Champions LeagueJürgen Klopp, der Märchenerzähler

Mit viel Pathos bringt Jürgen Klopp der Fußballwelt die Legende von Borussia Dortmund nahe. Vor dem Finale sind vor allem die Engländer verrückt nach ihm. Von C. Spiller von 

Jürgen Klopp beim Abschlusstraining in Wembley

Jürgen Klopp beim Abschlusstraining in Wembley  |  © Andreas Gebert/picture alliance/dpa

Die Voraussetzungen für eine weitere Jürgen-Klopp-Show sind ungünstig. Der Dortmunder Trainer ist zu spät zur Pressekonferenz gekommen. Der Mannschaftsbus war im dichten Verkehr stecken geblieben, quälte sich anderthalb Stunden vom Teamhotel zum Wembleystadion, wo am Freitagabend das Abschlusstraining stattfand. Jürgen Klopp blickt müde drein, die Haare sind zerzaust. Vielleicht wird er dieses Mal nur ein paar Fragen beantworten, ein paar Phrasen dreschen wie es normale Trainer tun und dann trainieren gehen. Doch Jürgen Klopp kann das nicht.  

Nach ein paar belanglosen Sätzen über die Dortmunder Sieger-Mannschaft von 1997 und der Renaissance des deutschen Fußballs fragt Klopp plötzlich in die Runde: "Ich weiß nicht, darf in England die Polizei Blaulicht anmachen, wenn sie einen Bus begleitet?" Die Weltpresse kichert. "Es wäre sehr hilfreich morgen. Heute ist die Polizei nur vor uns hergefahren. Also wenn wir morgen pünktlich zum Spiel kommen sollen, dann müssen die die Lichter anmachen, sonst wird’s echt eng." Die Weltpresse lacht. Und Klopp fügt auf Englisch hinzu: "If someone know (sic!) a police man, ask him, please!" Die Weltpresse prustet.

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Es ist diese Mischung aus Spontaneität, Humor und Eloquenz, die Jürgen Klopp zu einem der beliebtesten Trainer Europas macht. Der Mann mit dem Seebärbart, der Hipsterbrille und dem transplantierten Haar ist ein Menschenfänger, ein Manipulator, ein Hirnwäscher oder wie auch immer man jemanden nennt, der mit den Emotionen seiner Zuschauer Kick and Rush spielt. Die Finalgastgeber aus England lieben ihn dafür.


Einige von ihnen stehen im strömenden Regen vor dem Londoner Hyde Park und wundern sich, wo denn dieser riesige schwarz-gelbe Bus herkommt, der da auf einmal vor der prächtigen Marble Arch parkt. "From Dortmund with Love" steht drauf, womit klar ist: Der Bus kommt aus dem Pott. "Wir wollen London schwarzgelb machen", sagt Norbert Dickel, der vierzig Tore für den BVB schoss und nun Stadionsprecher und Fanradio-Moderator ist. Am Freitag und Samstag tuckert er mit Emma, der dicken Biene und ein paar Helfern in dem offenen BVB-Bus durch London, verteilt BVB-Hüte und aufblasbare Pokale und singt Dortmunder Liedgut: eine kalkulierte Charme-Offensive. "Es gibt unfassbar viele Engländer, die uns obergeil finden", sagt Dickel. "Jürgen Klopp spielt dabei eine ganz wichtige Rolle."

Zum Beispiel für Mohammed Ahmed, 19 Jahre alt, einen schüchternen Typen, der gerade einen BVB-Bowler-Hut aus Plastik und ein Autofähnchen abgestaubt hat, obwohl er gar kein Auto besitzt. "Klopp ist ein cooler Typ", sagt er. So cool, dass Mohammed jedes Mal, wenn er Fußball am Computer spielt, mit den Dortmundern zockt. Oder Michael Best, 35 Jahre alt. Er ist eigentlich Manchester-United-Fan, im Finale ist er für den BVB. "Bayern ist die stärkste Mannschaft der Welt", sagt er. "Aber dieser Dortmund-Fußball ist etwas Besonders, vor allem wegen des Trainers. Der Mann ist eine Wucht", sagt er.  

Leserkommentare
  1. Ich für meinen Teil finde, dass Kloppo mal deutlich sympathischer war als jetzt.
    Klar, wer das nicht immer verfolgt lässt sich davon in den Bann ziehen und ist heute für den BVB, aber diese scheinheilige Beschwörung eines BVB-Mythos nervt schon.
    Wer genau hinsieht, erblickt einen Klopp, bei dem bei einem Sieg alles toll ist und er die beste Mannschaft aller Zeiten hat.
    Ansonsten nur Gemotze, alle sind doof, die Bayern sind sowieso die Bösen und dem vierten Schiedsrichter fallen bald von dem ganzen Gepöbel die Ohren ab.
    Andere mögen das anders sehen, aber Klopp überdreht für meine Begriffe.
    Ein wenig Ruhe würde ihm und allen anderen ganz gut tun, vielleicht kommt das mit dem Alter wie bei Heynckes.

    Dazu gehört auch das Geweine über die bösen Bayern, die eine allgemein bekannte Ausstiegsklausel ziehen, während man selbst Spieler verpflichtet, die schon bei anderen im Wort stehen.
    Sicher, das Geschäft ist ein Haifischbecken, aber dann sollte man lieber den Mund halten.

    21 Leserempfehlungen
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    Die zwei Meisterschaften zählen wohl nicht, was?

    Der letzte Blender große Blender im Deutschen Fußball war Klinsmann.

    Der Begriff bedeutet etwas anderes als du offensichtlich glaubst.

    kurz nach bekanntwerden vor die Presse gestellt und gesagt, dass das legitim ist, ein unglücklicher Zeitpunkt, dass es weh tut, aber jeder Fan sich daran erinnern muss, dass man mit Reus das selbe gemacht hat.
    Und was die Attacken betrifft. Die hört man leider bei anderen Trainern selten, weil zum Beispiel zur Pressekonferenz von Veh vor dem entscheidenden Spiel gegen Wolfsburg 2 Journalisten zur kommen, http://www.rtl-hessen.de/...
    Jeder Trainer rastet aus, jeder motzt, jeder meckert auf die Schiedsrichter und das ist gut und richtig so, denn das sind die Emotionen, die den Sport lebendig machen. Warum also nun Klopp ein "Blender" ist? http://www.duden.de/recht...
    Daran können Sie gern erklären, in welchem Bereich Klopp blendet ;)

    sondern Fan. Das hat man heute mehr als je zuvor gesehen. Der Mann ist Fan vom BVB und lebt quasi wie ein Fan und das ist gut so.

  2. 2. [...]

    Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/mo.

    Eine Leserempfehlung
    • deDude
    • 25. Mai 2013 13:58 Uhr

    ... ist Jürgen Klopp einfach eine schöne Abwechselung zum Überheblichen Bayerngetöse der vergangenen 20 Jahre. Das Bayern nicht grade die weltweite Sympathie der Fans anzieht liegt wohl weniger an den Fans denn an den Vertretern des FCB, auch wenn man gestehen muss das das bis zu der Sache mit Götze die ich jetzt nicht weiter thematisieren will langsam aber stetig besser wurde.

    Überhebliche arrogante Kotzbrocken wie UH und Co. kommen halt nicht so gut an.

    18 Leserempfehlungen
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    Das liegt daran, dass kaum jemand versteht, was Uli Hoeneß mit seiner "Abteilung Attacke" bezweckt, obwohl es offensichtlich.
    Damit hat er schon dutzende Male die ganze Aufmerksamkeit auf sich gezogen und die Mannschaft konnte in Ruhe arbeiten.
    Ich nenne sowas gutes Management.

    "Das liegt daran, dass kaum jemand versteht, was Uli Hoeneß mit seiner "Abteilung Attacke" bezweckt, obwohl es offensichtlich.
    Damit hat er schon dutzende Male die ganze Aufmerksamkeit auf sich gezogen und die Mannschaft konnte in Ruhe arbeiten.
    Ich nenne sowas gutes Management."

    Dafür arbeitet jetzt beim Finanzamt die Abteilung Attacke und zieht die Aufmerksamkeit auf Uli Hoeneß. Schaunmermal, wie ruhig die Mannschaft im nächsten Jahr arbeitet, wenn sich die Schlinge enger zieht und er immer noch am Amt klebt.

    Klopp in Bayern und Heynkes beim BVB - dann könnte ich dem BVB sowas wie Demut, Bodenständigkeit und Bescheidenheit glauben.
    Aber die Sprüche von Klopp würde niemand vom BVB dem FC-Bayern verzeihen.
    Passt auch Natlos in das "der böse FCB kauft dem armen BVB den Götze weg" - und das obwohl man sich ja logischerweise auch permanennt bei der Konkurrenz in der 1. Bundesliga bedient.

    Naja, solange genügend Leute dem Herrn Klopp glauben werden wir weiter Märchen (#Ferytales) von ihm hören.

    • Afa81
    • 27. Mai 2013 13:00 Uhr

    ...Sie schreiben, dass es seit 20 Jahren besser wurde. Wir erklären Sie sich dann, dass die Laune letztes Jahr, als Bayern zu Hause verloren hatte, gerade zu in den Himmel zu schießen drohte? So viel Schadenfreude und Häme habe ich, obwohl es um den FC Bayern ging, nicht erwartet. Ich mochte den BVB nie, aber bei einem Finale im Westfalenstadion mit BVB Beteiligung - da wäre es auch klar gewesen, zu wem ich halte (sofern der Gegner nicht mein Lieblingsverein ist).
    Ich meine, das ist doch in Ordnung, dass manch bei einer solchen Fragen nur auf den Bauch hört oder glaubt, dass man jetzt irgendwie Nonkonformismus ausstrahlt, wenn man gegen die Bayern ist. Hat ja schon ne gewisse Mode. Daran hat man sich ja gewöhnt. Aber diese peinlichen Erklärungsversuche immer, wo man versucht, diese Antipatie durch Logik und Fakten zu stützen, ist einfach nur peinlich. Natürlich, ohne Uli Hoeneß hätte ganz Deutschland hinter den Bayern gestanden, ganz genau.

    Aber Oli Kahn meinte ja schon: "Es gibt nichts Schöneres" :-)

    Und das Schönste ist: Die Bayernfans verhalten sich jetzt um ein Vielfaches korrekter als die BVB Fans letztes Jahr. Aber, arrogant ist ja nicht, wer arrogant ist - Arrogant ist, wer Bayer ist.

  3. 4. [...]

    Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/mo.

  4. Das liegt daran, dass kaum jemand versteht, was Uli Hoeneß mit seiner "Abteilung Attacke" bezweckt, obwohl es offensichtlich.
    Damit hat er schon dutzende Male die ganze Aufmerksamkeit auf sich gezogen und die Mannschaft konnte in Ruhe arbeiten.
    Ich nenne sowas gutes Management.

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Naja, vielleicht..."
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    sollte die Auftritte von Klopp nicht kritisieren :) Aber so sind sie die Fans, immer auf mindestens einem Auge blind!

    Und meiner Meinung nach ist Herr Heynckes eher ein unsympathischer "Versager", der dem Fußball nix bringt.

    Er kann einfach keine Mannschaft aufbauen, er kann sie nur zusammenkaufen, aber auch dann reicht es oft genug nicht - siehe Madrid.

  5. Man hat auch gemerkt, dass die AUdienz Klopp mehr mochte (habe alle beiden Pressekonferenzen gestern auf Phoenix gesehen). Klopp kommt einfach natürlich rüber und sehr locker, so ist sonst keiner.

    Lahm ist dagegen eher wie ein hängengebliebene langweilige Schallplatte die immer die gleichen Phrasen wiederholt. Hummels kommt da auch sympathischer rüber. Sympathie / Pressekonferenz Dortmund 2 - Bayern 0.

    18 Leserempfehlungen
  6. Dass der exzellente Trainer Klopp eine narzistische Ader hat, dürfte spätestens nach seiner haartransplantation offensichtlich sein. Er lebt diesen Narzismus allerdings nicht auf eine platte Art und Weise aus, sondern durchaus "modern" verpackt als ironische Inszenierung. Dass dies für manche Journalisten nur schwer zu durchschauen ist, zeigt dieser Artikel. Da ist mir die leicht brachiale Version des "mia san mir" fast sympathischer, verzichtet sie eben auf das ständige Schielen nach Sympathien und Anerkennung.

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  7. "Das liegt daran, dass kaum jemand versteht, was Uli Hoeneß mit seiner "Abteilung Attacke" bezweckt, obwohl es offensichtlich.
    Damit hat er schon dutzende Male die ganze Aufmerksamkeit auf sich gezogen und die Mannschaft konnte in Ruhe arbeiten.
    Ich nenne sowas gutes Management."

    Dafür arbeitet jetzt beim Finanzamt die Abteilung Attacke und zieht die Aufmerksamkeit auf Uli Hoeneß. Schaunmermal, wie ruhig die Mannschaft im nächsten Jahr arbeitet, wenn sich die Schlinge enger zieht und er immer noch am Amt klebt.

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    Antwort auf "Naja, vielleicht..."
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    Welch geistreiches Gegenargument.

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