Fußballsponsor GazpromIst die Champions League ein Helfershelfer Putins?

Champions-League-Sponsor Gazprom ist ein Werkzeug des russischen Präsidenten. Menschenrechtler kritisieren ihn, die Funktionäre interessiert das nicht. Von Oliver Fritsch von 

Russlands Präsident Wladimir Putin (l.), dahinter FIFA-Präsident Sepp Blatter und UEFA-Präsident Michel Platini

Russlands Präsident Wladimir Putin (l.), dahinter FIFA-Präsident Sepp Blatter und UEFA-Präsident Michel Platini  |  © Alexander Demianchuk/Reuters

Wenn am Samstag Bayern München gegen Borussia Dortmund das wichtigste Spiel des Klubfußballs austragen, werden ihnen vermutlich mehr als 300 Millionen Menschen auf der ganzen Welt zuschauen. Das ist nicht nur ein Erfolg für den deutschen Fußball, sondern auch für Gazprom. Russlands Erdgasgesellschaft ist seit dieser Saison einer der Hauptsponsoren der Europäischen Fußball-Union (Uefa), ihre Werbebanden werden wie in jedem Champions-League-Spiel nicht zu übersehen sein.

Gazprom ist ein umstrittener Partner, der regierungsnahe Konzern ist das wirtschaftliche und politische Werkzeug des russischen Präsidenten Wladimir Putins, sein Marketing-Instrument und Geldesel, der verlängerte Arm des Kreml. Und der Sport ist ein Vehikel, um Gazprom im Westen bekannter und beliebter zu machen. Daher knüpft das Gasunternehmen sein Sportnetz immer enger, vornehmlich zum Fußball.

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Schalke wirbt seit 2007 für russisches Gas, als Gegenleistung erhält der Klub inzwischen geschätzt sechzehn Millionen Euro im Jahr. Franz Beckenbauer, der Ehrenpräsident Bayern Münchens, ist Sportbotschafter Gazproms. Mit dem Champions-League-Sieger 2012 und Europa-League-Sieger 2013 Chelsea besteht eine Partnerschaft, ebenso mit Roter Stern Belgrad und Zenit St. Petersburg. Auch Bayern München verhandelt mit Gazprom über ein Sponsoring oder tat das zumindest

"Wie sich die Fußballfunktionäre einkaufen lassen, ist extrem traurig", sagt Viola von Cramon, die sportpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag. Sie kritisiert, Uefa und die Vereine nähmen das russische Geld gerne,  hielten sich aber aus Menschenrechtsfragen heraus. 

Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International rügt im aktuellen Jahresbericht Russlands Regierung. Etwa dafür, dass sie willkürlich gegen Nichtregierungsorganisationen vorgeht. Im März erlebte die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung in St. Petersburg eine Razzia, kurz hatte es eine bei der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung in Moskau gegeben.


Putin setzt der Demokratie enge Grenzen. Er hat die Demonstrationsfreiheit eingeschränkt. Oppositionelle müssen um ihre Freiheit und ihr Leben fürchten. Die Justiz urteilt nicht unabhängig und veranstaltet Schauprozesse. Mit Gaspreisen setzt Putin Außenpolitik durch. Zudem stützt Russland das syrische Assad-Regime. "Die Vertreter des Fußballs verschließen vor dieser Entwicklung ihre Augen", sagt von Cramon, "und verspielen auf unbeholfene Art seine Glaubwürdigkeit".

Es gibt aber auch andere Stimmen. "Warum soll man vom Sport etwas erwarten, was man von der Wirtschaft und der Politik nicht erwartet?", fragt Guido Tognoni, ein ehemaliger Funktionär des Weltfußballverbands Fifa. Er verweist auf die wirtschaftlichen Beziehungen mancher deutscher Unternehmen nach Russland. So sind etwa BASF und E.on Partner Gazproms. Und ehemalige deutsche Politiker arbeiten im Auftrag Gazproms, allen voran Gerhard Schröder

Leserkommentare
  1. 1. Huch!

    "Der Champions-League-Sponsor ist ein Werkzeug des russischen Präsidenten, den Menschenrechtler kritisieren."

    Was hat er denn getan?
    Gibt er diesem Präsidenten "eine Bühne"?!

    Womöglich "ungefiltert" in freien vielfältigen blühenden Medienlandschaften?!
    http://www.fr-online.de/p...

    Unerhört! ;)

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    • AndreD
    • 24. Mai 2013 22:42 Uhr

    "Von.... Leuten wie Uli Hoeneß wünsche ich mir mehr Kritik an Gazprom und seinem Engagement im Sportbusiness."

    Da musste ich wirklich kichern...

    Um es kurz zu Erklären: Adidas stellt (oder: lässt herstellen) seine Produkte in Sweatshops in Asien her, teilweise in Staaten, deren demokratischer Charakter mindestens zweifelhaft ist und nimmt vom ehemaligen AdidasChef 10 Mio als Geschenk an. Gleichzeitig läuft sein Klub mit diesen unter sklavenähnlichen Zuständen gefertigten Produkten durch ganz Europa und verfeinert sie durch das Bayernemblem.

    Wofür soll der (ehem.) Saubermann die russische Firma Gazprom kritisieren?

  2. Sie interessieren sich nicht für Politik. Sie interessieren sich nicht für die Welt außerhalb ihrer Leidenschaft Fußball. Wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Die Fun ktionäre deshalb weil die ihre Geschäfte nicht gefährden wollen und die Fans weil sie ihre heile Fußballwelt nicht in Frage stellen wollen. Das Ganze grenzt an Realitätsverweigerung auf allen Seiten. Ich bin davon überzeugt: Es wird Zeiten geben, da wird man über den Fußball Hype der letzten 10 Jahre nur den Kopf schütteln und wird sich fragen, wie die Menschen angesichts der wirklichen Probleme dieser Welt so blin und so naiv sein konnten.

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    Ich hoffe es.

    "Das Ganze grenzt an Realitätsverweigerung auf allen Seiten." Sie haben völlig Recht. Und auf Seiten der Funktionäre v.a. Kalkül.
    Aber Ihren Optimismus teile ich nicht. Ich denke, wir bewegen uns eher auf eine Art "Idiocracy"-Szenario zu...

  3. So gerne wir den Sport mögen, bei Wettbewerbern jeder Art mitfiebern, eines sollten wir auf dem Radar haben: Es geht um Geld, es geht immer um sehr viel Geld. Und leider wird sich an der fortscreitenden Kommerzialisierung und damit auch einhergehend der Politisierung nichts verändern lassen. Die wirklichen Liebhaber und Anhänger des Sports bewegen sich auf einer komplett anderen Ebene als die die diversen Sportarten beherrschenden Mächtigen. Das war, ist und wird auch zukünftig so bleiben. Und kein Gutmensch wir daran etwas ändern, denn unser Einfluss ist mehr als begrenzt. Denn wir haben nicht die geringste Möglichkeit der Veränderung. Oder schalten wir die Fernsehgeräte aus, gehen nicht ins Stadion und lassen wir die Devotionalien der Vereine/Sportler in den Geschäften?
    Vergessen wir's einfach!

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    Dann sieht man Frau Kanzlerin doch nicht. Ausserdem hat die Dame alles im Griff und wird das schon regeln - oder doch umgekehrt ?

    "Und kein Gutmensch wir daran etwas ändern, denn unser Einfluss ist mehr als begrenzt. Denn wir haben nicht die geringste Möglichkeit der Veränderung"
    ----------------
    Andersrum ist es: Wir haben ALLE Möglichkeiten, allerdings nur im Kollektiv. So ist es am Ende jeder selbst, der mit sich ausmachen muss, ob er dieses Gebahren durch Teilnahme unterstützt oder nicht.

  4. "fordert hingegen von Cramon." Wer ist das, diese Grünen-Dame? Muss die sich vor der Wahl noch bekannt machen und benutzt jetzt das CL-Finale zum Rundumschlag? Und Herr Fritsche lässt sich dafür vor den Karren spannen! Dazu sollte sich ZON zu schade sein und Herrn Fritsche kann man nur raten, siehe Überschrift!!! Oder fühlt er sich nun auch zu größerem berufen? Ich fass es nicht, wofür der Fußball alles herhalten muss. freuen wir uns auf ein tolles Finale un gut is!!!!

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    • Rhuo
    • 24. Mai 2013 20:13 Uhr

    Die heile Fußballwelt ist in Ordnung. Da Hinterzieht niemand steuern und keiner lässt sich bestechen... Niemand manipuliert Spiele... neeeein.

    Sie haben einen sehr demokratischen Umgang mit Problemen.

    "freuen wir uns auf ein tolles Finale un gut is!!!!"

  5. "Dürfen Demokraten Geschäfte mit Diktatoren und Gewaltherrschern machen, ohne ihre eigenen Werte zu verraten?"

    Eine diesbezüglich sinnvolle Frage könnte sein, in welchem Maße Demokraten die Werte ihrer Demokratien verraten haben, in Bezug auf ihren Amtseid.

    "Viele deutsche Unternehmen und Politiker fanden lange einen Weg, sie zu bejahen."

    Die Interpretation dessen, was ein Amtseid bedeutet, hat durchaus erstaunliche Ergebnisse zu Tage gebracht.

    "Doch damals stand die Mauer noch."

    Und damals hatte Deutschland wohl auch noch Geld zu verschenken.

    ---

    Es gibt viele Fragen.
    Beispielsweise könnte sich nach der Lektüre mancher Artikel auch einmal die Frage stellen, wie tief sich mancher Demo-krat eine entsprechend gefärbte Wollmütze ins Gesicht gezogen hat.

    Und aus welchen Grün
    den.
    ;)

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  6. Fußball ist unpolitisch! Sport kümmert sich um Sport und Politik um Politik. So sollte es i.d.R. sein. Ausnahmen gibt es zwar (z.B. Bundeswehrsportförderung, Sportausschuss), aber sonst soll sich doch jeder bitte um das seine kümmern. Sponsoring gibt es nun wirklich überall... Ist es jetzt laut der Grünen politisch nicht korrekt Schalke-Fan zu sein:-) Und zu Gerhard Schröder und Gazprom ist ja alles gesagt...

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    Cramon, die sportpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag:
    "...Sie kritisiert, Uefa und die Vereine nähmen das russische Geld gerne, hielten sich aber (?) aus Menschenrechtsfragen heraus."

    Sollen die zum Dank dafür "Demokratie-Chef" Putin beim Internationalen Gerichtshof anzeigen?
    "Wes Brot ich ess`, des Lied ich sing." weiß der Volksmund.
    - Und Mäuler voller Sahnetorte können das nicht mal mehr!

    Jürgen Trittin Grünen-Spitzenkandidat in BILD heute:
    „Ich bin für Dortmund, drücke aber nur an diesem Samstag für Schwarz-Gelb die Daumen. Denn Schwarz-Gelb siegt nur in Wembley – nicht am 22. September in Berlin.“

    Putins Gazprom wird´s freuen...

  7. Dann sieht man Frau Kanzlerin doch nicht. Ausserdem hat die Dame alles im Griff und wird das schon regeln - oder doch umgekehrt ?

  8. quält die Hühner. Kann alles kritisiert werden, muss einem nicht gefallen. Wenn sich ausgerechnet jetzt Hinterbänkler zum medial wichtigsten Sportwochenende des Jahres profilieren wollen, sollen sie das tun. Da die Grünen oder die Caritas nicht als Sponsoren auftreten, müssen sich die Vereine eben Firmen und Konzerne auf die Brust holen. Es geht ums Geld. Auch wenn der große Barcelona seine Brust lange gratis für die UNICEF hergab, kann sich das der Rest der Fußballwelt kaum leisten. Barcelona eigentlich auch nicht, aber die Spanier nehmen es ja manchmal nicht so genau..

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    Die Aktion mit Unicef war eine Strategie um die Fans an eine Sponsorenaufschritt heranzuführen, und was gibt es da besseres als eine rührende Gutmensch Aktion?

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  • Schlagworte Gerhard Schröder | Egon Bahr | BASF | Bundesliga | Fußball | Grüne
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