AS MonacoEin Fußballklub, ein reicher Russe, ein Steuerparadies

Mit den großzügigen Steuergesetzen ihrer Heimat und einem russischen Investor könnte die AS Monaco den europäischen Fußball auf den Kopf stellen. Von Sören Maunz von 

Fürst Albert II. als Fan von AS Monaco (Archiv)

Fürst Albert II. als Fan von AS Monaco (Archiv)  |  © Jaques Munch/AFP/Getty Images

Französische Fußballfans erhalten derzeit anschaulichen Unterricht, Brutto und Netto zu unterscheiden. Zlatan Ibrahimović verdient in Paris rund 14 Millionen Euro pro Jahr. Sein Bruttogehalt beläuft sich auf 93 Millionen, weil Paris Saint-Germain davon 79 Millionen an den französischen Staat abführen muss. Auch Radamel Falcao soll in Monaco künftig 14 Millionen Euro verdienen – sein Verein muss jedoch nur gut 50.000 Euro drauflegen. Der Grund: Monaco spielt in der französischen Liga, zahlt seine Steuern aber im Fürstentum. Das Steuerparadies wird zu einem immensen Wettbewerbsvorteil.

Die AS Monaco war in den vergangenen Jahren nur Zweitligist, dennoch bringt sie den französischen Fußball ins Wanken – nach der diesjährigen Rückkehr in die erste Liga umso mehr. Der Klub hat einen neuen Investor, Dmitri Rybolowlew, ein Milliardär aus Russland, viel mehr ist über ihn nicht bekannt. Der Präsident von Olympique Marseille, Vincent Labrune, beschrieb die Situation als ''Ankunft eines ausländischen Klubs'', gegen den die Liga ''finanziell nicht ankämpfen'' könne.

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Deshalb versucht der Ligaverband seit Monaten, rechtlich gegen Monacos Wettbewerbsvorteil anzukämpfen. Weil der juristische Rahmen jedoch weit über die Satzungen des Fußballs hinausreicht, befasst sich nun das oberste Verwaltungsgericht Frankreichs mit dem Fall, der Staatsrat in Paris. Entweder der Verein muss sich auflösen, oder in der Ligue 1 spielt zukünftig ein Schwergewicht, für das andere Gesetze gelten.

Stadion auf einem Parkhaus

Es stellt sich die Frage, warum dieses Dilemma erst jetzt sichtbar wird – schließlich ist Monaco nicht erst seit gestern ein Steuerparadies und spielt seit jeher in der französischen Meisterschaft. Für die Antwort ist vor allem der Name Jean-Louis Campora von Relevanz. Campora wurde 1975 Präsident der AS Monaco und blieb es über Jahrzehnte, ein zahlungskräftiger Investor ist er nie gewesen. Zudem wurde ihm nachgesagt, dass er die steuerrechtlichen Vorteile kaum ausgeschöpft habe, weil er mit den meisten Vereinspräsidenten und Funktionären ein kollegiales Verhältnis pflegte.  

Diese Kompromissbereitschaft wurde ebenfalls von der Fürstenfamilie befürwortet, in deren Besitz der Verein seit seiner Gründung 1919 war. Für den Fußball gab es in Monaco nie hochtrabende Pläne. Oliver Bierhoff und Jan Koller wechselten mit 33 Jahren ins Fürstentum, um ihre Karrieren mit Sonne und Geld ausklingen zu lassen, David Trezeguet und Emmanuel Adebayor gingen mit 22 Jahren zu attraktiveren Vereinen. Das 1985 eröffnete Stadion wurde aus Platzmangel auf einem Parkhaus errichtet, das Stade Louis II fasst 18.500 Zuschauer. Ein Heimspiel der Monegassen war letztmalig im Jahr 2004 ausverkauft.

Im Dezember 2011, als der Traditionsverein kurz vor der Pleite und dem Absturz in die dritte Liga stand, öffnete die Fürstenfamilie ihren Klub erstmals für einen ausländischen Investor. Rybolowlew nutzte die Gelegenheit und erwarb zwei Drittel der Vereinsanteile, seitdem ist er Präsident. Zwar hält die Fürstenfamilie das restliche Drittel noch immer, aber der Verein steht zum ersten Mal nicht mehr unter ihrer Kontrolle.

Rybolowlew stützt sich auf politische Verträge

Der Ligaverband LFP versuchte bereits im März zu reagieren, zu diesem Zeitpunkt war Monaco Tabellenführer der Ligue 2. Er beschloss, dass alle Vereine der französischen Meisterschaft ihren Sitz ab der Saison 2014/15 in Frankreich haben müssen. Der Beschluss galt der AS Monaco. Die Konsequenzen: Der Verein wäre gezwungen, sich aufzulösen, um sich in Frankreich neu zu gründen.

Rybolowlew legte umgehend Einspruch ein. Er erinnerte an ein Abkommen von 1963, das allen monegassischen Betrieben die Teilhabe am französischen Markt garantiert. Es ist einer von vielen Verträgen, die zwischen dem Fürstentum und Frankreich bestehen und von der EU bestätigt wurden.

Monacos Stade Louis II wurde auf einem vierstöckigen Parkhaus errichtet und 1985 eröffnet.

Monacos Stade Louis II wurde auf einem vierstöckigen Parkhaus errichtet und 1985 eröffnet.  |  © AFP/Getty Images

Leserkommentare
  1. Das sei Ihnen vergönnt, ausserdem kann die Wettmafia die Top Ten nicht schmieren, weil die einfach zu teuer sind bzw. werden.

    UND

    auf diese Art werden die besten Spieler nach Europa geholt und bleiben auch hier.

    Eine Leserempfehlung
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    Die besten Spieler der Welt werden nach Europa geholt? Wenn sie erst nach Europa geholt werden müssen, wo sind sie denn dann jetzt?

    Überraschung: Sie sind sowieso schon in Europa. Das Argument können Sie sich also an den Hut stecken.

    • Time24
    • 19. Juni 2013 11:49 Uhr

    ... wenn sich die Franzosen so eine wirtschaftsfeindliche Besteuerung leisten.

    Monaco ist nur eine Mannschaft in der französischen Liga. Aber die französischen Spitzenmannschaften müssen aber auch mit den europ. Topclubs konkurieren können. Und das können die nicht schaffen, wenn die Spitzensportler Frankreich meiden, da dort die Steuern so hoch sind.

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    wie kann jemand, der jeden über eine Million überwiesen bekommt sich darüber beschweren, zu hoch besteuert zu werden?

    Wieviel Gier muss dahinter stecken dass man mit 14 Millionen im Jahr nicht zufrieden ist?

  2. wie kann jemand, der jeden über eine Million überwiesen bekommt sich darüber beschweren, zu hoch besteuert zu werden?

    Wieviel Gier muss dahinter stecken dass man mit 14 Millionen im Jahr nicht zufrieden ist?

    4 Leserempfehlungen
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    • TDU
    • 19. Juni 2013 13:30 Uhr

    Rechnen Sie mal bis zum 85sten Lebensjahr und nehmen Sie einen gehobenen nicht unbedingt luxuriösen Lebenstandard mit Frau, die sollte, wenn sie arbeiten will natürlich nicht zum Hungerlohn arbeiten müssen und zwei Kindern und einer Rente, die den Lebenstandard hält. Verdienstzeit mit Fussball auf diesem Niveau: 10 Jahre.

    Da würde ich sagen, es geht auch kleiner aber von Gier zu sprechen ist m. E. übertrieben.

    • calmon
    • 19. Juni 2013 13:57 Uhr

    Wenn Sie die Wahl zwischen 2 Jobs haben und der eine ihnen das doppelte bezahlt für genau das gleiche. Sind sie dann gierig weil sie das doppelte gewählt haben?

    Vermutlich, aber was denken sie wieviel der Menschheit das halbe Salär gewählt hätte?

    • Time24
    • 21. Juni 2013 12:38 Uhr

    Die französischen Vereine haben sich beschwert, weil sie gegenüber Monaco im steuerlichen Nachteil sind und meinen dies wäre Wettbewerbsverzerrung. Damit haben die auch recht, aber da kann Monaco nix für. Die Franzosen haben eine Regierung gewählt, die die Wettbewerbsverzerrung noch vergrößert hat.

    Den Spielern ist es doch egal wieviel der Verein Brutto zahlen muss. Hauptsache das Netto passt.

    Und wenn Sie mal richtig viel Geld haben, beurteilen sie die Sache vielleicht anders. Aber Sie können natürlich auch alles freiwillig spenden.

    • TDU
    • 19. Juni 2013 13:22 Uhr

    Hoffenheim ud Chelsea zeigen dass Geld nicht alles ist. Die Folgerung aus der Überschrift ergibt sich nicht zwangsläufig. Und hätte Bayern nicht Heynckes und Sammer gehabt sondern zwei Selbstdarsteller, wärs nicht unbedingt so gut ausgegangen.

  3. so liest, fragt man sich doch, zu was wird uns dies noch alles führen? Ob im Sport, in der Unterhaltung, in der Wirtschaft sowieso, geht es immer unheimlicher zu. Ist es das was wir so wollen? Ich habe mein ganzes Leben Sport getrieben und es ist für mich auch heute noch, die schönste Beschäftigung der man nachgehen kann. Nur was der Profisport in den letzten 40 Jahren daraus gemacht hat, kann ich "nicht" nachvollziehen. aber was soll's, es wird so weitergehen. Wohin es letztendlich führen wird, werden wir "alle" gemeinsam sehen!

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    • TDU
    • 19. Juni 2013 13:39 Uhr

    Zit.. Nur was der Profisport in den letzten 40 Jahren daraus gemacht hat, kann ich "nicht" nachvollziehen. aber was soll's, es wird so weitergehen. Wohin es letztendlich führen wird, werden wir "alle" gemeinsam sehen!"

    Genau. Aber von eventuellen Vorteilen einer Reduzierung des Niveaus werden wir "alle" gar nichts sehen. Wird "oben" reduziert wirds "unten" auch.

    • TDU
    • 19. Juni 2013 13:30 Uhr

    Rechnen Sie mal bis zum 85sten Lebensjahr und nehmen Sie einen gehobenen nicht unbedingt luxuriösen Lebenstandard mit Frau, die sollte, wenn sie arbeiten will natürlich nicht zum Hungerlohn arbeiten müssen und zwei Kindern und einer Rente, die den Lebenstandard hält. Verdienstzeit mit Fussball auf diesem Niveau: 10 Jahre.

    Da würde ich sagen, es geht auch kleiner aber von Gier zu sprechen ist m. E. übertrieben.

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    Angenommen, der Spieler verdient 5 Jahre lange dieses 14 Millionengehalt. Das sind schonmal 70 Millionen. Die restliche Zeit seiner Karriere bekommt er nur ein kleines Gehalt von im Schnitt 1 Millionen. Mit 18 geht es los, mit 32 ist Schluss, macht also nochmal 10 Millionen drauf. Jetzt muss er davon 67 Jahre leben. Von 80 Millionen.

    Wohlgemerkt gehen wir hier auch noch davon aus, dass dieser Spieler nie wieder einen Cent verdient. Meinst du, Oli Kahn stellt sich für lau neben diese Nervensäge im ZDF? Das lässt der sich aber fein bezahlen. Man sieht es ihm ja fast an wenn sie spricht - für jedes Wort dass du sagst bekomme ich hundert Euro. Dieses gequälte Lächeln. Aber genug davon.

    Rechne es mir doch mal vor bitte. Wieviel Geld kann man sinnvoll ausgeben pro Jahr

    Luxuriöse Mietwohnung: 60.000,-
    ein neues Auto 100.000,-
    drei Mal in den Urlaub: 30.000,-
    Geld sinnlos zum Vergnügen verprassen 120.000,-
    Alltagskosten 12.000,-
    Hausmädchen 36.000,-
    Trophy Wife - alle bisherigen Kosten x2
    Macht 788.000,-

    Elitestudium für die Kinder bezahlen 50.000,- pro Nase

    Ich hab selbst mit 4 Kindern noch keine volle Million ausgegeben! Bitte hilf mir, erklär mir was Menschen mit 8-stelligen Nettogehältern mit ihrem Geld machen! Ich kann es einfach nicht nachvollziehen wie man so viel Geld ausgeben kann!

    • TDU
    • 21. Juni 2013 11:03 Uhr

    Berater und Co. sind auch noch da. Und je nach dem, wo man aufgewachsen ist, weiss man, wie schnell Geld zerrinnt, was Sicherheit bedeutet, und dass man nie mehr arm sein will. Ich brauch so viel Geld auch nicht. Mir gings halt nur um den "Gier" Aspekt. Ich bin da halt nicht so schnell bei der Hand wenn ich sehe, was so mancher nach zwar langer aber mittelmässiger Arbeitszeit bekommt an Renten und Sonderleistungen, dei er auch mit Zährn ufn Klaun verteidigt.

    Gier macht sich m. E. nicht nur an der Höhe eines Geldbetrages fest. Kostet z.B. die Krankenversorgung eines Familienmitglieds im Ernstfall mal eben 100.000 weil keine gesetzliche Krankenasse vorhanden ist, werde ich das entsprechende Gehaltsniveau akzeptieren, um das notfalls bezahlen zu können und fühle mich dabei nicht gierig.

    • TDU
    • 19. Juni 2013 13:39 Uhr

    Zit.. Nur was der Profisport in den letzten 40 Jahren daraus gemacht hat, kann ich "nicht" nachvollziehen. aber was soll's, es wird so weitergehen. Wohin es letztendlich führen wird, werden wir "alle" gemeinsam sehen!"

    Genau. Aber von eventuellen Vorteilen einer Reduzierung des Niveaus werden wir "alle" gar nichts sehen. Wird "oben" reduziert wirds "unten" auch.

    • calmon
    • 19. Juni 2013 13:57 Uhr

    Wenn Sie die Wahl zwischen 2 Jobs haben und der eine ihnen das doppelte bezahlt für genau das gleiche. Sind sie dann gierig weil sie das doppelte gewählt haben?

    Vermutlich, aber was denken sie wieviel der Menschheit das halbe Salär gewählt hätte?

    Eine Leserempfehlung
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    wenn ich die Wahl zwischen meinem jetzigen, niedrigen Gehalt und einem doppelt so hohem Gehalt hätte, würde ich natürlich das doppelt so hohe nehmen. Dafür würde ich auch einiges mehr an Überstunden und anderer Nachteile in Kauf nehmen.

    Wenn ich allerdings zwischen 10 und 20 Millionen netto wählen könnte, würde ich definitiv den Job nehmen, der mir besser gefällt. Wer hier anders entscheidet ist meines Erachtens nur vom Geld angetrieben, mit anderen Worten habgierig.

    Wo ist der Unterschied? Ich könnte mit einem doppelten Gehalt mir sofort jede Menge Dinge leisten, die ich tatsächlich brauche. Das kann mir jemand, der Millionen im Monat verdient nicht nachmachen. Bei dem sammelt sich das nur auf dem Konto.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Cristiano Ronaldo | Monaco | Emmanuel Adebayor | Euro | Frankreich | Russland
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