Bundesliga-RelegationDie Hoffenheimer tanzen und bleiben erstklassig

Kein Aufstieg, kein Abstieg: Der TSG Hoffenheim hat auch das Rückspiel der Relegation gegen den 1. FC Kaiserslautern gewonnen und den Klassenerhalt geschafft. von Oliver Trust

Hoffenheims Trainer Markus Gisdol jubelt nach dem Treffer zum 0:1 gegen Kaiserslautern.

Hoffenheims Trainer Markus Gisdol jubelt nach dem Treffer zum 0:1 gegen Kaiserslautern.   |  © Fredrik von Erichsen/dpa

1. FC Kaiserslautern – 1899 Hoffenheim 1:2 (0:1)

Bis zur 28. Minute bemühten sich die Pfälzer, Hoffenheims Tor näherzukommen, schafften es aber selten. Die meisten Flanken schnappte sich Hoffenheims Torwart Koen Casteels oder einer der Innenverteidiger klärte per Kopf. Was im Spiel hitziger Zweikämpfe auffiel: Kaiserslautern gewann selten einen "zweiten Ball" zurück und operierte eine Spur zu viel mit langen Bällen. Da versuchte eine technisch schwächere Mannschaft mit Leidenschaft zum Erfolg zu kommen. Selten gelang den Pfälzern ein solider Spielaufbau.

In der 28. Minute aber passierte etwas, aus dem die Underdogs neue Energie schöpften. Es gab Elfmeter für Hoffenheim. Als Sejad Salihovic antrat, schien nur die Frage offen: Wohin haut der den Ball? Als der Ball mit hoher Geschwindigkeit ins rechte Torwarteck flog, tat das auch Tobias Sippel. Mit einer beeindruckenden Parade lenkte er den Ball an die Latte. Aber Hoffenheim überstand den Schreckensmoment und stabilisierte sein Spiel. Und mehr.

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Den Spielern in den weinroten Trikots gelang es nicht, aus dem Stimmungshoch Kapital zu schlagen. Hoffenheim traf das erste Mal. Nach Sejad Salihovic' Kopfball  konnte Sippel den Ball nicht festhalten und der Verteidiger David Abraham köpfte den Ball von der Torlinie aus ins Tor. Die Hoffenheimer vollführten erste Freudentänze. Der Trainer Markus Gisdol rannte wild mit den Armen rudernd über den Rasen. Jetzt stand es 4:1 im Gesamtergebnis. Ein nahezu aussichtsloser Rückstand für die Pfälzer und praktisch der Klassenerhalt für Hoffenheim. Zur Erinnerung: Hier spielte ein 12 bis 13 Millionen-Etat gegen einen von rund 46 Millionen. 

In der zweiten Hälfte spielte der 1. FC Kaiserslautern in Richtung "Wand". Die "Wand" ist in Kaiserslautern die Westtribüne auf der 15.000 FCK-Fans einen Höllen-Lärm machen. Jede noch so harmlose Chance wurde zum Ereignis. Erst Recht das 1:1 durch Alexander Baumjohann (65. Minute). Was nach der Pause passieren würde hat Markus Gisdol seinen Spielern sicher in der Kabine gesagt. Der FCK würde noch einmal alles nach vorne werfen. Hoffenheim sollten nur Konter bleiben.

Es kam wie erwartet, mit allen Begleiterscheinungen. Was bedeutete, der FCK kämpfte zwar, rannte, drängte, warf sich in jeden Ball – ohne aber eine Linie in sein Spiel bringen zu können.

Die Pfälzer, die zuvor in vielen Belangen unterlegen waren, rafften sich zu einem furiosen Schlussspurt auf. Mohamadou Idrissou schoss den Ball (68.) zwar ins Tor. Das aber zählte nicht – der Kameruner stand im Abseits. 

Nach dem Kopfball von Jannik Vestergaards zum 2:1 (75. Minute) hörte man aus der kleinen Hoffenheimer Fanecke erste Gesänge, die Markus Gisdol hoch leben ließen. Und die Fans riefen, was sich die Hoffenheimer als besseres Team verdient hatten: "Nie mehr zweite Liga."  

Hoffenheim bleibt in der ersten Bundesliga, obwohl die Mannschaft von Markus Gisdol erst am letzten Spieltag durch einen 2:1-Erfolg bei Borussia Dortmund auf den Relegationsplatz kam. Am 2. April erst hatte Gisdol den abstiegsgefährdeten Klub im Kraichgau übernommen und mit seinem kompromisslosen Jugendkurs für Aufsehen gesorgt. Er darf sich nun als der große Sieger fühlen. Die Vorstellung war im Rückspiel des Relegationsduells gegen die TSG Hoffenheim (Hinspiel 3:1) erstligareif, die Leistung der Heim-Mannschaft war es nicht. Am Ende pfiffen die FCK-Fans, während die Hoffenheimer entfesselt wilde Tänze vollführten.

1. FC Kaiserslautern: Sippel - Dick, Torrejón, Orban, Löwe - Borysiuk, Zellner - Drazan (55. Hoffer), Baumjohann - Bunjaku (64. Weiser), Idrissou
TSG 1899 Hoffenheim:
Casteels - Beck, Abraham (60. Süle), Vestergaard, Thesker (30. Rudy) - Polanski, Weis - Salihovic, Johnson, Roberto Firmino (86. Schipplock) - Volland
Schiedsrichter:
Meyer (Burgdorf) - Zuschauer: 49.780 (ausverkauft) Tore: 0:1 Abraham (44.), 1:1 Baumjohann (65.), 1:2 Vestergaard (74.)
Besonderes Vorkommnis:
Sippel (1. FC Kaiserslautern) hält Foulelfmeter von Salihovic (28.)
Gelbe Karten: Borysiuk, Dick, Idrissou, Sippel / Casteels, Thesker, Weis
Beste Spieler:
Baumjohann, Sippel / Vestergaard, Salihovic

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Leserkommentare
  1. wird man den Dortmundern wohl noch laenger anlasten

    3 Leserempfehlungen
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    • Hainuo
    • 28. Mai 2013 1:26 Uhr

    Das lasten wir uns auch selbst an... Yippie... Hoffenheim bleibt in der ersten Liga *troet*

    Ich hätte die Lauterer gerne zurückgehabt, die Stimmung heute war bombastisch. Man hätte meinen können, es wurde heute ein CL-Finale ausgetragen!

  2. Hoffenheim hat sich eindeutig durchgesetzt und sich somit klar den BL-Platz erkämpft.
    Glückwunsch von meiner Seite.

    6 Leserempfehlungen
  3. Wirklich Schade für die lauterer Fans!
    Ansonsten war Hoffenheim die klar bessere Mannschaft und bei der ganzen Mißkunst die denen entgegen kommt, war es ihnen auch irgendwie zu wünschen.

    5 Leserempfehlungen
  4. Das war die wohl einmalige Chance den Retortenclub in die 2. Liga zu schießen. Jetzt werden wir diesen [...]verein wohl etliche weitere Jahre in der Bundesliga erleben.

    Bezeichnend auch wie man nach dem Spiel lediglich die FCK-Fans hörte obwohl man das Außenmikro direkt vor den Hoffenheimer Block geschaltet hatte. Die Bundesliga kann man sich offensichtlich erkaufen - treue Anhänger nicht!

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/jk

    4 Leserempfehlungen
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    das ufo bundesliga ist abgehoben. aus der ferne hört man wie sich leute innerhalb dieses ufos an hoffenheim abarbeiten. dann wieder ohrenbetäubende stadionmusik während es sanft ins all entschwindet.

    Die achtzehn besten Teams oder die, mit "den treuesten Anhängern"? Was macht Wolfsburg dann in der BL, was Leverkusen? Und wer legt fest, ab wann eine ausreichend treue Anhängerschar gegeben ist, um die Erstligazugehörigkeit zu garantieren.

    Hoffenheim war in beiden Partien die klar bessere Mannschaft, um ehrlich zu sein, war ich erstaunt, dass der FCK mit den gezeigten Leistungen überhaupt Platz 3 belegen konnte.

    • bayert
    • 28. Mai 2013 13:58 Uhr

    Hoffenheim kostet den Steuerzahler kein Geld, im Gegensatz zum FCK. Neben Stadionmiete werden auch mal Steuern gestundet. Sonst wäre er schon pleite.

    das sagt einfach die Qualität des Kaders aus, wären sie abgestiegen dann wären sie mit mehr als 90%er sicherheit driekt wieder aufgestiegen, das hätte man schon irgendwie hin bekommen. Eine Mannschaft mit der Stärke von hoffenheim hätte die zweite Liga dominiert und die zweite Liga kann sich sicher besseres Vorstellen.

    So und so wären sie wieder aufgestiegen, dort ist genug Geld vorhanden um Spieler zu halten/ zu kaufen auch wenn es in die zweite Liga geht, es war keine Chance diesen Klub loszuwerden da muss schon mehr passieren.

    • Hainuo
    • 28. Mai 2013 1:26 Uhr
    5. Tja...

    Das lasten wir uns auch selbst an... Yippie... Hoffenheim bleibt in der ersten Liga *troet*

    Ich hätte die Lauterer gerne zurückgehabt, die Stimmung heute war bombastisch. Man hätte meinen können, es wurde heute ein CL-Finale ausgetragen!

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    Antwort auf "Tja das"
  5. "Am Ende pfiffen die FCK-Fans, während die Hoffenheimer entfesselt wilde Tänze vollführten."

    Sorry liebe Redaktion, aber das ist schlichtweg gelogen.

    Nach dem 2:1 hat die gesamte Lauterer Kurve nur "Olé Rot-Weiß" gesungen und nach dem Abpfiff die Mannschaft weiter gefeiert. Ganz kurz kamen für Sekunden ein paar Pfiffe als die Hoffenheimer gefeiert haben, aber direkt danach feierte man wieder geschlossen die Mannschaft. Die Fans des FCK waren heute Abend ein Vorbild für den deutschen Fußball und haben diese Zeile von Ihnen nicht verdient!

    8 Leserempfehlungen
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    • Paul B
    • 28. Mai 2013 3:07 Uhr

    Da gebe ich meinem Vorredner Recht. Die 1.FCK Fans haben ihre Mannschaft nach dem Abpfiff gefeiert, so wie die Hoffenheim Fans ihre Mannschaft. Es gab kurz mal für zwei Minuten Pfiffe als ca. 5-7 Hoffenheimer Spieler von Ihrer Fankurve zu den Hoffenheimer Fans im Rollstuhl an der Südtribüne trabten und Ihnen einige Ihrer T-Shirts gaben. Leider gab es dabei auch unschöne Szenen, als ein paar Chaoten die Spieler und die Fans im Rollstuhl mit teilweise vollen Bierbechern bewarfen. Peinliche Szene.

    .....Es freut mich besonders ,dass Ihr "Verein" auch nächstes Jahr alle Heimspiele vor ausvekauftem Haus und mit "Schlachtgesängen" in der ........
    .......2.Liga........ verbleiben muss!
    Fazit:
    .......Gröhl......" de Betze brennt auch ganz gut in der 2. Etage ..."

    • Paul B
    • 28. Mai 2013 3:07 Uhr

    Da gebe ich meinem Vorredner Recht. Die 1.FCK Fans haben ihre Mannschaft nach dem Abpfiff gefeiert, so wie die Hoffenheim Fans ihre Mannschaft. Es gab kurz mal für zwei Minuten Pfiffe als ca. 5-7 Hoffenheimer Spieler von Ihrer Fankurve zu den Hoffenheimer Fans im Rollstuhl an der Südtribüne trabten und Ihnen einige Ihrer T-Shirts gaben. Leider gab es dabei auch unschöne Szenen, als ein paar Chaoten die Spieler und die Fans im Rollstuhl mit teilweise vollen Bierbechern bewarfen. Peinliche Szene.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Dreiste Lüge"
  6. das ufo bundesliga ist abgehoben. aus der ferne hört man wie sich leute innerhalb dieses ufos an hoffenheim abarbeiten. dann wieder ohrenbetäubende stadionmusik während es sanft ins all entschwindet.

    Antwort auf "Hopp€nh€im"

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