Der eine lebt in Obernzell bei Passau, hinter der Donau beginnt Österreich. Der andere in Osnabrück, die Niederlande sind nicht weit. Der eine verehrt den FC Bayern, den Klub der Großkopferten, gründete einen Fanklub namens Mia san mia und beschimpft oft die Münchner Löwen. 
Der andere liebt den BVB, den Klub aus dem Pott, hat ihn schon überall spielen sehen, nur nach Schalke fährt er nie, weil er denen nicht sein hartverdientes Geld schenken will. Außerdem hat er dort in den sechziger Jahren mal auf die Nase bekommen.

Andreas Öller und Bruno Reckers könnten verschiedener nicht sein. Und doch haben beide etwas gemeinsam. Sie werden mit dem Bus nach London fahren. Reckers wird zehn Stunden brauchen, Öller rechnet mit 16. Beide werden ihren Verein unterstützen, beim deutschen Champions-League-Finale am Samstag im Wembley-Stadion von London. 

ZEIT ONLINE: Warum sind die Dortmunder so beliebt und die Bayern so unbeliebt?

Andreas Öller: Es ist gut und schön, dass nicht die ganze Republik Bayern-Fan ist. Das wäre ja langweilig. Entweder wird der FC Bayern geliebt oder gehasst. Die 26 Prozent, die sich in Ihrer Umfrage für uns ausgesprochen haben, sind doch sehr gut.

ZEIT ONLINE: Sind Sie da ein wenig stolz drauf?

Öller: Was heißt stolz? Mia san Mia. Ich stehe zu meinem Verein, genauso wie der Kollege aus Dortmund zu seinem Verein stehen wird. 

Als er vier oder fünf Jahre alt war, so genau weiß er es nicht mehr, war Öller das erste Mal im Münchner Olympiastadion. Sein Onkel hatte ihn mitgenommen. Seit Mitte der Achtziger geht er regelmäßig hin, seit Anfang der Neunziger hat er kaum ein Spiel verpasst. Auch auswärts nicht. Wer wissen will, warum er Fan des FC Bayern München wurde, bekommt ein paar Gegenfragen an den Kopf geschmissen: "Haben Sie sich schon mal geschnitten? Geschnitten, also verletzt mit einem Messer? Und was passiert dann? Und welche Farbe hat das Blut? Sehen Sie!"
Andreas Öller meint das nicht ganz ernst, ein wenig aber schon. Blut steht auch für Leben, Kraft und Leidenschaft. So wie es eben ist, als Fan.

Bruno Reckers sah 1964 sein erstes Spiel im Stadion Rote Erde, was auch irgendwie nach Blut und Leben klingt. Im Westfalen-Stadion, das 1974 eingeweiht wurde, hat er bis heute nur zwei Dortmund-Spiele verpasst. Einmal – der BVB spielte noch in der zweiten Liga – wurde das Spiel kurzfristig um einen Tag vorverlegt, während Reckers beruflich in Frankreich zu tun hatte. Das andere Mal hatte er sich bei seiner Urlaubsplanung vertan. Er saß in Irland und zitterte von dort aus mit.

ZEIT ONLINE: Herr Reckers, können Sie damit leben, dass viele Ihren Verein derzeit so toll finden?

Bruno Reckers: Es gab mal eine Zeit, da war Dortmund einer der meistgehassten Vereine der Bundesliga. Damals, als sie mit dem Geld um sich geschmissen haben. Seit der Fast-Insolvenz sind sie einen ehrlichen, ruhigen Weg gegangen und haben dadurch auch viele Sympathien gewonnen. Da sind natürlich viele Modefans dabei.

Bruno Reckers hat etwa 2.000 Spiele seines Vereins gesehen. In ganz Europa. "Das hat mich ein Einfamilienhaus gekostet", sagt er. In Mostar, dem heutigen Bosnien-Herzegowina, wurde er 1987 schon auf der Treppe seines Hotels mit Steinen beworfen. "Das war da eben so üblich." Und als ihm sein Arbeitgeber, ein Gewürzgroßhändler, in diesem Jahr keinem Urlaub für das Spiel in Málaga gab, hat er auf seine Art reagiert. "Ich habe gestreikt und drei Wochen lang nur noch das Nötigste geredet."

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Andreas Öller hat 2002 nach dem Hochwasser von Passau den FC Bayern für ein Benefizspiel in die Stadt geholt. Er hat bei der Gelegenheit Uli Hoeneß getroffen und gleich zum ersten Ehrenmitglied seines Fanklubs gemacht. Später wurden es auch Ottmar Hitzfeld, Sebastian Deisler, Karl Hopfner. Es war nicht richtig, was Hoeneß jetzt gemacht hat, sagt Öller, aber das habe er ja auch schon zugegeben. Ansonsten steht er hinter ihm. "Wenn Uli Hoeneß straffrei bleibt, kann er natürlich Bayern-Präsident bleiben", sagt er. "Es ging ja nicht um die Gelder des FC Bayern."

ZEIT ONLINE: Der Götze-Transfer, ein heikles Thema, nicht wahr, Herr Öller?

Öller: Das finde ich nicht. Letztlich ist es die Entscheidung des Spielers. Nimmt er das Angebot an oder nicht. Ich sage auch ganz offen: Die Bayern-Fans stehen auch dem Götze-Transfer sehr kritisch gegenüber.

Reckers: Mir tat der Wechsel weh, weil Götze noch sechs Wochen vorher sagte, er kann sich vorstellen, auf ewig und drei Tage in Dortmund zu bleiben. Und dann auf einmal die Kehrtwende. Da kann aber der FC Bayern nichts dafür.