NBA-SiegerDer König LeBron James wird erwachsen

Er galt als eitel und bequem. Nun hat LeBron James mit seinen Miami Heat den NBA-Titel verteidigt – weil er charakterlich so gereift ist wie sein Spiel. von 

LeBron James im NBA-Finale 2013

LeBron James im NBA-Finale 2013  |  © Kevin C. Cox/Getty Images

Bis Mittwochabend hatte LeBron James nur eine Schwäche. Er konnte punkten und passen, war schnell und kräftig, konnte verteidigen und den nächsten Spielzug vorhersehen. Auf dem Platz vereint er Finesse mit Urgewalt. Wenn er den Ball durch den Ring stopft, stößt er sich beinahe den Kopf. Als einer von nicht einmal einer Handvoll Spielern der Basketballgeschichte kann er jede Position spielen, jeden Gegenspieler verteidigen, in jedem Spielsystem brillieren. James' Schwäche: eine schwer zu ertragende Mischung aus Eitelkeit und Hybris.

 

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Am Mittwochabend lief das sechste Spiel der NBA-Finalserie. James' Gegner, die San Antonio Spurs, lagen mit 3:2 Spielen und fünf Punkten vorn, nur noch eine halbe Minute trennte sie von der Meisterschaft. Und sie hatten James das Stirnband vom Kopf gewischt. Der einzige körperliche Makel des Athleten war entblößt: seine verhasste Halbglatze. Seine Reaktion schien vorhersehbar: Das Stirnband aufheben, den Kampf aufgeben, in den Urlaub fliegen und vorher noch schnell süffisant erklären, dass sein Leben als hundertfacher Millionär und Sport-Ikone immer cooler sein werde als das seiner Kritiker, Niederlagen hin oder her. 

Das hatte er nach der Finalpleite 2011 gegen Dirk Nowitzkis Dallas Mavericks gemacht, die James mit einer verfrühten Jubeleinlage erst heraufbeschworen hatte. Und so würde er wieder reagieren – ohne den letzten Biss, nachdem er im vergangen Jahr "seine" Meisterschaft gewonnen hatte. So hatten es die Sportreporter aus aller Welt schon gedanklich vorformuliert. Es kam anders. 

Es klang nach echter Demut

James ignorierte seinen unvorteilhaften Look, überließ das Stirnband einem Balljungen, tankte sich wieder und wieder zum Korb durch, erzwang erst eine Verlängerung und dann einen Sieg und damit ein nächstes, letztes Finalspiel. Das war nicht mehr der alte James, der zu lieb war und zu nett. Der zufrieden damit war, das NBA-Finale zum vierten Mal erreicht zu haben, egal wer gewinne. Kein Michael Jordan, der regelmäßig auf seine eigenen Mitspieler losging.  

James begreift sich als Teamplayer. In der Nacht zum Freitag, in eben jenem letzten Finalspiel, fand er wie so oft die richtige Balance, band die anderen ein und übernahm doch die Verantwortung, traf jeden wichtigen Wurf aus der Distanz und von der Freiwurflinie. Er blieb ruhig und war zugleich aggressiv. Am Ende hieß es 95:88, die Titelverteidigung war perfekt. Und nach dem Abpfiff sparte sich der Mann des Abends jede pomadige Pose, jedes Gangsta-Rapper-Geprahle. "Mir fehlen die Worte. Ich bin LeBron James, aus Downtown Akron, Ohio. Ich sollte nicht einmal hier sein", sagte er stattdessen langsam, laut und deutlich. Es klang nach echter Demut.

Leserkommentare
  1. ... an das am dreckigsten spielende Team der NBA!

    http://www.youtube.com/wa...

    2 Leserempfehlungen
    • Lefty
    • 21. Juni 2013 12:30 Uhr

    Auf die Blüte folgt die unreife Frucht; die Blüte ist in sich eine Vollkommenheit. Ebenso ist es mit dem Menschen. Der Jüngling wird für vollkommener...
    Lichtenberg

  2. 3. LeFlop

    Schade, ich hätte San Antonio den Titel gegönnt. Ein echtes Team ohne Glamour-Faktor, das schon seit vielen Jahren immer oben mitspielt. Die genaue Antithese zum zusammengekauften Team aus Miami. Duncan, Parker und Ginobili sind auch deutlich sympathischer als "King" James und Kotzbrocken Dwyane Wade.

    3 Leserempfehlungen
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    davon muss man eingestehen, dass es verdient ist, wenn man eine solche Serie, solche Spiele wie Spiel 6 noch biegt. Es hätte andere Teams gegeben, denen ich es deutlich mehr gewünscht hätte, aber am Ende muss man eben auch die Leistung von Miami und auch James anerkennen. (auch wenn er nie ein ästhetisches Spiel wie Bryant hinlegen wird).

  3. davon muss man eingestehen, dass es verdient ist, wenn man eine solche Serie, solche Spiele wie Spiel 6 noch biegt. Es hätte andere Teams gegeben, denen ich es deutlich mehr gewünscht hätte, aber am Ende muss man eben auch die Leistung von Miami und auch James anerkennen. (auch wenn er nie ein ästhetisches Spiel wie Bryant hinlegen wird).

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    Antwort auf "LeFlop"
  4. Ich hab einfach nur große Hoffnungen, dass diesen Sommer irgendwo ein Team zusammengezimmert wird, was diesen unsympathischen Heat, mit Ihrem noch unsympathischeren Superstar einhalt gebieten wird. Eine weitere Meisterschaft die die gewinnen, ertrag ich nicht.
    Ich hätte es Duncan und seinen Haudegen weitaus mehr gegönnt, das bessere Team waren sie über weite Teile der Finalserie sowiso. Ist immer mehr als schlecht, wenn die letzten beiden Spiele auch noch auswärts gespielt werden müssen.

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  5. aber Miami war einfach besser.
    Unsympathischer ? Ja
    Unsportlicher? Ja
    Arroganter? Ja
    Besser? Leider eben auch ja...

    San Antonio hat diese Finalserie nicht in Spiel 7 verloren... sondern in Spiel 6 :-/

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  6. Denn hier los? Nur Unwissende und Neider unterwegs...Miami war über die Saison das überragende Team....28 Siege in Folge unter anderem ....die meisten Siege sowieso und Lebron einfach der beste Spieler dieser Jahre.....

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    • Dirac
    • 23. Juni 2013 14:52 Uhr
    • Dirac
    • 23. Juni 2013 15:01 Uhr

    Das hat jedoch nichts damit zu tun, dass einige, wie ich auch, vielleicht Tim Duncan noch einen Ring gegönnt hätten. Fair, hart arbeitend, alles andere als "Flashy" (teilweise auch langweilig)
    Ginobli ist auch immer ein hart arbeitender Sportsmann.
    Tony Parker mag ich ehrlich gesagt noch weniger als LBJ, aber er ist halt insgesamt ziemlich underrated und darum hätt ich auch ihm irgendwo den Titel gegönnt.
    Ganz zu schweigen von Kawhi Leonard, der in ganz jungen Jahren gezeigt hat, dass er wohl der einzige Spieler ist, der LeBron verteidigen kann. (Seit Bowen nicht mehr spielt und Artest ja irgendwie auch nicht mehr)
    Noch mehr hätte ich es womöglich nur den Pacers gegönnt, die ebenfalls eine nahezu perfekte Defensive haben und mit Hibbert einen Center, der sehr gut die große Schwachstelle Miamis aufdecken konnte.

    Viele mögen die Heat aus dem gleichen Grund nicht, weshalb in Deutschland der FC Bayern allgemein vom neutralen Zuschauer nicht gemocht wird, wie Real Madrid oder der FC Chelsea. Bis auf DWade ist da schließlich wenig Spielermaterial entwickelt worden. Vielleicht noch Chalmers, der sich als PG in solch einem LineUp gut macht.

    Doch war Miami wirklich das beste Team? Ich empfand das nicht so. Schon die Pacers haben sie vor große Probleme stellen können und Spiel 6 in den Finals war zwar zum einen Clutch, zum anderen aber auch etwas glücklich.
    Von Westbrook's schwerer Verletzung ganz zu schweigen. Gegen OKC wäre es eine wohl noch schwierigere Finalserie geworden...

  7. Wurden den die letzten 2 Spiele in Miami ausgetragen ? Na. Na. Weil Miami die meisten Siege hatten.....so läuft nun mal " best of Seven!" In den Staaten, aber auch da glauben hier einige deutsche Foristen wieder ihren Senf dazu zu geben.....wir Deutsche wissen hält immer alles besser, oder ? Schlauberger.....

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