WeltsportministerkonferenzZusammen gegen IOC und Fifa

In Berlin erkennen die Sportminister aus aller Welt erstmals die Probleme des Sports an – und beziehen Stellung gegen die großen Verbände. Von C. Spiller von 

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich auf der Konferenz

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich auf der Konferenz  |  © Hannibal Hanschke/picture alliance/dpa

Der Mann aus Simbabwe möchte eigentlich nur ein kleines Wort einfügen lassen, in die offizielle "Berliner Erklärung", auf die sich die Sportminister der Welt gerade einigen. "Herr Präsident", beginnt er etwas zerstreut im riesigen Saal eines Berliner Luxushotels, seine Bitte wird in sieben Sprachen übersetzt. Doch der Konferenzpräsident aus Mozambique weist ihn freundlich aber bestimmt darauf hin, dass er damit noch ein wenig warten müsse, so weit seien sie noch nicht. Der Mann aus Simbabwe entschuldigt sich und nickt verständnisvoll, nur um ein paar Minuten später zu erkennen, dass er diesmal seinen Einsatz verpasst hat. Die entsprechenden Absätze wurden gerade ratifiziert. "Es scheint, ich bin entweder zu früh oder zu spät", sagt er. Schmunzeln im Saal.

500 Sportminister und Funktionäre aus 137 Ländern trafen sich am Mittwoch und Donnerstag in Berlin zur Weltsportministerkonferenz. Es ist erst die fünfte überhaupt seit 1976, was bedeutet, dass die obersten Sporthüter der Welt nur etwa alle zehn Jahre zueinander finden. Das ist relativ selten, nicht verwunderlich also, dass es durchaus einiges zu besprechen gab im berühmten 1.500 Quadratmeter großen Ballsaal, wo die Teppiche tief sind und das Licht warm.

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Probleme hat der Weltsport ja genug: Doping, Wettmanipulation, die Monopolistenstellung der großen Verbände, die den Ausrichterländern von Fußball-Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen frech die Bedingungen diktieren. Irgendwann, das haben auch die Sportminister erkannt, bekommen sie ein Problem. Wenn Sport nämlich unglaubwürdig wird, verliert er seine Legitimation. Und so ganz nebenbei kann man mit ihm dann auch viel schlechter Geld verdienen – oder Politik machen.

Für einige wachsweich, für andere knallhart

Während diese Probleme die Themen unserer, der ersten Welt sind, geht es anderenorts um ganz elementare Dinge: um die Möglichkeit, überhaupt Sport treiben zu können.

Und so handelt der erste große Komplex der nun verabschiedeten "Berliner Erklärung" vom "Zugang zum Sport als fundamentales Grundrecht für alle." Inklusion ist der Fachbegriff. Sport treiben soll jeder können, unabhängig von ethnischer Herkunft, Geschlecht, Alter, gesundheitlicher Beeinträchtigung, kulturellem und sozialem Hintergrund, wirtschaftlichen Mitteln oder der sexuellen Orientierung. Darauf wurde sich nun verständigt.

Nach kurzen Beratungen auf dem Podium kommt der Mann aus Simbabwe doch noch zu seinem Recht. Er darf das Wort "schulisch" einfügen. Und so wird künftig sichergestellt, dass Sportunterricht zum verpflichtender Teil der primären und sekundären "schulischen" Ausbildung wird. Keine weltbewegende Änderung, doch der Fall zeigt, wie schwierig und zäh ein politischer Prozess sein kann. Vor allem, wenn die ganze Welt mitreden will.

Man könnte die Formulierungen der "Berliner Erklärung" als wachsweich kritisieren. "Aber was für deutsche Ohren wachsweich klingt, ist für andere Länder knallhart", sagte Sylvia Schenk, Vorstandsmitglied von Transparency International, die eine der Berliner Konferenzen leitete. Die Antikorruptionsexpertin steht nicht im Verdacht, bei den Problemen des Sports ein Auge zuzudrücken. Sie sagte: "Es war ein guter Tag für den Sport."

Leserkommentare
    • Pnin05
    • 31. Mai 2013 12:16 Uhr

    Sehr informativer Artikel, vielen Dank!

    Aber die Rede von "ethischer Herkunft" ist ein Brüller!

    Eine Leserempfehlung
  1. Redaktion

    Lieber Pnin05,

    danke für das Lob und den Hinweis. Das fehlende "n" ist nun eingefügt.

    Freue mich auch immer, wenn ich Sie zum Lachen bringe.

    Viele Grüße aus der Redaktion
    Christian Spiller

    4 Leserempfehlungen
  2. süß :)
    Der Konjunktiv wäre mein bester Freund, wenn man damit verbindliche Sanktionen verbinden könnte. Die Weichheit der Formulierungen kommt wohl einfach durch die unzähligen, sollte, müsste, könnte, hätte, wäre die bei dieser Thematik immer an den Tag gelegt werden und spannend ist es eigentlich auch, wenn man bedenkt, wie selbstverständlich viele Forderungen eigentlich im Alltag sein sollten. Ja, sollten. Zugang zum Sport. Ein kleiner Blick in die Welt zeigt, dass das Selbstverständlichste für uns in anderen Regionen der Welt reale Hürden birgt und darum ist es einerseits schön, dass es eine solche Konferenz gibt, aber auf der anderen Seite. Welche Durchsetzungsmöglichkeiten gibt es denn?
    "Zudem sollen finanzielle, technische und politische Anforderungen an solche Veranstaltungen abgesenkt werden" Politische Forderungen abgesenkt werden? Haben die Spiele in Peking nicht bewiesen, dass die Anforderungen bereits sehr niedrig sind? Das ist nicht polemisch gemeint, sondern eine ernst gemeinte Frage.
    Und in puncto Glaubwürdigkeit des Sports. Es wird immer Risiken geben, sei es Doping, Wetten oder andere Betrügereien. Das ist aber weniger das Problem der Verbände, sondern ein gesellschaftliches Problem, sei es der mediale Druck, sei es die Gewinnchance Millionenbeträge abzusahnen, oder schlicht Ehrgeiz und Egoismus. Wichtig wäre, dass Verbände sich viel intensiver im Breiten und Amateurbereich engagieren.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Pnin05
    • 31. Mai 2013 13:29 Uhr

    sind Sie mitten drin im Dilemma des Völkerrechts generell. Wenn sich Regionen in Europa (mehr als nur EU) Gerichtshöfe einrichten, sind solche halbwegs gegeben. Aber weltweit bisher kaum.

    Nehmen Sie als Beispiel die kürzlich veröffentlichte Rüge an Deutschland des UN-Antirassismusausschusses. Dem liegt ein völkerrechtlich gültiger Vertrag zugrunde, Dtl hat sowohl den Vertrag als auch den Ausschuss anerkannt. Und dann schauen Sie, was für ein Shitstorm in Internetforen, auch hier, losgebrochen ist. Das Hemd ist halt immer näher als die Jacke, weltweit.

    Und bei den hier im Artikel verhandelten Fragen geht es noch nicht mal um einen völkerrechtlichen Vertrag....

    Aber im Kern stimme ich Ihnen zu!

    • Pnin05
    • 31. Mai 2013 13:29 Uhr

    sind Sie mitten drin im Dilemma des Völkerrechts generell. Wenn sich Regionen in Europa (mehr als nur EU) Gerichtshöfe einrichten, sind solche halbwegs gegeben. Aber weltweit bisher kaum.

    Nehmen Sie als Beispiel die kürzlich veröffentlichte Rüge an Deutschland des UN-Antirassismusausschusses. Dem liegt ein völkerrechtlich gültiger Vertrag zugrunde, Dtl hat sowohl den Vertrag als auch den Ausschuss anerkannt. Und dann schauen Sie, was für ein Shitstorm in Internetforen, auch hier, losgebrochen ist. Das Hemd ist halt immer näher als die Jacke, weltweit.

    Und bei den hier im Artikel verhandelten Fragen geht es noch nicht mal um einen völkerrechtlichen Vertrag....

    Aber im Kern stimme ich Ihnen zu!

    2 Leserempfehlungen
    • SteB
    • 31. Mai 2013 14:58 Uhr

    "Ging es beim Thema Nachhaltigkeit bislang nur um Ökologie, sollen künftig auch ökonomische und soziale Aspekte eine Rolle spielen"

    De facto war also bisher nie von Nachhaltigkeit die Rede, sondern lediglich von Ökologie. "Nachhaltigkeit" beinhaltet per definitionem nämlich den Dreiklang von Ökologie, Ökonomie sowie sozialen Aspekten. Wenn einer oder gleich zwei davon keine Berücksichtigung finden, ist es keine Nachhaltigkeit.

    Eine Leserempfehlung
  3. "Der Passus ist auch für Deutschland interessant, wo es noch immer keinen Straftatbestand Sportbetrug gibt. "Ob wir strafrechtliche Veränderungen brauchen, müssen wir prüfen. Ich halte nicht für ausgeschlossen, dass sportliche Sanktionen nicht ausreichen", sagte der Innenminister."

    Sehr ihr, Vor allem deshalb gibt es ueberhaupt unsere Seite
    https://fussballbetrug.wo...
    Aber der islamophobe CSU Typ hatte viele Jahre Zeit, etwas zu aendern, aber nichts passiert da. Gar nichts. Es faellt den Leuten nur kurz vor der Bundestagswahl wieder ein, um noch verzweifelt, irgendwelche Stimmen zu gewinnen.

    Toller Artikel plus Kommentarfunktion.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte CSU | Hans-Peter Friedrich | Sylvia Schenk | Fifa | IOC | Doping
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