Tour de France 1998 : Ullrich und Zabel des Epo-Dopings überführt

Kurz nach Ende der 100. Tour de France sind mehrere Fahrer von 1998 als Doper entlarvt. Neben deutschen Fahrern steht auch der Toursieger Marco Pantani auf der Liste.
Jan Ullrich und Erik Zabel (grünes Trikot) bei der Tour 1998 © Andreas Rentz/Bongarts/Getty Images

Die deutschen Radfahrer Jan Ullrich, Erik Zabel, der damalige Gesamtsieger Marco Pantani sowie weitere prominente Fahrer haben bei der Tour de France 1998 mit Epo gedopt. Das geht nach übereinstimmenden Medienberichten aus dem Untersuchungsbericht der Anti-Doping-Kommission des französischen Senats hervor. Französische Medien wollen die darin aufgelisteten Identifikationsnummern der Proben den Fahrern zugeordnet haben.

Auslöser für die neuen Enthüllungen sind Nachtests von Proben von 1998, unter anderem auf das Dopingmittel Epo. Ähnlich waren bereits die sechs positiven Proben von Lance Armstrong bei der Tour de France 1999 entschlüsselt worden.

Auf der Liste tauchten den Berichten zufolge auch die Namen der Ex-Weltmeister Mario Cipollini (Italien), Laurent Jalabert (Frankreich) und Abraham Olano (Spanien) auf.

Ullrich hatte zwar Eigenblut-Doping beim spanischen Arzt Eufemiano Fuentes gestanden, Epo-Doping aber bislang stets bestritten. Seinem Berater Falk Nier zufolge sei es noch unklar, ob sich sein Mandant dazu äußern will. Auch Nier selbst wollte die Nachricht nicht kommentieren. "Ich muss den Bericht erst einmal lesen", sagte er. Zabel hatte bei seinem Geständnis im Mai 2007 ausgesagt, dass er lediglich bei der Tour de France 1996 das Blutdopingmittel Epo für einen Zeitraum von einer Woche genommen, aber nicht vertragen habe.

Fahrer wollten Verschiebung

Bei der Vorstellung des Berichts hatte die Kommission zunächst auf die Nennung von Namen verzichtet. Auf die konkrete Frage, ob die früheren deutschen Radstars Ullrich und Erik Zabel betroffen sind, wich Kommissionspräsident Jean-François Humbert auf einer Pressekonferenz in Paris noch aus: "Ich betone noch einmal, wir sind weder Polizei noch Richter."

Ursprünglich sollte der Bericht am 18. Juli, also noch während der diesjährigen Frankreichrundfahrt veröffentlicht werden. Die Fahrervereinigung CPA drängte jedoch auf eine Verschiebung des Termins und äußerte zudem grundsätzliche Bedenken gegen die Bekanntgabe von Namen. Grundlegende Rechte der Fahrer würden verletzt, da keine Möglichkeit zur Verteidigung bestünde.

Auch vom Präsident des Radsport-Weltverbands UCI, Pat McQuaid, kam Kritik an den Nach-Analysen. "Die Analysen des französischen Labors im Jahr 2004 entsprechen nicht den technischen Standards für Antidoping-Tests und können daher nicht als Beweis im Rahmen von Antidoping-Untersuchungen angenommen werden", sagte der Kanadier.

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Kommentare

42 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Warum nicht Fußball!!!

Grenzwerte im Doping:

Die Dopinggrenzwerte sind z.T. absolut willkürlich gesetzt bzw. sind der normalen Bevölkerung entnommen worden. Leistungssportler sind nun
mal keine "normalen" Menschen, sondern trainieren eben sehr sehr viel.
Kleines Beispiel: Ein hämatokritwert von 50 gilt als Doping.
40-46 gelten als normal. Durch Höhenanpassung (Stichwort Alpen, Höhen von 2000m, Höhentraining allgemein) kann der Hämatokrit NATÜRLICHERWEISE über 50 gehen. Dopingkontrolle. Sperre. Öffentliches Image für immer dahin...
Ich möchte die Radfahrer nicht freisprechen, es wird vermutlich tatsächlich viel nachgeholfen. Aber über solche Dinge wie die Dopingliste und deren Grenzwerte wird nie diskutiert (s. Fall Pechstein)

Warum kein Doping im Fußball?

Warum sollten sie? Wovon hängt die Leistung ab. Neben äußeren Bedingungen wie Wetter, Platzverhältnisse, Schiedsrichterleistung, Gegnerleistung, Heim-/Auswärtsspiel, spielen massiv viele innere Faktoren eine Rolle: Technik, Taktik, Psyche, Kondition, Glück....
Kondition hat einen Anteil von max. 20%
Es wäre schlichtweg bescheuert zu dopen. Trotzdem kommt es hin und wieder vor. Höchstens: Doping zur schnelleren Regeneration. Bei diesem Wettkampfkalender würde mich das nicht wundern!

Helden des Sports

Ich kann mir schon ungefähr vorstellen, wie eine breite Masse auf einen Kommentar wie den folgenden reagieren wird / würde, aber im Grunde ist es doch so:

Was aufhören muss ist die fortwährende Verleumdung der Tatsache, dass man den Kampf gegen das Doping nicht gewinnen kann. Es geht ganz einfach nicht. Es wird immer Sportler geben, die sich auch durch unlautere Mittel einen Vorteil zu verschaffen suchen, und da die Möglichkeiten hierzu den Möglichkeiten der Aufdeckung zeitlich vorauseilen, kann es de facto auch niemals Gewissheit darüber geben, wie sauber der Sport ist.

Das Problem ist doch folgendes: der von allen sozialen Klassen und Schranken losgelöste Leistungssport eignet sich hervorragend zur Erschaffung von Regional- und Volkshelden, worin wir gerne einen Mehrwert für unsere Gesellschaft zu erkennen glauben. Die Dopingpraxis macht diese Heldenbilder kaputt.

Nun gibt es drei Möglichkeiten, damit umzugehen:

Die erste: Ich verfechte blind und wider jede Realität die Utopie, dass der Sport wieder "sauber" werden kann, was aber ganz und gar unmöglich ist.

Die zweite: Ich akzeptiere eben, dass der kommerzielle Leistungssport sich für pädagogische Zwecke nur sehr bedingt eignet und suche mir meine Helden woanders.

Die dritte: Ich legalisiere das Doping.

" Kokolores ", BLÖD Zeitung Niveau

ist das ihr Ernst ?

"Ohne leistungsfördernde Mittel geht im Radsport so gut nichts mehr. Da sollten wir"
Nein, ich fahre auch sehr viel Rad. Eine Tour de France zu fahren ohne Doping ist für einen Profi möglich.

"Die Frage ist doch nur noch, ob die Einnahme leistungsfördernder Mittel freigegeben werden sollte "
So,so, Profisportler sind Vorbilder für Kinder und ich habe ja schon gesagt, daß Pantani daran gestorben ist. Dem sollen Kinder also nacheifern...

Bzgl. der Enschuldigung: Sportliche Vorbilder ( und sie werden nun einmal immer Vorbilder für Kinder bleiben ) lügen in aller Öffentlichkeit, verdienen damit ihr Geld und brauchen sich dann nicht einmal dafür entschuldigen.
Damit sollen unsere Kinder also aufwachsen, außer man zwingt sie dazu, sich nicht mehr für Profisport zu interessieren

Mit Verlaub- aber Ihre Reaktion war BLÖD Zeitung Niveau

Würde man die betrügerischen Profis nämlich am Geldbeutel packen, wäre das nämlich die beste Antidopingmaßnahme weltweit und vielleicht sogar ein Weg zum sauberen Profisport.

Tut mir wirklich leid ...

... wenn ich Ihnen (Zitat: "ich fahre auch sehr viel Rad.") etwas von Ihrer Heile-Welt-Illusion nehmen muss.

Aber, die Realität, auch die im Radsport/Business, ist halt doch härter, als mancher so denkt.

Gleichwohl: Man sollte sich seinen Glauben an das Gute in dieser Welt erhalten. Und sollten wir uns mal auf dem Rad begegnen - s.o. - würde ich mich freuen.
PS: Wenn, dann wäre es im Rheingau.