Hoffenheims Trainer Markus Gisdol jubelt nach dem Treffer zum 0:1 gegen Kaiserslautern. © Fredrik von Erichsen/dpa

1. FC Kaiserslautern – 1899 Hoffenheim 1:2 (0:1)

Bis zur 28. Minute bemühten sich die Pfälzer, Hoffenheims Tor näherzukommen, schafften es aber selten. Die meisten Flanken schnappte sich Hoffenheims Torwart Koen Casteels oder einer der Innenverteidiger klärte per Kopf. Was im Spiel hitziger Zweikämpfe auffiel: Kaiserslautern gewann selten einen "zweiten Ball" zurück und operierte eine Spur zu viel mit langen Bällen. Da versuchte eine technisch schwächere Mannschaft mit Leidenschaft zum Erfolg zu kommen. Selten gelang den Pfälzern ein solider Spielaufbau.

In der 28. Minute aber passierte etwas, aus dem die Underdogs neue Energie schöpften. Es gab Elfmeter für Hoffenheim. Als Sejad Salihovic antrat, schien nur die Frage offen: Wohin haut der den Ball? Als der Ball mit hoher Geschwindigkeit ins rechte Torwarteck flog, tat das auch Tobias Sippel. Mit einer beeindruckenden Parade lenkte er den Ball an die Latte. Aber Hoffenheim überstand den Schreckensmoment und stabilisierte sein Spiel. Und mehr.

Den Spielern in den weinroten Trikots gelang es nicht, aus dem Stimmungshoch Kapital zu schlagen. Hoffenheim traf das erste Mal. Nach Sejad Salihovic' Kopfball  konnte Sippel den Ball nicht festhalten und der Verteidiger David Abraham köpfte den Ball von der Torlinie aus ins Tor. Die Hoffenheimer vollführten erste Freudentänze. Der Trainer Markus Gisdol rannte wild mit den Armen rudernd über den Rasen. Jetzt stand es 4:1 im Gesamtergebnis. Ein nahezu aussichtsloser Rückstand für die Pfälzer und praktisch der Klassenerhalt für Hoffenheim. Zur Erinnerung: Hier spielte ein 12 bis 13 Millionen-Etat gegen einen von rund 46 Millionen. 

In der zweiten Hälfte spielte der 1. FC Kaiserslautern in Richtung "Wand". Die "Wand" ist in Kaiserslautern die Westtribüne auf der 15.000 FCK-Fans einen Höllen-Lärm machen. Jede noch so harmlose Chance wurde zum Ereignis. Erst Recht das 1:1 durch Alexander Baumjohann (65. Minute). Was nach der Pause passieren würde hat Markus Gisdol seinen Spielern sicher in der Kabine gesagt. Der FCK würde noch einmal alles nach vorne werfen. Hoffenheim sollten nur Konter bleiben.

Es kam wie erwartet, mit allen Begleiterscheinungen. Was bedeutete, der FCK kämpfte zwar, rannte, drängte, warf sich in jeden Ball – ohne aber eine Linie in sein Spiel bringen zu können.

Die Pfälzer, die zuvor in vielen Belangen unterlegen waren, rafften sich zu einem furiosen Schlussspurt auf. Mohamadou Idrissou schoss den Ball (68.) zwar ins Tor. Das aber zählte nicht – der Kameruner stand im Abseits. 

Nach dem Kopfball von Jannik Vestergaards zum 2:1 (75. Minute) hörte man aus der kleinen Hoffenheimer Fanecke erste Gesänge, die Markus Gisdol hoch leben ließen. Und die Fans riefen, was sich die Hoffenheimer als besseres Team verdient hatten: "Nie mehr zweite Liga."  

Hoffenheim bleibt in der ersten Bundesliga, obwohl die Mannschaft von Markus Gisdol erst am letzten Spieltag durch einen 2:1-Erfolg bei Borussia Dortmund auf den Relegationsplatz kam. Am 2. April erst hatte Gisdol den abstiegsgefährdeten Klub im Kraichgau übernommen und mit seinem kompromisslosen Jugendkurs für Aufsehen gesorgt. Er darf sich nun als der große Sieger fühlen. Die Vorstellung war im Rückspiel des Relegationsduells gegen die TSG Hoffenheim (Hinspiel 3:1) erstligareif, die Leistung der Heim-Mannschaft war es nicht. Am Ende pfiffen die FCK-Fans, während die Hoffenheimer entfesselt wilde Tänze vollführten.

1. FC Kaiserslautern: Sippel - Dick, Torrejón, Orban, Löwe - Borysiuk, Zellner - Drazan (55. Hoffer), Baumjohann - Bunjaku (64. Weiser), Idrissou
TSG 1899 Hoffenheim:
Casteels - Beck, Abraham (60. Süle), Vestergaard, Thesker (30. Rudy) - Polanski, Weis - Salihovic, Johnson, Roberto Firmino (86. Schipplock) - Volland
Schiedsrichter:
Meyer (Burgdorf) - Zuschauer: 49.780 (ausverkauft) Tore: 0:1 Abraham (44.), 1:1 Baumjohann (65.), 1:2 Vestergaard (74.)
Besonderes Vorkommnis:
Sippel (1. FC Kaiserslautern) hält Foulelfmeter von Salihovic (28.)
Gelbe Karten: Borysiuk, Dick, Idrissou, Sippel / Casteels, Thesker, Weis
Beste Spieler:
Baumjohann, Sippel / Vestergaard, Salihovic