Ein Jahr nach dem Champions-League-Sieg hat der FC Chelsea im Europa-League-Finale gegen Benfica Lissabon einen historischen Triumph gefeiert. Dank der Mauer-Taktik des Vorjahrs und eines Last-Minute-Treffers von Branislav Ivanovic (90.+3) bezwangen die Londoner den aufopferungsvoll kämpfenden portugiesischen Rekordmeister glücklich.

Vor 46.163 Zuschauern in der Amsterdam Arena brachte Fernando Torres (59.) Chelsea in Führung, Óscar Cardozo (68.) erzielte per Handelfmeter den zwischenzeitlichen Ausgleich. Zehn Tage vor dem Showdown in der Champions League zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund hält Chelsea als erster Club die beiden wichtigsten kontinentalen Vereinstrophäen gleichzeitig. Benfica konnte hingegen seinen Euro-Fluch nicht beenden und verlor 51 Jahre nach dem Erfolg im Landesmeister-Pokal auch das siebte internationale Endspiel in Serie.

Die Chelsea-Führung verursachte eine tolle Einzelleistung von Fernando Torres, der sich im Lauduell gegen Ezequiel Garay durchsetzte und auch Benfica-Schlussmann Artur gekonnt aussteigen ließ. Doch als Chelseas Abwehrspieler Cesar Azpilicueta der Ball im Strafraum unglücklich an die Hand sprang, verwandelte Cardozo den fälligen Strafstoß zum Ausgleich.

Die Portugiesen zeigten von der ersten Minute an, dass sie sich in der Außenseiterrolle wohl fühlten. Benfica brachte die unaufmerksam wirkende Chelsea-Abwehr mit schnellen Kombinationen durcheinander. Unter der Regie von Enzo Perez auf der zentralen Mittelfeldposition dominierte die Elf von Jorge Jesus das Geschehen klar.. 

Im Abschluss präsentierte sich Benfica zudem alles andere als zielstrebig: Weder Cardozo (11.) noch Nicolas Gaitan (12.) brachten den Ball aus aussichtsreicher Position an Petr Cech an den Londonern vorbei.

Die Londoner brachten ähnlich wie vor Jahresfrist im Münchner Champions-League-Finale im Spiel nach vorne zunächst wenig Konstruktives zustande, anders als damals stand diesmal aber auch ihre Abwehr nicht. Kapitän Frank Lampard wurde zwar immer wieder als Anspielstation gesucht, bekam die Fäden aber nicht in die Hand. Langsam und bedächtig baute der Tabellendritte der Premier League auf und spielte den Portugiesen damit in die Karten. Auf ihren Routinier John Terry hatten die Londoner verzichten müssen. Wegen einer Knöchelverletzung blieb dem vor einem Jahr im Finale rotgesperrten Nationalspieler erneut nur die Zuschauerrolle.

Erst nach 38 Minuten geriet das Tor des portugiesischen Rekordchampions erstmals in Gefahr, doch Schlussmann Artur konnte Lampards Ball aus gut 20 Metern zur Ecke ablenken. Diese vergebene Schusschance schien den FC Chelsea allmählich aus seiner Lethargie zu wecken. Der von Coach Benitez überraschend ins Aufgebot berufene frühere Bundesligaprofi Marin fieberte auf der Bank mit, wartete aber bis zum Ende vergeblich auf seinen Einsatz.

Wer nach dem Seitenwechsel eine aktivere Chelsea-Mannschaft erwartet hatte, sah sich zunächst getäuscht. Benfica dominierte auch weiterhin das Spiel. In der 51. Minute wurde ein Kopfballtor von Cardozo nicht anerkannt, weil der Schütze knapp im Abseits stand. Nach Eduardo Salvio mit einem Kopfball (59.) an Cech gescheitert war, leitete der tschechische Torhüter mit einem weiten Abwurf das 1:0 für Chelsea ein. Hugo Mata verlängerte den Ball auf Torres, der sich von niemandem mehr aufhalten ließ.

Nach dem Ausgleich suchten beide Teams die Entscheidung. In der 81. Minute verhinderte Cech das Siegtor für Benfica, als er einen Cardozo-Schuss über die Latte lenkte. Zwei Minuten vor dem Ende setzte Lampard auf der Gegnseite einen Ball aus zwanzig Metern an die Latte. Den Siegtreffer übernahm dann Ivanovic.

Benfica Lissabon: Artur - André Almeida, Luisão, Garay (78. Jardel), Melgarejo (66. John) - Matic - Salvio, Pérez, Gaitán - Rodrigo (66. Lima) - Oscar Cardozo

FC Chelsea: Cech - Azpilicueta, Ivanovic, Cahill, Cole - David Luiz, Lampard - Ramires, Mata, Oscar - Torres

Schiedsrichter: Kuipers (Niederlande)

Zuschauer: 46.163

Tore: 0:1 Torres (59.), 1:1 Oscar Cardozo (68./Handelfmeter), 1:2 Ivanovic (90.+3)

Gelbe Karten: Garay, Luisão / Oscar

Beste Spieler: Oscar Cardozo, Pérez / Torres, Mata