Fett wie ein TurnschuhDünn werden für 2.000 Dollar in weniger als zwei Stunden

In New York besucht unser Kolumnist Tuvia Tenenbom einen etwas anderen Fitnessklub. Einen mit lauter Musik, Fackeln und Rauch und vielen, vielen dünnen Frauen. von Tuvia Tenenbom

Brunch auf Amerikanisch

Brunch auf Amerikanisch  |  © Isi Tenebom

Roman ist ein interessanter Mann, der sich in der Stadt gut auskennt. Er ist mit einer wie ein Model aussehenden Dame verheiratet, hat ein eigenes Unternehmen und verdient tonnenweise Geld. Zumindest ist das alles, was ich über ihn weiß. Womit verdient er sein Geld? Weiß Gott. "Mein Feld ist die Produktion", sagt er.

Produktion von was?

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"Was immer Sie wollen."

Wie viele Fabriken haben Sie?

"Ich? Ich besitze keine Fabriken."

Sind Sie kein Fabrikant?

"Doch, sicher. Ich produziere, was immer Sie wollen." 

Roman ist einer dieser New Yorker mit einem ganz eigenen Kopf, jemand, den nicht jeder verstehen kann, aber er verfügt auch über Wissen, für das ihn jeder beneidet. Er ist, und das soll jeder wissen, ein Club Man. Roman kann Sie in jeden Club in New York bringen, von dem Sie je gehört haben.

Ich träume von diesen Clubs! Sie sind voll mit dünnen, schönen, jungen, sexy Damen, und ich würde mich liebend gerne mit ihnen unterhalten. Das sind die Menschen, und das weiß ich mit absoluter Sicherheit, die mir verraten können, wie man schlank wird – genau wie sie. Bloß ist es gar nicht so einfach, in diese Art von Clubs hineinzukommen: Man muss entweder leichter sein als ein Vogel oder auf der Liste der besonderen Gäste stehen.

Tuvia Tenenbom
Tuvia Tenenbom

ist Autor, Essayist und Dramatiker. Er ist Artistic Director des Jewish Theater in New York und Autor des Buches Allein unter Deutschen: Eine Entdeckungsreise. Für ZEIT ONLINE schreibt er seit Dezember 2011 die Fitnesskolumne "Fett wie ein Turnschuh".

Roman hört sich meinen Herzenswunsch an und lädt mich ein, mit ihm zum Brunch ins Day & Night zu kommen, einen Club in der Nähe des Google-Hauptquartiers in New York.

Ich nehme sofort an.

Am Eingang des begegne ich einer Ansammlung seltsam aussehender Figuren, die hier als "Promoter" bekannt sind.

Einer von ihnen ist James, ein Mann, der süchtig nach Zigaretten und iPhones ist.

Was ist ein Promoter?

"Schwer zu erklären. Wenn ich meiner Mutter erzähle, womit ich mein Geld verdiene, fragt sie: 'Kann Dich dafür die Polizei belangen?' Sehen Sie, meine Aufgabe ist ganz einfach: Ich bringe Menschen dazu, herein zu kommen." 

Was für Menschen?

"Die guten Menschen." 

Dünn, jung und sexy? 

"Das klingt hart, wie Sie es sagen. Künstlich."

Dünn, jung und sexy? 

"Exakt."

Wie kann jemand, der alt, dick und hässlich ist, in den Club hinein kommen?

"Solche Leute müssen fürs Hineinkommen bezahlen."

Heißt das, der Club verdient sein Geld vor allem mit den dicken und hässlichen Reichen?

"Exakt."

Aber die kommen nur, wenn drinnen junge und sexy Gäste sind, korrekt?

"Ganz genau." 

Ihre Aufgabe ist es also, die dünnen Schönheiten die alten Reichen einfangen zu lassen?

"Exakt."  

Wie bringen Sie die dünnen Damen dazu, herzukommen?

"Das ist nicht so einfach. Aber es gibt Wege. Man muss wissen, wie."

Bringen Sie es mir bei!

James schiebt mir sein iPhone 5 ins Gesicht und demonstriert mir seine Technik, junge Frauen anzusprechen: "Geben Sie Ihre Nummer ein und ich sorge dafür, dass Sie umsonst in einen schönen Club kommen."

Das ist alles?

"Ja."

Eine zierliche junge Schönheit mit bauchfreiem Oberteil und einem Lächeln, das auf ein Hirn von der Größe eines Mückenhirns schließen lässt, betritt den Club.

Leserkommentare
  1. Oder was fürs leichte Gewerbe.

    Irgendwas dazwischen wir für die Frauen schon rauskommen, wenn sie Glück haben! Oder doch nur ein Brunch.

    Eine Leserempfehlung
  2. Grausame Lärm- und Lichtbelästigung. Na dann lieber Zahlen als dahin zu müssen.

    • Riktam
    • 05. Juni 2013 22:03 Uhr
    3. Zitat

    »Eine zierliche junge Schönheit mit bauchfreiem Oberteil und einem Lächeln, das auf ein Hirn von der Größe eines Mückenhirns schließen lässt, betritt den Club«

    Helden der Lyrik - das Ende ist nah!

    3 Leserempfehlungen
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    • M-F.
    • 05. Juni 2013 22:09 Uhr

    3-"»Eine zierliche junge Schönheit mit bauchfreiem Oberteil und einem Lächeln, das auf ein Hirn von der Größe eines Mückenhirns schließen lässt, betritt den Club«"

    unerträglich

    • M-F.
    • 05. Juni 2013 22:09 Uhr

    3-"»Eine zierliche junge Schönheit mit bauchfreiem Oberteil und einem Lächeln, das auf ein Hirn von der Größe eines Mückenhirns schließen lässt, betritt den Club«"

    unerträglich

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Zitat"
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    "»Eine zierliche junge Schönheit mit bauchfreiem Oberteil und einem Lächeln, das auf ein Hirn von der Größe eines Mückenhirns schließen lässt, betritt den Club«"

    unerträglich"

    Wenn man ein Ameisengehirn hat wie der Autor, kommen einem die Gehirne aller anderen natürlich wie Mückengehirne vor.

    Es ist also eigentlich als Kompliment gemeint.

  3. dann bist du nicht der Kunde, sondern die Ware.

    8 Leserempfehlungen
    • J-M
    • 06. Juni 2013 6:59 Uhr

    "...ein Hirn von der Größe eines Mückenhirns..."

  4. "»Eine zierliche junge Schönheit mit bauchfreiem Oberteil und einem Lächeln, das auf ein Hirn von der Größe eines Mückenhirns schließen lässt, betritt den Club«"

    unerträglich"

    Wenn man ein Ameisengehirn hat wie der Autor, kommen einem die Gehirne aller anderen natürlich wie Mückengehirne vor.

    Es ist also eigentlich als Kompliment gemeint.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "bitte Niveau"
  5. Es gibt viele Arten, seine Zeit zu verschwenden. Die meisten sind allerdings weniger teuer.

    Eine Leserempfehlung

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