Wer spielt wann gegen wen?

Bayern München – VfB Stuttgart (Samstag, 20 Uhr in Berlin)

Was dürfen Sie auf keinen Fall verpassen?

Die erste halbe Stunde. Wenn das Stuttgarter Offensivquartett gut aufgelegt ist, erinnert es an eine Beta-Version des BVB. Berlin darf sich Hoffnungen auf eine Wiederaufführung von Wembley machen – eine auf 30 Minuten komprimierte. Der VfB hätte auch danach noch eine Chance, wenn es für die Bayern nur um den Pokal ginge. Es geht aber um das große Triple, das in der Champions-League-Ära nur Manchester United (1999), Barcelona (2009) und Inter Mailand (2010) gewannen. Der FC Bayern hätte diese Heldentat bereits 2001 vollbringen können: Schalke wurde zum Meister der Herzen degradiert, Valencia im Elfmeterschießen besiegt, nicht aber der 1. FC Magdeburg in der zweiten DFB-Pokalrunde.

Was können Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Die letzten 60 Minuten. Die Bayern wollten der früheste Meister werden, den Punkterekord knacken, die längste Siegesserie innerhalb einer Saison ausbauen und noch viel mehr. Im April veröffentlichte der Verein eine To-do-Liste der Rekordjagd – sie protokolliert, wie sich die Bayern bei Laune gehalten haben. Was noch fehlt, ist der DFB-Pokal. Sobald die Münchener gegen Stuttgart jedoch uneinholbar vorne liegen, wird sich ihr Anstand in Süffisanz verwandeln. Die Bayern könnten dann im Olympiastadion abermals einen Freistoßschützen per Schnickschnackschnuck bestimmen. Vielleicht füllt Rummenigge seinen Spielern auch Weißbier in die Trinkflaschen. Oder Arjen Robben holt sich zwischendurch eine Pommes. Die wenigen sportlichen Fragen der zweiten Hälfte sind bloß für Sozialpsychologen von Belang: Darf Tom Starke spielen? Bekommt Anatolij Tymoschtschuk seine Abschiedsminuten? Darf Mario Gomez seinen Ex-Verein abschießen? Kommt Toni Kroos auf Krücken für die Schlussviertelstunde?

Wer steht im Blickpunkt?

Die Ist-nicht-so-schlimm-Rhetoriker vom VfB. Welch große Redner haben in Stuttgart schon gewirkt. Horkheimer, Schiller, Loriot, Heuss, Hegel: Sie waren schlagfertig und scharfsinnig. Karl-Heinz Rummenigge hätten sie nach dessen Bankettrede (''Wir können Stuttgart auch mit 1,8 Promille schlagen") zusammengefaltet. Aber Stuttgart fehlten die Worte. Für den Sportdirektor Fredi Bobič war das ''ein emotionaler Ausrutscher", den er schmunzelnd aufgenommen hat. Auch Bruno Labbadia reagierte gelassen. Um nicht schon wieder seinen Schreihals zu riskieren, wollte er über Rummenigges Spruch "auch mal einfach hinwegsehen". Selbst aus der Politik meldete sich niemand zu Wort. ''Wer 1,6 Promille Alkohol im Blut hat, gehört nicht auf ein Fahrrad", drohte der Verkehrsminister Peter Ramsauer am vergangenen Wochenende noch. Vor Bayerns Funktionären schreckt das Bundeskabinett zurück. Aber mit den Radfahrern kann man's ja machen!