Uli Hoeneß und der Champions-League-Pokal © Alexander Hassenstein/Getty Images

Contra Hoeneß: Er muss zurücktreten, so oder so

Es hatte etwas Tragisches, Uli Hoeneß in den vergangenen Wochen zu beobachten. Während seine Mannschaft alle möglichen Rekorde brach und Pokale gewann, stand er daneben, als gehöre er nicht mehr dazu. Wie ein Fremder erlebte der Erfinder des FC Bayern die Krönung seines Lebenswerks. Am Ende musste er von Bastian Schweinsteiger genötigt werden, den Henkelpott auch einmal in die Hand zu nehmen.

Hoeneß hat sich mit diesen Auftritten keinen Gefallen getan. Der einst so große, laute, starke Mann des deutschen Fußballs wirkte blass, schwach, verzagt. Diese Bilder werden bleiben.

Doch Hoeneß scheint nicht daran zu denken, dem unwürdigen Treiben durch einen Rücktritt ein Ende zu setzen. Die Vermutung, nach den großen Finals würde etwas passieren, hat sich nicht bestätigt. Es sieht nun so aus, als ob er und der Aufsichtsrat des FC Bayern die Steueraffäre aussitzen wollten. Hoeneß muss wohl nur dann gehen, wenn er  strafrechtlich verurteilt oder zumindest angeklagt wird.

Doch das ist zu kurz gedacht. Hoeneß muss zurücktreten, so oder so. Denn Juristerei ist die eine Sache, Moral eine andere.

Eine korrekte Selbstanzeige und damit einhergehende Straffreiheit bedeuten ja nicht, dass Hoeneß unschuldig ist. Er hat über mehrere Jahre viele Millionen Euro Steuern hinterzogen und damit die Bürger dieses Landes betrogen. Auch Bayern-Fans.

So etwas muss Konsequenzen haben. Weniger, weil viele das Prinzip der Strafbefreiung bei korrekter Selbstanzeige für fragwürdig halten. Auch nicht, weil Hoeneß sich gerne und oft als Hüter der Moral gerierte, die er nun selbst verletzte. Sondern weil Betrug nun mal Betrug bleibt.

Dafür muss Hoeneß nicht des Landes verwiesen werden. Er kann dem Fußball weiterhin in irgendeiner Form erhalten bleiben. Aber er darf als Betrüger nicht an solch exponierter und einflussreicher Stelle der Gesellschaft tätig sein.

Ein Steuerhinterzieher darf nicht Aufsichtsratsvorsitzender einer Aktiengesellschaft sein. Jemand, der jahrelang Gesetze missachtet hat, darf nicht als oberster Aufseher über die Einhaltung von Recht und Gesetz in einem millionenschweren Unternehmen fungieren.

Als Präsident des FC Bayern ist Hoeneß zudem das Aushängeschild eines gemeinnützigen Sportvereins. Er bekleidet ein Ehrenamt. Ein großes Wort. Einem Schwindler diesen Posten zu überlassen, ist wenig ehrenhaft.

In der Satzung des FC Bayern steht unter Paragraf 9, Pflichten der Mitglieder: "Jedem Mitglied muss in seinem Verhalten zum Club und dessen Mitgliedern Ehre und Ansehen des Clubs oberstes Gebot sein." Das wichtigste aller Mitglieder, Präsident selbst, hat Ehre und Ansehen des FC Bayern geschadet. Auch wenn seine Zockereien erst einmal seine persönliche Angelegenheit sind – es steckt zu viel Hoeneß im Klub, als dass der Verein in der Affäre außen vor bleiben kann. Genau genommen ist der FC Bayern Hoeneß.

Jeder Geschäftspartner, jeder Politiker, jeder Spieler, jeder Gegner, der mit dem FC Bayern zu tun hat, wird künftig um den Makel des Präsidenten wissen. Das schwächt Hoeneß' Position. Und macht den Verein ausgerechnet in jener Zeit angreifbar, in der er sportlich unschlagbar scheint.   

Der FC Bayern ist derzeit ein ziemlich vorzeigbares Stück Deutschland, sein Präsident war es. Diese Diskrepanz sollte Uli Hoeneß erkennen. Und Konsequenzen ziehen.

von Christian Spiller