Schweden

In Schweden gibt es keinen Frauenfußball. Sondern nur Fußball. Unter dieser Rubrik jedenfalls berichten die Zeitungen über die derzeitige EM. Auch eine Debatte um Gleichberechtigung oder Sexismus, wie sie die deutschen Frauen bei großen Turnieren aushalten müssen, ist in Schweden undenkbar. Schweden ist die Pioniernation der Fußballerinnen. Hier wird mit diesem Thema seit jeher nüchtern und selbstverständlich umgegangen.

Die Nationaltrainerin Pia Sundhage kennt diese Privilegien gut: In den siebziger Jahren, der Geburtsstunde des europäischen Frauenfußballs, begann sie ihre Karriere. Bevor sie Ende 2012 in ihre Heimat zurückkehrte, wurde Sundhage als Trainerin Vize-Weltmeisterin und Olympiasiegerin mit den USA.

Die höchste Liga des Landes gilt neben der deutschen Bundesliga als die beste Europas. Die fünfmalige Weltfußballerin Marta spielte viele Jahre bei Umeå IK. Im vorigen Jahr ist die deutsche Nationalspielerin Anja Mittag von Potsdam nach Malmö gewechselt. Dort kickt sie vor durchschnittlich 750 Zuschauern.

Bei vielen Vereinen können Fußballerinnen Teile ihres Trikots mit privaten Sponsoren versehen, das Geld bekommen sie direkt. Jedes Wochenende wird ein Spiel live im TV übertragen. Wenn Frauen und Männer gleichzeitig spielen, gibt es im Radio eine gemeinsame Konferenz. Das Verhältnis von Fußballern und Fußballerinnen liegt bei 3:1, hierzulande liegt es bei 5:1.

Die schwedischen Klubs sind besonders um das Wohlergehen ihrer Spielerinnen bemüht. Allerorten bestehen Netzwerke mit lokalen Unternehmen, die die Vereine bei der Bezahlung und Weiterbeschäftigung unterstützen. Selbst in der zweiten Liga ist es keine Seltenheit, dass den Spielerinnen zumindest die Unterkunft bezahlt wird.

Die Stadien der EM sind sehr gut besucht, die Spiele der Schwedinnen waren mit 15.000 Zuschauern stets ausverkauft. Auch für das Halbfinale am Mittwoch gegen Deutschland gibt es keine Karten mehr.