ZEIT ONLINE: Senhor Martins, haben Sie das Maracanã jemals so gut bewacht erlebt wie vergangenen Donnerstag, als 300.000 Demonstranten darauf zumarschierten?

Eduardo Martins: Nein, aber es war ja auch ein ungewöhnlicher Tag. Es gab das Spiel Tahiti gegen Spanien – und es gab die Demo. Im Mittelpunkt der Proteste steht der Vorwurf, dass die Regierung ihr Geld an falscher Stelle ausgebe. Und die Stadien hier waren sehr teuer.

ZEIT ONLINE: Zum Beispiel das neu aufgebaute Maracanã.

Martins: Brasilien erlebt gerade einen interessanten Augenblick. Die Wirtschaft brummt, es wird viel investiert, also sind nicht viele Arbeitskräfte verfügbar. Das heißt, solche Arbeiten werden teurer. Das ist das Gesetz des Marktes.

ZEIT ONLINE: Der Maracanã-Umbau ist sogar deutlich teurer geworden als ursprünglich veranschlagt.

Martins: Das Maracanã ist über 60 Jahre alt. Das muss man sich vorstellen wie die Renovierung eines sehr alten Hauses – da drohen immer Überraschungen. Plötzlich stellt man fest, dass die Wände alt und verschimmelt sind!

ZEIT ONLINE: Der Architekt sagt, es lag vor allem am Dach, das sich plötzlich als baufällig herausstellte ...

Martins: Es lag an etlichen Dingen, auch an den Vorgaben der Fifa. Mitten im Bauprozess kam die Fifa plötzlich an und forderte Sachen, die sie anfangs gar nicht auf dem Plan hatte. Die Sitze zum Beispiel. Dann das Drainagesystem des Rasens. Das Soundsystem. Das, was sie erst wollten, war etwas völlig anderes als das, was schließlich gemacht wurde. Deshalb kostete es mehr.

ZEIT ONLINE: Müssen die Fans künftig mit höheren Preisen rechnen, wenn nach den Großereignissen der Normalbetrieb weitergeht?

Martins: Also, wenn man die Eintrittspreise zu sehr erhöht, dann kommt ja niemand mehr ins Stadion. Aber der Fan muss andererseits begreifen, dass das Stadion moderner geworden ist, dass es darin mehr Service gibt, und dass man das nicht umsonst kriegt. Die billigsten Tickets werden rund 40 Reais (14 Euro) kosten, und ich denke schon, dass der Fan so etwas zahlen kann. Und dann gibt es auch zusätzliche Services oder Skyboxen, Dinge die es in dieser Form früher nicht gab. Dafür kann man mehr Geld verlangen.

ZEIT ONLINE: Aber brauchen die Leute all diesen zusätzlichen Service?

Martins: Heute geht man nicht mehr nur ins Stadion, um sich ein Fußballspiel anzusehen, sondern um ein Unterhaltungserlebnis zu genießen. In der Vergangenheit war der Fan der kleine Mann mit kleinem Einkommen, der arme Mann ohne Hemd, die ihren Müll auf den Tribünen liegen ließen, die ihren Nebenmann anpissten. Heute gibt es das nicht mehr. Heute ist das so: Ich nehme meine Frau mit, meine Tochter, und wir verbringen einen Tag im Maracanã. Da sind 78.000 Klienten, um die wir uns kümmern müssen, damit es ihnen gut geht. Das ist die neue Vision.

ZEIT ONLINE: Wann waren Sie zum ersten Mal im Maracanã?

Martins: Das ist lange her, mehr als 20 Jahre. Das Maracanã war immer ein Ort, an dem man ein bisschen Angst hatte wegen der Fangruppen, die dort waren. Ich erinnere mich an ein Spiel, bei dem es Ausschreitungen zwischen den Fangruppen von Fluminense und Flamengo gab. Die Polizei war da, mit Pferden, und sie gaben Schüsse ab, um die Menge zu sprengen. Heute ist es ein Ort, an dem man sich wohl fühlt. Man kommt Stunden vor dem Spiel, geht etwas essen in einem Restaurant. Dann geht man in eines der Geschäfte und kauft seinem Sohn ein T-Shirt, zum Beispiel von Fluminense, meinem Team. Die Leute haben Durst – man verkauft ihnen was zu trinken, verstehen Sie? Dann müssen sie aufs Klo. Das muss sauber sein! Ich gehe mit meiner Freundin hin. Ein Laden, der Blumen verkauft, wäre schön! So müssen wir denken. Die Leute wollen konsumieren, was wir anbieten. Wenn Sie zu Disney gehen, ist es das gleiche.