Bundesliga-RückschauSteht auf, wenn Ihr Steuern zahlt!

Die Dortmunder Fans grüßen Uli Hoeneß, während auf dem Rasen grobe Jungs ihre Schienbeinschoner prüfen. In Hamburg findet Gruppenkuscheln statt. Die Bundesliga-Rückschau von 

Dortmunder Fans beim Spiel gegen Bayern

Dortmunder Fans beim Spiel gegen Bayern  |  © Christof Köpsel/Bongarts/Getty Images

Wer spielte wie gegen wen?

Borussia Mönchengladbach – Schalke 04 0:1 
VfB Stuttgart – Greuther Fürth 0:2 
Hannover 96 – 1. FSV Mainz 05 2:2 
Werder Bremen – TSG Hoffenheim 2:2 
1. FC Nürnberg – Bayer Leverkusen 0:2 
Eintracht Frankfurt – Fortuna Düsseldorf 3:1 
Borussia Dortmund – Bayern München 1:1 
SC Freiburg – FC Augsburg 2:0 
Hamburger SV – VfL Wolfsburg 1:1

Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Nennen wir es spezielle Relativitätstheorie des deutschen Fußballs: Wichtiger als der Kampf um den Klassenerhalt und das europäische Geschäft ist und bleibt ein tabellenarithmetisch völlig unerheblicher und sogar spitznamenloser Samstagabend-Sommerkick zwischen Dortmund und Bayern. Weil die Edeltechniker zwecks Schonung für ein gewisses nächstes Aufeinandertreffen draußen blieben, übernahmen die Jungs fürs Grobe: Ex-Dortmund-Ultra Kevin Großkreutz sprintete ohne Zwischenstopp vom Borsigplatz zum Münchner Sechzehner und jagte einen Volleyschuss über Ex-Schalke-Ultra Neuer in die Maschen. Shampoo-Ultra Gomez köpfte humorlos zum Ausgleich ein. Bei diesem 1:1 blieb es. Nach Neuers pariertem Handelfmeter wurde nur noch zweierlei geprüft: die Qualität von Schieber als Torjäger (schlecht) und die von jedermanns Schienbeinschonern (gut). Nur der sonst auf Bayerns Bank Rost und Frust ansetzende Rumpelstilzchen-Ultra Rafinha suchte mal wieder per Ellenbogen-Check nach Aufmerksamkeit. Folge: Gelb-Rot und ein Austausch zwischen Klopp und Berufslautsprecher Sammer, der an die besten Zeiten von Andy Brehme und Uli Hoeneß erinnerte:

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Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Den Abschluss des Thementags Mittelalter (Ham- gegen Wolfsburg nach Frei- gegen Augsburg). Nix war‘s mit einer zünftigen Schlacht zwischen dem HSV und dem VfL. Das kommt davon, wenn man die nordischen Burgen mit Söldnern bemannt. Statt zünftigen Brandschatzens gab es eine Art Gruppenkuschel-Grillparty unter fußballerisch unbedarften Freunden. Die Abwehrreihen machten Gastgeschenke im Gegenwert von solch enormen Summen, dass die Stürmer errötend ablehnten und vertändelten. Irgendwie stocherten dann doch beide Seiten einmal die Kugel über die Linie, damit auch ja alle einmal jubeln und sich als Gewinner fühlen konnten. Danach setzte sich die knuffige Idee durch, bei torgefährlichen Szenen lieber die Keeper gut aussehen zu lassen. Allein Bas Dost gelang das bei gleich drei Großchancen. Wer grillte, statt dieses Spiel zu sehen, traf die bessere Wahl. Selbst wenn es an Grillgut mangelte. Oder an Getränken. Oder an einem funktionsfähigen Grill.

Wer stand im Blickpunkt? 

Sven Schipplock, der sich in letzter Minute als Partycrasher für die seit elf Spielen geplante Bremer Siegessause entpuppte. Weite Teile Deutschlands hätten sie Werder wohl gegönnt. Obwohl ihr 1:0 nach zwanzig Sekunden per Elfmeter gefallen war, den Schiri Robert Hartmann für ein Foul vor dem Strafraum gepfiffen hatte. Dieses bisschen Glück gönnte man Käpt‘n Schaaf und seiner orkanzerzausten Crew, und sei es nur wegen deren leidgeprüften, aber vorbildlichen Fans. Die sangen, befeuert durch das zwischenzeitliche 2:0, bis zur 85. Minute durch. Dann nährte der erste Treffer von Hoffenheims Joker Schipplock den Zweifel, und sein zweiter in Minute 91 stürzte Bremen in den jüngsten Akt der Tragödie, die sich als Bundesliga-Spielzeit ausgibt. Man könnte meinen, die Macht war mit Schipplock und den viel verspotteten Kellerkindern – zumal zeitgleich Fürth beim Pokalfinalisten Stuttgart siegte. Kein Wunder: Samstag war schließlich Star Wars Day. Obwohl "May the Force be with you" übersetzt nicht heißt "Am 4. Mai sind wir bei Ihnen" – auch wenn das der Dolmetscher bei N24 glaubt.

Wer es statt mit Science-Fiction eher mit klassischer Magie hält, dem sei eine andere Übersetzung ans Herz gelegt: Zauberstab heißt auf Französisch "baguette magique". Doch, im Ernst.

Leserkommentare
  1. ..doch sollten Sie dabei nicht vergessen,.das IHR Verein das Geld zugute kommt und er selbst für die Verträge zuständig ist..und ohne die Bayern...wäre Dortmund ja angeblich finanziell mal ganz zusammengebrochen.
    ..So schreitet die Sanierung endgültig voran..,so das Dortmund über Jahre in Europa oben mitspielen kann.

    So sollten die Fans doch auch vorsichtig und dankbar sein.

    Und welche Rolle spielt der Götze?

    Das jemand seinen Arbeitgeber wechseln kann.., das ist nunmal ein Grundrecht.
    Doch ..das er ausgerechnet zur Konkurrenz geht.,das hat schon Geschmäckl... Die Gefahr besteht ja,..das er den eigenen Fans signalisiert..: Ihr seid zwar gute Fans,..aber nur solange, bis die Bayern kamen.

    Naja,..offenbar nehmen die meistens es glücklichweise aber doch sportlich. Und Klopp hat ja auch schon gesagt.: Andere Mütter haben auch Söhne..im Sinne von.., : Wir werden wieder eine starke Mannschaft haben. UND bei Bayern sitzen 3 von 5 Stürmern auf der Bank und bekommen Millionen fürs gelegentlich eingewechselt werden.
    ...
    Naja.. ist nur Fußball..alles nicht sooo wichtig.

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    "..doch sollten Sie dabei nicht vergessen,.das IHR Verein das Geld zugute kommt und er selbst für die Verträge zuständig ist..und ohne die Bayern...wäre Dortmund ja angeblich finanziell mal ganz zusammengebrochen."

    Um damit mal ein wenig aufzuräumen, denn das Gerücht schwirrt ja öfters mal durch die Gegend:
    Link: http://www.faz.net/aktuel...

    Zitat Watzke: "Es ist Zeit, mit dieser Legende aufzuräumen. Das Darlehen über zwei Millionen Euro hat Borussia Dortmund damals nicht stabilisiert. Es hat zur Rettung des BVB nicht beigetragen. Uli Hoeneß hat dieses Darlehen meinen Vorgängern gegeben. Ungeachtet dieser zwei Millionen stand Borussia Dortmund vor der Insolvenz. Das Geld war schon dreimal ausgegeben. Danach kam es zu einer Gläubigervereinbarung, und zu den Gläubigern gehörte Bayern München. Eine meiner ersten Amtshandlungen als Geschäftsführer war es, dass Bayern München das volle Geld zurückbekommt, die letzte Rate ist drei Monate nach meinem Amtsantritt bezahlt worden. Wenn wir als Borussia Dortmund einem anderen Verein beispringen würden, würden wir das übrigens nicht öffentlich thematisieren."

  2. Hätte man auch wissen können, wenn man dort gewesen wäre und es nicht woanders aufgeschnappt hätte...

    2 Leserempfehlungen
  3. 3. Mythos

    "..doch sollten Sie dabei nicht vergessen,.das IHR Verein das Geld zugute kommt und er selbst für die Verträge zuständig ist..und ohne die Bayern...wäre Dortmund ja angeblich finanziell mal ganz zusammengebrochen."

    Um damit mal ein wenig aufzuräumen, denn das Gerücht schwirrt ja öfters mal durch die Gegend:
    Link: http://www.faz.net/aktuel...

    Zitat Watzke: "Es ist Zeit, mit dieser Legende aufzuräumen. Das Darlehen über zwei Millionen Euro hat Borussia Dortmund damals nicht stabilisiert. Es hat zur Rettung des BVB nicht beigetragen. Uli Hoeneß hat dieses Darlehen meinen Vorgängern gegeben. Ungeachtet dieser zwei Millionen stand Borussia Dortmund vor der Insolvenz. Das Geld war schon dreimal ausgegeben. Danach kam es zu einer Gläubigervereinbarung, und zu den Gläubigern gehörte Bayern München. Eine meiner ersten Amtshandlungen als Geschäftsführer war es, dass Bayern München das volle Geld zurückbekommt, die letzte Rate ist drei Monate nach meinem Amtsantritt bezahlt worden. Wenn wir als Borussia Dortmund einem anderen Verein beispringen würden, würden wir das übrigens nicht öffentlich thematisieren."

    8 Leserempfehlungen
    • Pnin05
    • 06. Mai 2013 13:18 Uhr

    Ich habe Sie hier öfter als einmal kritisiert, und ich werde das wieder tun. Aber das heute ist einfach ein wirklich guter Artikel. Chapeau!

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    Freier Autor

    …das Brot nicht nur des Künstlers, sondern auch der Kunsthandwerker.

    Die meiner Meinung nach viel mit Journalisten gemeinsam haben (sollten): http://www.medien-monitor.com/Blogeintrag.22.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=2136&cHash=b27c6e6f0df272c3d7b5cfdb3d433aa3

    Insofern: Vielen Dank, @Pnin05!

    Die Kritik ist willkommen und bei den Autoren meist an der richtigen Adresse – Lob aber sollte immer auch Steffen Dobbert, Christian Spiller und Oli Fritsch gebühren, die aus den Texten im stillen Kämmerlein das Beste rausholen.

  4. "Wenn wir als Borussia Dortmund einem anderen Verein beispringen würden, würden wir das übrigens nicht öffentlich thematisieren."
    ------
    Im FC-Bayern-CSU-Freistaat lautet die Devise:

    "Mache Deine krummen Dinger ABER lass dich nicht erwischen,
    tue gute Dinge UND rede darüber!"

    5 Leserempfehlungen
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    als anders herum :-)

  5. als anders herum :-)

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    Antwort auf "AW: Zitat Watzke"
  6. für den *Haffenloher des Jahres*

    Wenn alle Dortmunder Hartz4 Empfänger nun aufstehen,
    arbeiten gehen und Steuern bezahlen,
    dann hat die Affaire Uli H. ja schon mal was Gutes bewirkt .-)

    7 Leserempfehlungen
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    des Generals würdig, aber zumindest mit einem Augenzwinkern versehen.

    @ Zum Artikel selbst.
    Es ist erstaunlich. Auf der ersten Seite habe ich noch herzlich gelacht, bei der zweiten zu Beginn blieb mir das Lachen im Halse stecken. Sicher ist dies so beabsichtigt, aber es bleibt festzuhalten. "Worüber reden nach dem Spieltag alle?" Nicht darüber. Hab diese Schlagzeile bei keiner Videotextseite, oder Internetseite gefunden (außer Focus) gefunden. Worüber haben denn wirklich zynischer Weise alle geredet? Über den Schiedsrichter. Klar gehört das dazu und gerade von diesen Emotionen lebt der Sport, auch von Fehlentscheidungen und strittigen Szenen, aber man sollte dabei nie aus den Augen verlieren, dass auf dem Platz Menschen stehen und wenn man dann diverse Kommentare liest, kombiniert mit dieser Nachricht, dann sollte man zumindest nachdenklich werden.
    Guter Artikel

    wie daemlich kann man sein. genauso koennte man schreiben : wenn alle steuerbetrueger das muenchener stadion vor der halbzeit veralssen muesste waere das stadion leer. mit anderen worten "sie sollten sich schaemen".

  7. ... und der Club kann nicht mehr absteigen. Jetzt schon. Das nenne ich eine gelungene Saison.

    >> Wer grillte, statt dieses Spiel zu sehen, traf die bessere Wahl. Selbst wenn es an Grillgut mangelte. Oder an Getränken. Oder an einem funktionsfähigen Grill. <<

    :-)

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