Nationalspielerin Annike Krahn"Es nervt mich, wenn Sie mich weiter danach fragen"

Im EM-Viertelfinale treffen die DFB-Frauen auf Italien. Spielt die Nationalelf wie zuletzt, scheidet sie aus, sagt Abwehrchefin Annike Krahn im Interview. von 

ZEIT ONLINE: Frau Krahn, die Vorbereitung lief super, das EM-Turnier bislang nicht. Ein Sieg, ein Unentschieden, eine Niederlage – warum klappt es schon wieder nicht?

Annike Krahn: Weil wir unsere Leistung noch zu wenig abgerufen haben und so ein Turnier immer etwas anderes ist.

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ZEIT ONLINE: Was genau haben Sie denn noch nicht abgerufen?

Krahn: Das Kombinationsspiel gehört eigentlich zu unseren Stärken, aber das haben wir vor allem gegen Norwegen nicht gezeigt. Mit so einem Spiel würden wir im Viertelfinale definitiv ausscheiden.

ZEIT ONLINE: War die Mannschaft verkrampft?

Krahn: Letztlich waren wir schon sicher im Viertelfinale, daher kann es damit nicht viel zu tun haben. Das sind halt Leistungsschwankungen, die wir momentan haben.

Annike Krahn
Annike Krahn

Die gebürtige Bochumerin ist 28 Jahre alt. Seit 2004 spielte sie in Duisburg, vor einem Jahr ist sie nach Paris gewechselt. 91 Mal spielte sie bislang für den DFB, 2007 wurde sie Welt- und 2009 Europameisterin. In ihrer Heimatstadt hat sie Sportwissenschaften studiert.

ZEIT ONLINE: Also war es ein Nachteil, schon vor dem Spiel zu wissen, sicher im Viertelfinale zu sein?

Krahn: Für mich nicht. Aber man kann nie ausschließen, dass es bei der einen oder anderen unterbewusst im Kopf drin war.

ZEIT ONLINE: Können Sie an einer Beobachtung festmachen, dass die Ernsthaftigkeit gefehlt hat?

Krahn: Nein, kann ich nicht.

ZEIT ONLINE: Zeigt sich bei dieser EM umso klarer, dass die anderen Nationen besser geworden sind?

Krahn: Ja, natürlich ist die Leistungsdichte viel enger geworden. Aber das ist eine Tatsache, die erzählen wir schon seit fünf Jahren. Und irgendwie wurden wir da nie so ganz ernst genommen.

ZEIT ONLINE: Ist die Ära des deutschen Kraftfußballs endgültig vorbei?

Krahn: Auch wir haben eine ganz andere Mannschaft.

ZEIT ONLINE: Wie hat sich der Frauenfußball verändert?

Krahn: Er ist viel athletischer und präziser geworden. Die Spielerinnen sind besser ausgebildet und technisch versierter. Das Passspiel hat sich verbessert. Das liegt daran, dass es in vielen Ländern immer mehr in Richtung Professionalisierung geht.

ZEIT ONLINE: Das erste Spiel gegen die Niederlande guckten rund sechs Millionen Deutsche, was wohl auch mit dem Werbespot des ZDF zusammenhing. Der hat hierzulande für Wirbel gesorgt. Was haben Sie davon mitbekommen?

Krahn: Das habe ich nur nebenbei mitbekommen und mich nicht damit beschäftigt. Ich konzentriere mich hier aufs Fußballspielen und alles andere interessiert mich in sehr geringen Maßen.

ZEIT ONLINE: Fällt es unter solchen Umständen nicht umso schwerer, sich auf die Spiele zu konzentrieren?

Krahn: Für mich ist es nicht schwerer, wenn in Deutschland über irgendwelche Werbespots diskutiert wird.

ZEIT ONLINE: Auch nicht, wenn wieder auf dem Rücken der DFB-Frauen eine Sexismus-Debatte ausgetragen wird?

Krahn: Das liegt ja an Ihnen und Ihren Kollegen, die uns immer wieder versuchen, darauf anzusprechen. Mich interessiert es nicht.

ZEIT ONLINE: Also sind Sie genervt?

Krahn: Es nervt mich, wenn Sie mich jetzt weiter danach fragen.

ZEIT ONLINE: Ist die gute Stimmung, die Lockerheit nach der schwierigen Gruppenphase jetzt dahin?

Krahn: Wir haben eine sehr gute Stimmung in der Mannschaft und daran hat sich nichts geändert. Wir sind im Viertelfinale und wollen jetzt gegen Italien gewinnen.

ZEIT ONLINE: Fürchten Sie nach den bisherigen Spielen, dass die Mannschaft der nervlichen Belastung eines Alles-oder-nichts-Spiels nicht standhält?

Krahn: Nein, das glaube ich nicht.

ZEIT ONLINE: Obwohl Sie so viele junge Spielerinnen haben?

Krahn: Die jungen Spielerinnen werden aus dem Spiel gegen Norwegen gelernt haben. Wir vermitteln ihnen, was in diesem K.-o.-Spiel gegen Italien auf uns zukommt. Wir haben gar keine andere Wahl.

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Leserkommentare
    • mugu1
    • 21. Juli 2013 7:51 Uhr

    Es war für deutsche Fußballfans - ok, nicht für die, die in ihrer Arroganz den Frauenfußball verhöhnen und ablehnen - und natürlich in 1. Linie für die Spielerinnen eine lange goldene Ära, in der man von Erfolgen, von Titelgewinnen verwöhnt wurde, wo man europaweit eine klare Vormachtstellung einnahm und auch weltweit im Grunde nur 2-3 echte Gegner besaß.

    Diese Ära ist vorbei, sie ging ziemlich abrupt und rüde zu Ende mit dem vorzeitigen Ausscheiden bei der Heim-WM. Davon hat sich die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft bis heute nicht erholt.

    Woran liegt das? Zum Einen natürlich daran, dass die anderen Nationen z.T. kräftig aufgeholt haben, was nur natürlich ist und eigentlich schon längst zu erwarten gewesen war. Auch dass einige Spielerinnen, die nach der WM-Niederlage oder auch schon davor zurücktraten - dies in meinen Augen teilweise überfrüh taten, zu einem Zeitpunkt, als nicht ausreichend Frauen auf ähnlichem Niveau zur Verfügung standen - hat dazu beigetragen.

    Zum Anderen kann ich mich aber auch eines weiteren Eindrucks nicht erwehren. Ich verfolge seit 20 J. auch den Frauenfußball. Vielleicht ist es lediglich ein subjetiver Eindruck, aber mir kam das Spiel der Deutschen früher kraftvoller vor. Immer noch in Erinnerung habe ich da z.B. eine Maren Meinert, aber nicht nur sie. Wenn ich heute teilweise die schlaffen Schüsschen aus Entfernungen von 18m, 20m oder auch 25m sehe, vermag ich mich nur noch zu schütteln. Genau dort liegen m.E. heute größte Defizite.

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    • sozio
    • 21. Juli 2013 11:50 Uhr

    Meiner Meinung nach liegt es auch daran, dass der DFB selbst vieles kaputt gemacht hat. Der schwerste Gegner der Frauen-Nationalmannschaft während der Heim-WM waren die medial und indirekt vom (noch Theo-Zwanziger-)DFB her angetriebenen Debatten um die Qualität des Frauenfußballs an sich. Statt sich auf das Gewinnen zu konzentrieren, mussten die Spielerin auf einmal wieder Image-Aufgaben auf dem Platz selbst übernehmen. Genau diesen Schock und diese (das kann man wörtlich so stehen lassen) ethische Verwirrung haben sie bis heute nicht ganz hinter sich gelassen.

    Andererseits sind die Turniere, die in der Vorrunde etwas holprig verlaufen, nicht unbedingt ebenso holprig im weiteren Verlauf für die etwaige Mannschaft. Wir sollten also abwarten. Es ist manchmal besser, gegen eine schlechtere Mannschaft gut zu spielen als gegen sie alle Trumpfkarten rauszulegen, wie die Herren gegen Griechenland und Italien gezeigt.

  1. Ich schließe mich dem Vorkommentator an: Die deutsche Mannschaft spielt sehr gefällig, technisch gut (allerdings fehlt stellenweise die Präzision im Passspiel), das einzige Manko ist die mangelnde Torgefahr. Unglaublich viel Ballbesitz, man hält den Gegner in dessen eigener Hälfte, aber man generiert kaum mal eine echte Torchance.

    Aber vielleicht sind die Erwartungen einfach zu hoch. Es ist eine junge Mannschaft, sie besteht aus Spielerinnen, die noch viel Entwicklungspotenzial haben. In 4 Jahren wird es wieder eine exzellente Nationalmannschaft geben, gebt den Frauen (und der Trainerin!) Zeit.

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    ..ganz genau so.
    Ich freue mich auf das Spiel heute Abend, egal wie es ausgeht.

  2. Die aktuelle Bundestrainerin hat für mich schon etwas von einem Berti Vogst. Gewollt ist eben nocht nicht gekonnt. Allerdings ist Italien im Frauenfussbal eher eine leichtere Hürde als z. B. Norwegen.

    Dennoch Neid und Löw neigen dazu, ihre Fehler im Coaching zu wiederholen. Beide verstehen es brilliant, eine taktisch klare Linie in die jeweilige Auswahl zu bringen, allerdings halten beide dann auch an Personen in der Aufstellung fest, die eher loyal zum Trainer stehen und im entscheidenden Moment statts Eigeninitiative eher in erkennbarer Verzweiflung in den Untergang mit einer falschen Taktik gehen.

    Wobei den Frauen mir nicht nachvollziehbar ist, warum die Enttäuschung des Augenblicks in der WM 2011 nicht dem Bewusstsein gewichen ist, gegen die späteren Weltmeisterinnen verloren zu haben.

    Dafür habe ich eben nur eine Erklärung, dass die Vorbereitung durch Neid mit den vollkommen unterlegenen Gegnerinnen eine Hybris erzeugt hat, die im entscheidenden Moment von der Wirklichkeit bestraft wird. Zwar hat man vor der EM die Gegener besser ausgewählt, aber auch hier erinnere ich mich nur an eine Serie von Siegen, die eine Hoffnung auf Unschagbarkeit nährten.

    Das passt übrigens auch zu Löw und seinen Tiraden über Gegner (wir können jeden schlagen, stehen ganz oben) vor den Spielen in WM und EM. Der einzige Unterschied zu Neid ist allerdings, dass er in verückten Experimenten den Nachwuchs regelmäßig verbrennt und versäumt sich einen zweiten Anzug aufzubauen.

    2 Leserempfehlungen
  3. ..ganz genau so.
    Ich freue mich auf das Spiel heute Abend, egal wie es ausgeht.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Hohe Erwartungen"
  4. Die Truppe um Neid ist ziemlich jung. Das mag auch die Unsicherheiten erklären aber auch und das sage ich als nicht Experte eine Chance sein.
    So wie bei Herren. Aggressives Pressing, frühe Balleroberung und schnelle Offensive sind der Schlüssel. Also laufen bis zum umfallen.

    Egal ich drücke euch die Daumen.

    2 Leserempfehlungen
  5. 6. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Pauschalisierungen. Danke, die Redaktion/sam

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    • Karl63
    • 21. Juli 2013 11:23 Uhr

    wird sich aktuell dazu nicht mehr äußern können, denn er leidet bekanntermaßen an Demenz - ganz traurige Geschichte.
    Es gab hierzulande wie anderswo auch Zeiten, wo es ein allgemein anerkannter Standpunkt war, Frauen sind ungeeignet für ein Hochschulstudium nebst akademischen Abschluss. Solche Beispiele gibt es noch in vielen anderen Bereichen, wo sich Vorbehalte in der Art von wegen "Frauen können das nicht ..." als Unsinn erwiesen haben.
    An der Stelle sei daran erinnert, wenn die Fußballnationalmannschaft der Männer zu internationalen Turnieren angetreten ist, dann waren deren Leistungen in der Vorrunde nicht selten (in den letzten Jahren) auch sehr "durchwachsen", wobei sich die Mannschaft dann deutlich gesteigert hat.
    Ob das den Frauen von Trainerin Neid heute Abend gelingt - schaun wir mal.

    Entfernt. Bitte beachten Sie, dass insbesondere schriftlich formulierte Ironie nicht immer als solche verständlich wird. Kritik an der Moderation richten Sie gerne an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/sam

    • socal
    • 21. Juli 2013 10:30 Uhr
    7. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Polemik. Danke, die Redaktion/sam

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Geht's noch peinlicher? Keine Ahnung, Sie haben jedenfalls die Latte gehörig weit nach oben gelegt...

    [...]
    Die Artikelüberschrift trägt aber auch nicht gerade zu einer neutralen Berichterstattung bei, reduziert er das ganze Gespräch auf eine ziemlich direkte Antwort auf penetrantes Nachfragen.
    Ich freue mich auf das Spiel - viel Erfolg dem Bollwerk und der restlichen Truppe !!!

    Gekürzt. Sie beziehen sich teilweise auf einen inzwischen entfernten Kommentar. Die Redaktion/sam

    Entfernt. Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde inzwischen entfernt. Die Redaktion/sam

    Der Ausgangskommentar wurde entfernt. Die Redaktion/sam

    • Karl63
    • 21. Juli 2013 11:23 Uhr

    wird sich aktuell dazu nicht mehr äußern können, denn er leidet bekanntermaßen an Demenz - ganz traurige Geschichte.
    Es gab hierzulande wie anderswo auch Zeiten, wo es ein allgemein anerkannter Standpunkt war, Frauen sind ungeeignet für ein Hochschulstudium nebst akademischen Abschluss. Solche Beispiele gibt es noch in vielen anderen Bereichen, wo sich Vorbehalte in der Art von wegen "Frauen können das nicht ..." als Unsinn erwiesen haben.
    An der Stelle sei daran erinnert, wenn die Fußballnationalmannschaft der Männer zu internationalen Turnieren angetreten ist, dann waren deren Leistungen in der Vorrunde nicht selten (in den letzten Jahren) auch sehr "durchwachsen", wobei sich die Mannschaft dann deutlich gesteigert hat.
    Ob das den Frauen von Trainerin Neid heute Abend gelingt - schaun wir mal.

    3 Leserempfehlungen
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