Dortmund – Bayern"Ich würde nicht von Hass sprechen"

Ein Bayern- und ein Dortmund-Fan sprechen vor dem Champions-League-Finale über die Rivalität zwischen beiden Vereinen, ihre Beliebtheitswerte und Mario Götze. von 

Dortmunder Fans im Bundesligaspiel BVB gegen Bayern

Dortmunder Fans im Bundesligaspiel BVB gegen Bayern  |  © Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Der eine lebt in Obernzell bei Passau, hinter der Donau beginnt Österreich. Der andere in Osnabrück, die Niederlande sind nicht weit. Der eine verehrt den FC Bayern, den Klub der Großkopferten, gründete einen Fanklub namens Mia san mia und beschimpft oft die Münchner Löwen. 
Der andere liebt den BVB, den Klub aus dem Pott, hat ihn schon überall spielen sehen, nur nach Schalke fährt er nie, weil er denen nicht sein hartverdientes Geld schenken will. Außerdem hat er dort in den sechziger Jahren mal auf die Nase bekommen.

Andreas Öller und Bruno Reckers könnten verschiedener nicht sein. Und doch haben beide etwas gemeinsam. Sie werden mit dem Bus nach London fahren. Reckers wird zehn Stunden brauchen, Öller rechnet mit 16. Beide werden ihren Verein unterstützen, beim deutschen Champions-League-Finale am Samstag im Wembley-Stadion von London. 

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ZEIT ONLINE: Warum sind die Dortmunder so beliebt und die Bayern so unbeliebt?

Andreas Öller: Es ist gut und schön, dass nicht die ganze Republik Bayern-Fan ist. Das wäre ja langweilig. Entweder wird der FC Bayern geliebt oder gehasst. Die 26 Prozent, die sich in Ihrer Umfrage für uns ausgesprochen haben, sind doch sehr gut.

ZEIT ONLINE: Sind Sie da ein wenig stolz drauf?

Andreas Öller
Andreas Öller

Andreas Öller ist Präsident des Bayern-Fanclubs "Mia san mia". Uli Hoeneß ist dort Ehrenmitglied.

Öller: Was heißt stolz? Mia san Mia. Ich stehe zu meinem Verein, genauso wie der Kollege aus Dortmund zu seinem Verein stehen wird. 

Als er vier oder fünf Jahre alt war, so genau weiß er es nicht mehr, war Öller das erste Mal im Münchner Olympiastadion. Sein Onkel hatte ihn mitgenommen. Seit Mitte der Achtziger geht er regelmäßig hin, seit Anfang der Neunziger hat er kaum ein Spiel verpasst. Auch auswärts nicht. Wer wissen will, warum er Fan des FC Bayern München wurde, bekommt ein paar Gegenfragen an den Kopf geschmissen: "Haben Sie sich schon mal geschnitten? Geschnitten, also verletzt mit einem Messer? Und was passiert dann? Und welche Farbe hat das Blut? Sehen Sie!"
Andreas Öller meint das nicht ganz ernst, ein wenig aber schon. Blut steht auch für Leben, Kraft und Leidenschaft. So wie es eben ist, als Fan.

Bruno Reckers sah 1964 sein erstes Spiel im Stadion Rote Erde, was auch irgendwie nach Blut und Leben klingt. Im Westfalen-Stadion, das 1974 eingeweiht wurde, hat er bis heute nur zwei Dortmund-Spiele verpasst. Einmal – der BVB spielte noch in der zweiten Liga – wurde das Spiel kurzfristig um einen Tag vorverlegt, während Reckers beruflich in Frankreich zu tun hatte. Das andere Mal hatte er sich bei seiner Urlaubsplanung vertan. Er saß in Irland und zitterte von dort aus mit.

Bruno Reckers
Bruno Reckers

Bruno Reckers ist Dortmund-Fan seit 1963. Er hat etwa 2000 Spiele gesehen und seit Bau des Westfalenstadions 1974 nur zwei Heimspiele verpasst.

ZEIT ONLINE: Herr Reckers, können Sie damit leben, dass viele Ihren Verein derzeit so toll finden?

Bruno Reckers: Es gab mal eine Zeit, da war Dortmund einer der meistgehassten Vereine der Bundesliga. Damals, als sie mit dem Geld um sich geschmissen haben. Seit der Fast-Insolvenz sind sie einen ehrlichen, ruhigen Weg gegangen und haben dadurch auch viele Sympathien gewonnen. Da sind natürlich viele Modefans dabei.

Bruno Reckers hat etwa 2.000 Spiele seines Vereins gesehen. In ganz Europa. "Das hat mich ein Einfamilienhaus gekostet", sagt er. In Mostar, dem heutigen Bosnien-Herzegowina, wurde er 1987 schon auf der Treppe seines Hotels mit Steinen beworfen. "Das war da eben so üblich." Und als ihm sein Arbeitgeber, ein Gewürzgroßhändler, in diesem Jahr keinem Urlaub für das Spiel in Málaga gab, hat er auf seine Art reagiert. "Ich habe gestreikt und drei Wochen lang nur noch das Nötigste geredet."


Andreas Öller hat 2002 nach dem Hochwasser von Passau den FC Bayern für ein Benefizspiel in die Stadt geholt. Er hat bei der Gelegenheit Uli Hoeneß getroffen und gleich zum ersten Ehrenmitglied seines Fanklubs gemacht. Später wurden es auch Ottmar Hitzfeld, Sebastian Deisler, Karl Hopfner. Es war nicht richtig, was Hoeneß jetzt gemacht hat, sagt Öller, aber das habe er ja auch schon zugegeben. Ansonsten steht er hinter ihm. "Wenn Uli Hoeneß straffrei bleibt, kann er natürlich Bayern-Präsident bleiben", sagt er. "Es ging ja nicht um die Gelder des FC Bayern."

ZEIT ONLINE: Der Götze-Transfer, ein heikles Thema, nicht wahr, Herr Öller?

Öller: Das finde ich nicht. Letztlich ist es die Entscheidung des Spielers. Nimmt er das Angebot an oder nicht. Ich sage auch ganz offen: Die Bayern-Fans stehen auch dem Götze-Transfer sehr kritisch gegenüber.

Reckers: Mir tat der Wechsel weh, weil Götze noch sechs Wochen vorher sagte, er kann sich vorstellen, auf ewig und drei Tage in Dortmund zu bleiben. Und dann auf einmal die Kehrtwende. Da kann aber der FC Bayern nichts dafür.

Leserkommentare
  1. Wenn man sich nun schon mit boarischem Idiom schmücken will - dann aber bitte die "Grosskopferten" beim rechten Namen nennen, denn mit (Ab-)kupfern hat das nichts zu tun!
    Gschwoischädl sind die Vorstandsherren allemal, die meisten Spieler schon aus Herkunftsgründen nicht ...

    3 Leserempfehlungen
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    aber do der'ma uns ned owe. Des werd scho no.

  2. Danke, HeErr Spiller, dass Sie es mit dem Interviewartikel schaffen, viel Hysterie auch aus diesem Forum zu nehmen. Macht Spaß.
    Erlauben Si emir als Betroffenen aber darauf hinzuweisen..
    Wir sind "Großkopferte" nicht "Großkupferte".

    Wenn Sie mehr darüber wissen wollen, melden Sie sich. Kläre gern auf.

  3. aber do der'ma uns ned owe. Des werd scho no.

    Antwort auf "Grosskupferte?"
  4. >> Entweder wird der FC Bayern geliebt oder gehasst. <<

    ... mich doch in Frieden mit diesem Mist - gleich im ersten Satz wieder der Hass-Quatsch. Ich hasse nichts und niemanden, schon gar keine Fußballvereine und auch die Bayern nicht. Und ich will auch nicht, dass das permanent unterstellt wird. Bitte akzeptieren: der FC Bayern ist mir wumpe.

    Das ist wie mit dem lieben Gott. Der ist mir auch egal und lässt sich problemlos ignorieren - nur sein Bodenpersonal nervt gelegentlich. Im Fall des FC Bayern dadurch, dass es unbedingt gehasst werden will.

    So, und jetzt lese ich weiter, weil: Dortmund ist ja auch dabei :-)

    8 Leserempfehlungen
  5. ... oder bewusst gewähltes offenes Ende?

    Zum Glück stehen jetzt schon einige Kommentare unter dem Artikel, sonst wäre ich wirklich unbefriedigt entlassen.
    Auch wenn der Artikel bis zum fehlenden Schluss interessant und gut lesbar ist.

  6. ...warum der Fußball in Deutschland so einen großen Stellenwert hat.

    Das ist so ein Nonsens. Was da ein Theater drum gemacht wird. Als wenn es auf der Welt nichts Wichtigeres gäbe. Vor allem was da Geld mit gemacht wird.
    Jede Spendenorganisation wird da grün und blau vor Wut.

    Nur weil ein paar Typen mit dem IQ eines (weißen) Toastbrotes einen Ball über den Rasen kicken und dabei auch noch schön grinsen können... .

    Damit verdienen die Vereine und die Spieler Millionen...

    *verzweifel*

    Ich sehe es ja noch ein, dass man sich mal ein Länderspiel im FREE-TV (!) anschaut und mit seinem Land mitfiebert, aber was da abgeht... die Spieler der einzelnen Mannschaften kennen doch das "Ländle" in welchem sie spielen gar nicht. Kommt denn ein Spieler des FC Bayern oder des BVB wirklich aus Bayern oder Dortmund!?

    Zum verrückt werden...

    2 Leserempfehlungen
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    dann nehmen Sie es doch einfach locker mit einem Schulterzucken, dass es halt die Einen und die Anderen gibt.

    Sie jedoch diffamieren Spieler, die Sie gar nicht kennen. Reden über Dinge, von denen Sie augenscheinlich nichts verstehen.
    Sie stellen sich also über Andere. Sie haben die Weisheit - die Anderen nicht. Wenn Sie diese Haltung überdenken würden, bin ich mir sicher, bräuchten Sie im Leben weniger verzweifeln.

    Bleiben Sie doch einfach locker und ignorieren Sie den Mumpitz. Für Ihr Karma sicher die bessere Variante.

    Dann können Sie auch die Film-, Musik- und Belletristik dazuzählen und verurteilen.
    Aber lassen Sie mich raten, das ist Kunst und Kultur?

    Darf man sich nur noch mit den wichtigsten Sachen der Welt befassen? Und nur für die wichtigsten Sachen der Welt Emotionen empfinden?

    "Nur weil ein paar Typen mit dem IQ eines (weißen) Toastbrotes einen Ball über den Rasen kicken und dabei auch noch schön grinsen können... ."
    Ganz schön selbstbewusst sich über hunderte an Profisportlern lustig zu machen von denen Sie vllt 50 aus Interviews ein wenig "kennen".
    Nicht persönlich nehmen aber ich denke auch dort wird es den ein oder anderen geben der sich intellektuell mit mir und Ihnen messen könnte. ;)

    wie wenig Ahnung Sie haben.
    Von der verachtenswerten Pauschalisierung bzgl IQ und Toastbrot mal ganz zu schweigen.

    • Froanz
    • 24. Mai 2013 10:56 Uhr

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Argumenten. Danke, die Redaktion/ls

    ich bin ein bischen spät dran, hoffe serh, dass sie meinen post noch lesen werden.
    mir erscheint ihre meinung und einstellung sehr unrefklektiert und undifferenziert zu sein. jeder mensch hat doch leidenschaften, hobbys und interessen. was sind ihre, wie verbringen sie ihre freizeit, welche hobbys haben sie? selbst wenn sie nur bücher lesen sollten, findet man eine argurmentationskette, die ihre kritik am fußball 1:1 auf über buchliebhaberei übertragen ließe. das sie anscheinend nicht verstehen, dass menschen am fußball so viel haben, wie andere menschen an anderen leidenschaften, spricht nicht gerade für sie. wobei wir beim toastbrot wären...
    die immer noch weit verbreitete meinung, dass fußballspieler eine mindere intelligenz besäßen, ist schlichtweg produkt einer minderen intelligenz.
    menschen mit solcheiner meinung gehen davon aus, dass intelligenz das ist, was in einem IQ-test erhoben wird. ich bin mir darüber im klaren, dass sie ausdrücklich vom IQ sprechen; allerdings suggerieren sie damit offensichtlich eine niedere intelligenz.
    was glauben sie was da sgehirn eines profifußballers im spiel leisten muss?
    nichts? nur die muskeln arbeiten? wer trifft entscheidungen in raum und zeit in allerhöchster geschwindigkeit? spielen sie mal einen pass über 20 meter in den lauf eines rennenden spielers und dazu zwischen zwei gegenspielern hindurch in den freien raum. das ist gehirnhöchstleistung und enorme intelligenz! nur eben nicht in ihrem veralteten toastbrot-sinne.

  7. dann nehmen Sie es doch einfach locker mit einem Schulterzucken, dass es halt die Einen und die Anderen gibt.

    Sie jedoch diffamieren Spieler, die Sie gar nicht kennen. Reden über Dinge, von denen Sie augenscheinlich nichts verstehen.
    Sie stellen sich also über Andere. Sie haben die Weisheit - die Anderen nicht. Wenn Sie diese Haltung überdenken würden, bin ich mir sicher, bräuchten Sie im Leben weniger verzweifeln.

    Bleiben Sie doch einfach locker und ignorieren Sie den Mumpitz. Für Ihr Karma sicher die bessere Variante.

    3 Leserempfehlungen
  8. Dann können Sie auch die Film-, Musik- und Belletristik dazuzählen und verurteilen.
    Aber lassen Sie mich raten, das ist Kunst und Kultur?

    Darf man sich nur noch mit den wichtigsten Sachen der Welt befassen? Und nur für die wichtigsten Sachen der Welt Emotionen empfinden?

    "Nur weil ein paar Typen mit dem IQ eines (weißen) Toastbrotes einen Ball über den Rasen kicken und dabei auch noch schön grinsen können... ."
    Ganz schön selbstbewusst sich über hunderte an Profisportlern lustig zu machen von denen Sie vllt 50 aus Interviews ein wenig "kennen".
    Nicht persönlich nehmen aber ich denke auch dort wird es den ein oder anderen geben der sich intellektuell mit mir und Ihnen messen könnte. ;)

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