Neymar in seinem letzten Spiel für den FC Santos © Ueslei Marcelino/Reuters

Zeitpunkt und Ort hätten symbolträchtiger kaum sein können. Neymar da Silva Santos Júniors wahrscheinlich letztes Spiel für seinen Heimatverein FC Santos am vergangenen Sonntag war gleichzeitig die Auftaktpartie der neuen Saison des Brasileirão, der ersten brasilianischen Liga. Einen Tag zuvor hatte er bekanntgegeben, dass er nun doch vor der Fußball-WM 2014 zum FC Barcelona wechselt. Und das Spiel fand nicht in Santos statt und auch nicht in Rio de Janeiro, Heimat des Gegners Flamengo, sondern vor 64.000 Zuschauern in Brasilia.

Es war das erste richtige Spiel im für rund 700 Millionen Euro renovierten Stadion der Hauptstadt, in dessen Nähe es weit und breit keinen großen Fußballklub gibt. Wie es die aus dem Boden gestampfte Stadt in den fünfziger Jahren war, ist das Stadion ein ungemein teures Versprechen für die Zukunft. Wenn die Welt 2014 auf Brasilien blickt, will das Land zeigen, wozu es als neue Wirtschaftsmacht fähig ist. Auch auf dem Fußballplatz. Alles andere als der Titelgewinn wäre für Brasilien eine Katastrophe.

Die Hoffnungen ruhen vor allem auf den schmalen Schultern Neymars. Mit 21 Jahren ist er bereits das Gesicht des brasilianischen Fußballs. Selbst der große Pelé gehört zu den Bewunderern, nannte ihn ein "technisches Wunder" mit "magischen Füßen". 156 Tore in 256 Spielen für den FC Santos sowie 20 Tore in 32 Spielen für die Nationalmannschaft hat er schon geschossen. Ihn zunächst in Brasilien zu halten wurde zu einem nationalen Anliegen. Der Verein bat die Politik um Hilfe, sieben Sponsoren beteiligten sich an den Kosten. Mit geschätzten sechs Millionen Euro im Jahr wurde Neymar zum bestbezahlten Profi des Landes. Trotzdem blieb er bisher vor allem ein Versprechen.

Hohe Erwartungen nicht erfüllt

Sein bisheriger Verein gab ihm kaum Möglichkeiten, sich auf großer Bühne zu zeigen, bis auf die Copa Libertadores 2011. Im Finale der südamerikanischen Champions League gegen Peñarol aus Uruguay war Neymar der Matchwinner. Doch momentan ist der Klub von ähnlichen Erfolgen weit entfernt und Neymar selbst schien zu stagnieren, wenn auch auf hohem Niveau. Bei seinen zwei Turnieren mit der Nationalmannschaft, der Copa América 2011 und Olympia 2012, konnte er die hohen Erwartungen nicht erfüllen.

Das kann er sich jetzt nicht mehr leisten. In Barcelona wird er sich für einen Platz im Angriff neben Lionel Messi gegen namhafte Konkurrenz durchsetzen müssen. Sollte er das schaffen, träfe er in der Liga und in der Champions League auf die besten Verteidiger der Welt statt auf die manchmal reichlich träge agierenden Defensivreihen der brasilianischen Teams.

Schon vor der Partie in Brasilia vergrub Neymar das tränenüberströmte Gesicht in seinem Trikot. "Es war immer mein Traum nach Barcelona zu gehen und mit Gottes Hilfe ist er wahr geworden", sagte er hinterher. Natürlich wird er dort auch noch besser verdienen, die Rede ist von einem Handgeld von 30 Millionen Euro und sieben Millionen Gehalt pro Jahr. Doch das Angebot von Real Madrid soll noch besser gewesen sein, ein Hinweis, dass das Geld nicht entscheidend war. Vielleicht liegt der wahre Grund für den Wechsel auch ganz woanders.

Beim FC Barcelona wird Neymar einer von vielen Stars sein, beim FC Santos und in Brasilien waren alle Augen auf ihn gerichtet. Das Haus kann er kaum verlassen, ohne dass eine Kamera ihn begleitet. Alles, was er tut, ist den Medien eine Nachricht wert. 2010 spielten er und sein Kumpel Andres mit ihren Haaren herum, wie es Jugendliche eben manchmal machen, das Resultat auf Neymars Kopf war eine Art verdrehter Irokesenschnitt. Kurze Zeit später trug halb Brasilien die gleiche Frisur. Groteske Ausmaße nahm das Ganze ein Jahr später an, als bekannt wurde, dass ein 17-jähriges Mädchen ein Kind von dem damals 19-jährigen erwartete. Tagelang gab es im Fernsehen und in den Zeitungen kein anderes Thema.