Doping-Skandal : Der Fall Gay ist auch ein Fall Bolt

In der Leichtathletik fragen sich viele: Wenn seine Konkurrenten wie Tyson Gay und Asafa Powell gedopt sind – wie kann der schnellste Mann der Welt sauber sein?
Gold- und Silbermedaillengewinner von London 2012: Tyson Gay und Usain Bolt © Ronald Martinez/Getty Images Sport

Als Tyson Gay der Weltöffentlichkeit eine positive Dopingprobe gestehen musste, spielte Usain Bolt mit ein paar Sportkollegen Domino. So funktioniert das Spiel in der Sprinterszene der Leichtathletik gerade: Bolt macht Spaß, um ihn herum fallen die anderen.

Wenn es so weiter geht, wird es ein einsames Rennen am 11. August in Moskau, denn Olympiasieger und Weltrekordhalter Bolt aus Jamaika verliert gerade wichtige Konkurrenten für das 100-Meter-Finale bei der Weltmeisterschaft in Moskau. Die Ereignisse überschlugen sich am Sonntag, weshalb der Tag schon als schwarzer Sonntag der Leichtathletik bezeichnet wird. Es kommt schließlich nicht oft vor, dass gleich mehrere der allerschnellsten Läufer der Welt am selben Tag positive Dopingproben bekannt geben.

Es begann mit Tyson Gay, mit 9,75 Sekunden derzeit Jahresschnellster über 100 Meter. In einer Telefonkonferenz erzählte der dreißig Jahre alte US-Amerikaner unter Tränen von einem positiven Dopingtest. Gays Leistungen in diesem Jahr hatten ihn nicht gerade unverdächtig gemacht, bemerkenswert waren seine Zeiten vor allem nach einer elfmonatigen Verletzungspause und einer Hüftoperation.

Der Fall Tyson Gay wäre für sich schon eine Sensation gewesen. Gay war das Versprechen für ein großes Duell. Doch der Sonntagabend war noch nicht zu Ende.

Nur wenige Stunden später wurden die positiven Dopingtests von fünf jamaikanischen Athleten öffentlich, unter ihnen niemand Geringeres als Asafa Powell, der ehemalige Weltrekordhalter über 100 Meter. Der Spiegel hatte eine Geschichte über Powell einmal "Die letzte Hoffnung" betitelt. Powell, höflich, ruhig, nicht vom Testosteron aufgekratzt wie viele seiner US-amerikanischen Sprinterkollegen sollte die dopingverseuchten 100 Meter retten. Sein Vater ist Pfarrer, er selbst spielte in der Kirche im Orchester mit. Nun also auch er? Und mit ihm noch Staffel-Olympiasiegerin Sherone Simpson und vielleicht auch noch Nesta Carter?

Was auf den ersten Blick wie ein dunkles Gesamtbild wirkte, sieht auf den zweiten etwas anders aus. Jedenfalls nicht nach einem großen Schlag gegen skrupellose Betrüger.

Es handelt sich jedenfalls um völlig verschiedene Fälle. Tyson Gay wurde im Training positiv getestet, die Jamaikaner im Wettkampf, bei ihren nationalen Meisterschaften im Juni. Bei Powell wurde Oxilofrin gefunden. Diese Substanz ist nur im Wettkampf verboten. Vor allem gilt sie nicht gerade als letzter Schrei auf dem Markt der Manipulationsmöglichkeiten. "Oxilofrin gehört zu den Substanzen, die verhältnismäßig leicht nachzuweisen sind. Der Effekt dieses Mittels ist überschaubar", sagt Mario Thevis, Professor für präventive Dopingforschung an der Deutschen Sporthochschule in Köln.

Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Jamaikaner, einige oder alle, nicht zwangsläufig Dopingtäter im klassischen Sinne sind, sondern vielleicht auch Opfer eines verunreinigten Nahrungsergänzungsmittels.

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Kommentare

26 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

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"Allein der naive Glaube das der Fußball noch sauber ist"

Der Fußball wird nicht sauber sein, nur spielt dort Doping keine so große Rolle. Doping steigert die körperliche Leistungsfähigkeit, macht einen Sportler also stärker, schneller und ausdauernder. Damit schießt man aber keine Tore, während man in der Leichtathletik damit alles gewinnen kann.
Das ist der entscheidende Unterschied zwischen diesen Sportarten.

ein bisschen naiv

finde ich diese Ansicht. Im heutigen Spitzenleistungssport Fussball sind genau die physischen Eigenschaften gefragt, die man sehr gut dopen kann. Das Fussballspiel besteht eben nicht hauptsächlich aus Toreschießen sondern aus enormer Ausdauer, vor allem aber aus vielen Schnellkrafteinsätzen, sprich S p r i n t s unter zusätzlichem hohen Körpereinsatz. Zudem ist die extrem kurze Rekonvalenzenz nach schweren Sportverletzungen auffallend. Natürlich möchte ich als Fußballfan das nicht wahrhaben und wünsche mir ebenso wie Sie, dass der Fußball eine Ausnahme ist. Der Fußball in Deutschland hat zudem einen so hohen Stellenwert und es hängen hunderte von Millionen Euro dran, dass man diesen natürlich mit allen Mitteln schützt. Erst in diesem Jahr werden Blutdopingproben auch von Fußballern der Bundeslige genommen, wie ich gerade im ZDF gehört habe.

Sehr einfach,

http://www.sportunterrich...
"Ein fast "legales" Dopingmittel ist Koffein. Für Koffein wurde ein Höchstwert von 12 Mikrogramm pro Milliliter Harn festgelegt. Um
das zu erreichen, mufl man etwa 400 bis 600 mg Koffein einnehmen. Zum Vergleich: In einem Liter "Red Bull" befinden sich 320 mg Koffein."
Wenn das stimmt, dann verwundert es mich einfach, denn RB, Cola, Kaffee etc. haben eine sehr aufputschende Wirkung, treiben den Blutdruck in die Höhe und sind damit in der Wirkung doch nicht unähnlich zu Oxilofrin? Warum ist das eine verboten und das andere nicht?
Und über einen Liter Energyzuckerwasser trinken, die Auswirkungen wird man definitiv spüren.