Als Maurizio Zamparini sechs Jahre alt war, besaß er den einzigen Fußball in seinem norditalienischen Heimatdorf Sevigliano. Er entschied, wann gespielt wurde, wer mitspielen durfte. "Das war großartig", sagt Zamparini heute.

Diese Anekdote aus der Nachkriegszeit charakterisiert den nunmehr 71-jährigen Geschäftsmann Zamparini bis in die Gegenwart. Als Präsident der US Palermo bestimmt der Norditaliener seit 2002, wohin der Ball rollt und wer ihn schießen darf. In seiner Ära beim AC Venedig (1987 bis 2002) war das genauso. Beide Vereine führte Zamparini in autokratischer Herrschaft in die Serie A. Eine eindrucksvolle Bilanz unterstreicht seinen Führungsstil: In seinen insgesamt 26 Jahren als Vereinsboss feuerte Zamparini 54 Trainer. Im italienischen Fußball heißt er "l'ammazza allenatori", der Trainermörder.

In der laufenden Spielzeit entließ Zamparini vier Mal den Trainer. Zu Saisonbeginn hatte er zunächst Giuseppe Sannino aus der Toskana nach Palermo gelotst. Weil Zamparini Sanninos "fantastische Saison in Siena mit der Lupe" beobachtet habe, wie er sagte, wollte er ihn "für fünf Jahre beschäftigen" und fügte hinzu: "Wenn ich ihn früh rausschmeiße, dann verdiene ich die Entlassung dafür."

Bereits nach drei Spieltagen entließ Zamparini Sannino, er selbst blieb. Sanninos Nachfolger Gian Piero Gasperini durfte neunzehn Spiele ran, ihm folgte Alberto Malesani. Für zwanzig Tage. Drei Remis waren Zamparini zu wenig. Er entschied sich für den Weg zurück in die Zukunft: Weil Malesanis Vorgänger noch laufende Verträge hatten, beorderte Zamparini Ende Februar zunächst den entlassenen Gasperini zurück – und beurlaubte ihn nach dreizehn Tagen zum zweiten Mal in fünf Wochen. Rückkehrer Sannino muss seitdem das Saisonfinale bestreiten. Am vergangenen Sonntag ist der Verein abgestiegen. 

2002 hatten die Palermitaner Zamparini wie einen Erlöser empfangen. Ihr Verein dümpelte seit dem Konkurs 1986 im Niemandsland. Der Geschäftsmann Zamparini brachte viel Geld, nach zwei Jahren waren die "Rosaneri" erstklassig. Auch die folgenden Spielzeiten verliefen erfolgreich. In zehn Jahren qualifizierte sich US Palermo fünf Mal für den Europapokal. Begeisterung entfachte sich unter den Sizilianern, das Stadio Renzo Barbera war regelmäßig ausverkauft. Während die großen Vereine wegen des Fußballskandals "Calciopoli" ein dunkles Kapitel schrieben, wechselten große Talente und namhafte Spieler nach Palermo. Es herrschte Aufbruchstimmung.

Aber in den wegweisenden Momenten nahm sich der Narziss Zamparini selbst wichtiger als den Verein. Als Luca Toni mit der Empfehlung von 50 Toren in 80 Spielen um eine Gehaltserhöhung bat, verhandelte Zamparini erst gar nicht und verkaufte den Stürmer für zehn Millionen Euro nach Florenz. Auch dort traf Luca Toni regelmäßig, ehe er zum FC Bayern wechselte und 2008 Torschützenkönig der Bundesliga wurde. Auch Spieler wie Javier Pastore, Edinson Cavani oder die Weltmeister Fabio Grosso, Andrea Barzagli und Cristian Zaccardo verkaufte Zamparini lieber gewinnbringend, als sie mit sportlichen Konzepten an den Verein zu binden.