Bob Hanning, Geschäftsführer der Füchse Berlin © Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images

Frage: Herr Hanning, woran denken Sie zuerst, wenn sie auf das zurückliegende Wochenende blicken?

Bob Hanning: An die Abschlussfeier unserer A-Jugend, die am Sonnabend die Deutsche Meisterschaft gewonnen hat. Wir hatten ein Boot gemietet, die Eltern der Jugendlichen waren dabei, einige Lehrer vom Leistungsstützpunkt. Es war eine gute Party.

Frage: Am selben Tag hat die deutsche Nationalmannschaft die Qualifikation zur EM 2014 verpasst, zum ersten Mal überhaupt. Worin hakt es im deutschen Handball?

Hanning: Das Scheitern des Nationalteams ist ein Debakel. Wir haben in der Nachwuchsarbeit einiges versäumt. Ich glaube, dass man junge Spieler nicht nur sportlich, sondern auch in ihrer Persönlichkeit entwickeln muss. Sie sollten beim Stand von 25:25 kurz vor Schluss Spaß an einer solchen Situation haben und nicht vor Nervosität verkrampfen. Meine A-Junioren haben mittlerweile gelernt, wie man gewinnt. Sie stehen in kniffligen Situationen als Persönlichkeiten auf dem Feld.

Frage: War das Scheitern der Nationalmannschaft also eine Frage der Mentalität?

Hanning: Das denke ich. Wissen Sie, ich habe meiner A-Jugend bereits vor dem Meisterschaftsfinale ihre Sieger-T-Shirts ausgehändigt. Da stand drauf: Sieger zweifeln nicht, Zweifler siegen nicht. Ich muss eben Spieler aussuchen, die vom Charakter her meiner Mentalität als Trainer entsprechen. Nehmen Sie bei unseren Profis Iker Romero. Der weiß genau, wie man gewinnt. Nur deshalb haben wir ihn geholt. Ein solcher Charakter fehlt den Deutschen momentan.

Frage: Wie begründen Sie dann die eigentlich gute Leistung bei der WM im Frühjahr?

Hanning: Martin Heuberger hat es bei der WM geschafft, über das Kollektiv eine Menge zu lösen. Aber wenn einzelne dann nur 80 oder 90 Prozent geben, dann reicht dieses Kollektiv eben nicht mehr. Für das ganz Große brauchst du ganz große Persönlichkeiten. Und die müssen wir in Deutschland wieder entwickeln.

Frage: Ähnelt die Krise der Situation im deutschen Fußball zur Jahrtausendwende?

Hanning: Durchaus, wobei die Fußball-Bundesliga damals nicht die stärkste Liga der Welt war, sondern nur eine von vielen. Das macht es für uns ungleich komplizierter. Handball ist eine sehr physische Sportart, in der man eine gewisse Körperlichkeit braucht, die man mit 18 oder 19 Jahren gar nicht haben kann.