Alex Ferguson : Der Sir und das F-Wort

Er war laut, aber herzlich. Sir Alex Ferguson, einer der erfolgreichsten Fußballtrainer der Welt, beendet seine außergewöhnliche Karriere. Von C. Spiller
Statue von Alex Ferguson vor dem Old Trafford in Manchester © Paul Ellis/AFP/Getty Images

Vielleicht können ja trockene Zahlen belegen, was Alex Ferguson so einmalig macht. Seit 27 Jahren trainiert er Manchester United, einen der besten Vereine der Welt. Andere Klubs ähnlicher Größenordnung haben in dieser Zeit 18 Trainer verschlissen (Bayern München) oder 14 (AC Mailand) oder gar 26 (Real Madrid). Auch 49 Titel, insgesamt 2.152 Siege sowie unzählige persönliche Ehrungen, darunter die des Premier-League-Trainers des Jahrzehnts, sprechen für sich.

Vielleicht sind es aber auch die Geschichten. Wie er vor Wut in der ManUnited-Kabine einen Fußballschuh trat, der dem schönen David Beckham eine Platzwunde über dem linken Auge einbrachte, die mit zwei Stichen genäht werden musste. Wie er das Training seiner Mannschaft aus einer dunklen Limousine heraus beobachtete, um unerkannt zu bleiben. Wie er eine wilde Hausparty von United-Spielern einfach beendete, weil er wie der Lehrer auf Klassenfahrt plötzlich in der Tür stand.

Oder seine Sprüche: "Ich bin ein so verdammt talentierter Kerl. Vielleicht fange ich an zu malen oder so was", sagte er einmal, "Pippo Inzaghi wurde im Abseits geboren" ein anderes Mal. Seine Phrase "squeaky-bum time", was so viel heißt wie "Zeit des quietschenden Hinterns" und die engen letzten Spieltage einer Saison bezeichnet, schaffte es sogar ins altehrwürdige Oxford Dictionary.

Es ist das Gesamtkunstwerk Alex Ferguson, das bleiben wird. Das des Sohnes eines schottischen Werftarbeiters, der schon zu Lebzeiten eine Statue vor dem Old Trafford bekam. Das des Maschinenbauers, der von der Queen zum Ritter geschlagen wurde.

Sir Alex Ferguson machte Manchester United zu einer Weltmarke. Das Who is Who des Fußballs ging durch seine Hände: Cristiano Ronaldo, David Beckham, Ryan Giggs, Paul Scholes, Ruud van Nistelrooy, Erik Cantona, Wayne Rooney, Edwin van der Saar. Ebenso 13 englische Meistertitel, fünf FA-Cup-Siege, zwei Champions-League-Titel, darunter – kein Bayern-Fan könnte das vergessen – das Wunder von Barcelona 1999.

Aber wie machte er das?

Ferguson selbst sagte einmal, Macht und Kontrolle seien seine wichtigsten Werkzeuge. Schon früh erwarb er sich den Spitznamen "der Föhn", weil er es verstand, Fußballer aus etwa zwei Zentimetern Entfernung heftig anzubrüllen. "Er kann die Haare eines ganzen Bataillons trocknen", sagte Ryan Giggs. Das hört sich irgendwie gestrig an, verfehlte aber seine Wirkung nicht.

Fergusons Ausbrüche waren keinesfalls Selbstzweck. Der Schotte wollte seine Spieler testen, wollte schauen, ob sie Mumm in den Knochen haben. Nur so konnte es funktionieren. Ferguson tat alles für den Erfolg. Das verlangte er auch von seinen Spielern. In seinem ersten Jahr in Manchester, so wird erzählt, beschäftigte er Spitzel in der ganzen Stadt, die ihm berichteten, wenn mal wieder einer seiner Akteure in einer Kneipe gesichtet wurde.

Seine größte Leistung war es, immer auf der Höhe zu sein. Trotz aller Autorität hatte er die Fähigkeit, sich anzupassen. Der Fußball, der zu Beginn seiner Trainertätigkeit 1974 in Schottland gespielt wurde, war eine Sache. Mit dem Spektakel, das die Premier League, die durchkommerzialisierteste Liga der Welt, heute bietet, hat er wenig gemein. Ferguson-Fußball aber war immer modern. Nicht nur, weil er erfolgreich war.

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Kommentare

7 Kommentare Kommentieren

Respekt

Alex Ferguson, ein wahrlich beeindruckender Trainer, dessen Leistung unbestritten von allen Seiten anerkannt wurde und wird. Seine Herkunft schimmerte in der Wortwahl gegenüber der Presse sicher immer wieder durch, aber gerade der raue Ton und die entsprechend autoritäre Art der Menschenführung waren sein Erfolgsgeheimnis. Loyalität und strenge Disziplin prägen seinen Führungsstil und ein Jose Mourinho scheint mir vieles von ihm abgekuckt zu haben.

2 EuropapokalTitel in 26 Jahren

ist immer noch weniger als 3 in 9.

SAF, definitiv nicht der beste Coach aller Zeiten.

In den ersten drei Jahren hat er überhaupt nichts gewonnen, eins dürfte klar sein, das wird seinem Nachfolger nicht gegönnt. Das wird in keinem der Top Clubs einen Trainer je wieder passieren dürfen, und wenn er überall ständig Platz 2 macht.