ZEIT ONLINE: Herr Eaton, Sie arbeiten für das International Centre for Sport Security (ICSS). Wer oder was ist das?

Eaton: Das ICSS ist eine Non-Profit-Organisation, finanziert von der Regierung aus Katar. Sie soll für Sicherheit und Integrität im internationalen Sport sorgen. Der Präsident des ICSS, Mohammed Hanzab, sah dort Bedarf. Die Regierung von Katar hat einen strategischen Anspruch, die Position des Landes im internationalen Sport zu erhöhen und möchte als ein Land respektiert werden, dass Sicherheit und Integrität an oberster Stelle sieht.

ZEIT ONLINE: Können Sie verstehen, dass es hochgezogene Augenbrauen gibt, wenn man hört, dass die Organisation in Katar angesiedelt ist?

Eaton: Nein. Wenn diese Organisation aus Frankreich käme, würden Sie nach der französischen Regierung fragen?

ZEIT ONLINE: Nein, Sie werden immerhin von der katarischen Regierung finanziert.

Eaton: Und wo ist das Problem?

ZEIT ONLINE: Sie sollen für Integrität im Sport sorgen, aber was ist mit den Korruptionsvorwürfen bei der WM 2022 oder mit den Investitionen bei Paris St. Germain, die nicht viel mit dem Financial Fairplay der Uefa zu tun haben? Katar hat einen bestimmten Ruf.

Eaton: Lassen Sie mich das noch mal klarstellen: Wir sind eine Non-Profit-Organisation, wir sind unabhängig und neutral. Wir gehören nicht zur WM 2022, wir gehören nicht zur katarischen Regierung, wir gehören nicht zu Paris St. Germain. Wir sind in Katar, weil es den Willen und die Mittel hat, uns zu finanzieren. Wenn irgendein anderes Land käme, gut!

ZEIT ONLINE: Sie fürchten also nicht, von Katar dafür benutzt zu werden, deren Image weißzuwaschen?

Eaton: Nein, das tue ich nicht. Wenn das so wäre, wäre ich nicht dort. Ich wurde noch nie für etwas benutzt. Ich wurde noch nie von jemandem beeinflusst, und ich werde nie von jemandem beeinflusst werden.

ZEIT ONLINE: Was denken Sie über die WM 2022?

Eaton: Ich werde dann 70 Jahre alt sein. Sie ist mir eigentlich egal. Ich bin kein Fußballfan. Ich kam zur Fifa oder jetzt zur ICSS als Polizist mit einem Hintergrund für Sicherheits- und Integritätsfragen.

ZEIT ONLINE: Warum ist es die Aufgabe einer privaten Organisation, für Sicherheit im Sport zu sorgen? Wäre das nicht der Job der Fifa oder einer staatlichen Organisation?

Eaton: Ich wünschte, er wäre es. Vielleicht ist er es sogar. Aber tun sie was? Nein!

ZEIT ONLINE: Wie groß ist die Gefahr für den Sport durch Spielmanipulation tatsächlich?

Eaton: Das brauchen Sie mich nicht zu fragen, sondern müssen nur jeden Tag in Ihre eigenen Zeitungen schauen. Man darf nicht vergessen: Es geht nicht nur um Sport. Spielmanipulation ist ein Symptom. Die eigentliche Ursache ist der Wettbetrug. Durch ihn sickert die Kriminalität in den Sport. Das ist ein sehr ernstes Problem. Ich würde es eine Krise nennen.