Das erste Mal seit Bekanntwerden seiner Steueraffäre gibt Uli Hoeneß umfassend Auskunft zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen. In einem ausführlichen Gespräch mit der am Donnerstag erscheinenden Ausgabe der ZEIT zeigt sich der Präsident des FC Bayern München reumütig und verzweifelt: "Ich habe eine große Torheit begangen, einen Riesenfehler, den ich so gut wie möglich korrigieren will." 

Die aktuelle Situation sei für ihn schwer erträglich, auch sein Sturz vom Vorbild zum Buhmann: "Das ist für mich ein ganz großes Problem. Ich fühlte mich in diesen Tagen auf die andere Seite der Gesellschaft katapultiert, ich gehöre nicht mehr dazu. Ich mache mir natürlich riesige Vorwürfe. Ich habe Riesenmist gebaut, aber ich bin kein schlechter Mensch."

Er spüre großen Druck: "Sie glauben gar nicht, was ich alles spüre. Es ist eine Situation, die kaum auszuhalten ist. Ich schlafe sehr schlecht, ich schwitze sehr viel in der Nacht, was ich eigentlich gar nicht kenne. Ich wälze mich und wälze mich. Und dann wälze ich mich nochmal. Und denke nach, denke nach und verzweifle. Ich bin morgens auch manchmal schon eine Stunde nach dem Aufstehen völlig fertig."

Seine Familie stehe "wie eine Eins" hinter ihm, darauf sei er stolz: "Ich weiß, in welche Lage ich sie gebracht habe," erklärt Hoeneß. Auf die Frage, ob er den Gedanken zulassen könne, dass am Ende der Affäre möglicherweise eine Gefängnisstrafe stehe, antwortet Hoeneß: "Ich denke Tag und Nacht an meinen Fehler und an das, was ich meiner Familie angetan habe. Ich kann diesen Gedanken nicht zulassen."

Zur Kritik der Bundeskanzlerin, die ihn jahrelang regelmäßig zum Meinungsaustausch traf und sich nun "enttäuscht" zeigte, sagte Hoeneß unter anderem: "Ich würde mir wünschen, dass ich irgendwann die Gelegenheit bekäme, der Bundeskanzlerin in einem persönlichen Gespräch zu erklären, wie es so weit kommen konnte, der ganze Mist."

In dem Gespräch rekonstruiert Hoeneß die Vorgänge seit Abgabe seiner Selbstanzeige im Januar: Von der Tatsache, dass seine Selbstanzeige öffentlich wurde, sei er vollkommen überrascht worden: "Es gab bislang Tausende von Selbstanzeigen, ich hatte noch von keiner gehört, die öffentlich wurde."

"Von 2002 bis 2006 habe ich richtig gezockt"

Bis zum 19. März, dem Tag vor der Durchsuchung seines Hauses sei er davon ausgegangen, dass er keine Strafverfolgung zu befürchten habe: "Am 20. März änderte sich dann mein Leben, morgens um sieben. Da läutete es an der Tür in meinem Haus am Tegernsee, ich war im Bademantel, und da stand die Staatsanwaltschaft vor der Tür. Da begann die Hölle für mich", sagt Hoeneß.

Erstmals schildert er auch den Hintergrund seiner Verfehlungen. Mit einem Kredit des früheren Adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus habe er ab 2001 begonnen exzessiv an der Börse zu spekulieren: "In den Jahren 2002 bis 2006 habe ich richtig gezockt, ich habe teilweise Tag und Nacht gehandelt, das waren Summen, die für mich heute auch schwer zu begreifen sind, diese Beträge waren schon teilweise extrem. Das war der Kick, das pure Adrenalin", so Hoeneß.

Er habe jedoch schon "viel früher" angefangen, zu spekulieren: "Mal 50.000 Dollar, das war es. Das wurde heftiger, als alle an der Börse spielten, zur Zeit der großen Internetblase. Als diese Blase dann platzte, fuhr ich schwere Verluste ein, ich war da richtig klamm. Das war der Moment, als Louis-Dreyfus mir anbot, lass uns was zusammen machen, er würde es finanzieren. So kamen die Millionen auf das Konto, es war immer klar, das war ein Konto zum Zocken, für nichts anderes." In dem Interview schließt Hoeneß kategorisch jegliche Verbindungen dieses Kontos zum FC Bayern München aus: "Dieses Konto war ganz allein Uli Hoeneß". Auch gäbe es keine weiteren nicht erklärten Konten.

In dem Interview beschreibt der Bayern-Präsident im Detail seine Börsenaktivitäten und spricht auch über seinen "Ausstieg": "Ich habe zu viele Verluste gemacht. Ich konnte nicht mehr so viel zocken. Und dann kam 2008 die Finanzkrise, und dann ging es endgültig in den Keller. Außerdem bin ich auch nicht mehr so wie früher auf der ständigen Suche nach dem großen Kick. Ich werde älter. Ich bin 61 Jahre alt."

Auf die Frage, ob er sich für süchtig halte, antwortet Hoeneß: "Ich halte mich nicht für krank, wenn Sie das meinen. Zumindest heute nicht mehr. Sollte ich vor Gericht müssen, erscheine ich dort nicht als kranker Mann. Ein paar Jahre lang war ich wohl nah dran. Aber inzwischen halte ich mich für kuriert."

Das vollständige, große Interview lesen Sie ab Donnerstag in der neuen Ausgabe der ZEIT.