Extremsportler Polli : Der durch den Felsen flog

Nur mit einem Fluganzug bekleidet stürzte sich Alexander Polli mit 250 Sachen durch ein winziges Felsloch. Ein Gespräch mit dem Internet-Helden über seinen Stunt

Gerade einmal 7 Meter misst das Nadelöhr am Roca Foradada, der "durchlöcherte Fels" in der Nähe von Barcelona, das der 27-jährige Italo-Norweger Alexander Polli vom Helikopter aus anpeilte. In 700 Metern Höhe und 700 Metern Entfernung sprang er ab und schoss mit 250 Sachen durch das Loch. Ein Fehler wäre tödlich gewesen. Im Internet zählt der Clip rund neun Millionen Clicks.

ZEIT ONLINE: Das Fliegen ist der älteste Traum der Menschheit. Woher kommt dieses Verlangen?

Alexander Polli: Der Wunsch zu fliegen ist tief in uns verankert. Jeder hat schon vom Fliegen geträumt und es als Kind vielleicht auch schon versucht. Nun hat uns die Technik soweit gebracht, dass wir mit der entsprechenden Ausrüstung und langem Training tatsächlich fliegen können. Dies zu erleben, macht mich zum glücklichsten Menschen der Welt und erfüllt mich mit Dankbarkeit.

ZEIT ONLINE: Sie sind mit dem Flug durch die Roca-Foradada-Höhle zur Internet-Berühmtheit geworden. Was bedeutet dieser Flug für Sie?

Polli: Jeder Flug ist ein Akt der Selbstverwirklichung. Ich hatte beim Fliegen nie die Öffentlichkeit im Sinn, sondern betreibe es für mich selbst.

ZEIT ONLINE: Wenn Sie die Höhle verfehlt hätten, wären Sie womöglich gestorben. Hat Sie das nicht nervös gemacht?

Polli: Ja, natürlich. Doch nachdem ich die Höhle eingehend studiert hatte, wusste ich, dass ich sie mit meinen Flugfähigkeiten meistern kann. Die Höhle stellte genau genommen keine zu große Schwierigkeit dar. Das einzige Hindernis waren in der Tat meine Bedenken.

ZEIT ONLINE: Nun haben Sie Ihre Treffsicherheit nicht nur sich selbst, sondern auch einem Millionenpublikum bewiesen. Wie fühlt sich das an?

Polli: Ich bin tief berührt von der großen Resonanz und die vielen Zuschriften. Dass mir der Erfolg des Films nun erlaubt, ein wenig Geld mit dem zu verdienen, was ich aus Leidenschaft tue, ist überwältigend.

ZEIT ONLINE: Wie finanzieren Sie Ihren Sport? Sie haben keinen Sponsor.

Polli: Ich habe noch keine besonders gute Lösung gefunden. Ich spiele Poker und bin darin recht erfolgreich.

ZEIT ONLINE: Glauben Sie, dass manche Extremsportler ein höheres Risiko eingehen, um ihre Sponsoren zu befriedigen?

Polli: Mit Sicherheit. Man muss sich nur ausrechnen, wie viele tausend Extremsportler es gibt und wie viele von denen etwas vom Kuchen abbekommen wollen. Aber wer des Geldes wegen ein solch hohes Risiko eingeht, tut dies aus dem falschen Grund. Sobald ein Vertrag an Bedingungen geknüpft wäre, käme er für mich nicht mehr infrage.

ZEIT ONLINE: Extremsport bedeutet auch Angst.Wie überwinden Sie sie?

Polli: Ich meditiere und mache viele Atemübungen. Wenn ich fliege, atme ich bewusst durch die Nase. Ich nehme jeden Atemzug genau wahr.

ZEIT ONLINE: Ist da noch ein Rest an Zweifel, wenn sie sich im Helikopter zum Absprung bereit machen?

Polli: Nein, dann bin ich absolut ruhig. Spätestens mit den Testflügen legen sich die Zweifel. In dem Moment, in dem ich in den Helikopter steige, glaube ich nicht nur, dass ich es schaffen kann. Ich bin felsenfest davon überzeugt. Nervosität, auch Angst kommen allenfalls einige Wochen vor dem Flug auf, wenn ich mir ein neues Ziel setze. So wie heute, als ich in die Berge gewandert bin, um mir eine neue Flugstrecke vorzunehmen.

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Kommentare

24 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Verstehe ich nicht....

"Stattdessen gefährdet er mit seinem Spektakel tausende anderer Wagemutiger, was ich verantwortungslos finde."

Was meinen Sie damit?

Unterm Strich denke ich, muss jeder selbst wissen, was er macht. Und die Leute, welche die Schulder mit "2013" gehalten haben, waren sich der Gefahr bewusst und wurden nicht dazu gezwungen. Dafür sind sie jetzt teil dieses Spektakels.

Bewundern muss man das nicht, aber ich verstehe jetzt auch nicht, was daran so schlimm sein soll...