Bayern und DortmundAlle reden, Robert Lewandowski schweigt

Das Geschachere um Lewandowski ist das absurdeste der Bundesliga-Geschichte, vor allem wegen seiner Berater. Nur der Stürmer selbst ist die Ruhe in Person. Von C. Spiller von 

Dortmunds Robert Lewandowski nach dem Champions-League-Finale

Dortmunds Robert Lewandowski nach dem Champions-League-Finale  |  © Patrick Stollarz/AFP/Getty Images

Seit Januar geht das nun schon. Robert Lewandowski und der FC Bayern. Er kommt, er kommt nicht, er kommt später, er kommt nie, weil ja auch Real Madrid interessiert sei und der FC Chelsea, dessen neuer Trainer José Mourinho Lewandowski fleißig SMS schreiben soll, obwohl er ja angeblich schon zwei Verträge beim FC Bayern unterschrieben hat. Mit dem 24-jährigen Polen wird derzeit geschachert wie auf dem Viehmarkt.

Gefüttert von Lewandowskis nimmermüden Beratern vergeht kaum ein Tag ohne eine neue Wasserstandsmeldung, die eigentlich eine Nichtmeldung ist, weil im Grund ja immer noch nichts passiert ist. Wer das Wörtchen "Wechseltheater" googelt, findet erst auf der achten Seite der Trefferliste eine Meldung, die nicht mit Robert Lewandowski zu tun hat. So viel Bohei um einen Vereinswechsel gab es in der Liga wahrscheinlich noch nie.

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Das liegt vor allem an Lewandowskis Beratern Cezary Kucharski, einst selbst polnischer Nationalstürmer und Abgeordneter im polnischen Parlament sowie seinem deutschen Adlatus Maik Barthel. Sie mögen es laut. Die beiden engagieren sich in einer Art psychologischer Kriegsführung gegen Borussia Dortmund. Von einem möglichen Hausverbot beim BVB war bereits zu lesen. "Kein Mensch weiß, was das soll. Man versteht die Motivation nicht, ständig Öl ins Feuer zu gießen", sagte Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc unlängst. "Typen wie die hätten in meinem Kader sicher keinen Platz", sagte Jürgen Klopp.

Dabei ist die Ausgangssituation denkbar einfach: Robert Lewandowski hat bei Borussia Dortmund einen Vertrag bis 2014. Es gibt, anders als bei Mario Götze, keine Ausstiegsklausel und laut Verein auch keine Nebenabreden. Wenn Dortmund also nicht will, dass Lewandowski wechselt, wechselt er auch nicht.

Der Pole bleibt cool

Für Berater ist das natürlich unbefriedigend, weil sie vor allem an hohen Ablösesummen verdienen. Es scheint deshalb so, als ob sie alles versuchen, um Lewandowski irgendwie aus seinem Vertrag herauszubrechen. Immer wieder sagen sie, ihr Schützling wolle unbedingt nach München und nötigen dabei den BVB zur nächsten Reaktion. Der sagt dann meist genervt, dass er kein Angebot vorliegen habe. Unausgesprochen steht von Beraterseite die Drohung im Raum, Lewandowski werde wahrscheinlich nicht noch einmal so eine gute Saison spielen, wenn ihn die Borussia nicht schon in diesem Sommer freigibt.

Kucharski sagte einmal im polnischen Fernsehen: "Wer Roberts Karriere verfolgt hat, wird wissen, dass er in keinem Verein länger als zwei Jahre gespielt hat. In Dortmund spielt er bereits in seiner dritten Saison. Wer zwischen den Zeilen lesen kann, wird wissen, was das bedeutet."

Lewandowski scheint das alles nicht zu interessieren. Er stapft auch in den Tagen, in denen er alle Sportseiten füllt, mit diesem etwas schläfrigen Blick durch Dortmund und Umgebung. Abseits des Platzes wirkt er zwar nett, aber etwa so emotional wie ein Backstein. Selbst mittelgroße rhetorische Leistungen, also Aussagen jenseits von "Ich bin glücklich" oder "Die Stimmung war unglaublich" sind kaum überliefert.

Franz Beckenbauer nennt ihn "den komplettesten Stürmer der Bundesliga", für Bayerns Abwehrhüne Dante ist er gar "im Moment der beste Stürmer der Welt". Polens Ministerpräsident Donald Tusk bezeichnet ihn als "besten Werbeträger eines modernen, ehrgeizigen Polens". Doch angesprochen auf das absurde Transfertheater, zuckt der Pole selbst gelangweilt mit den Schultern, als ginge es nicht um 20 oder 30 Millionen Euro sondern um einen Kasten Bier. In den vergangenen Wochen, als sich alle den Kopf um ihn zerbrachen, schoss er einfach weiter seine Tore. Der Pole bleibt cool. Wie geht das?

Lewandowski will einfach nur spielen. Er kommt aus einer Sportfamilie. Seine Mutter Iwona war Erstliga-Volleyballerin und Nationalspielerin, der Vater Krzysztof wurde polnischer Judo-Meister. Verlobt ist er mit Anna Stachurska, 24 Jahre alt, einer Karate-Kämpferin. Am Tag des Champions-League-Finals holte sie bei den polnischen Meisterschaften Gold und zweimal Silber. Danach flog sie nach London.

Leserkommentare
  1. 1. Praxis

    RL hat also noch 1 Jahr Vertrag. Das klingt eindeutig, ist es aber nicht. RL hat nämlich schon etwas gemacht; Er hat Vertragsverlängerungen der Borussia abgelehnt. das ist die Crux bei der ganzen Sache: Die Verträge werden im Bewusstsein abgeschlossen, dass die Laufzeit an sich relativ unbedeutend ist. Die Vertäge werden rollierend erneuert, und dem Leistungspotential des Spielers angepasst. Das passiert besonders bei Spielern, die noch am Beginn ihrerKarriere stehen. Ein Grund ist natürlich auch, und deshalb ist die Laufzeit doch nicht so ganz unbedeutend, dass mit Ablauf des Vertrages keine Ablösesummen mehr bezahlt werden müssen. Das führt dazu, dass die echte Alternative im Profigeschäft eben heißt: Verlängerung zu neuen Konditionen, oder eben Verkauf vor Vertragsende.
    Das ist sozusagen das ungeschriebene Gesetz des Profifußballs. Was mit Spielern passiert, die "nur" ihren Vertrag erfüllen wollen, konnte man am Beispiel Albert Streit ablesen.

    Wenn nun der BvB so tut als wäre "Vertragserfüllung" im Fußballgeschäft die Regel, so geht es an der etablierten Praxis weitgehend vorbei.

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    "Wenn nun der BvB so tut als wäre "Vertragserfüllung" im Fußballgeschäft die Regel, so geht es an der etablierten Praxis weitgehend vorbei."

    Schon richtig, nur folgt daraus nicht, dass der BVB jetzt Lewandowski ein Jahr vorher abgibt. Laut Watzke hat der BVB den Beratern gesagt, dass man über einen Weggang von Lewandowski reden können, wenn sie bis zum 15. Mai ein werthaltiges Angebot vorlegen. Das haben die Berater offenkundig nicht geschafft. Auch der FCB ist nicht an den BVB herangetreten. Soll jetzt der BVB die Initiative ergreifen und dem FCB Lewandowski anbieten? So denken sich das offensichtlich die Berater, die dann fürs Nichtstun eine Provision kassieren würden.

    Wenn der BVB mit Lewandowski mindestens ins Viertelfinale der CL käme, hätte sich die ablösefreie Abgabe schon gelohnt. Nur die Berater schauen dann in die Röhre und das ist wirklich nicht so schlimm.

    • dacapo
    • 04. Juni 2013 0:06 Uhr

    ........ Sie es darstellen. Sie wollen ihn nicht ziehen lassen, bisher. Was wollen Sie uns denn erzählen? Geschichten von Fußball-Maklern? Darauf kann man gut verzichten, das überlässt man denen, die den Leisten aufbewahren.

    • Rend
    • 03. Juni 2013 16:44 Uhr
    2. .....

    Mit dem Mann kann ja keiner planen, einfach unzumutbar

    Eine Leserempfehlung
  2. eigentlich alles, was er braucht. Fraglich ist nur, ob ihm das klar ist. Bei Bayern, Real oder anderswo wäre fraglich, ob er sich noch einmal so durchsetzen und dort der unumstrittene Top-Stürmer werden würde. Seinen Beratern geht es jedenfalls nicht um seine Zukunft, sondern nur um ihren eigenen Gewinn. Wenn Sie wirklich seine Interessen im Auge hätten, würden sie ihm empfehlen, vorzeitig seinen Vertrag beim BVB zu verlängern, siehe Kuba. Legitimerweise dann natürlich auch gegen eine kräftige Gehaltsaufstockung. Dann wäre das Geld für ihn nicht mehr das Thema. Aber so ist es ein unwürdiges Schauspiel mit dem - jedenfalls im Moment - größten Verlierer: Lewandowski selbst.

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    Geld müßte in Dortmund doch nach den CL- und Götze-Transfer Einnahmen genug vorhanden sein (von über 150 Millionen ist da die Rede), um dem Mann einen mehr als fürstlich dotierten Vertrag anzubieten. Daran allein kann es nicht liegen

    Das Problem scheint doch eher ein zweifaches zu sein: Erstens würde ein Gehalt, wie es RL beim FCB erwartet, das innermannschaftliche Gehaltsgefüge beim BVB in dramatische Schieflage bringen und zum zweiten sieht er die sportliche Perspektiven in Dortmund vielleicht doch nicht ganz so rosig, wie -verständlicherweise - die Fans und Funktionäre des BVB.

    Beim FCB kann er damit rechnen, daß er wirklich jedes Jahr um 3 Titel inklusive auf höchster internationaler Ebene mitspielt, beim BVB halt nur dann, wenn alles passt.

    der "Echte Liebe" gibt es nur beim BVB-Propaganda aufgesessen.
    Gomez wird (leider) wohl wechseln, damit bliebe nur der stürmende Verteidiger Mandzukic, der in 8/10 Fällen ein Scheunentor nicht trifft und sich hpts. durch Fouls und Gelbe Karten auszeichnet.
    Da Lewandowski ebenso gut im Gelbe Karten sammenln und ähnlich gut im Forechecking ist, gleichzeitig aber sehr viel besser ist, was das Offensive am Fußballerischen angeht und ihm überdurchschnittliche Mitspieler reichen, um viele Tore zu schießen, anstatt exzellente, um ab und an mal ein Tor zu machen, ist egtl. absolut unschwer zu prognostizieren, dass Lewandowski klar Bayerns Stürmer #1 wäre.
    Und natürlich spielt man lieber mit besseren Mitspielern und unter einem (zumindest dem Namen nach) besseren Coach, verdient dabei gleichzeitig auch noch mehr Geld und hat in den nächsten Jahren wohl jede einzelne Saison die Chance auf das Triple, als dass man sich mit der geringeren Lösung zufrieden gibt.
    [...]
    Gekürzt. Bitte achten Sie auf eine sachliche Wortwahl. Danke, die Redaktion/jk

    Von der bedeutend besseren Wohngegend mal ganz zu schweigen...

  3. "Kucharski sagte einmal im polnischen Fernsehen: "Wer Roberts Karriere verfolgt hat, wird wissen, dass er in keinem Verein länger als zwei Jahre gespielt hat. In Dortmund spielt er bereits in seiner dritten Saison. Wer zwischen den Zeilen lesen kann, wird wissen, was das bedeutet.""

    Als ob sich Lewandowski denkt: Meine 2 Jahre sind um, ich muss wechseln.
    So viel sch*** wie man von den Beratern gehört hat, geht auf keine Kuhhaut.

    Schade, dass sich Lewandowski nicht von seinen Beratern/ Martschreiern distanziert und sich somit auch in ein schlechtes Licht rücken lässt.

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    Meine Lieblingsaussage: "Unausgesprochen steht von Beraterseite die Drohung im Raum, Lewandowski werde wahrscheinlich nicht noch einmal so eine gute Saison spielen, wenn ihn die Borussia nicht schon in diesem Sommer freigibt."
    Welch Logik! Wenn der BVB ihn nicht freigibt, spielt er eben etwas schlechter.
    Und wenn er ihn freigibt? Dann spielt er GAR NICHT für den BVB... Na, ob das so viel besser ist für den Club? :-)

  4. Geld müßte in Dortmund doch nach den CL- und Götze-Transfer Einnahmen genug vorhanden sein (von über 150 Millionen ist da die Rede), um dem Mann einen mehr als fürstlich dotierten Vertrag anzubieten. Daran allein kann es nicht liegen

    Das Problem scheint doch eher ein zweifaches zu sein: Erstens würde ein Gehalt, wie es RL beim FCB erwartet, das innermannschaftliche Gehaltsgefüge beim BVB in dramatische Schieflage bringen und zum zweiten sieht er die sportliche Perspektiven in Dortmund vielleicht doch nicht ganz so rosig, wie -verständlicherweise - die Fans und Funktionäre des BVB.

    Beim FCB kann er damit rechnen, daß er wirklich jedes Jahr um 3 Titel inklusive auf höchster internationaler Ebene mitspielt, beim BVB halt nur dann, wenn alles passt.

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    ... was denn so ein Titel mit den Bayern überhaupt Wert ist. Mal ganz abgesehen davon, dass er in München deutlich mehr Geld verdienen kann, was bringt es einem persönlich, mit Bayern den 25. Meitertitel zu feiern? Den 20. Pokal? Und das als ein Star unter vielen?
    Ist das für so ein Fußballer-Ego wirklich mehr Wert, als solche Titel wie mit dem BVB die etwas überraschend und "besonders" waren? Oder als ein Titel mit dem VfB alle zehn, fünfzehn Jahre?

  5. ... was denn so ein Titel mit den Bayern überhaupt Wert ist. Mal ganz abgesehen davon, dass er in München deutlich mehr Geld verdienen kann, was bringt es einem persönlich, mit Bayern den 25. Meitertitel zu feiern? Den 20. Pokal? Und das als ein Star unter vielen?
    Ist das für so ein Fußballer-Ego wirklich mehr Wert, als solche Titel wie mit dem BVB die etwas überraschend und "besonders" waren? Oder als ein Titel mit dem VfB alle zehn, fünfzehn Jahre?

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    Die Antwort auf die Frage hätten Sie in den Gesichtern der Spieler nach den letzten Siegerehrungen bzw. bei den Feiern auf den Münchner Marienplatz sehen können.

    Es handelt sich um junge Spitzensportler und nicht um ergraute Philosophen. Sie wollen Siege und - der Begriff ist in letzen Wochen oft gefallen - Ruhm "für die Ewigkeit".

    Wenn man in einer Mannschaft spielt, die alle 10 Jahre einen Titel holt, ist die Wahrscheinlichkeit dabei zu sein, wenn's mal wieder soweit ist, nicht übermäßig hoch.

    Soll z.B. ein Manuel Neuer, der sicher ähnlich heimatverbunden ist wie Jupp Heynckes, ein Sportler, der von der Presse zum besten Torhüter der Welt geschreiben wird und derzeit vielleicht sogar ist, ernsthaft seine gesamte Karriere bei einem Verein verbringen, der stets zwischen Platz 2 und 18 pendelt, nie eine Schale in den Händen halten?

    ...wieso jemand glaubt, dass es im Fußball um was anderes als um Geld ginge? Bayern hat die meiste Kohle, kann somit auch am meisten zahlen. Punkt, Aus.

    Und mal ehrlich, macht es ein normaler Arbeitgeber anders? Man muss sich doch nur die mal angucken, wo junge Absolventen arbeiten wollen: Bei Google, Apple oder Daimler, weil das die Branchenführer sind. Nur werden die wenigstens da was bewegen, sie laufen mit, oder eben nicht, aber es fällt kaum auf. Aber hauptsache dabei gewesen.

    Menschen, die richtig was bewegen können und wollen gibt es nicht viele, siehe auch Freiburg. Da hätte sich der ein oder andere einen Namen auf Lebenszeit machen können, aber da ist die Verlockung doch größer, bei einem vermeintlich erfolgreicheren Verein zu spielen. Ebenso Lewandowski. Wobei der ja schon sehr viel geleistet hat, ich denke auch in 10 Jahren wird der Name noch fallen, evtl. nach einem Chapuisat, aber kennen wird man ihn noch.

    Er soll gehen wenn er will, nur dieser Wechselzirkus ist absoult unfassbar.

  6. dass nicht nur Lewandowski, sondern auch der BVB in ein Licht gerückt wird, welches beide nicht brauchen können, wollen sie als solide und vertraulich gelten. Was die Berater da veranstalten, sollte auch mal den DFL auf den Plan rufen und überprüfen, ob man diesen "Beratern" noch weiter die Lizenz zum Geld drucken gibt, denn alles andere geht denen doch am A....vorbei!!!

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  7. Die Antwort auf die Frage hätten Sie in den Gesichtern der Spieler nach den letzten Siegerehrungen bzw. bei den Feiern auf den Münchner Marienplatz sehen können.

    Es handelt sich um junge Spitzensportler und nicht um ergraute Philosophen. Sie wollen Siege und - der Begriff ist in letzen Wochen oft gefallen - Ruhm "für die Ewigkeit".

    Wenn man in einer Mannschaft spielt, die alle 10 Jahre einen Titel holt, ist die Wahrscheinlichkeit dabei zu sein, wenn's mal wieder soweit ist, nicht übermäßig hoch.

    Soll z.B. ein Manuel Neuer, der sicher ähnlich heimatverbunden ist wie Jupp Heynckes, ein Sportler, der von der Presse zum besten Torhüter der Welt geschreiben wird und derzeit vielleicht sogar ist, ernsthaft seine gesamte Karriere bei einem Verein verbringen, der stets zwischen Platz 2 und 18 pendelt, nie eine Schale in den Händen halten?

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  • Schlagworte Bayern | Robert Lewandowski | Dortmund | Bundesliga | Fußball | Lucas Barrios
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