul Breitner. Auf dem Platz aber war alles anders: 22 Punkte Vorsprung, 94 geschossene Tore, nur eine Niederlage – nie in der nunmehr 50-jährigen Bundesliga-Geschichte hat sich eine Mannschaft den Meistertitel mehr verdient als der aktuelle Münchner Jahrgang. Die Bayern pflügten nicht nur durch die Liga, sondern brachten dem großen FC Barcelona auch die böseste Niederlage der jüngeren Vergangenheit bei. Und das alles mit durchaus liebenswürdigen Spielern, die sich nicht wie frühere Bajuwaren nach Siegen kräftig auf die Brust trommeln müssen. Da kann Uli Hoeneß zig Konten in der Schweiz haben, wer einen Thomas Müller in seiner Mannschaft weiß, kann gar nicht unsympathisch sein. 

Eine Saison zum Einschlafen

Die Münchner Überlegenheit blieb nicht folgenlos: Draußen war noch Frost, da stand Bayern schon als Meister fest, der BVB als Vize und Fürth war auch schon abgestiegen. Dazwischen veranstaltete die Hälfte der Liga ein unwürdiges Schneckenrennen um die verbliebenen Europapokalplätze. Ausgerechnet die Jubiläumssaison hatte einen Spannungsbogen, der dem einer RTLII-Doku-Soap glich. Wobei die bei Weitem mehr Zuschauer haben dürften, als jüngste Bayern-Spiele. Erstmals seit Jahren kamen sogar weniger Menschen in die Arenen, was allerdings vor allem am Mini-Stadion der SpVgg Greuther Fürth lag, das dafür den schönsten Namen trägt (Trolli-Arena). Die Bundesliga gilt in Europa mittlerweile als Erfolgsmodell. Weil sie so stimmungsvoll, attraktiv und ausgeglichen ist. Mal schauen, wie lange noch.

Die neue Macht der Fans

Irgendwann im November wurden deutsche Fußballstadien plötzlich zu den gefährlichsten Orten der Republik. So klang es jedenfalls, wenn man ein paar Politikern zuhörte. Doch statt drüber zu lachen, ließen sich die Funktionäre der DFL ein neues Sicherheitskonzept aufdrängeln. Mit denen, die es betrifft, den Fans nämlich, wurde nicht geredet, weshalb diese die wohl größte Protestaktion der Bundesliga-Geschichte veranstalteten. Ein paar Wochen lang wurde es ziemlich still in deutschen Stadien. Die DFL musste das Paket überarbeiteten. Es wurde später beschlossen, doch die Fans haben sich in diesem Winter emanzipiert. Sie haben ihre Stimme gefunden, sind kein anonymer Mob mehr, der nur die Tonspur für das Produkt Fußball liefert. Ohne sie, das war eine Erkenntnis dieser Spielzeit, ist alles nichts.