Bundesliga-Fazit : Die elf Lehren der Saison

Die Bayern wurden nett, die Fans wurden mächtig. Sportlehrer sind die neuen Helden und die Hand der größte Streitpunkt. Eine Saison geht, elf Erkenntnisse bleiben.
Xherdan Shaqiri und Jupp Heynckes mit der Meisterschale © Andreas Gebert/picture alliance/dpa

Der FC Bayern wird nett

Es gibt viele Gründe, den FC Bayern blöd zu finden: Sein Präsident hinterzieht Steuern, Kalle Rummenigge schmuggelt teure Uhren, das Festgeldkonto platzt aus allen Nähten und Paul Breitner ist Paul Breitner. Auf dem Platz aber war alles anders: 22 Punkte Vorsprung, 94 geschossene Tore, nur eine Niederlage – nie in der nunmehr 50-jährigen Bundesliga-Geschichte hat sich eine Mannschaft den Meistertitel mehr verdient als der aktuelle Münchner Jahrgang. Die Bayern pflügten nicht nur durch die Liga, sondern brachten dem großen FC Barcelona auch die böseste Niederlage der jüngeren Vergangenheit bei. Und das alles mit durchaus liebenswürdigen Spielern, die sich nicht wie frühere Bajuwaren nach Siegen kräftig auf die Brust trommeln müssen. Da kann Uli Hoeneß zig Konten in der Schweiz haben, wer einen Thomas Müller in seiner Mannschaft weiß, kann gar nicht unsympathisch sein. 

Eine Saison zum Einschlafen

Die Münchner Überlegenheit blieb nicht folgenlos: Draußen war noch Frost, da stand Bayern schon als Meister fest, der BVB als Vize und Fürth war auch schon abgestiegen. Dazwischen veranstaltete die Hälfte der Liga ein unwürdiges Schneckenrennen um die verbliebenen Europapokalplätze. Ausgerechnet die Jubiläumssaison hatte einen Spannungsbogen, der dem einer RTLII-Doku-Soap glich. Wobei die bei Weitem mehr Zuschauer haben dürften, als jüngste Bayern-Spiele. Erstmals seit Jahren kamen sogar weniger Menschen in die Arenen, was allerdings vor allem am Mini-Stadion der SpVgg Greuther Fürth lag, das dafür den schönsten Namen trägt (Trolli-Arena). Die Bundesliga gilt in Europa mittlerweile als Erfolgsmodell. Weil sie so stimmungsvoll, attraktiv und ausgeglichen ist. Mal schauen, wie lange noch.

Die neue Macht der Fans

Irgendwann im November wurden deutsche Fußballstadien plötzlich zu den gefährlichsten Orten der Republik. So klang es jedenfalls, wenn man ein paar Politikern zuhörte. Doch statt drüber zu lachen, ließen sich die Funktionäre der DFL ein neues Sicherheitskonzept aufdrängeln. Mit denen, die es betrifft, den Fans nämlich, wurde nicht geredet, weshalb diese die wohl größte Protestaktion der Bundesliga-Geschichte veranstalteten. Ein paar Wochen lang wurde es ziemlich still in deutschen Stadien. Die DFL musste das Paket überarbeiteten. Es wurde später beschlossen, doch die Fans haben sich in diesem Winter emanzipiert. Sie haben ihre Stimme gefunden, sind kein anonymer Mob mehr, der nur die Tonspur für das Produkt Fußball liefert. Ohne sie, das war eine Erkenntnis dieser Spielzeit, ist alles nichts.

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Kommentare

15 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

ja richtig

Wenn die Schale laut Lahm zum FCB gehört, könnte man es ja einfach machen, man lässt die Schale bei ihnen; der FCB spielt nicht mehr mit, die anderen spielen um die nachfolgenden Plätze. Die Spieler der FCB sind ein netter Haufen, die Oberen sind nach wie vor nicht nett. Nicht vergessen, nun gehört ja auch noch der Sammer dazu. Der ist sicherlich auch zu seiner Mutter nicht nett.

Gesunde Einstellung

zumal Dortmund ja ebenfalls Druck hat, denn wann wird sich diese historische Chance bieten. Ich glaube der Wille, diesen Pokal zu gewinnen, ist bei beiden Teams gleich hoch und die Begegnung wird auf Augenhöhe stattfinden. Die letzten drei Spiele: FCB 3 : 2 Dortmund und das über 270 Min.
Sie haben völlig recht. Diese Bundesligasaison wird unvergessen bleiben, aber aus Dortmunder SIcht mit der Befürchtung, dass sie erst der Auftakt einer Meisterserie des FCB sein wird ...