Lukas Podolski mag keine Schnörkel. Am liebsten kommt er direkt auf den Punkt. So ist das, wenn man sich mit ihm unterhält und so war es auch im Länderspiel gegen Ecuador: Nach nur fünf Sekunden eroberte die deutsche Nummer Zehn den Ball und schob ihn vier Sekunden später an Ecuadors Torwart Maximo Banguera vorbei ins Tor. Podolski gelang der schnellste Treffer seit Beginn der Zeitmessung bei einem Länderspiel.

Bei seinem zweiten Treffer 16 Minuten später stellte die Abwehr Ecuadors ihre Arbeit komplett ein, die Vorarbeit leistete Max Kruse. Alle Tore der Deutschen fielen in der ersten halben Stunde. Neben Podolski traf der Leverkusener Lars Bender zweimal. Ecuador konnte zwar mit Gegentoren von Antonio Valencia und Walter Ayovi noch auf 2:4 verkürzen, wirklich gefährdet wurde der deutsche Sieg gegen Ecuador dank des Blitzstarts von Podolski jedoch nicht. 

Das sind nur die Fakten. Wenn man aus diesem Spiel etwas lesen will, dann könnte es das gelungene Debüt des 25-jährigen Mittelfeldspielers Max Kruse sein, eine der Entdeckungen der abgelaufenen Bundesliga-Spielzeit. Vor allem aber kann man die Partie im schwülen Boca Raton, Florida, auch als eine Art Abrechnung Podolskis mit seinen Kritikern sehen. Denn neben den Medien wies ihn auch der Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff in den vergangenen Tagen wiederholt zurecht. Podolski habe sich zuletzt nicht weiterentwickelt, sagte Bierhoff. Immer wieder in der Kritik: seine Schwächen bei der Eroberung des Balles.

Podolski ist ein Minimalist

Nachdem Podolski innerhalb der ersten neun Spielsekunden den Ball erobert und ein Tor erzielt hat, wirkt die Kritik ein wenig deplatziert. Aber sie ist berechtigt. Podolski vernachlässigt gelegentlich den Blick nach hinten, er lebt vor allem von seiner großen Stärke: seinem Schuss. Er ist extrem treffsicher, hat in 109 Länderspielen bereits 46 Tore erzielt. Doch das Spiel der Nationalmannschaft hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt. Es reicht nicht mehr aus, als Stürmer Tore zu schießen.

Mancher Spieler hätte sich von der Kritik des Teammanagers beirren lassen. Podolski blieb ruhig. "Wenn Herr Bierhoff es so sieht", sagte er mit einem Lächeln nach einer Trainingseinheit in Miami, "dann ist das seine Meinung. Man muss nicht über alles diskutieren." Podolski meinte das ernst. Er redet nicht drumrum. Manche interpretierten die Reaktion als Verärgerung. Das war es aber nicht. Podolski ist ein Minimalist. Er weiß, was er kann und er verlässt sich auf das Vertrauen des Nationaltrainers Joachim Löw, der nach dem Spiel sagte: "Lukas hat ein Zeichen gesetzt. Ich weiß nicht, ob er sich gekitzelt gefühlt hat. Er war immer ein wichtiger Spieler, hat immer wahnsinnige Verdienste und Einsatz gezeigt." 

Wenn Löw Lukas Podolski lobt, dann spricht er immer in der Vergangenheitsform. Das klingt dann fast wie bei einem Nachruf. Vielleicht geschieht es unbeabsichtigt, es könnte aber auch sein, dass Löw auf seine eigene Art und Weise die Lage beschreibt, in der sich Podolski befindet.