Ottmar Hitzfeld"Barça ist müde, Bayern die Nummer eins in Europa"

Als Trainer hat Ottmar Hitzfeld mit Bayern und Dortmund die Champions League gewonnen. Im Interview spricht er über neue Machtverhältnisse im europäischen Fußball. von Lars Becker

Ottmar Hitzfeld

Ottmar Hitzfeld  |  © Fabrice Coffrini/AFP/Getty Images

Frage: Herr Hitzfeld, Borussia Dortmund und Bayern München stehen im Finale der Champions League. Die Bayern siegten 7:0 in zwei Spielen gegen Barcelona. Hätten Sie das für möglich gehalten?

Ottmar Hitzfeld: Das ist eine gewaltige Explosion im internationalen Fußball. Es spricht für sich, wenn man 3:0 im ausverkauften Camp Nou gewinnt, bei der zuletzt besten Mannschaft der Welt. Wir haben in diesen Spielen eine Wachablösung im internationalen Fußball gesehen. Barça hat die letzten Jahre dominiert. Aber sie haben sich müde gespielt, und wohl auch den Hunger verloren. Jetzt etabliert sich Bayern als Topmannschaft Nummer eins in Europa.

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Frage: Woran machen Sie das fest?

Hitzfeld: Bayern steht jetzt zum dritten Mal in vier Jahren im Champions-League-Finale. Sie können sich einen Transfer von 30, 40 oder 50 Millionen leisten. Ich sehe die Bayern als Favoriten für die nächsten Jahre. Sie haben eine hervorragende Mannschaft, einen hervorragenden Kader. Und er wird mit Götze und Guardiola ja noch einmal verstärkt.

Frage: Aber für den neuen Trainer Josep Guardiola wird es nicht so einfach, wenn Bayern dieses Jahr alle drei Titel abräumt.

Hitzfeld: Natürlich ist das nicht so einfach. Auf der anderen Seite spricht das für die Qualität des Vereins. Guardiola übernimmt einen Verein, der intakt ist und grandiose Perspektiven hat. Und die Mannschaft umkrempeln muss er nicht, er muss nur die äußerst erfolgreiche Arbeit von Jupp Heynckes fortführen.

Frage: Können Sie sich vorstellen, dass Jupp Heynckes zum FC Barcelona wechselt?

Hitzfeld: Mit den Erfolgen dieser Saison und nach dem Auftritt in Barcelona kann sich Jupp Heynckes die Vereine in ganz Europa wahrscheinlich aussuchen. Barça hatte null Chancen, das ist das Werk von Jupp Heynckes. Natürlich macht ihn das speziell für sie interessant. Ich habe allerdings keine Ahnung, was er will.

Frage: Wer ist im Finale der Favorit?

Hitzfeld: Bayern ist Favorit, für sie spricht die Erfahrung in wichtigen internationalen Spielen. Aber es ist ein Duell auf Augenhöhe. Zuletzt hat zwar Bayern einmal 1:0 gewonnen, aber zuvor hat Dortmund eine ganze Reihe wichtiger Spiele gegen Bayern gewonnen. In meinem Finale damals mit Dortmund gegen Juventus waren wir auch nicht Favorit und haben es geschafft. So ein Spiel entscheidet die Tagesform, die Nervenstärke und wer in Führung geht.

Frage: Was spricht denn rein sachlich für Dortmund? Die größere Leidenschaft?

Hitzfeld: Die Leidenschaft ist bei beiden Mannschaften auf einem sehr hohen Niveau. Bei den Bayern war es in den vergangenen beiden Spielzeiten nicht so, aber sie sind viel hungriger geworden. Und der Hunger ist noch lange nicht gestillt.

Leserkommentare
    • Socke9
    • 04. Mai 2013 13:45 Uhr

    Ich mag diese Rückschlüsse nicht, bei denen gesagt wird, dass, weil die Bundesliga 2 so starke Mannschaften hat, sich dies auch auf die Nationalmannschaft auswirkt.
    Und Deutschland ja 11:2 gegen Spanien gewonnen hätte.
    Lewandowski, Piszczek, Subotic, Błaszczykowski Dante, Ribery, Robben, Martinez und Mandzukic werden der deutschen Nationalmannschaft nicht helfen können und spielen in den Vereinen sehr wichtige Rollen.
    Hinzu kommt noch, dass die Nationalelf auch nicht über solch einen brillianten Trainer verfügt, wie der BVB und Bayern ihn haben.

    Ich sehe die Nationalelf dadurch kaum besser gestellt. Spieler, die gerade richtig aufgehen, werden dank Löw wahrscheinlich durch "erfahrenere" Spieler ersetzt, denen Löw auch dann vertraut, wenn sie in miserabler Form sind. In Anspielung auf Gündogan <-> Schweinsteiger ;-)

    5 Leserempfehlungen
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    Gündogan besser als Schweinsteiger sei? :D :D

    • _ME_
    • 04. Mai 2013 14:17 Uhr

    Selbstverständlich haben Erfolge auf Vereinsebene Auswirkungen auf die Nationalmannschaft. Das Wissen die Besten der Welt schlagen zu können und es getan zu haben wirkt sich in jedem Sport positiv auf die folgenden Auftritte aus.

    Und die Anspielung halte ich für völlig verfehlt, denn die Fachwelt ist sich ziemlich einig dass BS31 zur Zeit einer der, wenn nicht sogar der, besten Mittelfeldspieler der Welt ist. Gerade die Erfahrungen der letzten Jahre haben ihn so stark gemacht und genau solche Spieler braucht es wenn es hart auf hart kommt.

    Auch der Einwand mit den zusätzlichen Legionären trifft nur zur Hälfte zu, denn dei Nationalmannschaft bastel sich ja auch aus mehr als einem Team und da kann ich für die Aufgezählten jeweils ein Äquivalent finden:

    Lewandowski - Gomez
    Piszczek - Lahm
    Subotic - Badstuber/Boateng
    Blascykowski - Müller
    Dante - Hummels
    Ribery - Reus
    Robben - Götze/Kroos
    Martinez - Gündogan/Khedira
    Manddzukic - Özil/Klose/Kießling

    Lustiger weise wurde von Ihnen der eigentlich entscheidende Unterschied durch einen Legionär weggelassen: Alaba. Der ist mMn durch Schmelzer (oder einen anderen deutschen LV) nicht adäquat zu ersetzten.

    Und Löw die Qualität abzusprechen halte ich für eine ziemliche Anmaßung eines TV/Stammtisch-Bundestrainers. Außer das zugegebenermaßen vercoachte HF gegen Italien sehe ich in der Amtszeit Löws eine ständige Verbesserung der Nationalmannschaft.

    wird auch mit noch besseren Spieler keine WM-Mannschaft zu Stande kommen. Löw hat das Talent durch "sein Kopfsystem" die Spieler zu verbiegen.
    Ein gute Trainer ist in der Lage aus dem "Material" das Beste zu machen, dass kann Löwe nicht leisten.
    Außerdem ist Löw nicht Turnier resistent!

    Der DFB wäre gut beraten, wenn er Kontakt mit Jupp aufnehmen würde, dann klappt's auch gegen Spanien

    • Afa81
    • 05. Mai 2013 15:42 Uhr

    "In Anspielung auf Gündogan <-> Schweinsteiger ;-)"

    Also, Sie haben nur das Spiel BVB vs. Real, nicht aber Bayern vs.Barca gesehen, sonst würden Sie Gündogan, der großartig spielt, nicht vor Bastian Schweinsteiger, der das Mittelfeld beherrscht, setzen.

  1. dass Bayern tatsächlich die beste Mannschaft der Welt ist. Der hat doch keine Ahnung!
    Und Ära? Pah. Mit ängstlichen Transfers wie Götze und der Verpflichtung eines Klinsmannschen Laien wie Guardiola, da ist der Verfall bereits vorgezeichnet.

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  2. Gündogan besser als Schweinsteiger sei? :D :D

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    • Socke9
    • 04. Mai 2013 14:12 Uhr

    Ich sagte, dass Gündogan in guter Form besser ist als Schweinsteiger in schlechter Form.
    So wie bei der EM 2012.

    Die Kritik im Kommentar bezog sich wohl ausdrücklich auf die Leistung Schweinsteigers bei der EM. Und die war lausig. Gründe waren offensichtlich mangelnde Fitness und vor allem psychische Defizite aufgrund der vergebenen Triple-Chancen bei den Bayern.
    Schweinsteiger hätte Größe zeigen können wenn er sich Löw gegenüber gegen seine eigene Aufstellung widersetzt und sich auf die Bank gesetzt hätte.

    • Socke9
    • 04. Mai 2013 14:12 Uhr

    Ich sagte, dass Gündogan in guter Form besser ist als Schweinsteiger in schlechter Form.
    So wie bei der EM 2012.

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    deutet dann doch darauf hin. Ansonsten etwas ungünstig formuliert. ;)

    Gündogan hat eine riesige Entwicklung hingelegt und ist zZ sicherlich einer der Top 5 8er weltweit. Aber bedenkt man insbesondere diese Saison, dann führt kein Weg daran vorbei, Schweinsteiger in einem Atemzug mit Xavi zu nennen. Und bedenkt man das erst kurz zurückliegende Aufeinandertreffen, dann sah es eher danach aus, als wenn Xavi seine beste Zeit hinter sich hätte, während Schweinsteiger aktuell der eigentliche Platzhirsch auf dieser Position ist, insbesondere im Verband mit seinem kongenialen Partner Martinez auf der 6.

    • _ME_
    • 04. Mai 2013 14:17 Uhr

    Selbstverständlich haben Erfolge auf Vereinsebene Auswirkungen auf die Nationalmannschaft. Das Wissen die Besten der Welt schlagen zu können und es getan zu haben wirkt sich in jedem Sport positiv auf die folgenden Auftritte aus.

    Und die Anspielung halte ich für völlig verfehlt, denn die Fachwelt ist sich ziemlich einig dass BS31 zur Zeit einer der, wenn nicht sogar der, besten Mittelfeldspieler der Welt ist. Gerade die Erfahrungen der letzten Jahre haben ihn so stark gemacht und genau solche Spieler braucht es wenn es hart auf hart kommt.

    Auch der Einwand mit den zusätzlichen Legionären trifft nur zur Hälfte zu, denn dei Nationalmannschaft bastel sich ja auch aus mehr als einem Team und da kann ich für die Aufgezählten jeweils ein Äquivalent finden:

    Lewandowski - Gomez
    Piszczek - Lahm
    Subotic - Badstuber/Boateng
    Blascykowski - Müller
    Dante - Hummels
    Ribery - Reus
    Robben - Götze/Kroos
    Martinez - Gündogan/Khedira
    Manddzukic - Özil/Klose/Kießling

    Lustiger weise wurde von Ihnen der eigentlich entscheidende Unterschied durch einen Legionär weggelassen: Alaba. Der ist mMn durch Schmelzer (oder einen anderen deutschen LV) nicht adäquat zu ersetzten.

    Und Löw die Qualität abzusprechen halte ich für eine ziemliche Anmaßung eines TV/Stammtisch-Bundestrainers. Außer das zugegebenermaßen vercoachte HF gegen Italien sehe ich in der Amtszeit Löws eine ständige Verbesserung der Nationalmannschaft.

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    Antwort auf "Rückschlüsse"
  3. deutet dann doch darauf hin. Ansonsten etwas ungünstig formuliert. ;)

    Gündogan hat eine riesige Entwicklung hingelegt und ist zZ sicherlich einer der Top 5 8er weltweit. Aber bedenkt man insbesondere diese Saison, dann führt kein Weg daran vorbei, Schweinsteiger in einem Atemzug mit Xavi zu nennen. Und bedenkt man das erst kurz zurückliegende Aufeinandertreffen, dann sah es eher danach aus, als wenn Xavi seine beste Zeit hinter sich hätte, während Schweinsteiger aktuell der eigentliche Platzhirsch auf dieser Position ist, insbesondere im Verband mit seinem kongenialen Partner Martinez auf der 6.

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    Antwort auf "Lesen Sie richtig"
    • LTank
    • 04. Mai 2013 14:20 Uhr

    Ich bin ein wenig skeptisch, wenn es gleich heißt, dass die Bayern nun auf Jahre hinaus den europäischen Fußball dominieren können. Oder vielleicht gar eine ähnliche Ära wie Barcelona prägen können.

    Als Beobachter der katalanischen Dominanz der letzten Jahre bleibt für mich die Lehre hängen, dass an der Spitze bleiben noch deutlich schwerer ist als an die Spitze kommen. Bayern wird von der gesamten Fußballwelt genauestens beobachtet und durchanalysiert werden. Jeder Gegner holt gegen die "großen Bayern" noch mal ein paar Prozentpunkte mehr raus. Das kann einen ganz schnell mürbe machen.

    Bayern hat das Potential für eine eigene Ära, aber das müssen sie erstmal umsetzen.

    Außerdem sind die Bayern taktisch zwar sehr stark, aber nicht so einmalig wie der FC Barcelona es war. Sie sind deshalb leichter zu kopieren.

    2 Leserempfehlungen
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    • _ME_
    • 04. Mai 2013 14:25 Uhr

    Ich denke das Potential eine Ära zu prägen hat der FCB derzeit wenn man die Zusammensetzung des Kaders betrachtet. Was mich in dieser Hinsicht noch zuversichtlich stimmt ist, dass der FCB in den letzten Jahren schon prägend waren, denn 3 Finalteilnahmnen in 4 Jahren hatte nicht einmal der große FC Barcelona.
    Um aber wirklich eine Äre zu prägen bedarf es noch mind. eines CL- Titels.

    Bayern hat bereits vor Jahren die Ära eingeläutet.
    Chronologie:
    99 - Finale, bittere Niederlage gegen ManU
    00 - Halbfinale, Niederlage gegen Madrid (den späteren Champion)
    01 - Finale, Sieger
    02 - Viertelfinale, Niederlage gegen Madrid (den späteren Champion)
    03 - Gruppenaus
    04 - Achtelfinale, Niederlage gegen Madrid
    05 - Viertelfinale, Niederlage gegen Chelsea
    06 - Achtelfinale, Niederlage gegen Milan
    07 - Viertelfinale, Niederlage gegen Milan (den späteren Sieger)
    08 - nicht qualifiziert
    09 - Viertelfinale, Niederlage gegen Barcelona (den späteren Sieger)
    10 - Finale, Niederlage gegen Inter
    11 - Achtelfinale, Niederlage gegen Inter
    12 - Finale dahoam, Niederlage gegen Chelsea
    13 - Finale ?

    Bayerns Ära hat bereits vor drei Jahren mit der Niederlage gegen Inter begonnen und seit dem haben sie sich stetig gesteigert. Ob unter van Gaal, oder eben Heynckes, oder zukünftig Guardiola, haben und werden die Bayern auf Jahre hin zum Favouritenkreis der Cl- Sieger gehören, genauso wie ManU, Chelsea, Barca, Madrid, Juve, Milan ... Als Fußballfan eines anderes Vereins bleibt mir nur die Wertschätzung für diesen Klub übrig, und mit Transfers, wie Götze, eigenen Talenten wie Müller etc. werden die nächsten Jahren mit maximal 1 -3 anderen Klubs weiter die Bundesliga dominieren und Bankrott werden sie auch nicht gehen. Die neuzeitliche Ära der Bayern begann meiner Meinung nach mit dem verlorenen Finale gegen ManU, mit all den Schwankungen, die in der Folge jedem Weltklasseklub passierten

    • _ME_
    • 04. Mai 2013 14:25 Uhr

    Ich denke das Potential eine Ära zu prägen hat der FCB derzeit wenn man die Zusammensetzung des Kaders betrachtet. Was mich in dieser Hinsicht noch zuversichtlich stimmt ist, dass der FCB in den letzten Jahren schon prägend waren, denn 3 Finalteilnahmnen in 4 Jahren hatte nicht einmal der große FC Barcelona.
    Um aber wirklich eine Äre zu prägen bedarf es noch mind. eines CL- Titels.

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