Profifußball : Dafür braucht der DFB einen Sportdirektor

Matthias Sammer war ein Trainerersatz, nach Robin Dutts Abgang sucht der DFB nun wieder einen Sportdirektor. Wozu eigentlich, und wie sieht seine Job-Beschreibung aus?
Robin Dutt auf einem Video-Screen während einer DFB-Tagung © Lars Kaletta/Bongarts/Getty Images

Wolfgang Niersbach ist nicht erfreut. Nachdem Robin Dutt das Angebot von Werder Bremen unbedingt annehmen wollte, muss der DFB-Präsident schon wieder einen Sportdirektor finden. Erst im Sommer 2012 war Matthias Sammer zum FC Bayern gewechselt.

Dutt räumt ein, er wisse, "dass es sich nicht schickt, schon nach neun Monaten wieder zu gehen". Niersbach sagt: "Diese Entwicklung passt nicht zur Position des Sportdirektors, langfristig die sportliche Richtung vorzugeben." In Frankfurt grassiert die Sorge, dass der Arbeitsplatz DFB unattraktiv ist, nur eine Durchgangsstation.

Den weiteren Äußerungen der DFB-Vertreter ist auch zu entnehmen, dass sie nicht genau wissen, wonach sie suchen. Es scheint, als hätte der Verband keine genaue Vorstellung davon, was ein Sportdirektor können muss und was er tun darf und soll. In der Pressemitteilung schreibt der DFB, dass er "das Portfolio für einen Sportdirektor nochmals sorgfältig überprüfen" werde. Reinhard Rauball, der Vorsitzende der Deutschen Fußball Liga, sagt: "Für diese Position muss ein neues Anforderungsprofil geschaffen werden."

Um die unterschiedlichen Auffassungen über die Aufgaben eines Sportdirektors zu verstehen, muss man die Geschichte seiner Entstehung kennen: 2006 kam dem DFB die Idee, sie entstand aus einer hauspolitischen Entscheidung. Sammer wurde ernannt, um Jürgen Klinsmanns Hockeykandidaten Bernhard Peters zu verhindern. Sammer sollte zudem bereit stehen, falls es der damalige Nationaltrainer bei der Weltmeisterschaft nicht hinbekommen sollte. Das galt lange als Gerücht, bis es der damalige Präsident Theo Zwanziger in seiner Biografie schrieb.


Inzwischen ist sich der DFB sicher, dass ein Sportdirektor mehr sein muss als ein Schattenbundestrainer. Doch eine erste Wortmeldung in dieser Debatte verstärkt das historisch verwurzelte Verständnis, der Sportdirektor sei an die Nationalelf angebunden. Der Sportdirektor des DFB brauche mehr Macht, sagte Sammer auf einer Pressekonferenz des FC Bayern und meinte damit den Zugriff auf die Nationalmannschaft. "Einen guten Idioten werden sie sonst nicht mehr finden." Diese Punkte hatten immer wieder zu Konflikten zwischen ihm sowie Joachim Löw und Oliver Bierhoff geführt. Aus Florida konterte Löw süffisant: "Dann kann Matthias ja zurückkommen."

Doch die Nationalmannschaft ist längst ein eigenständiges, funktionierendes Gebilde. Der DFB hätte genug andere Aufgaben für einen Sportdirektor: die Trainerausbildung, die Schiedsrichter, der Amateurfußball, der Mädchen- und Frauenfußball, das Nachwuchstraining, die Jugendnationalmannschaften.

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Kommentare

6 Kommentare Kommentieren

Es verwundert ein ums andere Mal,

dass Sammer so schlecht wegkommt (aktuell der Sportdirektor der erfolgreichsten Bayern seit den 70ern und vormals Europameister, Meister, Meistertrainer und der letzte deutsche Spieler der international ausgezeichnet wurde), denn sehr viele Punkte die beschrieben wurden, passen auf ihn 1 zu 1. Ein erfolgreicher Spieler und Trainer, stark in der Persönlichkeit und streitbereit bei allen Themen, die Fußball betreffen. „Sammer wurde ernannt, um Jürgen Klinsmanns Hockeykandidaten Bernhard Peters zu verhindern.“ Das ist eine Aussage, die ich sehr fragwürdig finde, weil sie die Position des Sportdirektors, den Sammer gab nicht im Ansatz reflektiert.
Sammers großer Verdienst ist meiner Meinung nach, dass er die Persönlichkeitsprofile der Spieler hervorhob und den Begriff „Das Team ist der Star“ völlig neu und meiner Meinung nach sinnvoller interpretierte. Im Artikel werden Jugendnationalmannschaften angesprochen, dabei aber verschwiegen, dass wir seit den DFB Reformen eine sehr hohe Talentdichte im Nachwuchsfußball haben und unter Sammer sportliche Erfolge (vor allem um 2008/09).Das ist natürlich nicht nur Sammers Verdienst und an vielen gingen diese Erfolge vorbei, aber das Talentscouting und die Förderung funktioniert, wir haben in Deutschland sehr viele talentierte Spieler, die Zusammenarbeit zwischen DFB und den Vereinen ist gut. Worüber beklagen wir uns eigentlich?
Ein DFB Sportdirektor sollte keinesfalls ein Funktionär, sondern ein ehemaliger Trainer sein

Man kann gerne diskutieren

aber gerade hier bei ZO kommt Sammer IMMER extrem negativ weg und das passt einfach nicht zu den Fakten. Sie sprachen vom BVB. Mag sein, dass es eine teuer erkaufte Mannschaft war, aber Fakt ist, dass er Meistertrainer geworden ist und rein von den Zahlen interessante Ergebnisse geliefert hat: http://www.transfermarkt.... (auch in Stuttgart mit 1,77 Punkten pro Spiel) und unter seiner Ägide sowohl Trainer gefördert wurden (Freund zum Beispiel), wie vor allem der Nachwuchs. Das die Grundlagen vor ihm gelegt wurden, geschenkt, aber die internationalen Titel wurden unter ihm gewonnen. Anderes Beispiel. Der FC Bayern und seine Rekordsaison. Einige (wie diverse ZO Redakteure) sehen in ihm nur ein Maskottchen, aber der Erfolg gibt ihm recht.
Persönlichkeit: Damit meine ich, dass er offenbar jemand ist, der die letzten Prozent aus Menschen kitzeln kann (Er führte Dortmund zum CL Sieg und die NM zum letzten internationalen Titel). Das bei einer Person, die derartige Erfolge vorweisen kann natürlich ein Machtanspruch entsteht ist klar und logische Konsequenz und darum passt Sammer so gut zum FC Bayern, auch wenn es verwundert, wie harmonisch er sich da eingefügt hat.
In meinen Augen sollte es beim DFB 2 starke Personen geben. Bundestrainer und den sportlichen Leiter und diese müssen gut miteinander auskommen und darin sah ich das größte Manko.

Endlich eine genauere Auflistung...

... der Angelegenheiten, um die sich ein DFB-Sportdirektor kümmert oder kümmern sollte. Das Schweizer Modell mit untergeordneten Ressortleitern klingt schon einmal sehr vernünftig. Noch mehr Einflussnahme auf die Nationalelf wäre meiner Meinng nach auch überflüssig, denn es gibt nichts zu managen (außer das, was Bierhoff da irgendwie zu machen scheint) und es gäbe ja auch genug andere Bereiche, die zwar weniger prestigeträchtig aber dennoch verbessrungswürdig sind.

Vielleicht wäre wirklich ein "kleineres Ego" auf dieser Position gut. Jemand, der sich bereits in verschiedenen Beriechen auskennt, einen langfristigen Plan hat, seine Arbeit macht und dafür nicht große mediale Anerkennung braucht.

Dieser Lothar Matthäus, ist der denn nicht zur Zeit verfügbar?

Danke für die Links

Diese sind sehr aufschlussreich. Natürlich sollte die Hauptaufgabe des Sportdirektors die Nachwuchsbetreuung sein. Damit meine ich in allen Bereichen. Nicht nur erfolgreiche Sportler hervorbringen, sonder diese auch charakterlich formen und sie auch auf ein Leben außerhalb des Fußballs vorbereiten. Ich erinnere nur an Magath, der auf Schalke den 17 jährigen Draxler nahelegte, die Schule abzubrechen. Wie plötzlich ein junger Spieler vor dem großen Nichts stehen kann, sieht man gerade bei Badstuber.

Zum Schweizer Modell: Der Stellenwert des Fußballs ist in der Schweiz sicher nicht mit dem in Deutschland zu vergleichen. Dennoch finde ich die Idee, dass Ressortleiter dem Sportdirektor beratend zur Seite stehen, sehr gut.

Aber generell zeigt die aktuelle Fußballergeneration ja, dass beim DFB in den letzten Jahren schon sehr gut gearbeitet wurde und dass die jetzige Personaldebatte darauf keinen Einfluss nehmen dürfte/sollte.