Vor fast genau zwei Jahren, am 9. Juli um 23:15 Uhr, war der Hype vorbei: Deutschland scheiterte im Viertelfinale an Japan, die mit viel Tamtam inszenierte WM im eigenen Land war vergeigt. Das hatte der DFB so nicht geplant und das Publikum so nicht bestellt. Die Zuschauer schwiegen zunächst, bevor sie auf Bitten des Stadionsprechers doch noch ein wenig klatschten. Die Spielerinnen standen bis Mitternacht auf dem Rasen und weinten.

Wegen des frühen Ausscheidens durfte die Nationalelf im Jahr darauf nicht an den Olympischen Spielen in London teilnehmen. Deshalb blieb es lange ruhig um sie. Und so kommt es, dass man die Mannschaft, die am heutigen Donnerstag im schwedischen Växjö gegen die Niederlande in die EM starten wird, kaum wieder erkennt.

Die erfahrenen Spielerinnen Birgit Prinz, Inka Grings und Kerstin Garefrekes sind nach der WM zurückgetreten. Ein Umbruch war eingeplant, sogar erhofft. Dass er so drastisch ausfallen würde, überrascht aber. Weil nämlich auch Linda Bresonik und fünf weitere routinierte Spielerinnen verletzt ausfallen, schlägt nun die Stunde der Mädels, die Stunde einer neuen Generation.

Eine bessere Nachwuchsförderung zahlt sich aus

Dass Spielerinnen ihr Potenzial bereits im jungen Alter abrufen und überdies Verantwortung übernehmen können, wäre noch vor Jahren undenkbar gewesen. Es ist der Nachwuchsförderung zu verdanken, die mit Hinblick auf die WM 2011 modernisiert wurde. Wenigstens etwas, das blieb.

Vor Jahren habe man in ein Ausbildungssystem investiert, "mit dem die Spielerinnen Leistungssport, Schulisches und Berufliches verbinden können'', sagt die frühere Nationalspielerin und heutige DFB-Direktorin Steffi Jones. Ob die Nachzüglerinnen die Ausfälle beim Turnier in Schweden kompensieren können, schien zunächst ungewiss, aber ''die Integration hat geklappt. Die Mädels haben viel Selbstbewusstsein''.

Die Mädels, das sind zum Beispiel Svenja Huth und Dzsenifer Marozsán. Gemeinsam mit vier weiteren Spielerinnen haben sie bereits in der U-15-Nationalmannschaft gespielt, die erst seit 2003 existiert. Jennifer Cramer, Leonie Maier und Melanie Leupolz gewöhnten sich ab der U-17-Auswahl an den internationalen Wettstreit. Das Durchschnittsalter dieser neun Spielerinnen: 20,5 Jahre. 

Birgit Prinz und viele andere zählen nun zur Vergangenheit, zu einer sehr erfolgreichen. Fünf Mal wurde Prinz Europameisterin. Diesen Rekordwert wird wohl keine Spielerin jemals überbieten. Doch vor zwei Jahren gingen sie und ihre Kolleginnen doch etwas zu verbissen ans Werk. Es musste unbedingt dieser Titel sein. Sie verkrampften schon vor dem Aus gegen Japan. Durch die vielen kleinen Wechsel im DFB-Team hat sich vor allem eines grundlegend verändert: die Atmosphäre.