RadsportErik Zabel gesteht jahrelanges Doping

Mit einigen Jahren Verspätung hat Ex-Radprofi Zabel eine umfassende Doping-Beichte abgelegt. Zwischen 1996 und 2004 habe er mit Epo, Cortison und Blutdoping betrogen.

Radprofi Erik Zabel während der sechsten Etappe der Tour de France 1998

Radprofi Erik Zabel während der sechsten Etappe der Tour de France 1998  |  © Gero Breloer/dpa

Nach der Veröffentlichung des französischen Senatsberichts hat Erik Zabel in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung das Doping während seiner Radsportkarriere zugegeben: "Epo, Cortison, dann sogar Blutdoping: Es ist doch eine ganze Menge." Damit gesteht der sechsmalige Gewinner des Grünen Trikots bei der Tour de France auch ein, während einer Aussage 2007 gelogen zu haben.

In Bonn hatte Zabel einst an der Seite von Rolf Aldag unter Tränen ausgesagt, nur für eine Woche im Jahr 1996 das Blutdopingmittel EPO ausprobiert, aber nicht vertragen zu haben. "Ich habe viel länger gedopt, viele Jahre", sagte Zabel nun.Am vergangenen Mittwoch war aus einem Senatsbericht in Frankreich klar geworden, dass Zabel auch bei der Tour 1998 positiv getestet worden war.

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Dass dies eine Riesendummheit gewesen sei, habe er schon auf der Heimfahrt gewusst. "Vor allem wollte ich mein Leben behalten, mein Traumleben als Radprofi. Das hat man ja so geliebt, diesen Sport, die Reisen. Dieser Egoismus, der war einfach stärker", erläuterte er nun seine damaligen Beweggründe. Im Jahr 1996 habe sich Zabel erstmals zum Doping entschlossen – und gewann den Punktesieg in Frankreich. "Ich wusste ganz genau: Das ist nicht erlaubt, und es hat mich auch niemand gezwungen, Epo zu nehmen. Das war meine Entscheidung", sagte Zabel.

Als die Nachweismethoden des Blutdoping-Mittels Erythropoietin (Epo) besser wurden, wechselte Zabel zu Eigenblutdoping. "2003 habe ich vor der Tour de France eine Re-Infusion bekommen", gestand der 43-Jährige nun.

Diese Methode habe er aber nicht beibehalten, weil ihm "Aufwand und Ertrag zu niedrig" waren. Bis 2005 habe er nur noch den sogenannten Zaubertrank des Betreuers Jef D'Hont eingenommen, wobei er aber nicht genau sagen könne, ob und welche verbotenen Mittel darin enthalten gewesen seien. Nach 2005 sei er ausschließlich sauber gefahren. Die Verjährungsfrist von acht Jahren könnte Zabel somit vor sportrechtlichen Konsequenzen schützen.

Dass Zabel für sein modifiziertes Geständnis keinen Beifall erhalten werde, sei ihm klar. "Ja, jetzt bin ich das Arschloch, und ich fühle mich auch unwohl in meiner Haut. Den Moment, mir von einer Offenbarung oder einer aufrichtigen Entschuldigung etwas erhoffen zu dürfen, den habe ich leider verpasst", sagte Zabel. "Wie mich die Leute jetzt vernichten oder auch nicht, das kann ich nicht beeinflussen." Er wünsche sich selbst jetzt einfach nur noch, "dass ich meine innere Ruhe wiederfinde – dass ich wieder in den Spiegel schauen kann".

Ob der ehemalige Sportprofi fünf Jahre nach dem Ende seiner Karriere weiterhin Sportdirektor des Teams Katusha bleiben wird, ist unklar. Zudem hat der Rennveranstalter Upsolut Gespräche mit Zabel angekündigt, die seinen Posten als  Sportdirektor bei den Hamburger Cyclassics betreffen.

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Leserkommentare
    • tsnud
    • 28. Juli 2013 21:53 Uhr

    Jens Voigt und meine Jugendhelden sind allesamt ihren Nimbus los.

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    • 29C3
    • 29. Juli 2013 12:04 Uhr

    "Jens, Mensch, Du fährst klasse, wie ein Mofa!"

  1. eine riesen Überraschung

    6 Leserempfehlungen
  2. In 2-3 Jahren kann er dann ja die Nächsten Dopingsachen gestehen, wenn die auch verjährt sind.

    Es erstaut mich immer wieder wie man nun von einer Chanse Sprechen kann und das man die Sportler nicht unter generalverdacht stellen dürfte, wobei sie doch Leitungen oft besser als Überführte Doper bringen, und die Treningstechiken nicht einen so grossen sprung gemacht haben.

    So auch hier erst unter Tränen ein bischen gestehen und später wenn er verjähr ist alles herauskommen lassen, aber ja nicht für längere Verjähungsfridten oder wie im E-Sport Lebenslangen bann für Betrüger reden.

    Nein lieber die tollen Atleten weiterfahren lassen sie sagen ja alle so schön das sie nicht mehr dopen.

    SATIRE

    7 Leserempfehlungen
    • SMus
    • 28. Juli 2013 22:34 Uhr

    "Nach 2005 sei er ausschließlich sauber gefahren. Die Verjährungsfrist von acht Jahren könnte Zabel somit vor sportrechtlichen Konsequenzen schützen."

    Na sowas, alles vor 2005 ist verjährt, und ab 2005 war er sauber...

    Ohne ihm eine erneute Falschaussage unterstellen zu wollen: das klingt unglaubwürdig.

    8 Leserempfehlungen
  3. Nun, die Überraschung hält sich wahrlich in Grenzen. Wer in solch nachweislich verseuchten Jahren zu den absoluten Spitzenfahrern zählte, muss auch in Sachen Doping ganz vorn dabei oder eben ein Übermensch gewesen sein.

    Was mich dann aber doch überraschte, ist die Kritik der französischen Senatskommission, dass im deutschen Fußball in 2012 keine einzige Blutprobe genommen worden sein soll (http://www.radsport-news....). Das hätte ich angesichts des ständig zunehmenden Tempos und der fraglichen Geldsummen im Spitzenfußball nicht für möglich gehalten. Allein schon deshalb wäre ein Nachtest nach 15 Jahren wie hier im Radsport nicht möglich, das muss für die Fußballer äußerst beruhigend sein.

    5 Leserempfehlungen
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    • Demo4
    • 29. Juli 2013 2:22 Uhr

    "Was mich dann aber doch überraschte, ist die Kritik der französischen Senatskommission, dass im deutschen Fußball in 2012 keine einzige Blutprobe genommen worden sein soll"

    was soll es auch im Fußball bringen,
    Radsport ist eine Sache, Doping dort glasklar als Vorteil erkennbar wie ein Motor am Rad oder verstecke Wasserflasche wenn es keine freien gäbe,
    durchhalten bis zum Ziel und dann paar Zentimeter Extra-Sprint,

    100 Meter-Läufer und alle anderen Olympia-Sportarten genauso,

    dass es im Fußball auch auftritt, klar, aber wie soll das schocken?
    den Fuß in der Abwehr im richtigen Moment dazwischen halten, ob Traum- oder Fehlpass, ob am richtigen Platz stehen, dem Gegenspieler im Rücken davonschleichen, zur richtigen Sekunde kurz vor Abseits starten,
    all das setzt auf andere Qualitäten,

    ein frischer Körper schadet dazu nicht,
    aber man sieht auch richtige Talente mit 17 oder später 37 besser spielen
    als Durchschnittsspieler mit vielleicht 27 in ganz anderen Körpern,
    es gibt generell Schmächtige, Bullige, Kleine, Große, Alte, alles gemischt,

    im Radsport sind die Fahrer ziemlich gleich gebaut, nur wenige Typen,
    den Bio-Radantrieb zu maximieren ist das Hauptziel,
    der Einfluß von Doping ein ganz anderer

    Fußballer verdienen auch Millionen, Radfahrer kommen höchstens mit Doping überhaupt erst einzeln dahin, bei Fußballern Standard,
    wenn man nicht auch annimmt dass alle mit Doping dahinkommen, dann das riskieren?
    oder geht es um 2. Liga?

  4. „Wenn ich von meinem Sohn erwarte, dass er ein guter Mensch wird, kann ich ihn nicht weiter anlügen“

    Das war 2007. 6 Jahre vergangen. Ziemlich hoffnungsloser Fall von gescheiterter Erziehung. Schäm dich, Zabel!

    7 Leserempfehlungen
  5. Ach Erik. Du hast deine Seele verkauft und die Leute, die Dir vertraut haben aufs schäbigste belogen und betrogen.
    Glaubst Du nicht, das Du dir deinen Platz in der Hölle damit redlich verdient hast?
    Das dieses launige Geständnis zu später Stunde daran irgend etwas ändern würde?

    Wie Du bereits erkannst hast, ist die Messe schon lange gelesen.

    Du suchst wirklich inneren Frieden? Das klappt nur, wenn du all dein Geld zurück gibst, dass Du durch diesen Betrug verdient hat.

    Aber ich wette, das das mit dem inneren Frieden dann noch nicht so wichtig ist.....

    10 Leserempfehlungen
    • TottiZ
    • 28. Juli 2013 22:48 Uhr

    Es sollte nicht verjähren und pro nachgewiesenem Doping sollten 2 Jahre Sozialstunden mit 50 Stundenwochen in einem Flüchtlingslager im Kriegsgebiet Pflicht sein. Bei späteren Nachweisen oder Geständnissen je 5 Jahre mehr.

    Wenn dann 60 - 100 Jahre oder mehr angesammelt zu leisten sind, also lebenslänglich anderen helfen, dann hat der Fuckleth vielleicht intellektuell erfasst, was für einen Mist er angerichtet hat.

    Alle erhaltenen Bezüge innerhalb der gedopten Leistung erhalten sind zu 100% zurück zu zahlen in Form von Spenden an soziale Einrichtungen!

    Herr Zabel, das Trikot das Sie mir unterschrieben haben, können Sie dann aus dem Müll holen...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, lab
  • Schlagworte Erik Zabel | Doping | Radsport | Karriere
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