Fifa und FuentesZwei bittere Urteile für den Sport

Ein mildes Urteil für Fuentes, ein Freispruch der Ethikkommission für Blatter. Für den Sport scheinen immer noch andere Gesetze zu gelten, kommentiert Oliver Fritsch. von 

FIFA-Präsident Joseph Blatter lächelt wärend der Frauenfußball-WM (Archivbild).

FIFA-Präsident Joseph Blatter lächelt wärend der Frauenfußball-WM (Archivbild).  |  ©Andreas Gebert/dpa

Der Dienstag war ein schwarzer Tag für den sauberen Sport. Er erlitt gleich an zwei Fronten juristische Niederlagen. Zum einen ging der Prozess gegen Eufemanio Fuentes zu Ende. Zwar wurde der spanische Doping-Arzt immerhin zu einem Jahr Haft, wohl auf Bewährung, und vier Jahren Berufsverbot verurteilt. Doch gleichzeitig verweigerte die Richterin der Welt-Anti-Doping-Agentur Einsicht in die Blutbeutel, die Fuentes gelagert hatte. Seine Kunden können aufatmen.

Zum zweiten stellte die Ethikkommission im Fall des Fifa-Präsidenten Joseph Blatter keine Verstöße gegen Ethikregeln fest. Im ISL-Fall ging es um den größten Bestechungsskandal der Sportgeschichte. Von 1989 bis 2001 ließen sich Sportfunktionäre der Fifa und des Internationalen Olympischen Komitees bei Verhandlungen über Fernseh- und Vermarktungsrechte mit umgerechnet insgesamt 115 Millionen Euro schmieren. Das belastet bis heute den Sport. Die Reform der Fifa ist endgültig gescheitert, Beobachter sprechen von einer großen Enttäuschung.

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Dass Blatter, der seit drei Jahrzehnten die Fifa mitregiert, unter den Geldempfängern ist, gilt als unwahrscheinlich. Doch trägt er eine politische Mitverantwortung für den Sumpf, auch weil er in mindestens einem Fall Mitwisser war und dennoch über ein Jahrzehnt lang dazu schwieg. Sein Vorgänger João Havelange, der sich das Geld im Jahr 1997 überwiesen ließ, trat nun als Fifa-Ehrenpräsident zurück. Blatter, der im Verdacht steht, durch Stimmenkauf an die Macht gekommen zu sein, hätte es längst tun müssen. 

Wieder wurden also zwei Chancen vertan, über Korruption und Betrug im Sport umfassend aufzuklären. Der Sport hat meist kein Interesse an Selbstreinigung. Umso bitterer sind die beiden Urteile, denn sie wurden von unabhängigen Richtern getroffen. Doch beide förderten so gut wie nichts ans Tageslicht, was nicht ohnehin schon bekannt gewesen war. Teilweise blieben sie mit ihren Ergebnissen sogar dahinter zurück.

Oliver Fritsch
Oliver Fritsch

Oliver Fritsch ist Redakteur im Ressort Sport bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Der Münchner Strafrichter Hans Joachim Eckert schloss die ISL-Akte der Fifa, obwohl er nicht weiß, wo große Teile des Schmiergelds (fast 100 Millionen Euro) geblieben sind. Vermutlich sind einige Adressaten noch im Amt und können weiter Geld einstecken, das dem Fußball zugutekommen soll. Die spanische Richterin Julia Patricia Santamaría lehnte während des Prozesses Fuentes' Angebot ab, die Namen der Fußballer und Leichtathleten zu nennen, die er zum Erfolg dopte.

Die Verlierer, die Anständigen im Sport, dürfen sich derweil fragen: Würde die Justiz auch gegenüber Personen aus anderen Bereichen solche Milde walten lassen? Offenbar gelten für den Sport andere Gesetze, offenbar verleiht er seinen Herrschern einen moralischen Schutzschirm.


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Leserkommentare
  1. Was in der spanischen Richterin vorgegangen sein mag, kann wohl niemand erklären. Wo ist hier der Wille zur Aufklärung??

    Aber auch der deutsche Strafrichter hat sich nicht mit Ruhm bekleckert. Ging er doch allen schwerwiegenden Fragen aus dem Weg.

    Aber am allerschlimmsten finde ich, das man als einfacher Bürger das Vertrauen an Recht und Gesetz verliert, wenn Systemabzocker immer wieder ungeschoren davon kommen.

    5 Leserempfehlungen
  2. Vor 40 Jahren wurde in dem Watergateskandal der Spruch kreiert: "Just follow the money!"
    Hoeneß 20m, Blatter 100m, Griechenland Steuer und Gambling, Fuentes Doping bei Rad UND Fußball, man frage nur Breitner.
    Wir, die Welt, mit dem Außenminister Kerry und dem Geld des Heinz-Deals, wir leben in einer Ketchup-Welt!
    Egal was darunter ist, gesundes Essen, Korruption, Veruntreuung, Geld.., man macht Ketchup drüber und alles ist gleicher.
    International in Spanien, Schweiz, Regularien nicht zum Trotz verläuft das meißte im Sande.
    Wie kann die WM in Qatar landen. Igitt!
    In Deutschland sind wir oft, zu Recht, päpstlicher als.....
    Um all diese Ketchup-Diplomatie im Fußball, Steuer, Doping international aufzudecken....

    "Just follow the money!"

    Eine Leserempfehlung
    • hairy
    • 01. Mai 2013 20:58 Uhr

    Erschreckende Volksgruppen jubeln und glotzen trotzdem weiter, und Sponsoren stehen trotzdem Schlange.

    3 Leserempfehlungen
  3. Was wäre, wenn die Verdächtigen nicht Hoeneß, Blatter oder Fuentes sondern Voith, Kleinschmidt oder Karges heißen würden? Die Nachricht wäre keine Zeile wert und niemand würde auch nur einen Gedanken daran verschwenden, ob die Behandlung, Verurteilung oder was auch immer gerecht, angemessen oder überzogen wären. Weder Hoeneß noch Blatter oder Fuentes wird am Ende etwas oder etwas erhebliches passieren. Dies wird wiederum kaum jemand überraschen. "Nihil tam munitum quod non expugnari pecunia possit."

    2 Leserempfehlungen
  4. ... und sonst gar nichts. Einen grundsätzlichen Unterschied zu Catcher-"Wettkämpfen" vermag ich nicht zu erkennen; im Gegensatz zu den ansonsten wesensähnlichen Gladiatorenkämpfen der Antike geht es immerhin unblutig und meist nicht letal zu.

    Über diesen zivilisatorischen Fortschritt sollte man sich zunächst einmal freuen.

    Die auch ohne Doping-Substanzen gesundheitsgefährdende und zeitfressende Knochenmühle, in die sich die Athleten begeben, zum Vorbild für die Jugend zu stilisieren, ist nicht weniger absurd als seinen Sprösslingen eine Karriere in einer Trash Metal Band anzuempfehlen. Letztere kommt zumindest ohne Doppelmoral aus - ich erinnere mich noch gut an die Kampagne "Keine Macht den Drogen", die in den Neunziger Jahren Größen wie Christoph Daum und Jan Ullrich zur Werbung für eine cleane Jugend einspannte.

    Eine Leserempfehlung
  5. Fuentes, Blatter, Hoeneß, Armstrong und was noch so den Sport mißbraucht um reich und mächtig zu werden. Diese Marketing-Maschine Sport kann mir ein für alle mal gestohlen bleiben. Leid tut es mir nur um die wahrhaften Sportler und ihr Anhänger die durch diesen Mißbrauch zu Statisten und Zahlvieh herabgesetzt werden.

    3 Leserempfehlungen
  6. "obwohl er nicht weiß, wo große Teile des Schmiergelds (fast 100 Millionen Euro) geblieben sind." vielleicht weiß er es ja ganz genau...

  7. 8. Sport?

    Das ist eine Unterhaltungsindustrie und Tummelplatz für Werbende. Wollen Sie Sport, so müssen Sie ihn schon selber treiben.
    Wollen Sie dennoch lieber am Fernseher bleiben, so sagen Sie am besten nichts, schalten Sie Ihr Bewusstsein ab, und genießen Sie.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Joseph Blatter | Fifa | IOC | Ethikkommission | Richter | Sportfunktionär
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