Pep Guardiola bei seiner Vorstellung in München © Peter Kneffel/picture alliance/dpa

Der Satz wirkt zunächst unspektakulär. "Guten Tag und Grüß’ Gott, meine Damen und Herren!" Kennt man, tausend Mal gehört. An diesem Montag aber war er doch etwas Besonders. Er kam aus dem Mund Josep Guardiolas, des neuen Bayern-Trainers. Es war sein erster Satz auf Deutsch, sein Erster als neuer Trainer des FC Bayern München.

Auf Twitter lief unter dem Hashtag #pepserstersatz in den vergangenen Wochen ein kleiner Kreativwettbewerb, welches denn nun der Debütsatz sein könnte. Nur ein kleines Zeichen für den Pep-Hype, der durch das Fußballland schwappte. In Deutschland gab es noch nie so viel Rummel um einen Fußball-Lehrer, der eine neue Planstelle besetzte.

Für seinen neuen Trainer organisierte der FC Bayern die größte Pressekonferenz seiner Geschichte. 250 Journalisten aus elf Nationen waren vor Ort. Sechs Fernsehsender berichteten live, einige Online-Medien tickerten im Minutentakt, die Bild-Zeitung schlich sich am Sonntag sogar zu Guardiola ins Flugzeug, um herauszufinden, was er dort so macht. Er lernt deutsch, saß auf Sitz 4c und aß Fleischröllchen und Gemüse, so so.

Man kann sich vorstellen, was Guardiola selbst von dem Rummel hält: Nicht viel. Dort oben auf dem Podium saß ein leiser, zurückhaltender, fast verletzlich wirkender Mann. Dass er umrahmt wurde von den eher hemdsärmeligen Bayern-Größen Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Matthias Sammer verstärkte diesen Eindruck nur.

Nervöses Stuhlruckeln

Guardiola trat an diesem Montag fast demütig auf. Er sprach von einem "Geschenk", den FC Bayern trainieren zu können, lobte artig dessen Spieler und Tradition. "Ich möchte mich bei Bayern München bedanken", sagte er. Dafür, dass die Bayern ihn, der 14 Titel in vier Jahren gewann, zu sich holten. Und weil auch die Bayern-Bosse von einem "großen Glück" (Karl-Heinz Rummenigge) sprachen, Guardiola verpflichtet haben zu können, herrschte heitere Einigkeit auf dem Podium.

Auf der großen Leinwand dahinter stand in großen Lettern "Herzlich willkommen, Pep!" Nach ein paar Minuten wurde dort ein Filmchen eingespielt, das Lust machen sollte, auf die Kombination Guardiola und FC Bayern. Als aus dem Off dazu vom "Beginn einer neuen Ära" geraunt wurde, ruckelte Guardiola nervös auf seinem Stuhl hin und her.

Es ist ja Guardiolas Dilemma, dass der FC Bayern, nachdem er den Vertrag mit ihm unterzeichnete, plötzlich nicht mehr verlor, das Triple gewann und zur besten Mannschaft des Kontinents wurde. Toppen kann er das nicht. Guardiola weiß das. "Ich muss damit leben", sagte er. "Ich bin mir des Druckes bewußt. Aber ich nehme die Herausforderung an. Deshalb bin ich Trainer."

Zugleich aber dämpfte er die Erwartungen. "Es wäre arrogant zu sagen, dass hier eine neue Ära eingeleitet wird. Lassen Sie mir bitte Zeit, Schritt für Schritt", sagte er und lobte seinen Vorgänger Jupp Heynckes.

Guardiolas Deutsch war passabel. Für einige Fragen griff er noch zum Übersetzungs-Köpfhörer. Seine Antworten aber lieferte er komplett auf Deutsch ab. Einmal nur, als Guardiola sagte, man sage nicht Nein, "wenn der FC Bayern dir ruft", korrgierte ihn der Pressechef Markus Hörwick: "dich". "Puh", sagte Guardiola.

Sportlich ließ der neue Trainer noch nicht allzu viel durchblicken. Über Neuzugänge oder Verkäufe redete er nicht. Er müsse sich erst die Spieler anschauen und sich mit "Matthias" und "Kalle" abstimmen. Über Taktik schwieg er sich auch aus. Viel mehr als den Satz "Ich liebe es, anzugreifen" lieferte er nicht.

Allerdings deutete er an, dass er wohl nicht vorhat, in München eine Kopie des FC Barcelona zu bauen. "Der Fußball gehorcht den Spielern. Man muss sich den Spielern anpassen. Das System ist egal", sagte er. Und: "Wir müssen keine Dinge ändern, nur um der Änderung willen."

Dass er sich aber natürlich dennoch in die Trainingsarbeit stürzen werde, sagte er auch. Für kulturelle Ausflüge, wie ein Fragesteller vorschlug, wird dem gerne als Trainer-Intellektuellen titulierten Guardiola wohl keine Zeit bleiben. "Ich werde die ersten sechs Monate in der Säbener Straße leben", sagte er.