Fifa-Kongress auf MauritiusMit Blatter plauschen, die Fifa reformieren oder Kitesurfen

Auf Mauritius trifft sich Sepp Blatter mit den Fifa-Bossen. Sie wollen die große Reform des Fußballverbandes umsetzen. Oder was davon übrig geblieben ist. von 

Ein Golfplatz auf Mauritius

Ein Golfplatz auf Mauritius  |  © Phil Inglis/Getty Images

Mauritius, was machen die denn da?

Die Chefriege der Fifa, das Fifa-Exekutivkomitee und die Vertreter aller Mitgliedsverbände, trifft sich seit Donnerstag auf Mauritius zum Kongress. Erstens, weil sich die Fußballchefs fast aller Herren Länder sowieso jährlich auf einem großen Kongress zum Plausch treffen. Und zweitens, weil die Fifa angeführt von ihrem Präsidenten Sepp Blatter inzwischen sogar selbst begriffen hat, dass sie nach vielen Korruptionsfällen ein Problem hat. Der Verband und ihr Ober-Boss kommen nicht mehr gut an in der Welt. Auf Mauritius sollen nun vermeintlich wichtige Teile der großen Fifa-Reform beschlossen werden. Natürlich soll diese Nachricht sodann auch in die weite Fußballwelt getragen werden. Das wiederum soll zur Image-Verbesserung führen.

Wieso ist Sepp Blatter immer noch dabei?

Blatter ist 77 Jahre alt und ein Tänzer. Angeblich soll er jeden Morgen nach dem Aufstehen über den Boden schweben. So macht er das seit Ewigkeiten. Seit fast 40 Jahren arbeitet er für die Fifa, seit 15 Jahren als ihr Präsident. Und ja, trotz allen Schmiergeldaffären, Geldkoffer-Aktionen und sonstigen Schweinereien tanzt er seit seiner umstrittenen Wiederwahl im Jahr 2011 wieder ziemlich sicher durchs Amt. Selbst den vielleicht größten Betrugsskandal der Sportgeschichte hat er überstanden. Die Firma ISL hatte in den Neunzigern mehr als 100 Millionen Euro Schmiergelder an Mitglieder der Fifa und des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gezahlt, um TV-Rechte zu bekommen. Es ist nachgewiesen, dass Blatter von den Korruptionszahlungen an Fifa-Mitarbeiter wusste, Konsequenzen für ihn persönlich hat das jedoch nicht.

Anzeige

Was an der Fifa-Reform ist denn nun Reform?

Fragt man die Fifa dazu offiziell, wird man mit Papieren, Grafiken, Beschlüssen überhäuft. Sogar ein eigenes TV-Studio hat der Verband inzwischen, um eigene PR-Botschaften zu verbreiten. Herzstück der Reform ist demnach die sogenannte Ethik-Kommission unter der Leitung des Basler Strafrechtsprofessors und Compliance-Experten Mark Pieth; er soll der Fifa ihre Korruptionsanfälligkeit austreiben. Die Ethik-Kommission ist in zwei "unabhängige" Kammern aufgeteilt: Für die Exekutive verpflichtete Blatter den US-Staatsanwalt Michael Garcia, der "unabhängig" ermitteln soll. Für die Judikative verpflichtete er den Münchner Richter Hans-Joachim Eckert, der "unabhängig" über die Ermittlungsergebnisse von Garcia urteilen soll. Ganz praktisch kann das so funktionieren: Wenn sie einen Verstoß gegen den Neuen Code of Ethics bei einem Fifa-Funktionär bemerken, wenden Sie sich an diese Adresse.
Fifa, Untersuchungskammer der Ethikkommission, Michael J. Garcia, Straße 20, Postfach 8044 Zürich
per E-Mail: ethics@fifa.org
per Telefax: 41 43 222 77 06

Danach hoffen Sie einfach, dass die Fifa das Problem selbst löst.

Leserkommentare
  1. IOC, FIFA und Welt-Radverband und wie sie alle heissen... sind aus demselben Holz geschnitzt. Alle korrupt - die Sportler müssen es büßen und die Zuschauer und Fans lassen sich verarschen.

    Und Blatter denkt wirklich was er sagt.

    Zu diesem Kommentar würde er sagen:
    "Aus einem edlen Holz geschnitzt zu sein, ist nicht das Schlechteste, was man mir vorwerfen kann."

  2. 2. [...]

    Entfernt. Bitte setzen Sie sich argumentativ mit den Inhalten des Artikels auseinander statt Spekulationen anzustellen. Danke, die Redaktion/jk

  3. Es wird höchste Zeit, das Englische mit dem Verb "to blatter" zu bereichern.

    Analog auf deutsch natürlich 'blattern'.

    Die Bedeutung brauche ich wohl nicht weiter zu erklären...

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service