Bayern-Aufsichtsrat : Das falsche Geschenk für Uli Hoeneß

Dass Uli Hoeneß vorerst im Amt bleiben darf, ist für den FC Bayern München das Beste – und trotzdem das falsche Signal, kommentiert Christian Spiller.
Uli Hoeneß und Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender von VW, beim Bundesligaspiel gegen Freiburg Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Die Aufgabe des Aufsichtsrats der FC Bayern München AG ist es, Schaden vom Unternehmen abzuwenden. Zumindest in diesem Punkt sind die Herren Winterkorn, Haider, Hainer und Markwort ihrer Pflicht vollumfänglich nachgekommen, als sie entschieden, Uli Hoeneß seine Ämter behalten zu lassen. Hoeneß hatte, so erklärte es der Verein, selbst angeboten, seine Ämter ruhen zu lassen. Die Aufsichtsratsmitglieder lehnten "einvernehmlich" ab, 8:0.

Es wären sonst wilde und führungslose Tage geworden in München. Tage, die der Verein so gar nicht gebrauchen kann, knapp drei Wochen vor dem ersten deutschen Champions-League-Finale gegen Borussia Dortmund. Jetzt wird Hoeneß als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender dabei sein können, im Wembley, auf der Ehrentribüne.

Dieses Geschenk, das die Wirtschaftsbosse ihrem Präsidenten gemacht haben, überrascht. Vorher war zu hören, Hoeneß müsse um seine Ämter bangen. Am Ende kam es im Aufsichtsrat des FC Bayern zu einer seltsamen Art der Interessenabwägung. Und zu einer falschen. Mit der Entscheidung setzen sie nicht nur ihre eigene Integrität und die ihrer Firmen aufs Spiel. Sondern sie hinterlassen auch den Eindruck, dass sie Hoeneß in der Steuer-Affäre den Rücken decken.

Als Bosse von Audi, VW, und Adidas setzen die Bayern-Aufsichtsräte in ihren Unternehmen strenge Compliance-Regeln um. VW etwa  bezeichnet auf seiner Homepage "ethische Grundsätze" als "integralen Bestandteil unserer Unternehmenskultur". Es gibt Mitarbeiter, die zusammenzucken, wenn ihnen ein Geschäftspartner einen Füllfederhalter schenkt. Ihre Bosse müssen sich nun vorwerfen lassen, mit einem Unternehmen zusammenzuarbeiten und im Falle von Audi und Adidas sogar Teil eines Unternehmens zu sein, deren Aufsichtsratsvorsitzender Steuern im großen Stil hinterzogen hat. Das gefährdet die Glaubwürdigkeit und das Image der Firmen.

Medienberichten zufolge sollen Hoeneß’ Anwälte versucht haben, einen Deal mit der Staatsanwaltschaft einzufädeln. Sein Gesuch, eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung, habe die Staatsanwaltschaft aber abgelehnt. Möglich, dass eine Einigung doch in Aussicht steht. Möglich, dass Hoeneß nicht ins Gefängnis muss. Möglich, dass Hoeneß damit den Aufsichtsrat beruhigen konnte.

Doch eine Strafe sollte kein Kriterium sein. Es geht auch um Moral. Selbst wenn er wegen seiner Selbstanzeige um eine Strafe herumkommt, bedeutet das nicht, dass er keine Straftat begangen hat. Wichtigster Mann des größten und bekanntesten deutschen Fußballvereins dürfte er nicht mehr sein.

Es ist verständlich, dass die Aufsichtsratsmitglieder, die bisher eng und erfolgreich mit Hoeneß zusammengearbeitet haben, ihm das große Finale gönnen. Dafür hat der Bayern-Präsident zu viel geleistet. In jedem Fall wäre er der Kopf hinter einem Sieg von London. Egal ob als Präsident auf der Ehrentribüne oder nicht.

Doch einen großen Gefallen tun sie ihm damit nicht.  Denn wer sich in zehn oder 20 Jahren Wembley-Jubel-Bilder von Hoeneß anschaut, könnte immer auch einen faden Beigeschmack spüren.

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Kommentare

98 Kommentare Seite 1 von 13 Kommentieren

Dreierlei

Zum Ersten:
ja, Menschen dürfen Fehler machen. Das hier ist aber mit Nichten ein Kavalliersdelikt, das ist auch kein großer Mist, das kann - bei seinem Wissen in Finanzfragen - nicht anders als "Vorsatz" gewertet werden. Entsprechend MUSS die Strafe ausfallen, wenn er denn die Möglichkeiten der Selbstanzeige zu spät genutzt hat. Hat er sie rechtzeitig genutzt, bleibt zwar ein Riesen-Geschmäckle, aber er hätte sich im Rahmen der juristischen - nicht moralischen - Möglichkeiten bewegt.

Zum Zweiten:
Die Lücke, die er reißen wird, wird riesig sein. Abgesehen von der Hinterziehung hat er Großartiges für und mit dem FCB geleistet. Ihm das abzusprechen oder im Nachgang zu relativieren halte ich für unfair und unwürdig.

Zum Dritten:
Anders als Sie meine ich, dass nach einem derartigen Fehler eine zweite Chance an selber prominenter und einflussreicher Stelle nicht gewährt werden sollte. Generell bin ich zwar für zweite Chancen, an dieser einen Stelle würde es aber das falsche Signal setzen. Würde er es akzeptieren, würde ich ihm allerdings schon eine Position in der zweiten oder dritten Reihe des Vereins gewähren, nur eben nicht als Galleonsfigur. Siehe Zweitens.