RadsportJan Ullrich gibt Doping mit Eigenblut zu

Erstmals hat der Tour-de-France-Sieger eingestanden, dass er gedopt war. Betrug kann Ullrich darin aber nicht sehen: Er habe nur für Chancengleichheit sorgen wollen.

Jan Ullrich

Jan Ullrich  |  ©Patrick Seeger/dpa

Der ehemalige Radprofi Jan Ullrich hat erstmals Blutdoping bei dem spanischen Arzt Eufemiano Fuentes zugegeben. "Ja, ich habe Fuentes-Behandlungen in Anspruch genommen", sagte er in einem Interview des Focus. Er habe aber keine anderen Dopingmittel verwendet als sein eigenes Blut, behauptete der Tour-de-France-Sieger von 1997.

Bisher hatte Ullrich mit verklausulierten Aussagen seine Verwicklung in die Doping-Ära des Radsports zugegeben, aber kein umfassendes Geständnis abgelegt. Betrugsvorwürfe weist Ullrich weiter zurück: "Fast jeder hat damals leistungssteigernde Substanzen genommen. Ich habe nichts genommen, was die anderen nicht auch genommen haben. Betrug fängt für mich dann an, wenn ich mir einen Vorteil verschaffe. Dem war nicht so. Ich wollte für Chancengleichheit sorgen." Dennoch nannte er sich in dem Gespräch "schuldig".

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Ullrich war 2012 vom Internationalen Sportgerichtshof CAS wegen seiner Verwicklung in den Skandal um den Dopingarzt Fuentes zu einer zweijährigen Sperre verurteilt worden, die rückwirkend vom 22. August 2011 an ausgesprochen wurde. Der 39-Jährige hat aber keine Ambitionen auf ein Comeback im Profisport und ist allenfalls noch sporadisch als Teilnehmer an sogenannten Jedermann-Rennen zu erleben.

Über die drakonischen Maßnahmen gegen seinen ewigen Rivalen Lance Armstrong, der ihn Jahr für Jahr bei der Tour de France abhängte, zeigte sich Ullrich nicht überrascht: "Mir war immer klar: Auch Lance Armstrong wird nicht davonkommen, selbst wenn er vermutlich jahrelang von der einen oder anderen Institution und dem Weltverband geschützt wurde."

Keine gesundheitlichen Folgen

Mit dem späten Geständnis versucht Ullrich erklärtermaßen, mit seiner Vergangenheit abzuschließen: "Ich will nur noch nach vorne schauen und nie wieder zurück." Gesundheitliche Folgen des Blutdopings habe er bisher nicht bemerkt. Nur in Bezug auf sein Ansehen in der Öffentlichkeit habe er sich selbst am meisten geschadet: "Ich bin nicht besser als Armstrong, aber auch nicht schlechter. Die großen Helden von früher sind heute Menschen mit Brüchen, mit denen sie klarkommen müssen."

Als Armstrong 2012 wegen Dopings sieben Siege bei der Tour de France aberkannt wurden, hatte Ullrich seinen Verzicht auf den Anspruch erklärt, als Gewinner der Frankreich-Rundfahrten von 2000, 2001 und 2003 geführt zu werden – ein Indiz dafür, dass er von Augenhöhe mit dem Amerikaner in Sachen Doping ausging. Ullrich sagte im August 2012 dem Focus: "Ich werde mich sicherlich nicht mit fremden Federn schmücken. In den Jahren war Lance einfach besser als ich. Das akzeptiere ich – damals wie heute."

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Leserkommentare
    • dp80
    • 22. Juni 2013 11:37 Uhr

    ... verkehrte Welt.

    8 Leserempfehlungen
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    Radsport ist eine Profisportart. Die Leute verdienen ihr Geld damit. Wenn Sie in Ihrem Job die Wahl hätten, entweder nachzuhelfen oder offensichtlich weniger Leistung als die Kollegen zu bringen (egal wie das zustande kommt), was würden Sie tun? Schillernde Karriere bis zum Vorstandsmitglied oder Pförtner? Jeder von uns würde es tun.

    Heuchlerisch ist lediglich, Profisport als etwas anzusehen, wo alle mit den gleichen Chancen an den Start gehen und der der sich am meisten anstrengt gewinnt. Das ist noch nicht mal im Amateurbereich so.

    • Karl63
    • 22. Juni 2013 17:18 Uhr

    Was Jan Ullrich zugegeben hat, war doch schon lange offensichtlich: in seiner aktiven Zeit als Radsport - Profi war niemand in der Lage, bei der Tour de France in der Spitzengruppe mitzuhalten, wer nicht von den Möglichkeiten der heutigen Medizin geschickt Gebrauch gemacht hat. Dies wurde nicht zuletzt von Lance Armstrong eingeräumt.
    Das Ganze System mehr nach dem stillschweigenden Konsens, alles was beim Wasserlassen nach der Etappe keinerlei nachweisbares Resultat erbrachte, war offiziell kein Doping.
    Der eigentliche Sinn der Doping-Kontrollen war doch wohl mehr der zu verhindern, dass es einer der Teilnehmer mit der "Medizinischen Unterstützung" übertreibt. Letztlich so einen Fall wie Tom Simpson http://de.wikipedia.org/w... zu verhindern. Wenn jemand während des Rennens tot aus dem Sattel kippt, das wäre auf die Dauer doch schlecht fürs Geschäft gewesen - und zwar für alle Beteiligten.
    Fragwürdig bleibt das Ganze trotzdem, schließlich wurden hier in der Bundesrepublik nach der Wiedervereinigung sehr klar dokumentiert, welche Spätfolgen das in der DDR systematisch betriebene Doping mit Anabolika hat. Und bei Lance Armstrong wurde enthüllt, er hat im Zuge der Behandlung seines Hodenkrebs zugegeben, was er vorher so alles "eingefahren" hat.

    • wpev
    • 22. Juni 2013 11:41 Uhr

    "Ich habe illegal und verboten gehandelt... dies vorsätzlich... aber betrogen habe ich niemanden"! Klingt ja toll... auf was lässt das wohl schließen?

    Mit dem Mut für Chancengleichheit zu sorgen... ab ins Management für die Welt! Wie uneigennützig kann man doch sein, auch noch mit eigenem Blut.

    Eine Leserempfehlung
  1. Geht dem das Geld aus oder wieso taucht jetzt aus heiterem Himmel
    überall in der Presse sein großes Geständnis auf?
    Fehlt bloß noch die Buchveröffentlichung.

    6 Leserempfehlungen
  2. Oder was soll das jetzt?

  3. Naja dann halt Chansengleichheit, und wieder vergessen wir die aussagen andere Radfahrer die schon öfters aussagten das sie beim Nächtlichen Beinevertreten, um das dickere Blut in bewegung zu halten, alle der Top Leute im Hotel getroffen haben die auch mal ebend spatziren gegangen sind.

    Dasd er nimenden betrogen hat glaub ich ihn sogar, aber dennoch kannn er bitte einfach sich nen neuen Job suchen und uns nicht mehr mit Berichten ode gar einen enuen Buch nerven.

    Wenn er was tun will für den Sport soll er die Titel anerkenne die man ihn zuspricht und damit den Sportverban zwingen jamand von den man nun nachträglich weis das er gedopt hatte zum sieger zu erklären, weil man ihm in den Rennen es nicht nachweisen konnte, und die Blutproben nun verjährt sind.

    Dann hätte man in der Galerie eine schöne Zeit wo man alle Toursiger sieht und dabei auch gedopte sehen würde und der Verband immer wieder erklären müste warum man nicht die Gesetze ändert oder was man denn nun degen Doping getahn hat.

  4. Vor Jahren sagte er:Ich habe niemanden betrogen......
    Diese Generation Radsportler ist leider diskreditiert,heute besteht Hoffnung auf Besserung.Doch das Radsport-Bashing ist eine deutsche Spezialität.

    Es grüsst ein Hobby-Radsportler.

    2 Leserempfehlungen
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    "Doch das Radsport-Bashing ist eine deutsche Spezialität."

    Und jede Kritik als ...-Bashing abzustempeln offensichtlich auch.

  5. nicht besser!!!
    Der Radprofi Ulrich hat den Leistungssport mit den Füßen getreten. Seine Aussage vor einigen Jahren - er habe genug Geld eingenommen, was interessiert mich das Reden der Leute - zeigt deutlich sein berechnendes Kalkül. Spitzenleistungen mit unerlaubten Mitteln zu erzeugen, zeigt seine Charakterlosigkeit ganz eindeutig. Diese Sportler müssen zur Verantwortung gezogen werden damit nicht der sich quälende Sportler (frei von Doping) die Lust verliert - Leistungen auf sportlicher sich zu erarbeiten. Herr Ulrich hat schamlos die Sportwelt hintergangen zusammen mit dem Amerikanischen Radprofi. Das schlimmste ist ja, dass die Fernsehanstalten und die Werbungsindustrie die Augen verschossen haben, weil sie nur auf Profit aus sind.

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    • TDU
    • 23. Juni 2013 12:33 Uhr

    Zit.: "Das schlimmste ist ja, dass die Fernsehanstalten und die Werbungsindustrie die Augen verschossen haben, weil sie nur auf Profit aus sind."

    Die Moral des kalten Krieges. Im Westen zum Profit, im Osten zu Ruhm und Ehre des Sozialismus.

    Wer hat eigentlich das Recht erfunden, von einem anderen zu verlangen, er möge etwas ohne Gegenleistung tun. Nicht mal Jesus hat solche Selbstlosigkeit verlangt und meistens war es das Recht der Despoten und Sklavenhalter.

    Das deutsche öffetnlich rechtliche Fernsehen hat sich ja herausgenommen, die Berichterstatung aufzugeben, bei Olympia aber nicht. So selektiv ist das alles, dass man auf die Idee kommen könnte, die Verhältnisse seien komplitzierter als man gemeinhin meint.

  6. Jan Ulrich wurde mehrmals befragt ob er auch Eigenblutdoping betrieben hatte und darauf immer mit NEIN geantwortet. Ein an sich guter Sportler mit einem schlechten Charakter und wenig Einsicht auch Fehler begangen zu haben. Solche Sportler will in Deutschland niemand mehr sehen :-(

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, sc
  • Schlagworte Jan Ullrich | Eufemiano Fuentes | Radsport | Blutdoping
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