Michael BallackAbschied des Nichtrumplers

Leipzig hat Michael Ballack einen rührenden Abschied bereitet. Auf dem Platz war vieles wie früher. Doch auch der Streit mit der Nationalelf spielt mit. Von O. Fritsch von 

Michael Ballack nach seinem Abschiedsspiel

Michael Ballack nach seinem Abschiedsspiel  |  © Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Der Ball fällt Philipp Lahm am Strafraumeck vor die Füße, er will es ganz locker machen, so wie 2006. Doch sein Schuss landet diesmal nicht im Torwinkel, sondern steigt Richtung Abendsonne. Da packt ihn von hinten eine große Hand im Nacken, es ist die Hand von Michael Ballack. Der ehemalige Kapitän der Nationalelf wird doch seinem Nachfolger nicht etwa ein Leid tun? Nein, er gibt ihm einen freundlichen Klapps. Lächeln auf beiden Gesichtern.

Es ist ein Abend der Nettigkeiten. In der Arena Leipzig spielen zwei Mannschaften Fußball miteinander, nicht gegeneinander. Es ist das Abschiedsspiel für Michael Ballack. Die Geste zwischen Lahm und ihm ist dennoch ein besonderer Moment. Ballack hat die Nationalmannschaft vor einem Jahr im Streit und nicht ganz freiwillig verlassen. Lahm ist durch eine Intrige an seine Binde gekommen, so sieht das die Ballack-Fraktion. Ballack war zu alt und zu herrisch, so sehen das die anderen beim DFB. Es gab Zeichen der Annäherung, aber Versöhnung ist etwas anderes. Dieser Abend steht auch ein bisschen unter diesen Vorzeichen.

Anzeige

Doch viele Stars und Altstars aus Deutschland und der Welt sind gekommen: Didier Drogba, Andrij Schewtschenko, Michael Essien, Miroslav Klose, Bernd Schneider, Lothar Matthäus oder Michael Schumacher sind auf dem Feld. Rudi Völler, José Mourinho, Uli Hoeneß, Joachim Löw, Boris Becker, Wolfgang Niersbach und Günter Netzer auf der Bank oder der Tribüne.

Sie alle erweisen dem wichtigsten deutschen Fußballer des vergangenen Jahrzehnts die Ehre, dem Nichtrumpler unter Rumplern, der in der schwächsten Epoche des deutschen Fußballs der einzige von internationalem Format war. Dem Mann, ohne den Deutschland vor elf Jahren wohl zum ersten Mal eine Weltmeisterschaft verpasst hätte. Dem "Mann der wichtigen Tore", wie Rudi Völler in einem Interview über die Stadionlautsprecher während des Spiels sagt. Dem Mann des 1:0. Dem Capitano, dem seine Füße gehorchen.

Matthäus in Topform

Vieles auf dem Spielfeld ist wie früher. Lothar Matthäus zeigt sein breites Repertoire an Pässen, im Gegensatz zu denen der anderen kommen auch die schwierigsten an. Matthäus habe sich deutlich verbessert gegenüber der EM 2000, sagen die Fachleute. Nach Zweikämpfen mit Christian Wörns gehen die Stürmer zu Boden. Und Carsten Jancker lässt gekonnt einen Ball vom Fuß springen, um Jens Lehmann beidfüßig entgegenzuspringen. Gelb für Jancker.

Im Zentrum des Geschehens steht wie eh und je und ein letztes Mal: Ballack. Die Brust raus, den Rücken durchgestreckt, aufrechter Trab, lässt er sich von seinem ehemaligen Feldwebel Frings, dem Hackentrickser Schneider und vom braven Lahm immer wieder den Ball geben. Drei Tore schießt Ballack, mal mit dem rechten, mal mit dem linken Fuß. Ostdeutsche Fußballschule. Darunter natürlich das 1:0.

Leserkommentare
  1. zur Ehre gereicht, dieses Abschiedsspiel auszurichten.
    Nun aber kann man es nur die Schande des DFB nennen.

    12 Leserempfehlungen
    • thwe74
    • 06. Juni 2013 11:45 Uhr

    ... was da die letzten Jahre in seine (Ballacks) Richtung gelaufen ist, versöhnlches Ende hin und her, früher mal hochgejubelt, aber immer mit dem Makel des ewigen Zweiten gebrandmarkt, konnte er nicht schnell genug weg aus dem Team, als man in Südafrika anfing den "neuen" deutschen Traumfußball zu spielen.

    Dabei haben wir einen richtigen Kapitän in manchen Fällen, gerade in den entscheidenden Spielen sehr sehr nötig gehabt, einen, der das Team mitreißt und in den Allerwertesten tritt wenn es nicht gut läuft.
    Löw an der Seitenlinie ist zu passiv, und Lahm als Kapitän nicht sichtbar.

    Alle Gute und Danke für den Einsatz für's Nationalteam,

    thwe74

    6 Leserempfehlungen
    • drogwa
    • 06. Juni 2013 12:55 Uhr

    vielleicht war diese schwache deutsche fussballaera gerade wegen ballack so schlecht.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich glaube, Ballack hat in allererster Linie unverschämtes Pech gehabt.

    Er hat eine schwere Verletzung erlitten in einem Moment, in dem mehrere Faktoren zusammenkamen:
    - er hatte ein Fussballeralter erreicht in dem die Gefahr gross ist, nach einer Verletzung nie mehr der Alte zu werden
    - Die DFB-Mannschaft, in der er dem deutschen Publikum hauptsächlich präsent war, war gerade bereit zu einem Leistungssprung, den sie dann halt ohne ihn gemacht hat.

    Dafür kann niemand etwas. Man kann von einem Trainer auch nicht verlangen, einen solchen Spieler wegen seiner früheren Verdienste später wieder aufzustellen - der Trainer muss die Mannschaft aufbieten, die nach seiner Überzeugung die beste ist, und wenn da kein Ballack dabei ist, dann ist er halt nicht dabei.

    Ausserdem hatte er, wie im Artikel erwähnt, das Pech, dass seine beste Fussballzeit mit einer ausgesprochen blöden Phase des deutschen Fussballs zusammenfiel.

    Ferner hat er das Pech, dass ihm persönlichkeitsbedingt jede Flauschigkeit und Knopfäugigkeit fehlt, so dass die Öffentlichkeit und auch einige Offizielle unnötig harsch mit ihm umgegangen sind.

    zur Provokation sollten Sie sich besser nicht mehr so viel zu Fußball äußern.
    Ballack ist der einzige Grund dass der deutsche Fußball im internationalen Vergleich nicht komplett in der Bedeutungslosigkeit versunken ist.
    WM 2002 und WM 2006 sind gute Beispiele wie "SCHLECHT" Ballack den deutschen Fußball gemacht hat.

    Gibt international in den letzten 10 Jahren vor der jetzigen neuen deutschen Fußballwelle keinen deutschen Spieler der international ein so gutes Standing hatte wie Ballack...

    • KG
    • 06. Juni 2013 14:20 Uhr

    Deshalb waren für den Fußballer des Jahres auch permanent so viele Deutsche nominiert, und er hat den deutschen Fußball so runtergezogen! Deshalb musste der dann auch zu diesem Dorfverein Shelsea (oder wie die heißen), weil die Bayern so einen nicht mehr haben wollten...

    Entfernt. Bitte kommentieren Sie den Inhalt des Artikels. Die Redaktion/mak

    @ drogwa --> Das einzige was hier schwach ist, ist Ihr völlig unqualifizierter Kommentar!

    Michael Ballack war und ist eine charakterstarke, großartige Persönlichkeit im Weltfussball!
    Ich wünsche ihm nun alles Gute & hoffe dass er der Fussballwelt in irgendeiner Form erhalten bleibt.

    • vastus
    • 06. Juni 2013 12:57 Uhr

    Löw und Lahm waren als Zuschauer anwesend. Haben sie auch offiziell Ballack für seine Einsätze in der DFB-Auswahl gedankt??? Hat das ein DFB-Offizieller an dem Tag getan???

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    und ich finde das eine großartige Geste von beiden. Auch Löws Interview war absolut fair und ausgeglichen. Es ist toll, dass Ballack dieses Spiel in Leipzig veranstaltet hat (schade, dass die Tickets innerhalb weniger Stunden ausverkauft waren). Er hätte es in Leverkusen, London, München und Lautern machen können, oder auch in Chemnitz. Die Hütte wäre voll gewesen und das zeigt, dass all die Kritiker, sich vielleicht das eine oder andere mal sehr weit aus dem Fenster gelehnt haben. Es zeigt aber auch, wie Fritsch völlig richtig sagt, wie sehr sich eine ganze Region nach Fußball sehnt. Nach Flutlichtspielen und packenden Fights in diesem tollen Stadion.

    Nochmal zu Ballack. Unvergessen die Standing Ovations für ihn an der StamfordBridge, als er mit Leverkusen in der CL bei Chelsea gastierte. Dieser Moment sagt mehr, als alles andere, denn er mag nicht den großen internationalen Titel geholt haben, hat aber mehrere Vereine mit geprägt. Ein wirklich großer Fußball, ein Kämpfer, der mit Leidenschaft voranging und sich in entscheidenden Momenten nicht versteckt hat.

  2. Ich glaube, Ballack hat in allererster Linie unverschämtes Pech gehabt.

    Er hat eine schwere Verletzung erlitten in einem Moment, in dem mehrere Faktoren zusammenkamen:
    - er hatte ein Fussballeralter erreicht in dem die Gefahr gross ist, nach einer Verletzung nie mehr der Alte zu werden
    - Die DFB-Mannschaft, in der er dem deutschen Publikum hauptsächlich präsent war, war gerade bereit zu einem Leistungssprung, den sie dann halt ohne ihn gemacht hat.

    Dafür kann niemand etwas. Man kann von einem Trainer auch nicht verlangen, einen solchen Spieler wegen seiner früheren Verdienste später wieder aufzustellen - der Trainer muss die Mannschaft aufbieten, die nach seiner Überzeugung die beste ist, und wenn da kein Ballack dabei ist, dann ist er halt nicht dabei.

    Ausserdem hatte er, wie im Artikel erwähnt, das Pech, dass seine beste Fussballzeit mit einer ausgesprochen blöden Phase des deutschen Fussballs zusammenfiel.

    Ferner hat er das Pech, dass ihm persönlichkeitsbedingt jede Flauschigkeit und Knopfäugigkeit fehlt, so dass die Öffentlichkeit und auch einige Offizielle unnötig harsch mit ihm umgegangen sind.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "schwache aera..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es ist absolut Ok einen Altstar nicht wegen seiner früheren Ruhmestaten wieder aufzustellen.
    Das Problem an Löw war (nicht nur bei Ballack), dass die Art wie er es kommuniziert hat schwach bis inakzeptabel war. Ballacks ausraster natürlich auch, nur erwarte ich von einem Trainer mehr Sensibilität, denn Menschenführung ist sein Geschäft.

  3. zur Provokation sollten Sie sich besser nicht mehr so viel zu Fußball äußern.
    Ballack ist der einzige Grund dass der deutsche Fußball im internationalen Vergleich nicht komplett in der Bedeutungslosigkeit versunken ist.
    WM 2002 und WM 2006 sind gute Beispiele wie "SCHLECHT" Ballack den deutschen Fußball gemacht hat.

    Gibt international in den letzten 10 Jahren vor der jetzigen neuen deutschen Fußballwelle keinen deutschen Spieler der international ein so gutes Standing hatte wie Ballack...

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "schwache aera..."
    • KG
    • 06. Juni 2013 14:20 Uhr

    Deshalb waren für den Fußballer des Jahres auch permanent so viele Deutsche nominiert, und er hat den deutschen Fußball so runtergezogen! Deshalb musste der dann auch zu diesem Dorfverein Shelsea (oder wie die heißen), weil die Bayern so einen nicht mehr haben wollten...

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "schwache aera..."
  4. 8. [...]

    Entfernt. Bitte kommentieren Sie den Inhalt des Artikels. Die Redaktion/mak

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "schwache aera..."

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service