SC FreiburgDie Saison endet mit Grummeln

Der SC Freiburg feiert das Ende einer fabelhaften Saison. Nur Trainer Christian Streich versöhnt sich nicht mit der Niederlage gegen Schalke. Von Oliver Fritsch von 

Christian Streich war unerwartet sauer. Als sein Gegner, Jens Keller, auf der Pressekonferenz Schalkes Sieg als "nicht unverdient" beschrieb, rollte der Trainer des SC Freiburg mit den Augen. Ein Journalist wollte von ihm wissen, wie er die gelungene Saison bewerte. "Soll ich mich auf Befehl freuen?", war seine Antwort. Die Journalisten in dem kleinen Container, den sie in Freiburg Pressezentrum nennen, lachten, aber Streich war es ernst. Er hatte ein Spiel verloren. "Aber ich will gwinne", sagte er in alemannischer Färbung.

Streich dürfte einer der wenigen Freiburger im Stadion gewesen sein, denen das 1:2 gegen Schalke 04 die Laune verdarb. Denn trotz der Niederlage erlebte der Verein einen guten Tag. Die Zuschauer feierten das Ende einer tollen Saison, die der SC auf Platz 5 abschloss. Nach Bayern München hat Freiburg die Erfolgsgeschichte dieser Saison geschrieben. Dass Streich seine Miene so derart verzog, war dazu kein Widerspruch. Es sprach nur für die gestiegenen Ansprüche im Breisgau.

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Für die ist Streich verantwortlich. Er hatte die Mannschaft vor eineinhalb Jahren in der Winterpause abgeschlagen auf dem letzten Platz übernommen. Der Rest ist oft erzählt worden: Freiburg holte in der Rückrunde mehr als doppelt so viele Punkte wie in der Hinrunde und hielt die Klasse. In der neuen Saison führte Streich die Mannschaft nun in den Europapokal. Hätte Freiburg gegen Schalke gewonnen, würde der SC im nächsten Jahr sogar um die Champions League mitspielen. 

Das alles hat Streich mit einer besseren A-Jugend erreicht, mit unbekannten Talenten, die 1990 oder später geboren sind und beim SC gelernt haben: Oliver Sorg, Jonathan Schmid, Christian Günter, Mathias Ginter, Immanuel Höhn und Oliver Baumann. Streich kannte sie, weil er auch in der Jugendabteilung gearbeitet hatte.

Das Spiel gegen die mit Nationalspielern gut ausgestatteten Schalker bewies, dass Streichs Erfolg kein Zufall ist. Freiburg machte das Spiel mit eigenem Stil. Das sah man etwa an der systematischen Spieleröffnung über eine Dreierkette, die Schalke das Druckspiel nahezu unmöglich machte. Oder am Geschick der Offensiven, die Zwischenräume in den gegnerischen Reihen zu finden. Oder an den vielen Doppelpässen im Angriff. Das ist die Handschrift von Streich.

Freiburg machte auch Fehler

Schalke verlegte sich wie ein Außenseiter aufs Verteidigen. Nach dem Spiel sagte Streich in einer Mischung aus Trotz und Stolz: "Dass sich eine Mannschaft wie Schalke in Freibug hinten reinstellt, ist für uns ein Kompliment." Dass Freiburg verlor, war zum Teil dem Spielglück der Schalker geschuldet. Zum Teil auch der individuellen Stärke vor dem Tor. Aber auch den Fehlern der Freiburger. 

Dem Schalker Siegtreffer ging ein Ballverlust voraus. Das Tor selbst, ein Eigentor Julian Schusters, war eine nahezu komödienhafte Einlage, weil Höhn Julian Schuster anschoss. Es war nicht der einzige leichte Fehler der jungen Elf. Ginter zum Beispiel verlor den Ball mehrfach. Doch statt sich zu grämen, ließ er sich kurz später sofort wieder anspielen. Zu dieser aktiven Verarbeitungsstrategie fordert Streich seine Spieler an der Seitenlinie immer wieder auf.

Leserkommentare
  1. kleines Budget, tolle Technik, schöner Erfolg, weiter so.

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    der eingesetzten Mittel/eigenen Möglichkeiten.

    aber Schalke CL und Freiburg EL passt besser. Man muss ja erstmal sehen, welche Leistungsträger Freiburg jetzt alles verliert.

    Ich denke ein paar Runden erfolgreich in der EL mitspielen gibt Selbstvertauen und bringt auch Geld. Eine erfolgreiche CL-Qualifaktion hätte vermutlich einen letzten Platz in der CL-Gruppe zur Folge, Schalke traue ich da mehr zu.

    Nichts für ungut, Hut ab vor Freburgs Leistung !

  2. der eingesetzten Mittel/eigenen Möglichkeiten.

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    • u.t.
    • 19. Mai 2013 11:11 Uhr

    Natürlich darf auch an dieser Stelle nicht vergessen werden, dass der FC BAYERN MÜNCHEN die absolut oberpyramidonalste, dollste, alles in Schatten stellende Mannschaft seit..., seit... Christi Geburt ist und dass es niemals irgendwas besseres gegeben hat.

    Irgendwelche Posts, die da auch nur ein Fünkchen missverständlich sein könnten, wie hier Nr.1, müssen natürlich sofort nochmal klärend ankommentiert werden.

  3. zwei Tore selbst geschossen und der Treffer von Draxler schien nicht unhaltbar. Dass der Trainer grummelt, ist doch nachvollziehbar.

    Schade, dass einige Leistungsträger dem Verein den Rücken kehren, aber Glückwunsch an Gladbach, die mit Max Kruse einen Spieler mit hoher Spielintelligenz bekommen.

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  4. aber Schalke CL und Freiburg EL passt besser. Man muss ja erstmal sehen, welche Leistungsträger Freiburg jetzt alles verliert.

    Ich denke ein paar Runden erfolgreich in der EL mitspielen gibt Selbstvertauen und bringt auch Geld. Eine erfolgreiche CL-Qualifaktion hätte vermutlich einen letzten Platz in der CL-Gruppe zur Folge, Schalke traue ich da mehr zu.

    Nichts für ungut, Hut ab vor Freburgs Leistung !

    2 Leserempfehlungen
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    • Panic
    • 19. Mai 2013 14:04 Uhr

    Die EL ist drittklassig und bringt den Vereinen kein Geld. In diesem Zusammenhang war vor geraumer Zeit ein netter Beitrag im Deutschlandfunk zu hören. Die Balance, was das finanzielle Income in der CL und EL betrifft, stimmt ganz und gar nicht. Während in der CL mit den Millionen nur so um sich geworfen wird, geht es in der EL um Sümmchen, die keinen Verein finanziell wirklich weiterbringen, Und das vor allem mit Hinblick auf spielerische Verluste, die Freiburg erwartet.

    Nur mal eine Zahl: Der CL Gewinner erwirtschaftet zwischen 35 und 40 Mio. Oder: Sieg in der in Gruppenphase der CL = 1 Mio. Remis: 500.000 Im Europapokal: Sieg = 200.000 Remis: 100.000

    Ja, auch das ist Geld. Aber um eine Mannschaft auf europäischen Niveau oben mitspielen zu lassen, braucht es wirklich richtig Cash.

    cheers

    • u.t.
    • 19. Mai 2013 11:11 Uhr

    Natürlich darf auch an dieser Stelle nicht vergessen werden, dass der FC BAYERN MÜNCHEN die absolut oberpyramidonalste, dollste, alles in Schatten stellende Mannschaft seit..., seit... Christi Geburt ist und dass es niemals irgendwas besseres gegeben hat.

    Irgendwelche Posts, die da auch nur ein Fünkchen missverständlich sein könnten, wie hier Nr.1, müssen natürlich sofort nochmal klärend ankommentiert werden.

    8 Leserempfehlungen
    Antwort auf ""Beste" im Rahmen"
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    Immer noch angefressen wegen gestern und dem beinahe sicheren CL-Finalaus Ihrer Mannschaft?

  5. mit sehr vielen Gewinnern, im Schatten des multiblen Rekordmeisters.

    Dortmund - CL Finale
    Leverkusen - direkte CL Quali
    Schalke - trotz Management noch Cl Quali
    Freiburg - sensationell in die EL (ich hätte mich auf Freiburg in der CL gefreut, denn dieses Team ist zu vielem fähig und hätte nichts zu verlieren)
    Frankfurt - als Aufsteiger (!) direkt für die EL qualifiziert (wenn man also Freiburg lobt, dann kann man die Leistung der Eintracht nicht hoch genug schätzen)
    Hamburg - nach der desolaten letzten Saison ist es ein voller Erfolg um die EL gekämpft zu haben. Nur finanziell sieht es wohl sehr schlecht aus
    Gladbach - auch wenn die EL verpasst wurde, haben sie lange mitgespielt und vor allem die Abgänge im Laufe der Saison kompensiert (Reus, Dante, Neustädter, de Camargo)
    Werder - nicht abgestiegen und zum Schluß mit den Fans versöhnt
    Stuttgart - DFB Pokalfinale (!) und damit für die EL qualifiziert
    Augsburg - nicht abgestiegen und das nach der Hinrunde

    Es gibt wirklich viele Gewinner, viele Sensationen, viele Highlights und Freiburg hat wirklich aus vielen Gründen überrascht. Hoffe sehr, man lässt sie in Ruhe arbeiten, auch wenn es in der nächsten Saison holprig wird.

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    natürlich Leverkusen direkt für die CL qualifiziert

    jetzt muss nur noch Lautern gewinnen und dann ist die Saison perfekt.

  6. natürlich Leverkusen direkt für die CL qualifiziert

    Antwort auf "Eine Saison"
  7. 8. Ja,...

    jetzt muss nur noch Lautern gewinnen und dann ist die Saison perfekt.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Eine Saison"
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    Nachdem sich die richtigen Mannschaften für die entsprechenden Wettbewerbe qualifiziert hatten, habe ich mich ganz besonders für Freiburg, Frankfurt und die Hoffenheimer gefreut.

    Die Hoffenheimer hatten diese Saison viel unter dem jahrelangen HOPPschen Missmanagement zu leiden.

    Trotzdem hatten sie von allen Mannschaften im unteren Tabellenfeld den schönsten Fussball gespielt, allerdings auch die am schönsten fliegenden Torhüter der Bundesliga in ihren Reihen ;-)

    Nachdem mit dem letzten Trainerwechsel aber endlich Ruhe im Verein eingetreten ist, konnten sie sich so weit motivieren, dass sie völlig verdient die Relegation geschaft haben, und hoffentlich auch den Klassenerhalt schaffen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Freiburg | Bundesliga | Fußball | FC Schalke 04 | SC Freiburg | Eigentor
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