Deutschland-EcuadorPodolskis Antwort, Teil 1

Auf der DFB-Sommer-Reise will Lukas Podolski seinen Kritikern beweisen, dass er noch gebraucht wird. Beim Sieg gegen Ecuador fing er damit an. Von C. Gilbert, Boca Raton von Cathrin Gilbert

Lukas Podolski beim Torjubel

Lukas Podolski beim Torjubel  |  © Joe Skipper/Reuters

Lukas Podolski mag keine Schnörkel. Am liebsten kommt er direkt auf den Punkt. So ist das, wenn man sich mit ihm unterhält und so war es auch im Länderspiel gegen Ecuador: Nach nur fünf Sekunden eroberte die deutsche Nummer Zehn den Ball und schob ihn vier Sekunden später an Ecuadors Torwart Maximo Banguera vorbei ins Tor. Podolski gelang der schnellste Treffer seit Beginn der Zeitmessung bei einem Länderspiel.

Bei seinem zweiten Treffer 16 Minuten später stellte die Abwehr Ecuadors ihre Arbeit komplett ein, die Vorarbeit leistete Max Kruse. Alle Tore der Deutschen fielen in der ersten halben Stunde. Neben Podolski traf der Leverkusener Lars Bender zweimal. Ecuador konnte zwar mit Gegentoren von Antonio Valencia und Walter Ayovi noch auf 2:4 verkürzen, wirklich gefährdet wurde der deutsche Sieg gegen Ecuador dank des Blitzstarts von Podolski jedoch nicht. 

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Das sind nur die Fakten. Wenn man aus diesem Spiel etwas lesen will, dann könnte es das gelungene Debüt des 25-jährigen Mittelfeldspielers Max Kruse sein, eine der Entdeckungen der abgelaufenen Bundesliga-Spielzeit. Vor allem aber kann man die Partie im schwülen Boca Raton, Florida, auch als eine Art Abrechnung Podolskis mit seinen Kritikern sehen. Denn neben den Medien wies ihn auch der Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff in den vergangenen Tagen wiederholt zurecht. Podolski habe sich zuletzt nicht weiterentwickelt, sagte Bierhoff. Immer wieder in der Kritik: seine Schwächen bei der Eroberung des Balles.

Podolski ist ein Minimalist

Nachdem Podolski innerhalb der ersten neun Spielsekunden den Ball erobert und ein Tor erzielt hat, wirkt die Kritik ein wenig deplatziert. Aber sie ist berechtigt. Podolski vernachlässigt gelegentlich den Blick nach hinten, er lebt vor allem von seiner großen Stärke: seinem Schuss. Er ist extrem treffsicher, hat in 109 Länderspielen bereits 46 Tore erzielt. Doch das Spiel der Nationalmannschaft hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt. Es reicht nicht mehr aus, als Stürmer Tore zu schießen.

Mancher Spieler hätte sich von der Kritik des Teammanagers beirren lassen. Podolski blieb ruhig. "Wenn Herr Bierhoff es so sieht", sagte er mit einem Lächeln nach einer Trainingseinheit in Miami, "dann ist das seine Meinung. Man muss nicht über alles diskutieren." Podolski meinte das ernst. Er redet nicht drumrum. Manche interpretierten die Reaktion als Verärgerung. Das war es aber nicht. Podolski ist ein Minimalist. Er weiß, was er kann und er verlässt sich auf das Vertrauen des Nationaltrainers Joachim Löw, der nach dem Spiel sagte: "Lukas hat ein Zeichen gesetzt. Ich weiß nicht, ob er sich gekitzelt gefühlt hat. Er war immer ein wichtiger Spieler, hat immer wahnsinnige Verdienste und Einsatz gezeigt." 

Wenn Löw Lukas Podolski lobt, dann spricht er immer in der Vergangenheitsform. Das klingt dann fast wie bei einem Nachruf. Vielleicht geschieht es unbeabsichtigt, es könnte aber auch sein, dass Löw auf seine eigene Art und Weise die Lage beschreibt, in der sich Podolski befindet.

Leserkommentare
  1. Aus der Erinnerung meines Eindrucks von außen. Was für Poldi spricht ist das selbe was gegen ihn spricht.

    Läufts gut hat er Lust und ist wichtig, läufts schlecht zieht er den Karren nicht konstruktiv aus dem Dreck, sondern eher tiefer rein.

    2 Leserempfehlungen
  2. Aufgrund dieses Spiels können wir die WM auf keinen Fall gewinnen.
    Die zwei Tore gestern werden Grund genug für Löw sein, an Podolski festzuhalten, anstatt den jungen Talenten wie Götze oder Marco Reus (die um Klassen besser als Podolski sind) eine Chance zu geben.

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    "Die zwei Tore gestern werden Grund genug für Löw sein, an Podolski festzuhalten, ".. Hier vertraue ich Herrn Löw, dass dies nicht tut, weil er selber ein Freund junger hungriger Spieler ist. Poldi hat ja bereits zu spüren bekommen, das jüngere Spieler ihm im wahrsten sinne auf den Socken stehen. Was mich an dem Spiel gestern besonders freut, dass sich Spieler aus der zweiten Reihe so präsentiert haben, dass man sie ohne bedenken jederzeit bringen kann! Jetzt kann sich unser Berti zurücklehnen, weil es sein Verdienst ist, weil er "keine" Gelegenheit ausgelassen hat, um auf die Wichtigkeit der Jugendarbeit hinzuweisen!!!

  3. Seine Karriere begann mit dem Sommermärchen. Die Qualität für eine dritte WM und schon garnicht für einen Einsatz bei der nächsten WM sehe ich nicht. Podolski ist zu einem Schönwetter-Fussballer geworden. Ecuadors Auswahl hatte mit diesem Ehrgeiz der dritten Reihe im DFB-Trikot nicht gerechnet. Das Spiel gestern wäre vielleicht mit lustlosen Stars aus der ersten Reihe mit einem Unentschieden geendet.

    Die Diskussionen rund um das Spiel finde ich falsch. Gestern zeigte sich dieselben Schwächen, vor allem beim Coach. Das soviele Stars fehlten war das Glück der ersten Elf, in der die besten Alternativen auf dem Platz standen. Die alten Abwehrrecken aus den Tagen vor 2010 ergänzt um das ewige Potential Höwedes, dazu ein Mittelfeld mit Nachwuchsstars, Sidney Sams Einsatz war überfällig, Daxner war ein solider Spieler mit notwendigem Ehrgeiz, Kruse genauso. Dadurch trat eine unterschätzte gesunde Mischung aus alten Hasen (Adler, Jansen, Mertesacker, Westermann und Podolski) plus Talenten auf dem Platz.

    Löw und Podolski zeigten jedoch ihre üblichen Schwächen. Außerdem konnte man die Folgen des unnötigen 4:4 gegen Schweden erkennen: Ecuador rechnete in der zweiten Hälfte klar mit der Chance, ähnliches zu erreichen. Die letzte halbe Stunde hatte das Potential dazu.

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    • bayert
    • 30. Mai 2013 12:46 Uhr

    er zählt zu den besten DM der Welt. Poldi war nie so weit oben.

    das letzte "Tor des Monats" ausgiebig (das mit der Hacke), falls Sie ihn schon abgeschrieben haben.

    Ich denke aber, dass Schweinsteiger noch lange Zeit der beste Fußballer der NM bleiben wird, denn die so genannten frischen und jungen "Stars" werden noch geraume Zeit benötigen, bis sie sich seine Klasse erarbeiten - wenn sie das überhaupt schaffen.

    beste 8er der Welt. Ob man so jemanden noch gebrauchen kann?

    • E.Wald
    • 31. Mai 2013 22:48 Uhr

    Wie können Sie aus einem Spiel, bei dem Schweinsteiger gar nicht mitgespielt hat, folgern, dass seine Zeit abläuft? Denn die Spiele, die er zuletzt gespielt hat, können es ja nicht sein. Sogar Jens Lehmann, nicht gerade ein Freund des FC Bayern, sieht ihn als Anwärter für den Ballon d'Or (was er aber wegen des Wahlmodus' vermutlich nicht werden wird).
    Schweinsteiger ist auf einem Zenit - weil es kaum mehr Luft nach oben gibt. Es ist Kopf und Herz der besten Mannschaft Europas, der Spieler, dessen Ausfall dieses Team am meisten schmerzt. Aber er ist gerade mal 29 und kann noch einige Jahre auf diesem Niveau spielen, und er ist auf diesem Niveau auch für die NM unverzichtbar.

  4. sofort am hacken..........warum ?

    • bayert
    • 30. Mai 2013 12:46 Uhr

    er zählt zu den besten DM der Welt. Poldi war nie so weit oben.

    5 Leserempfehlungen
  5. das letzte "Tor des Monats" ausgiebig (das mit der Hacke), falls Sie ihn schon abgeschrieben haben.

    Ich denke aber, dass Schweinsteiger noch lange Zeit der beste Fußballer der NM bleiben wird, denn die so genannten frischen und jungen "Stars" werden noch geraume Zeit benötigen, bis sie sich seine Klasse erarbeiten - wenn sie das überhaupt schaffen.

    2 Leserempfehlungen
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    dass Schweinsteigers Zeit in der NM noch nicht vorbei ist, das ist absurd. Er spielt so gut wie eh und je, so gut wie bei der WM 2010.

    Aber er ist mit Sicherheit nicht der einzige der diese Weltklasse besitzt. Ein Neuer, Khedira, Lahm, Müller, Gündogan(wenn er die Form halten kann) und auch Gomez schweben auch immer mal wieder auf dem gleichen Niveau herum.
    Komischerweise wird denen nur ihre Inkonstanz (wenn man sie so nennen kann) eher zur Last gelegt als einem Schweinsteiger.

  6. "Die zwei Tore gestern werden Grund genug für Löw sein, an Podolski festzuhalten, ".. Hier vertraue ich Herrn Löw, dass dies nicht tut, weil er selber ein Freund junger hungriger Spieler ist. Poldi hat ja bereits zu spüren bekommen, das jüngere Spieler ihm im wahrsten sinne auf den Socken stehen. Was mich an dem Spiel gestern besonders freut, dass sich Spieler aus der zweiten Reihe so präsentiert haben, dass man sie ohne bedenken jederzeit bringen kann! Jetzt kann sich unser Berti zurücklehnen, weil es sein Verdienst ist, weil er "keine" Gelegenheit ausgelassen hat, um auf die Wichtigkeit der Jugendarbeit hinzuweisen!!!

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    Antwort auf "Katastrophe"
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    Erfolg, vor allem wenn er nachhaltig sein soll, setzt immer Ausbildung, Ehrgeiz, Fleiss, Bescheidenheit, Respekt, Demut voraus. Diese Eigenschaften habe ich bei Berti Vogts immer gesehen, was sicherlich auch auf seine Herkunft zurückzuführen ist. Er hat für den "Aufstieg" hart gearbeitet.
    Das Wirtschaftswunder der 50iger bis 70iger Jahre gründete hierauf und jetzt auch die Erfolge deutscher Mannschaften.
    Was die Zunkunft von Wirtschaft und Fussball angeht, bleibe ich skeptisch. Wir Deutschen neigen dazu, Erfolge zu verspielen. "Propheten" stellen sich auf und versprechen, "erfolgreich sein zu können" ohne vorgenannte Attribute. Man muss es sich nur von den Anderen nehmen.

  7. "Er trifft dann auch auf einen seiner größten Förderer, Jürgen Klinsmann, damals DFB- heute US-Coach, der ihn bei einer Asienreise Ende 2004 zum ersten Mal einsetzte – Podolski schoss gegen Thailand seine ersten beiden Tore für Deutschland."

    Das ist nicht ganz richtig. Lukas Podolski spielte das erste Mal am 06.06.2004 für die Nationalelf, Trainer war damals Rudi Völler. Unter anderem spielte Podolski auch die EM 2004. Das besagte Spiel gegen Thailand nutzte er ganz richtig für seine ersten Tore, aber erst bei seinem achten Auftritt im weißen Trikot.

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