Die Voraussetzungen für eine weitere Jürgen-Klopp-Show sind ungünstig. Der Dortmunder Trainer ist zu spät zur Pressekonferenz gekommen. Der Mannschaftsbus war im dichten Verkehr stecken geblieben, quälte sich anderthalb Stunden vom Teamhotel zum Wembleystadion, wo am Freitagabend das Abschlusstraining stattfand. Jürgen Klopp blickt müde drein, die Haare sind zerzaust. Vielleicht wird er dieses Mal nur ein paar Fragen beantworten, ein paar Phrasen dreschen wie es normale Trainer tun und dann trainieren gehen. Doch Jürgen Klopp kann das nicht.  

Nach ein paar belanglosen Sätzen über die Dortmunder Sieger-Mannschaft von 1997 und der Renaissance des deutschen Fußballs fragt Klopp plötzlich in die Runde: "Ich weiß nicht, darf in England die Polizei Blaulicht anmachen, wenn sie einen Bus begleitet?" Die Weltpresse kichert. "Es wäre sehr hilfreich morgen. Heute ist die Polizei nur vor uns hergefahren. Also wenn wir morgen pünktlich zum Spiel kommen sollen, dann müssen die die Lichter anmachen, sonst wird’s echt eng." Die Weltpresse lacht. Und Klopp fügt auf Englisch hinzu: "If someone know (sic!) a police man, ask him, please!" Die Weltpresse prustet.

Es ist diese Mischung aus Spontaneität, Humor und Eloquenz, die Jürgen Klopp zu einem der beliebtesten Trainer Europas macht. Der Mann mit dem Seebärbart, der Hipsterbrille und dem transplantierten Haar ist ein Menschenfänger, ein Manipulator, ein Hirnwäscher oder wie auch immer man jemanden nennt, der mit den Emotionen seiner Zuschauer Kick and Rush spielt. Die Finalgastgeber aus England lieben ihn dafür.

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Einige von ihnen stehen im strömenden Regen vor dem Londoner Hyde Park und wundern sich, wo denn dieser riesige schwarz-gelbe Bus herkommt, der da auf einmal vor der prächtigen Marble Arch parkt. "From Dortmund with Love" steht drauf, womit klar ist: Der Bus kommt aus dem Pott. "Wir wollen London schwarzgelb machen", sagt Norbert Dickel, der vierzig Tore für den BVB schoss und nun Stadionsprecher und Fanradio-Moderator ist. Am Freitag und Samstag tuckert er mit Emma, der dicken Biene und ein paar Helfern in dem offenen BVB-Bus durch London, verteilt BVB-Hüte und aufblasbare Pokale und singt Dortmunder Liedgut: eine kalkulierte Charme-Offensive. "Es gibt unfassbar viele Engländer, die uns obergeil finden", sagt Dickel. "Jürgen Klopp spielt dabei eine ganz wichtige Rolle."

Zum Beispiel für Mohammed Ahmed, 19 Jahre alt, einen schüchternen Typen, der gerade einen BVB-Bowler-Hut aus Plastik und ein Autofähnchen abgestaubt hat, obwohl er gar kein Auto besitzt. "Klopp ist ein cooler Typ", sagt er. So cool, dass Mohammed jedes Mal, wenn er Fußball am Computer spielt, mit den Dortmundern zockt. Oder Michael Best, 35 Jahre alt. Er ist eigentlich Manchester-United-Fan, im Finale ist er für den BVB. "Bayern ist die stärkste Mannschaft der Welt", sagt er. "Aber dieser Dortmund-Fußball ist etwas Besonders, vor allem wegen des Trainers. Der Mann ist eine Wucht", sagt er.