Peter Hermann beherrscht nicht nur diese Schlüsselqualifikation eines Kotrainers. © Adrian Dennis/Bongarts/Getty Images

Ob er in Rente geht, lässt Jupp Heynckes offen. Doch jetzt hört er erst mal auf, auf dem Höhepunkt, als Trainer der besten Mannschaft, die Deutschlands Fußballfans je erleben durften. Es gab ein Indiz, dass Heynckes diese Entscheidung treffen würde: In der vorigen Woche wurde bekannt, dass Peter Hermann nach Schalke wechselt. Der Kotrainer, mit dem Heynckes die vergangenen vier Jahre erfolgreich zusammengearbeitet hat.

Redet man über das Triple, redet man über Heynckes, über Lahm und Hoeneß oder den modernen Fußball, mit dem die Bayern-Elf ihren historischen Triumph erreicht hat. Wenige reden über den Mann, der die Bayern-Elf den modernen Fußball täglich üben ließ, weil er zwei Jahre lang so gut wie jedes Training in München leitete. Über Peter Hermann, der seit Jahren, fast schon Jahrzehnten als einer der besten Assistenten der Bundesliga gilt.

In der Öffentlichkeit fällt sein Name so selten, dass man seine Trainerkarriere nacherzählen muss. Die begann 1989 nach seiner Profizeit in Leverkusen. Er assistierte so unterschiedlichen Typen wie Jürgen Gelsdorf, Dragoslav Stepanović, Berti Vogts, Michael Skibbe und Klaus Augenthaler. Er hospitierte bei Vereinen in Italien und Spanien. Als Bruno Labbadia 2008 nach Leverkusen kam, brachte er sein eigenes Trainerteam mit. Hermann wechselte zum damaligen Zweitligisten Nürnberg.

Früher nur die Hütchenaufsteller

Labbadia scheiterte in Leverkusen, manche dort glauben, auch weil er den falschen Kotrainer hatte. Hermann stieg gleichzeitig mit Michael Oenning und dem FCN in die Bundesliga auf. 2009 holte Heynckes Hermann in dessen Heimat zurück, Leverkusen qualifizierte sich für die Champions League. Zwei Jahre später nahm er Hermann mit nach München.

Einer der vielen, denen man leicht ein Lob über Hermann entlocken kann, ist Klaus Toppmöller. Als Bayer 04 ihn verpflichtete, hatte er zunächst einen Assistenten mitbringen wollen. Doch der damalige Manager Reiner Calmund überredete ihn dazu, drei Monate probeweise mit Hermann zusammenzuarbeiten. Heute sagt Toppmöller: "Peter war ein Glücksfall, eine Sensation, er war mit Abstand mein bester Kotrainer." 2002 erreichte Bayer mit Toppmöller und Hermann das Champions-League-Finale.

Hermann habe ein breites Repertoire an Übungen, das er jederzeit abrufen könne: Viererkette, Standards, Doppelpass, "alles dabei", sagt Toppmöller. "Ich konnte mich auf ihn verlassen und voll aufs Korrigieren konzentrieren." Hermann sei ein "absoluter Fachmann". Er sei bei allen Spielern, auch den Stars wie Michael Ballack oder Oliver Neuville, angesehen gewesen. Auch in Nürnberg spricht man über Hermann in hohen Tönen. Nun vertraut Schalke auf die Qualität des 61-Jährigen.

Hermann ist ein Beispiel dafür, dass der Job des Kotrainers im Profifußball wichtiger geworden ist. In den Achtzigern hieß man die Spezie noch Hütchensteller, sie waren die Harry Kleins des Fußballs. Heute sind die Trainerassistenten meist Fußballlehrer, Experten, Spezialisten. "Die Bedeutung des Kotrainers ist deutlich gewachsen", sagt Toppmöller. Das liegt sicher auch daran, dass taktischen und anderen fachlichen Details eine größere Rolle zukommt.