Formel-1-Chef Bernie Ecclestone © Gustau Nacarino/Reuters

Es könnte das Ende seiner über drei Jahrzehnte dauernden Ära an der Spitze der Formel 1 bedeuten: Bernie Ecclestone ist wegen Bestechung und Beihilfe zur Untreue angeklagt worden. Das bestätigte die Münchner Staatsanwaltschaft am Dienstag. Die 20-seitige Anklage sei ins Englische übersetzt und dem 82 Jahre alten Ecclestone bereits zugestellt worden, sagte Gerichtssprecherin Margarete Nötzel.  

Der Brite soll seinem ehemaligen Geschäftspartner, dem deutschen Banker Gerhard Gribkowsky, für den Verkauf der Formel-1-Anteile an die Investmentgruppe CVC insgesamt 44 Millionen Dollar gezahlt haben. Ecclestone hat die Schmiergeld-Vorwürfe stets bestritten und sprach seinerseits von Erpressung. Gribkowsky soll Anspielungen gemacht haben, Ecclestones undurchsichtiges Geschäftsmodell den britischen Steuerbehörden zu melden.

Eccelstone reagierte umgehend und bestätigte den Eingang der Anklage. Seine Anwälte hätten einen entsprechenden Brief erhalten, sagte er der Financial Times. "Wir werden uns angemessen verteidigen", so Eccelstone weiter. "Das wird ein interessanter Fall. Es ist schade, dass das passiert ist."

Die Ermittlungen der Münchener Behörden dauern schon seit 2011 an. Im vergangenen Sommer war Gribkowsky zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden, weil er das Geld von Ecclestone angenommen und nicht versteuert hatte. Treibende Kraft für das Verbrechen war nach Ansicht der Richter aber Eccelstone selbst: Er habe Gribkowsky mit seinem Charme und seiner Raffinesse "ins Verbrechen" geführt, sagte der Vorsitzende Richter Peter Noll in der Urteilsbegründung. 

Seitdem ist klar, dass es für Ecclestone eng wird. Entscheidend in einem möglichen Prozess wird nach Einschätzung von Experten die Frage sein, ob Ecclestone wusste, dass Gribkowsky bei einer staatlichen Bank angestellt war – und somit ein Amtsträger, der kein Geld annehmen darf.  Im Fall einer Verurteilung droht dem 82-Jährigen damit eine mehrjährige Haftstrafe.

Kennengelernt hatten sich die beiden Männer beim Verkauf der Formel-1-Mehrheit im Jahr 2006. Der Banker Gribkowsky hatte als Risikovorstand der BayernLB den Auftrag, die Anteile der Bank an der Formel 1 zu Geld zu machen. Dabei arbeitete er eng mit Ecclestone zusammen.

Headhunter schon auf der Suche nach Nachfolger

Ecclestone selbst ist auf Konsequenzen offensichtlich gefasst, zumindest wenn es zu einer Verurteilung käme. Die Besitzergesellschaft CVC "wird wahrscheinlich gezwungen sein, mich loszuwerden, wenn die Deutschen mich holen. Das ist ziemlich klar, wenn ich eingesperrt würde", hatte Ecclestone Ende vergangenen Jahres dem Sunday Telegraph gesagt. Die Investmentgruppe CVC soll bereits einen Headhunter für die Nachfolge Ecclestones engagiert haben.

Hinter vorgehaltener Hand heißt es im Fahrerlager schon länger, dass Ecclestone im Falle einer Anklage auf dem wichtigsten Posten in der Formel 1 nicht mehr tragbar sei. Weltweit operierende Unternehmen wären zu Konsequenzen durch ihre sogenannten Compliance Richtlinien zum Handeln gezwungen. Das würde auch für den deutschen Hersteller Mercedes gelten.

Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo hatte schon mal einen Rücktritt nahe gelegt, sollte es zur Anklage kommen. Weil er die Formel 1 liebe, werde Ecclestone der erste sein, der einen Schritt zurücktrete, "im Interesse der Formel 1". Der ganze Vorgang könne "die Formel 1 beschädigen", hatte der Italiener gesagt.

Ecclestone begann als Gebrauchtwagen-Händler

Jene Formel 1, die Ecclestone wie kein anderer geprägt, geformt und vor allem finanziell gesteuert hat. Der Aufstieg zum mächtigsten Mann der Königsklasse des Motorsports begann Ende der 1970er Jahre, als der einstige Gebrauchtwagen-Händler die TV- und Vermarktungsrechte erstand. Ecclestone machte aus der Formel 1 ein weltumspannendes milliardenschweres Ereignis. Ein geplanter Börsengang wurde im vergangenen Jahr allerdings verschoben. Die Nachricht von einer Anklage des Geschäftsführers hätte die Formel-1-Aktie sicherlich erstmal vor die Wand fahren lassen.

Ob Abu Dhabi, China, Malaysia, Indien oder im kommenden Jahr Russland: Ecclestone, der wenig übrig hat für Demokratien, erobert den Markt. Von den Veranstaltern kassiert er Antrittsgelder in Millionenhöhe. Traditionsstrecken wie auch der Hockenheimring und der Nürburgring wechseln sich aus Kostengründen längst ab. Jetzt stehen Ecclestone ausgerechnet in Deutschland schwere Zeiten bevor.