Das erste Mal seit Bekanntwerden seiner Steueraffäre gibt Uli Hoeneß umfassend Auskunft zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen. In einem ausführlichen Gespräch mit der am Donnerstag erscheinenden Ausgabe der ZEIT zeigt sich der Präsident des FC Bayern München reumütig und verzweifelt: "Ich habe eine große Torheit begangen, einen Riesenfehler, den ich so gut wie möglich korrigieren will." 

Die aktuelle Situation sei für ihn schwer erträglich, auch sein Sturz vom Vorbild zum Buhmann: "Das ist für mich ein ganz großes Problem. Ich fühlte mich in diesen Tagen auf die andere Seite der Gesellschaft katapultiert, ich gehöre nicht mehr dazu. Ich mache mir natürlich riesige Vorwürfe. Ich habe Riesenmist gebaut, aber ich bin kein schlechter Mensch."

Er spüre großen Druck: "Sie glauben gar nicht, was ich alles spüre. Es ist eine Situation, die kaum auszuhalten ist. Ich schlafe sehr schlecht, ich schwitze sehr viel in der Nacht, was ich eigentlich gar nicht kenne. Ich wälze mich und wälze mich. Und dann wälze ich mich nochmal. Und denke nach, denke nach und verzweifle. Ich bin morgens auch manchmal schon eine Stunde nach dem Aufstehen völlig fertig."

Seine Familie stehe "wie eine Eins" hinter ihm, darauf sei er stolz: "Ich weiß, in welche Lage ich sie gebracht habe," erklärt Hoeneß. Auf die Frage, ob er den Gedanken zulassen könne, dass am Ende der Affäre möglicherweise eine Gefängnisstrafe stehe, antwortet Hoeneß: "Ich denke Tag und Nacht an meinen Fehler und an das, was ich meiner Familie angetan habe. Ich kann diesen Gedanken nicht zulassen."

Zur Kritik der Bundeskanzlerin, die ihn jahrelang regelmäßig zum Meinungsaustausch traf und sich nun "enttäuscht" zeigte, sagte Hoeneß unter anderem: "Ich würde mir wünschen, dass ich irgendwann die Gelegenheit bekäme, der Bundeskanzlerin in einem persönlichen Gespräch zu erklären, wie es so weit kommen konnte, der ganze Mist."

In dem Gespräch rekonstruiert Hoeneß die Vorgänge seit Abgabe seiner Selbstanzeige im Januar: Von der Tatsache, dass seine Selbstanzeige öffentlich wurde, sei er vollkommen überrascht worden: "Es gab bislang Tausende von Selbstanzeigen, ich hatte noch von keiner gehört, die öffentlich wurde."