Seit Januar geht das nun schon. Robert Lewandowski und der FC Bayern. Er kommt, er kommt nicht, er kommt später, er kommt nie, weil ja auch Real Madrid interessiert sei und der FC Chelsea, dessen neuer Trainer José Mourinho Lewandowski fleißig SMS schreiben soll, obwohl er ja angeblich schon zwei Verträge beim FC Bayern unterschrieben hat. Mit dem 24-jährigen Polen wird derzeit geschachert wie auf dem Viehmarkt.

Gefüttert von Lewandowskis nimmermüden Beratern vergeht kaum ein Tag ohne eine neue Wasserstandsmeldung, die eigentlich eine Nichtmeldung ist, weil im Grund ja immer noch nichts passiert ist. Wer das Wörtchen "Wechseltheater" googelt, findet erst auf der achten Seite der Trefferliste eine Meldung, die nicht mit Robert Lewandowski zu tun hat. So viel Bohei um einen Vereinswechsel gab es in der Liga wahrscheinlich noch nie.

Das liegt vor allem an Lewandowskis Beratern Cezary Kucharski, einst selbst polnischer Nationalstürmer und Abgeordneter im polnischen Parlament sowie seinem deutschen Adlatus Maik Barthel. Sie mögen es laut. Die beiden engagieren sich in einer Art psychologischer Kriegsführung gegen Borussia Dortmund. Von einem möglichen Hausverbot beim BVB war bereits zu lesen. "Kein Mensch weiß, was das soll. Man versteht die Motivation nicht, ständig Öl ins Feuer zu gießen", sagte Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc unlängst. "Typen wie die hätten in meinem Kader sicher keinen Platz", sagte Jürgen Klopp.

Dabei ist die Ausgangssituation denkbar einfach: Robert Lewandowski hat bei Borussia Dortmund einen Vertrag bis 2014. Es gibt, anders als bei Mario Götze, keine Ausstiegsklausel und laut Verein auch keine Nebenabreden. Wenn Dortmund also nicht will, dass Lewandowski wechselt, wechselt er auch nicht.

Der Pole bleibt cool

Für Berater ist das natürlich unbefriedigend, weil sie vor allem an hohen Ablösesummen verdienen. Es scheint deshalb so, als ob sie alles versuchen, um Lewandowski irgendwie aus seinem Vertrag herauszubrechen. Immer wieder sagen sie, ihr Schützling wolle unbedingt nach München und nötigen dabei den BVB zur nächsten Reaktion. Der sagt dann meist genervt, dass er kein Angebot vorliegen habe. Unausgesprochen steht von Beraterseite die Drohung im Raum, Lewandowski werde wahrscheinlich nicht noch einmal so eine gute Saison spielen, wenn ihn die Borussia nicht schon in diesem Sommer freigibt.

Kucharski sagte einmal im polnischen Fernsehen: "Wer Roberts Karriere verfolgt hat, wird wissen, dass er in keinem Verein länger als zwei Jahre gespielt hat. In Dortmund spielt er bereits in seiner dritten Saison. Wer zwischen den Zeilen lesen kann, wird wissen, was das bedeutet."

Lewandowski scheint das alles nicht zu interessieren. Er stapft auch in den Tagen, in denen er alle Sportseiten füllt, mit diesem etwas schläfrigen Blick durch Dortmund und Umgebung. Abseits des Platzes wirkt er zwar nett, aber etwa so emotional wie ein Backstein. Selbst mittelgroße rhetorische Leistungen, also Aussagen jenseits von "Ich bin glücklich" oder "Die Stimmung war unglaublich" sind kaum überliefert.

Franz Beckenbauer nennt ihn "den komplettesten Stürmer der Bundesliga", für Bayerns Abwehrhüne Dante ist er gar "im Moment der beste Stürmer der Welt". Polens Ministerpräsident Donald Tusk bezeichnet ihn als "besten Werbeträger eines modernen, ehrgeizigen Polens". Doch angesprochen auf das absurde Transfertheater, zuckt der Pole selbst gelangweilt mit den Schultern, als ginge es nicht um 20 oder 30 Millionen Euro sondern um einen Kasten Bier. In den vergangenen Wochen, als sich alle den Kopf um ihn zerbrachen, schoss er einfach weiter seine Tore. Der Pole bleibt cool. Wie geht das?

Lewandowski will einfach nur spielen. Er kommt aus einer Sportfamilie. Seine Mutter Iwona war Erstliga-Volleyballerin und Nationalspielerin, der Vater Krzysztof wurde polnischer Judo-Meister. Verlobt ist er mit Anna Stachurska, 24 Jahre alt, einer Karate-Kämpferin. Am Tag des Champions-League-Finals holte sie bei den polnischen Meisterschaften Gold und zweimal Silber. Danach flog sie nach London.