Die Champions-League-Siegerinnen aus Wolfsburg © Jan Kruger/Getty Images

Lena Goeßling fühlt sich nicht wohl. In diesem Outfit! Vor der Weltpresse! "Die sollen bloß nicht meine Füße filmen", sagt die Mittelfeldspielerin des VfL Wolfsburg noch leise zu einer Uefa-Mitarbeiterin. Doch zu spät, schon bekommt sie von einer weiteren Uefa-Mitarbeiterin feierlich die glänzende Auszeichnung "Woman of the Match" dieses Champions-League-Finales überreicht. Die Kameras surren, Lena Goeßling lächelt, weil sie muss.

Ihre Beklemmung könnte mit ihren fleischfarbenen Leggings zu tun haben, vor allem aber mit ihren knallroten Flipflops, die wiederum farblich hervorragend mit den knallroten Fußnägeln korrespondieren. Lena Goeßling musste beim Umziehen unterbrochen worden und aus der Kabine der Wolfsburgerinnen quasi entführt worden sein, das war die einzige Erklärung. Dort ging es schließlich hoch her. Wieder mal. Es gab was zu feiern. Wieder mal.

Nach der Deutschen Meisterschaft und dem DFB-Pokal haben sich die Frauen des VfL Wolfsburg auch die dritte mögliche Trophäe gesichert. An der mythenumrankten Stamford Bridge, wo sonst die Fußballer des FC Chelsea ihrer Arbeit nachgehen, gewannen die Wolfsburgerinnen auch den Champions-League-Pott. Und das innerhalb von elf Tagen. Da kann schon mal alles ein wenig zu schnell gehen. "Ich kann gar nicht realisieren, was wir in den letzten beiden Wochen alles erlebt haben", sagt die verwirrte Goeßling.

Vor allem mit dem Champions-League-Pokal hat wirklich kaum jemand gerechnet. Der Gegner Olympique Lyon war immerhin das dominierende Frauenfußballteam Europas. Der französische Serienmeister hat in der heimischen Liga 19 von 19 Spielen gewonnen. Er stand zum vierten Mal hintereinander im Champions-League-Finale, die letzten beiden Male gewannen die Französinnen. Überhaupt war die Mannschaft seit 95 Pflichtspielen ungeschlagen. "Das haben wir auch gelesen und waren baff: Das sind ja drei Jahre. Eine stolze Zahl", sagte die Torfrau Alisa Vetterlein. Ihr Trainer Ralf Kellermann sprach vor dem Spiel nur von der "Übermannschaft".

Doch trotzdem waren es die Wolfsburgerinnen, die nach dem Schlusspfiff stapelweise übereinander lagen. Sie waren es, die den Pokal vom Uefa-Präsidenten Michel Platini überreicht bekamen, und schon vorher so leidenschaftlich auf der kleinen Bühne auf- und abhüpften, dass Platini fast die Contenance verlor.

Es waren "Die Wölfinnen", wie sie sich selbst nennen, die herzhaft und ausdauernd mit ihren Fans feierten. Hier noch eine Welle, da noch ein Uffta, sehr zur Freude der vielen Bayern- und Dortmund-Fans, die sich unter die Frauenfußball-Anhänger geschlichen haben. "Wenigstens ein Finale live sehen", sagte einer von ihnen vor dem Spiel. "Stamford Bridge, das kann man schon mal machen", ein anderer. Die Karten kosteten zehn Pfund, etwa 17.000 Menschen waren am Ende da.

Das Kommen hatte sich gelohnt. Es war ein unterhaltsames, phasenweise sogar ziemlich irres Fußballspiel. Irre, weil Olympique Lyon eigentlich beständig auf das deutsche Tor zurannte, aber den Ball einfach nicht über die Linie drückte. Weil sie zu verspielt waren, weil Wolfsburg immer noch einen Fuß dazwischen bekam und weil die Torhüterin Alisa Vetterlein meist da stand, wo sie stehen sollte. Irre auch, weil für das Wolfsburger Tor ein Handelfmeter ausreichte, verwandelt von Martina Müller. "Verrückt, Wahnsinn, unbeschreiblich", sagte die Stürmerin Conny Pohlers. "Der liebe Gott hat uns heute den Titel geschenkt."