Sportfreunde Stiller"Stell' dir vor, Götze und Lewandowski legen Bayern zwei Eier rein!"

Komplettes Ausrasten gibt es nur beim Fußball. Im Alles-über-Fußball-Gespräch reden die Sportfreunde Stiller über das irre Gefühl nach einem Tor und das deutsche Finale. von 

Die Sportfreunde Flo, Rüde und Peter (v.l.)

Die Sportfreunde Flo, Rüde und Peter (v.l.)  |  © Gerald von Foris

ZEIT ONLINE: Meine Herren, das waren aufregende Fußball-Wochen. Ein deutsches Champions-League-Finale. Verrückt, oder?

Rüdiger Linhof: Ich war schon sehr überrascht. Man redet ja seit vielen Jahren davon, dass es endlich an der Zeit ist, internationale Erfolge einzuheimsen. Dieses "endlich" währte schon so lange, dass ich mich schon fast mit der Rolle des würdevollen Verlierers abgefunden hätte. 

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Peter Brugger: Wobei nicht zu erwarten war, dass es ein rein deutsches Finale in Wembley gibt. Mit Bayern konnte man rechnen. Dass aber auch Dortmund einen solch erfolgreichen Tanz durch Europa hinlegt, ist verdammt stark. Dennoch, Bayern wird auch gegen Schwarzgelb bestehen und den Pott endlich verdientermaßen in die Landeshauptstadt holen.

Florian Weber: In Bezug auf London als Finalstadt bleibt nur zu sagen "Football's coming home"! Wembley ertrinkt in bayerischem Bier, Bratwurst und wunderbarer Fußballkunst. Und dann stell' dir vor, Götze und Lewandowski legen den Bayern zwei Eier rein! Das wäre dann wirklich verrückt.

ZEIT ONLINE: Peter ist Bayern-Fan, Flo Sechzger. Da scheinen die Sympathien klar verteilt. Was ist mit Rüde?

Rüde: Ich bin Münchner und somit klar für Bayern. Statistisch unvorstellbar, dass ein Verein innerhalb von vier Jahren dreimal das Finale verliert.

Sportfreunde Stiller

Peter Brugger, Florian Weber und Rüdiger Linhof sind die deutsche Indie-Rock-Gruppe Sportfreunde Stiller. Ihr erstes Album "So wie einst Real Madrid" erschien im  Jahr 2000. Sechs Jahre später feierten die Sportfreunde bei der Heim-WM mit dem Hit "'54, '74, '90, 2006" ihren größten Erfolg. Am 24. Mai erscheint ihr neues Album "New York, Rio, Rosenheim".

Flo: Es ist auch meiner Altersmilde geschuldet, dass ich mittlerweile auf internationaler Bühne sogar zu den Bayern halte. Nur bin ich großer Fan von Dortmunds Zauberfußball. Und ab nächstem Jahr wird Bayern mit Götze, Lewandowski und Guardiola sowieso auf Jahre unschlagbar sein, um mal den Kaiser zu zitieren. Da soll Dortmund davor noch was mitnehmen.

Peter: Ich habe mich als Bayern-Fan dabei ertappt, dass ich beim Dortmund-Spiel gegen Malaga Freudenschreie ausstieß. Bei Dortmund, das muss man sich mal vorstellen! Aber es wird so kommen: Müller Kopfballtor, Robben Linksschuss, Dante Eigentor, Abpfiff. 2:1 für den großen FCB. Danke!

ZEIT ONLINE: Und was machen wir mit Uli Hoeneß?

Flo: Wir lassen ihn ruhen.

Peter: Erst mal gar nix, bis man die genauen Fakten kennt und dennoch beschäftigt mich die ganze Sache schon sehr. Da hat jemand, den ich immer vor allen Kritikern vehement verteidigt habe tatsächlich so krassen Mist gebaut. Ich schätze die Leistungen und das Lebenswerk von Uli Hoeneß sehr und verehre Ihn als Menschen. Muss ich meine Meinung revidieren? Ist er doch nur ein Mensch, hat er eine Seite, die nicht gut, sozial und edel ist? Viele Fragen, noch gibt’s für mich keine klaren Antworten.

ZEIT ONLINE: Es sieht so aus, als ob im deutschen Fußball in den vergangenen Jahren viel richtig gemacht wurde. Auch in der Nationalelf. Obwohl dort immer mal wieder der Vorwurf aufkommt, der Mannschaft fehle der letzte Tick für den Erfolg.

Peter: Ich finde den Weg super. Mittlerweile kann man sich sogar auf ein stinknormales Freundschaftsspiel freuen. Das ist einfach schön anzuschauen. Die spielen einen wunderbaren Fußball. Lieber so, als sich zu so einem komischen Finaleinzug wie 2002 durchzuwursteln.

Rüde: Das war damals wirklich am Rande der Würdelosigkeit. Wenn ich dafür an die großartigen Spiele 2010 gegen England und Argentinien denke.

ZEIT ONLINE: Sie haben sich nach Ihrem ehemaligen Fußballtrainer Hans Stiller benannt. Der hat in einem Interview mal Flo als "Brechertypen" bezeichnet...

Flo: ...ja, spinnt der eigentlich...?

ZEIT ONLINE: ... und über Peter gesagt, er sei ein begnadeter Techniker, aber etwas schwach auf der Brust.

Peter: Ich kann dem nichts entgegensetzen. Ich bin froh, dass er meine Technik erkannt hat. Spielen hat er mich trotzdem nicht lassen.

Flo: Meine Einsätze waren auch in erster Linie meinen weiten Einwürfen geschuldet. Ich war spielerisch nicht so recht auf der Höhe, aber meine Einwürfe fanden alle gut.

ZEIT ONLINE: Was war der Herr Stiller denn für ein Trainertyp? Ein Magath, Klopp, Guardiola?

Rüde: Eher so ein Lorant. Von der Frisur her zumindest und von der Geschmeidigkeit seines Wortgebrauchs. Ich kenne ihn ja nur von Konzerten, auf dem Platz habe ich ihn noch nie erlebt. Im Übrigen habe ich noch nie ein Tor geschossen.

ZEIT ONLINE: Flo und Peter, was ist an einem geschossenen Tor so großartig?

Flo: Die Gefühlsentwicklung ist kongruent zur Wichtigkeit des Spiels. Beim Thekenteam ist das nicht so doll wie damals, als ich vor 15 Jahren beim Sparkassen-Cup dem SV Manching das Ding unter die Latte genagelt habe.

Rüde: Per Einwurf?

Flo: Nein, aber dieses fulminante Gefühl, wenn der Ball den Fuß verlässt und man weiß, da kommt kein Torhüter mehr ran. Und dann dieses satte, ratzende Geräusch wenn der Ball ins Tor geht. Und die Jubeltraube, die einen nach unten drückt, in der Gewissheit, dass man am Abend der König der Mannschaft sein wird. Das ist herrlich, Rüde, das ist Fußball.

Leserkommentare
  1. Wenn man seine Mannschaft nicht mit dem Namen des Landes anfeuern darf.

    In England, wo "England!" auch ständig gerufen wird völlig unverständlich.

    Man kann sich die Rolle der ewigen Vergangenheit auch freiwillig anziehen - selbst wenn sogar der eigene Vater erst nach dem Krieg überhaupt geboren wurde.

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  2. liebe sportsfreunde stiller!

    meine wetten laufen seit wochen auf einen sieg im elfmeterschießen hinaus (5:3 für den BVB !)

    nur ihr seid noch geiler:

    die beiden entscheidenden elfer durch götze und lewandowski => ich hoffe es im herzen, wagte es aber bislang nicht es auszusprechen/zu sprechen

    => YMMD!!!!

    • Hainuo
    • 06. Mai 2013 19:25 Uhr

    Das war das einzige Fußballlied, das mir wirklich gefallen hat. Ich habe es bei der WM 2010 sogar in Taiwan gesungen und alle taiwanesischen Freunde, die halbwegs Deutsch imitieren konnten, stimmten es beim Spiel gegen Argentinien an. Großartige Erinnerung. Der Vergleich mit den Three Lions absolut legitim. Danke dafür!

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    Also ich für meinen Teil hatte beim Hören dieser "Fußballhymne", eben, weil ich auch das gottgleiche "Three Lions" der großartigen Lightning Seeds im Hinterkopf zum Vergleich da hatte, immer einen Scham-Moment. Da ein wunderbar geistreich-ironisch-euphorischer Song mit legendärem Video, perfekt komponiert und arrangiert, dort eine drittklassige Schülerband, bei der man schon froh ist, wenn der Sänger einmal pro Strophe einen Ton trifft. Und dieses krampfig-uncool-flache Auf-Spaß-und-gute-Laune-getrimmt-sein... beim Hören von "54, 74, 90, 2010" weiß ich immer, was ich an Deutschland und deutscher Musik immer schon gehasst habe.
    (Und ja, privat sind die sicher nett, aber ich kanns jetzt nicht ändern.)

  3. Also ich für meinen Teil hatte beim Hören dieser "Fußballhymne", eben, weil ich auch das gottgleiche "Three Lions" der großartigen Lightning Seeds im Hinterkopf zum Vergleich da hatte, immer einen Scham-Moment. Da ein wunderbar geistreich-ironisch-euphorischer Song mit legendärem Video, perfekt komponiert und arrangiert, dort eine drittklassige Schülerband, bei der man schon froh ist, wenn der Sänger einmal pro Strophe einen Ton trifft. Und dieses krampfig-uncool-flache Auf-Spaß-und-gute-Laune-getrimmt-sein... beim Hören von "54, 74, 90, 2010" weiß ich immer, was ich an Deutschland und deutscher Musik immer schon gehasst habe.
    (Und ja, privat sind die sicher nett, aber ich kanns jetzt nicht ändern.)

    7 Leserempfehlungen
    Antwort auf "54, 74, 90, 2014"
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    "Und dieses krampfig-uncool-flache Auf-Spaß-und-gute-Laune-getrimmt-sein"

    Glücklicherweise wächst gerade eine Generation heran, die das Lied und die dazugehörige WM 2006 als Kinder bzw. Jugendliche einfach nur genossen hat, ohne irgendeinen Hintergedanken oder die permanente Selbstkasteiung. Ganz ehrlich, ich finde ihre Ausführungen viel krampfhafter als das zugegebenermaßen lyrisch nicht sehr komplexe Lied der Sportis.

    Der Scham-Moment kam mir bei so manchem Ballermann-Lied, aber sicher nicht bei Zeilen wie
    "Wir haben nicht
    die höchste Spielkultur,
    sind nicht gerade filigran.
    Doch wir haben Träume und Visionen
    und in der Hinterhand 'n Masterplan."

    • Hainuo
    • 07. Mai 2013 0:28 Uhr

    Was für ein tiefsitzender Zorn... Zugegeben: Musikalisch als auch inhaltlich ist der Song "Three Lions" besser...

    Geschenkt! Das Lied der Sportfreunde Stiller, die ich selbst auch für seicht halte, hat genau den richtigen Ton getroffen. Es war eingängig und auch wenn sie es nicht gerne hören: Es kam auch bei Gästen von außerhalb gut an. Es war aber nicht prollig, wie bspw. Oliver Pocher. Damit hob es sich wohltuend von den anderen Songs ab. Es war ein schöner, eingängiger Song, den alle singen konnten. Kein Grund all das darauf zu projezieren, was sie an Deutschland hassen. Etwas martialisch, oder?

    • Panic
    • 07. Mai 2013 10:26 Uhr

    Die Sportfreunde sind einfach jut. Und natürlich trifft er die Töne. Die wohl platteste Kritik, wenn man eine Band nicht mag. Zumal die Jungs den wohl besten Fußballsong überhaupt geschrieben haben; "Ich Roque!"

    Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Aber bitte realistisch bleiben ^^

    cheers

    • Jaklim
    • 06. Mai 2013 21:28 Uhr

    Da der BVB heute vermelden konnte, dass sich über eine halbe Million Menschen für seine Ticketverlosung angemeldet haben, wird London wohl eher in Pilsener ertrinken. Mein Tipp: 5:2 für die Heimmannschaft. Lewandowski 3, Götze 2 und dann sind die deutschen Verhältnisse wieder richtiggestellt.

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    Das war mal. Sie pfeifen im Walde :-)))

  4. "Und dieses krampfig-uncool-flache Auf-Spaß-und-gute-Laune-getrimmt-sein"

    Glücklicherweise wächst gerade eine Generation heran, die das Lied und die dazugehörige WM 2006 als Kinder bzw. Jugendliche einfach nur genossen hat, ohne irgendeinen Hintergedanken oder die permanente Selbstkasteiung. Ganz ehrlich, ich finde ihre Ausführungen viel krampfhafter als das zugegebenermaßen lyrisch nicht sehr komplexe Lied der Sportis.

    Der Scham-Moment kam mir bei so manchem Ballermann-Lied, aber sicher nicht bei Zeilen wie
    "Wir haben nicht
    die höchste Spielkultur,
    sind nicht gerade filigran.
    Doch wir haben Träume und Visionen
    und in der Hinterhand 'n Masterplan."

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    Ihre, nicht ihre.

  5. 7. Anrede

    Ihre, nicht ihre.

    • Hainuo
    • 07. Mai 2013 0:28 Uhr

    Was für ein tiefsitzender Zorn... Zugegeben: Musikalisch als auch inhaltlich ist der Song "Three Lions" besser...

    Geschenkt! Das Lied der Sportfreunde Stiller, die ich selbst auch für seicht halte, hat genau den richtigen Ton getroffen. Es war eingängig und auch wenn sie es nicht gerne hören: Es kam auch bei Gästen von außerhalb gut an. Es war aber nicht prollig, wie bspw. Oliver Pocher. Damit hob es sich wohltuend von den anderen Songs ab. Es war ein schöner, eingängiger Song, den alle singen konnten. Kein Grund all das darauf zu projezieren, was sie an Deutschland hassen. Etwas martialisch, oder?

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