Was dürfen Sie auf keinen Fall verpassen?

Bei der Tour 1911 kam Paul Duboc dem Führenden Gustave Garrigou im Gesamtklassement gefährlich nah. Doch nachdem Duboc an einer Verpflegungsstelle von einem Unbekannten eine Trinkflasche gereicht bekam, brach er zusammen und musste kotzen, er erreichte das Ziel erst Stunden später. Weil in diesem Jahr auf der vierten Etappe ein Mannschaftsrennen ansteht und die Nachweisverfahren für Doping immer besser werden, drängt sich das Garrigou-Rezept geradezu auf. Verfolgen Sie also das Teamzeitfahren in Nizza und erraten Sie, welche 100 Jahre alten Tricks neu ausprobiert werden: Installiert das Team RadioShack Wanzen in fremden Begleitfahrzeugen? Manipuliert das Team Argos-Shimano die Gangschaltungen der Konkurrenz? Oder rührt das Team Omega-Pharma Abführmittel in die Trinkflaschen der Rivalen?

Was können Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Die Königsetappe: "Wo ist der Bastard? Wo zur Hölle ist der Verrückte, der sich das hier ausgedacht hat?", soll Stephen Roche, Sieger der Tour de France 1987, einst am Aufstieg des Mont Ventoux geflucht haben. Auch Oktave Lapize, der die Rundfahrt 1910 gewann, schimpfte auf die Veranstalter, als er sich am Col d'Aubisque quälte. "Mörder, ihr seid Mörder", sagte er und schob auf den letzten Metern zur Bergkuppe sein Rad. Vor wenigen Tagen verlor Tony Martin ähnliche Worte. Die Abfahrt von L'Alpe d'Huez, die den Fahrern am 18. Juli bevorsteht, bezeichnete Martin als "kriminell". Diese bewältigen zu müssen, sei "absolut verantwortungslos von den Tour-Organisatoren", sagte der gebürtige Cottbusser, "sie spielen mit unserem Leben". Schon der Aufstieg durch die 21 Kehren verlangt ihnen alles ab, normalerweise ist auf dem Gipfel Endstation. Das ist auch in diesem Jahr der Fall, doch zwischendurch müssen sie sich noch einmal hinunter stürzen. Das Streckenprofil ähnelt ein wenig der EKG-Kurve von Reiner Calmund, diese Etappe ist ziemlich ungesund.

Wer steht im Blickpunkt?

Jens Voigt, der im September 42 Jahre alt wird. Als er 1998 bei der Tour de France debütierte, spielte Steffi Graf noch Tennis, Olaf Marschall war mit Kaiserslautern amtierender Fußballmeister und über fünfzehn Millionen Deutsche schauten Wetten, dass...? Es scheint, als wolle er als Rennfahrer im Sattel noch älter werden als Michael Schumacher es im Cockpit wurde. Als Helfer diente Voigt bereits Kapitänen wie François Simon, Bobby Julich, Christophe Moreau, Ivan Basso und Carlos Sastre. In diesem Jahr wird er zum wiederholten Male dem Luxemburger Andy Schleck Trinkflaschen und Affenkoteletts liefern und das Tempo auf den Bergetappen ankurbeln. Der Wagemutige freut sich auf das neue Abenteuer. Und im Gegensatz zu Tony Martin sieht er das mit den Gefahren der Königsetappe auch gar nicht so wild.