Tour de France : Und am Ende grüßen sie die Mama lieb

Zum 100. Mal startet die Tour de France. Doping, kriminell steile Abfahrten und ein romantisch überraschendes Ende in Paris werden erwartet. Von Sören Maunz
Rennfahrer auf der Abfahrt von L'Alpes d'Huez nach Le Bourg-d'Oisans © Franck Fife/AFP/Getty Images

Was dürfen Sie auf keinen Fall verpassen?

Bei der Tour 1911 kam Paul Duboc dem Führenden Gustave Garrigou im Gesamtklassement gefährlich nah. Doch nachdem Duboc an einer Verpflegungsstelle von einem Unbekannten eine Trinkflasche gereicht bekam, brach er zusammen und musste kotzen, er erreichte das Ziel erst Stunden später. Weil in diesem Jahr auf der vierten Etappe ein Mannschaftsrennen ansteht und die Nachweisverfahren für Doping immer besser werden, drängt sich das Garrigou-Rezept geradezu auf. Verfolgen Sie also das Teamzeitfahren in Nizza und erraten Sie, welche 100 Jahre alten Tricks neu ausprobiert werden: Installiert das Team RadioShack Wanzen in fremden Begleitfahrzeugen? Manipuliert das Team Argos-Shimano die Gangschaltungen der Konkurrenz? Oder rührt das Team Omega-Pharma Abführmittel in die Trinkflaschen der Rivalen?

Was können Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Die Königsetappe: "Wo ist der Bastard? Wo zur Hölle ist der Verrückte, der sich das hier ausgedacht hat?", soll Stephen Roche, Sieger der Tour de France 1987, einst am Aufstieg des Mont Ventoux geflucht haben. Auch Oktave Lapize, der die Rundfahrt 1910 gewann, schimpfte auf die Veranstalter, als er sich am Col d'Aubisque quälte. "Mörder, ihr seid Mörder", sagte er und schob auf den letzten Metern zur Bergkuppe sein Rad. Vor wenigen Tagen verlor Tony Martin ähnliche Worte. Die Abfahrt von L'Alpe d'Huez, die den Fahrern am 18. Juli bevorsteht, bezeichnete Martin als "kriminell". Diese bewältigen zu müssen, sei "absolut verantwortungslos von den Tour-Organisatoren", sagte der gebürtige Cottbusser, "sie spielen mit unserem Leben". Schon der Aufstieg durch die 21 Kehren verlangt ihnen alles ab, normalerweise ist auf dem Gipfel Endstation. Das ist auch in diesem Jahr der Fall, doch zwischendurch müssen sie sich noch einmal hinunter stürzen. Das Streckenprofil ähnelt ein wenig der EKG-Kurve von Reiner Calmund, diese Etappe ist ziemlich ungesund.

Wer steht im Blickpunkt?

Jens Voigt, der im September 42 Jahre alt wird. Als er 1998 bei der Tour de France debütierte, spielte Steffi Graf noch Tennis, Olaf Marschall war mit Kaiserslautern amtierender Fußballmeister und über fünfzehn Millionen Deutsche schauten Wetten, dass...? Es scheint, als wolle er als Rennfahrer im Sattel noch älter werden als Michael Schumacher es im Cockpit wurde. Als Helfer diente Voigt bereits Kapitänen wie François Simon, Bobby Julich, Christophe Moreau, Ivan Basso und Carlos Sastre. In diesem Jahr wird er zum wiederholten Male dem Luxemburger Andy Schleck Trinkflaschen und Affenkoteletts liefern und das Tempo auf den Bergetappen ankurbeln. Der Wagemutige freut sich auf das neue Abenteuer. Und im Gegensatz zu Tony Martin sieht er das mit den Gefahren der Königsetappe auch gar nicht so wild.

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Kommentare

10 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Intro

Doping! Bitte jetzt auch vor jeden Bericht von Leichtathletik Events. Aber was solls.

"Und im Gegensatz zu Tony Martin sieht er das mit den Gefahren der Königsetappe auch gar nicht so wild."

Kart, 100 Meter Laufen sind auch nichts, wenn einem Zeiten oder Siege egal sind. Bei allem Respekt vorden Leistungen von Jens Voigt. Mittelrweile hat er schon was von einem in die Jahre gekommenen selbstzufriedenen Buchhalter. Meine Zahlen stimmen, Stress kenne ich nicht, und das Heranschaffen von lukrativen Aufträgen ist nicht meine Aufgabe.

Jens Voigt?

Jens Voigt ist wohl das antiquierte Schlachtschiff, das die Zeichen der Zeit nicht erkennen will. Für mich steht er für die Zeiten der Epo-, Wachstumshormone und Blutdopingskandale. Seine aggressiv vorgetragenen Beteuerungen von alle dem nichts davon gewußt zu haben, meißeln seine Unglaubwürdigkeit in den Asphalt der Rennstrecken.

Beweise?

Haben Sie Beweise? Bitte keine Allgemeinplätze, a`la "die haben doch alle gedopt."

Jens Voigt muss man zugute halten, dass er im Laufe einer Tour sehr große Leistungsschwankungen zu verzeichnen hat. Etwas, was eigentlich normal ist und ihn von anderen Fahrern, die mehrere Tage am Stück immer vorne dabei sind, unterscheidet.

Insofern würde ich es einem Jens Voigt noch am ehesten abnehmen, dass er sauber(er) ist.

Festzuhalten ist auch, die Tour ist mit Sicherheit sauberer als noch vor wenigen Jahren. Die Kontrollen sind engmaschiger, Seriensieger gibt es nicht mehr, viele Fahrer hauen mal einen Tag einen raus und müssen sich dann die nächsten Tage erholen, fahren also nicht jeden Tag vorne mit (siehe oben), müssen sich ihre Kräfte also besser einteilen.

Heute werden Kontrollen eingelagert und es gibt Nachtestungen, wenn neue Verfahren verfügbar sind. Die Fahrer können sich also nicht mehr sicher sein, dass, wenn sie nicht jetzt erwischt werden, in ein paar Jahren geoutet werden. Das gilt zum Glück für alle Sportarten.

Und dann gilt, immer nur auf dem Radsport zu zeigen, ist sehr bequem. Andere Sportarten haben genauso ein Dopingproblem, nur wird da nicht so akribisch getestet wie im Radsport. Oder glaubt jemand allen ernstes, im Fußball herrscht noch heile Welt? Gähn....