Fußballer Papiss CisséDer Muslim und das Hemd der Kredithaie

Aus religiösen Gründen weigerte sich Papiss Cissé, das neue Trikot seines Vereins zu tragen. Jetzt willigte er doch ein – anscheinend nicht ganz freiwillig. von 

Papiss Demba Cissé, Stürmer von Newcastle United

Papiss Demba Cissé, Stürmer von Newcastle United  |  © Adrian Dennis/AFP/Getty Images

Betritt Papiss Demba Cissé das Spielfeld, betet er. Schießt er ein Tor, sendet er einen Blick samt Geste gen Himmel. Der Senegalese, der einst für den SC Freiburg 37 Tore in 65 Spielen machte und in der vergangenen Saison dafür sorgte, dass Newcastle United in der Premier League blieb, ist Muslim. Was nicht besonders außergewöhnlich ist, würde er mit seinem Glauben in England nicht gerade für einen ordentlichen Sommerskandal sorgen.

Seit Juni streikte der Stürmer. Selbst als seine Mannschaft ins Trainingslager aufbrach, blieb Cissé allein zu Hause. Er weigerte sich, das Trikot seines Klubs zu tragen, weil der auf der Brust einen neuen Sponsor präsentierte. Cissé sagte, er könne die Geschäftspraktiken des Hauptsponsors nicht mit sich und seiner Religion vereinbaren. Und erst recht nicht dafür werben.

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37 Millionen Euro zahlt Wonga.com dafür, dass es in den kommenden vier Spielzeiten auf der Newcastle-Brust prangt. Wonga ist ein Unternehmen, das Kleinkredite vergibt. Zu den Kunden gehören vor allem Normalerverdiener, die plötzlich Geld für einen neuen "Heizkessel" oder "Karten für ein Champions-League-Spiel" benötigen, erklärte der Wonga-Chef einmal. Der Haken: Wer sich beispielsweise umgerechnet 230 Euro für einen Monat borgt, muss gut 310 Euro zurückzahlen. Kritiker bezeichnen Wonga daher als einen" legalen Kredithai".

"Für seinen Glauben eingestanden"

Cissé rebellierte, weil der Koran Zinsen verbietet. Dort ist vor allem vom arabischen Wort Riba die Rede, das Islamwissenschaftler als Zinswucher interpretieren, also als einen ausbeuterischen Akt des Geldgebers gegenüber dem Schuldner. Für Papiss Cissé trifft das auf Wonga zu.

Und dabei bekam er Rückendeckung. Zum Beispiel von Dina Ahad, Mitglied des Stadtrats von Newcastle und ebenfalls Muslim. Ahad sagte, er sei "wirklich stolz" auf Cissé, weil er mit der Rebellion gegen Wonga "für seinen Glauben eingestanden" sei.

Vor einigen Wochen soll Cissé seinem Verein vorgeschlagen haben, dass er den Sponsor auf seinem Trikot überkleben könne. Auf diesen Kompromiss hatte sich bereits vor einigen Jahren Frédéric Kanouté, ebenfalls Muslim, geeinigt. Der Stürmer aus Mali weigerte sich, für einen Sportwettenanbieter zu werben, da der Islam Glücksspiel verbietet. Alternativ soll Cissé vorgeschlagen haben, dass er für eine karitative Einrichtung auf seinem Trikot werben könne.

Dazu kam es nicht. Warum, ist unklar, Details zu den Verhandlungen sind nicht bekannt. Der Verein Newcastle United äußerte sich zu dem Konflikt kaum, auch Wortmeldungen von Cissé waren rar. Ein Sprecher des Vereins erklärte lediglich vor Wochen, dass sich die Parteien zu Gesprächen zusammenfinden würden und gab sich optimistisch, dass sich ein Kompromiss finden ließe.

Dieser Kompromiss ist kürzlich überraschend erzielt worden; Cissé hat den Sponsor akzeptiert und wird bei Newcastle bleiben. Gut möglich, dass das mit einem Foto zu tun hat, das vor wenigen Tagen im Internet aufgetaucht ist.

Das Foto stammt aus dem vergangenen November und zeigt Cissé beim Spielen im Casino. Der Urheber, ein 22-jähriger Brite, sagte dem Daily Mirror, dass er den Senegalesen an jenem Abend im Casino getroffen und das Foto bei Facebook hochgeladen habe. Danach habe er sich nichts mehr dabei gedacht, bis es kürzlich von einem Fußballfan des Erzrivalen aus Sunderland wiederentdeckt wurde und sich daraufhin im Internet verbreitete.

Cissés Agent sagte zwar, sein Schützling sei kein Zocker. Zudem wurde das Foto mit einem Mobiltelefon gemacht, ist von schlechter Qualität und wenig aussagekräftig. Doch ein Sprecher des Astoria Casinos bestätigte einem BBC-Reporter, Cissé sei "ein sehr willkommener Gelegenheitsgast".

Verhandlungsposition geschwächt

Der Lokalpolitiker Dina Ahad ist nun enttäuscht. Nun scheint es, schimpft er, als würde es Muslime geben, die sich ihre Grundsätze zurechtlegen, wie es ihnen passt. "Man kann sich nicht die Rosinen rauspicken", sagte er. Ahad bezeichnete Cissés Verhalten als naiv. Eine Religion sei kein Spiel und kein Scherz.

Einen offiziellen Zusammenhang zwischen dem Auftauchen des Fotos und der Meldung, dass der Streit zwischen Cissé und seinem Arbeitgeber beigelegt ist, gibt es nicht. Doch der Fall Cissé wäre in absehbarer Zeit vor einem Tribunal des englischen Fußballverbands FA verhandelt worden. Nach der Bestätigung seiner Besuche im Casino hatte sich Cissés Verhandlungsposition geschwächt. Je nach Urteil hätten Cissé erhebliche arbeitsrechtliche Konsequenzen gedroht.

Nach dem gelösten Konflikt gibt es aus Sicht des erleichterten Trainers, Alan Pardew, nur noch ein Problem: Cissés mangelnde Fitness, schließlich hat er lange pausiert. Beim Testspiel gegen Blackburn am vergangenen Wochenende stand Papiss Cissé noch nicht im Kader. In dieser Woche soll er wieder ins Mannschaftstraining einsteigen.

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Leserkommentare
    • Prome
    • 29. Juli 2013 17:31 Uhr
    1. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/mak

    Eine Leserempfehlung
  1. Gehalt für die nicht gearbeitete Zeit zurückzahlen, Vertrag auflösen und entweder einen neuen Verein suchen oder die Karriere beenden. Problem gelöst.

    17 Leserempfehlungen
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    nicht die politisch korrekte Lösung, da er ein Leistungsträger ist. Der Verein muss sich nach einem anderen Sponsor umsehen, vielleicht findet man diesen ja in muslimen Ländern, da dürfte es dann auch keine Probleme geben.
    Aber wahrscheinlich wollte er nur aus seinem Vertrag raus.

    2. "Ganz einfach
    Gehalt für die nicht gearbeitete Zeit zurückzahlen, Vertrag auflösen und entweder einen neuen Verein suchen oder die Karriere beenden. Problem gelöst."

    sehr gut.

    Mehr Spieler sollten sich weigern für Unternehmen Werbung zu machen, hinter denen sie nicht stehen können.
    Aber die meisten haben so wenig **** in der Hose, dass sie noch nicht mal wie Cissé zum einlenken gezwungen werden müssen. Den meisten ist dann der eigene Gehaltsscheck doch näher als die eigene Überzeugung.

  2. nicht die politisch korrekte Lösung, da er ein Leistungsträger ist. Der Verein muss sich nach einem anderen Sponsor umsehen, vielleicht findet man diesen ja in muslimen Ländern, da dürfte es dann auch keine Probleme geben.
    Aber wahrscheinlich wollte er nur aus seinem Vertrag raus.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Ganz einfach"
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    ist auch keine richtige lösung nur weil einem Spieler etwas nicht passt müssen alle anderen darunter leiden ? Das entspricht auch nicht unserem Westlichen verständnis von Demokratie.

    Richtig wäre gewesen wenn sich der betroffene Spieler entweder mit einem Kompromiss geeinigt hätte oder von sich aus aus überzeugung den Verein gewechselt hätte.

    Nur weil einem Spieler ein Sponsor nicht passt wegen seinen Vorstellungen muss doch nicht der gesammte Verein darunter leiden.

    Seltsame Moralvorstellungen haben Sie.

  3. Am Anfang des Artikels waren die Geschäftspraktiken des Hauptsponsors überhaupt nicht vereinbar mit seinem Glauben. Am Ende dann doch alles Gut. Geld schafft eben alle Probleme aus der Welt. Da unterscheiden sich die Weltreligionen überhaupt nicht.

    7 Leserempfehlungen
  4. Für die Einstellung habe ich im Prinzip größten Respekt. Nur ist sie unrealistisch. Da dürfte er für keinen Verein spielen, der von einer Bank gesponsort wird. Ich persönlich würde aber auch nicht jeden Sponsor akzeptieren. Als Fan würde ich meinem Club z.B. die Unterstützung entziehen, wenn er sich von einem Scheich sponsorn lässt. Wäre ich Barcelona Fan gewesen, hätte ich beim letzten Sponsorwechsel z.B. den Verein verlassen.

    Von Chartity mit Unicef zu Qatar Foundation ist schon ein Absturz, den ich nicht hingenommen hätte.

    7 Leserempfehlungen
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    Ich denke ohne den Sponsor auf dem Trikot auflaufen zu dürfen war die Maximalforderung von Herrn Cisse. Wäre sein Vorstoß´im Umfeld des Vereins auf stärkeres positives Echo gestoßen, hätte er diese wohl auch erreicht. Doch auch so ist das Ergebnis keineswegs eine Niederlage für ihn, hat er doch öffentlichkeitswirksam auf die Zwielichtigkeit des Sponsors hingewiesen und fast jeder wird jetzt "wonga" mit "Wucher" assoziieren. Zum anderen hat er mal wieder gezeigt, daß Clubbesitzer/verantwortliche in der Premier League nicht bereit sind Sponsoren und deren Geschäftspraktiken zu hinterfragen. Aber die Rechnung wird bals serviert, die Premier League ist sportlich auf dem absteigenden Ast und da werden irgendwann die ganzen "Investoren" abspringen und ein finanzielles Trümmerfeld hinterlassen, von dem sich der englische Fußball Jahrzehnte nicht erholen wird.

  5. Wenn für einen Kredit schon für einen Zeitraum von einen Monat weit mehr als 30 % Zinsen verlangt werden, auf was für einen kriminellen Jahreszins kommt man da.
    Schätze mal, dass derartig hohe Wucherzinsen zu verlangen nach deutschem Recht ein strafbares Delikt wäre.

    27 Leserempfehlungen
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    werden Sportschuhe die im Einkauf €12 kosten, mit einem Marketingaufschlag von mehr als 1000% an den Kunden gebracht-da meckert Keiner. Die Frauen sind Europameister-Schokocreme wird teurer. Lässt sich beliebig weiterführen.

  6. Tja, liebe Mitbürger...

    So werden Menschen Kompromittiert.
    Ob ich, wenn mein Arbeitgeber etwas verlangt, auch irgendwann mit irgendwelchen Fotos oder Emails erpresst werde? Oder mit den Mitschnitten von Kommentaren hier? Mit Prism und Co. ist das denkbar, vor allem wenn man z.B. in Staatsunternehmen arbeitet....

    Ich weiß dass Cissé als Person der Öffentlichkeit besser auf sein handeln achten sollte, aber hatte er eine Chance sich zu verteidigen?
    Ist es gerechtfertigt, durch vergangene Fehltritte neue Fehltritte zu erzwingen? Zumal es auch andere Lösungen (Abdeckung) gibt....

    Tja, Wonga.com scheint wohl eine sehr vertrauenswürdige und faire Kreditanstalt zu sein....

    14 Leserempfehlungen
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    dem Onlinemob den Pranger madig machen zu wollen? ;-)

  7. ist auch keine richtige lösung nur weil einem Spieler etwas nicht passt müssen alle anderen darunter leiden ? Das entspricht auch nicht unserem Westlichen verständnis von Demokratie.

    Richtig wäre gewesen wenn sich der betroffene Spieler entweder mit einem Kompromiss geeinigt hätte oder von sich aus aus überzeugung den Verein gewechselt hätte.

    Nur weil einem Spieler ein Sponsor nicht passt wegen seinen Vorstellungen muss doch nicht der gesammte Verein darunter leiden.

    Seltsame Moralvorstellungen haben Sie.

    Antwort auf "Das ist aber"
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    Zu kritisieren sind doch wohl die Vereinsfunktionäre, die eine nach deutschem Recht kriminelle Firma, in jedem Fall aber moralisch verwerfliche Firma, die kriminellen Zinswucher betreibt, zum Sponsor des Vereins macht und damit auch einen Verlust des Ansehens des Vereins bewirken.Zu loben ist dagegen der Spieler, der sich dagegen wehrt. Egal ob er sich aus religiösen oder anderen moralischen Gründen weigert.
    Den Reputationsverlust, den dieser Verein erleidet, indem er sich mit einer derartigen Firma gemein macht, ist durch Geld nicht aufzuwiegen. Als Fan eines solchen Vereins würde ich mich angewidert von diesem abwenden. Diese "Bank" nutzt auf kriminelle Art und Weise die finanziellen Notlagen von Menschen aus,,um skrupellos Gewinne zu maximieren. Mit seriösem Bankgeschäften hat das nicht mehr zu tun.
    Ein Verein, der solche Sponsoren akzeptiert, der kann sich auch gleich von der Mafia kaufen lassen.

    Ich danke Ihnen sehr xvulkanx, wie es der Überschrift zu übernehmen ist. Ausführlich und verlerlos haben Sie es geschafft allen anderen "das Maul zu stopfen". Sie denken nicht kapitalistisch. Gefällt mir.

    • exchp
    • 30. Juli 2013 2:22 Uhr

    ob Sie die selbe Meinung vertreten würden, wenn es sich bei Cisse um einen Christen gehandelt hätte.

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  • Schlagworte SC Freiburg | Casino | Facebook | Testspiel | England | Fitness
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