MSV Duisburg : Kaum Spieler, kein Trainer, keine Liga

Der MSV Duisburg muss absteigen. Aber in welche Liga? Bereits bevor der DFB sein Urteil verkündet, ist der Verein durch die Wartezeit sportlich ruiniert.

Kurz nachdem Ende Mai bekannt geworden war, dass der MSV Duisburg die Auflagen für die kommende Zweitliga-Saison nicht erfüllt, marschierten 5.000 Menschen vom Hauptbahnhof zum Stadion. Selbst Anhänger der Dortmunder Borussia und von Schalke 04 solidarisierten sich mit den finanzschwachen Duisburgern. Im Ruhrgebiet wirkt das Schicksal des MSV über alle Rivalitäten hinweg. Auch der Oberbürgermeister trug die Vereinsfarben durch die Straßen. Er sagte: "Das ist kein Beerdigungszug."

Fest steht inzwischen, dass der Traditionsverein aus der zweiten Liga absteigt, obwohl er dort nach dem elften Platz in der Vorsaison rein sportlich wieder antreten dürfte. Noch immer ist allerdings unklar, wie tief der MSV fällt. Der DFB wird die Entscheidung vermutlich am morgigen Freitag bekanntgeben.

Die Zweifel über die Ligazugehörigkeit sind zur eigentlichen Katastrophe geworden. Beinahe täglich verliert der MSV einen Spieler, bislang sind es 19, darunter die Leistungsträger der vergangenen Saison. Viele von ihnen haben einen Marktwert von knapp einer Million Euro, aber weil ihre Verträge nichtig wurden, haben die Duisburger keine Ablösesummen erhalten. Nicht aus Köln, nicht aus Fürth und nicht aus Braunschweig, wo sie sich über ihre Verstärkungen freuen. Duisburgs Kader umfasst derzeit weniger als 15 Spieler.

Zu Beginn dieser Woche verabschiedete sich auch noch der Trainer Kosta Runjaic. Im September 2012 hatte er den MSV auf dem letzten Tabellenplatz liegend übernommen. Runjaic brachte seiner Mannschaft nicht das Zaubern, aber effizienten Fußball bei. Für den MSV war er ein Hoffnungsträger, doch in seinem Abschiedsbrief erklärte er, dass seine "eigene Deadline" nun erreicht worden sei. Er könne die Verantwortung für die sportliche Qualität und eine gelungene Saisonvorbereitung nicht mehr übernehmen.

Am vergangenen Wochenende musste der MSV Duisburg ein Testspiel gegen Fortuna Köln absagen. Ein Termin für den Trainingsstart steht noch nicht fest, der Vorverkauf für Dauerkarten hat noch nicht begonnen, doch in zwei Wochen beginnt die Saison der dritten Liga. In Duisburg herrscht Ungewissheit, 60 Mitarbeiter des Vereins bangen um ihren Arbeitsplatz und warten auf die Entscheidung des DFB.

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Kommentare

12 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Hochmut kommt vor dem Fall.

Es macht mich traurig, wie Funktionäre mit immer strengeren Auflagen selbst erfahrene Traditionsvereine überfordern.

Und damit daran mitwirken, das Fussball, ursprünglich eine Teamsportart, zu einem Hort von nur am Profit orientierten Sponsoren, Spielerberatern und kickenden Jungspunt-Individualisten zu machen???

Entsprechend wirken dann die Marktkräfte und es entstehen wieder Oligopole, nur wenige (finanzstarke) Akteure bleiben übrig.

Glaubt beim DFB jemand daran, dass die Duisburger und letztlich wir alle aus Mangel an Alternativen am Ende zu Bayern oder Dortmund oder Schalke-Fans werden???

Und uns für deren "Auftritte" auch noch jahrelang voller Freude teure Fanartikel und Eintrittskarten kaufen???

Ich bin gespannt, wie geschmeidig diese Funktionäre im nächsten Jahr das Abschneiden der "Nationalmannschaft" erklären, bevor sie hochmütig denn nächsten Traditionsverein "rasieren".

Und "nebenbei":

Wie sollen Eltern solches Verhalten ihrem Nachwuchs erklären??? Hierzu vermisse ich einen authentische Rubrik in der Hochglanz-DFB-App, "Herr Niersbach"!!!

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Die Fans,

sind hauptsächlich selbst mitverantwortlich. 31.500 Zuschauer fasst das Stadion. Im Schnitt kostet eine Eintrittskarte der 2. Liga ca. 20€? Im Schnitt kamen 12.900 Zuschauer. Pro Heimspiel hätte der Verein also vor ausverkauftem Haus: 327.000€ mehr einnehmen können. Hochgerechnet auf die gesamte Saison: 6.324.000€ die der Verein mehr hätte haben können, wenn die Duisburger in der Saison immer vor vollen, ausverkauften Rängen gespielt hätten. Bedenkt man, dass wenn der MSV in der Bundesliga gespielt hätte, dies nicht unrealistisch gewesen wäre und schlicht die Ligazugehörigkeit und nicht die Zuneigung zum Verein darüber entscheidet, ob Fans ins Stadion gehen, so gilt mein Mitgefühl den wirklichen MSV Fans, die aber einfach viel zu wenige waren. Bei einer Stadt mit fast 500.000EW sollte es eigentlich kein Problem sein, dass das Stadion gefüllt ist.
Ja, die Verantwortlichen haben sich verkalkuliert, falsch gewirtschaftet, aber die fehlenden Zuschauer haben eine Mitschuld, genauso wie die Spieler, die nicht mit dem MSV durch diese schwere Phase gehen. Sie alle hätten mit dem MSV auch in die dritte Liga gehen können. Der Fall des MSV zeigt viele Probleme im dt. Hochglanzfußball