Russlands Präsident Wladimir Putin (l.), dahinter FIFA-Präsident Sepp Blatter und UEFA-Präsident Michel Platini © Alexander Demianchuk/Reuters

Wenn am Samstag Bayern München gegen Borussia Dortmund das wichtigste Spiel des Klubfußballs austragen, werden ihnen vermutlich mehr als 300 Millionen Menschen auf der ganzen Welt zuschauen. Das ist nicht nur ein Erfolg für den deutschen Fußball, sondern auch für Gazprom. Russlands Erdgasgesellschaft ist seit dieser Saison einer der Hauptsponsoren der Europäischen Fußball-Union (Uefa), ihre Werbebanden werden wie in jedem Champions-League-Spiel nicht zu übersehen sein.

Gazprom ist ein umstrittener Partner, der regierungsnahe Konzern ist das wirtschaftliche und politische Werkzeug des russischen Präsidenten Wladimir Putins, sein Marketing-Instrument und Geldesel, der verlängerte Arm des Kreml. Und der Sport ist ein Vehikel, um Gazprom im Westen bekannter und beliebter zu machen. Daher knüpft das Gasunternehmen sein Sportnetz immer enger, vornehmlich zum Fußball.

Schalke wirbt seit 2007 für russisches Gas, als Gegenleistung erhält der Klub inzwischen geschätzt sechzehn Millionen Euro im Jahr. Franz Beckenbauer, der Ehrenpräsident Bayern Münchens, ist Sportbotschafter Gazproms. Mit dem Champions-League-Sieger 2012 und Europa-League-Sieger 2013 Chelsea besteht eine Partnerschaft, ebenso mit Roter Stern Belgrad und Zenit St. Petersburg. Auch Bayern München verhandelt mit Gazprom über ein Sponsoring oder tat das zumindest

"Wie sich die Fußballfunktionäre einkaufen lassen, ist extrem traurig", sagt Viola von Cramon, die sportpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag. Sie kritisiert, Uefa und die Vereine nähmen das russische Geld gerne,  hielten sich aber aus Menschenrechtsfragen heraus. 

Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International rügt im aktuellen Jahresbericht Russlands Regierung. Etwa dafür, dass sie willkürlich gegen Nichtregierungsorganisationen vorgeht. Im März erlebte die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung in St. Petersburg eine Razzia, kurz hatte es eine bei der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung in Moskau gegeben.

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Putin setzt der Demokratie enge Grenzen. Er hat die Demonstrationsfreiheit eingeschränkt. Oppositionelle müssen um ihre Freiheit und ihr Leben fürchten. Die Justiz urteilt nicht unabhängig und veranstaltet Schauprozesse. Mit Gaspreisen setzt Putin Außenpolitik durch. Zudem stützt Russland das syrische Assad-Regime. "Die Vertreter des Fußballs verschließen vor dieser Entwicklung ihre Augen", sagt von Cramon, "und verspielen auf unbeholfene Art seine Glaubwürdigkeit".

Es gibt aber auch andere Stimmen. "Warum soll man vom Sport etwas erwarten, was man von der Wirtschaft und der Politik nicht erwartet?", fragt Guido Tognoni, ein ehemaliger Funktionär des Weltfußballverbands Fifa. Er verweist auf die wirtschaftlichen Beziehungen mancher deutscher Unternehmen nach Russland. So sind etwa BASF und E.on Partner Gazproms. Und ehemalige deutsche Politiker arbeiten im Auftrag Gazproms, allen voran Gerhard Schröder