Mauritius, was machen die denn da?

Die Chefriege der Fifa, das Fifa-Exekutivkomitee und die Vertreter aller Mitgliedsverbände, trifft sich seit Donnerstag auf Mauritius zum Kongress. Erstens, weil sich die Fußballchefs fast aller Herren Länder sowieso jährlich auf einem großen Kongress zum Plausch treffen. Und zweitens, weil die Fifa angeführt von ihrem Präsidenten Sepp Blatter inzwischen sogar selbst begriffen hat, dass sie nach vielen Korruptionsfällen ein Problem hat. Der Verband und ihr Ober-Boss kommen nicht mehr gut an in der Welt. Auf Mauritius sollen nun vermeintlich wichtige Teile der großen Fifa-Reform beschlossen werden. Natürlich soll diese Nachricht sodann auch in die weite Fußballwelt getragen werden. Das wiederum soll zur Image-Verbesserung führen.

Wieso ist Sepp Blatter immer noch dabei?

Blatter ist 77 Jahre alt und ein Tänzer. Angeblich soll er jeden Morgen nach dem Aufstehen über den Boden schweben. So macht er das seit Ewigkeiten. Seit fast 40 Jahren arbeitet er für die Fifa, seit 15 Jahren als ihr Präsident. Und ja, trotz allen Schmiergeldaffären, Geldkoffer-Aktionen und sonstigen Schweinereien tanzt er seit seiner umstrittenen Wiederwahl im Jahr 2011 wieder ziemlich sicher durchs Amt. Selbst den vielleicht größten Betrugsskandal der Sportgeschichte hat er überstanden. Die Firma ISL hatte in den Neunzigern mehr als 100 Millionen Euro Schmiergelder an Mitglieder der Fifa und des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gezahlt, um TV-Rechte zu bekommen. Es ist nachgewiesen, dass Blatter von den Korruptionszahlungen an Fifa-Mitarbeiter wusste, Konsequenzen für ihn persönlich hat das jedoch nicht.

Was an der Fifa-Reform ist denn nun Reform?

Fragt man die Fifa dazu offiziell, wird man mit Papieren, Grafiken, Beschlüssen überhäuft. Sogar ein eigenes TV-Studio hat der Verband inzwischen, um eigene PR-Botschaften zu verbreiten. Herzstück der Reform ist demnach die sogenannte Ethik-Kommission unter der Leitung des Basler Strafrechtsprofessors und Compliance-Experten Mark Pieth; er soll der Fifa ihre Korruptionsanfälligkeit austreiben. Die Ethik-Kommission ist in zwei "unabhängige" Kammern aufgeteilt: Für die Exekutive verpflichtete Blatter den US-Staatsanwalt Michael Garcia, der "unabhängig" ermitteln soll. Für die Judikative verpflichtete er den Münchner Richter Hans-Joachim Eckert, der "unabhängig" über die Ermittlungsergebnisse von Garcia urteilen soll. Ganz praktisch kann das so funktionieren: Wenn sie einen Verstoß gegen den Neuen Code of Ethics bei einem Fifa-Funktionär bemerken, wenden Sie sich an diese Adresse.
Fifa, Untersuchungskammer der Ethikkommission, Michael J. Garcia, Straße 20, Postfach 8044 Zürich
per E-Mail: ethics@fifa.org
per Telefax: 41 43 222 77 06

Danach hoffen Sie einfach, dass die Fifa das Problem selbst löst.