Die DFB-Elf geht mit einem 0:0 gegen die Niederlande in die Kabine. © Martin Rose/Getty Images

Die deutschen Fußball-Frauen haben den erhofften Sieg zum Auftakt der Europameisterschaft in Schweden verpasst. Der Titelverteidiger kam am Donnerstagabend nicht über ein 0:0 gegen die hervorragend eingestellte Mannschaft der Niederlande hinaus. Vor 8.861 Zuschauern in der Växjö-Arena fand der Rekord-Europameister über weite Strecken nicht zu seinem gewohnten Kombinationsspiel und musste am Ende mit einem Punkt zufrieden sein.

"Es ist nichts passiert, wir haben einen Punkt geholt gegen eine sehr starke holländische Mannschaft. Ich kann meiner jungen Mannschaft keinen Vorwurf machen", sagte Bundestrainerin Silvia Neid nach dem torlosen Unentschieden. Im zweiten Spiel der Gruppe B am Sonntag steht die Mannschaft unter Druck.

Die Isländerinnen trennten sich in Kalmar mit 1:1 (0:1) von Norwegen, so dass alle vier Teams jeweils einen Zähler auf dem Konto haben. Ex-Weltmeister Norwegen ging durch Kristine Hegland (26. Minute) zwar in Führung, musste aber kurz vor Schluss noch den Ausgleich durch einen von Margret Vidarsdottir verwandelten Foulelfmeter (86.) hinnehmen.

Neid vertraute bis auf eine Position der Mannschaft, die im letzten EM-Testspiel in München Weltmeister Japan mit 4:2 bezwungen hatte. Nur die seinerzeit angeschlagene Annike Krahn rückte für Luisa Wensing wieder in die Innenverteidigung neben Saskia Bartusiak.

Das Duell der Nachbarländer brauchte keine lange Aufwärmphase. Beide Teams schenkten sich von Beginn an nichts und zeigten hohen läuferischen und körperlichen Einsatz. Top-Torjägerin Celia Okoyino da Mbabi (7.) hatte die erste Chance, scheiterte aber aus kurzer Distanz nach einer Hereingabe von Jennifer Cramer an der gut reagierenden niederländischen Torhüterin Loes Geurts. Kurz darauf platzierte Leonie Maier einen Kopfball nach einem Freistoß von Spielmacherin Dzsenifer Marozsan nicht genau genug.

Mehr Spielanteile für die Deutschen

Auch wenn die deutsche Elf, die seit mehr als 13 Jahren nicht mehr gegen die "Vrauwenelftal" verlor, mehr Spielanteile hatte, war der EM-Halbfinalist von 2009 in seinen Tor-Aktionen sehr gefährlich. Fast hätte die für den Bundesligisten FCR Duisburg spielende Lieke Martens (17.) DFB-Keeperin Nadine Angerer mit einem Distanzschuss überrascht. Doch die 34-Jährige rettete den Ball in ihrem 119. Länderspiel gerade noch aus dem Winkel und reagierte fünf Minuten später auch bei einem Versuch von Kirsten van den Ven großartig.

Auf der anderen Seite hatte Lena Lotzen gute Offensiv-Szenen, aber zweimal nicht die letzte Konsequenz im Abschluss (24./26.). Eine Minute vor der Pause hatten die zahlreichen deutschen Fans bereits den Torschrei auf den Lippen: Marozsan spitzelte den Ball an Geurts vorbei, aber auch knapp am langen Pfosten.

Laudehr belebte das Spiel

Mit der Hereinnahme von Simone Laudehr kam etwas mehr Zielstrebigkeit in die Aktionen. Doch die Niederlande blieben ein unangenehmer und fast gleichwertiger Rivale, vor dessen Stärke Neid nicht zu Unrecht gewarnt hatte. In der ersten Viertelstunde des zweiten Durchgangs konnte sich das DFB-Team mehrfach bei Angerer bedanken, die sehr gut mitspielte und gegen die frei vor ihr auftauchende Manon Melis (62.) per Fußabwehr den möglichen Rückstand verhinderte. Da die DFB-Elf in der Schlussphase kaum etwas zuzusetzen hatte und sich keine nennenswerte Chance in der zweiten Hälfte erspielte, war das Unentschieden am Ende für den Titelfavoriten sogar fast glücklich.

Deutschland: Angerer (vereinslos) - Krahn (Paris St. Germain), Maier (Bayern München), Bartusiak (1. FFC Frankfurt), Cramer (Turbine Potsdam) - Goeßling (VfL Wolfsburg), Keßler (VfL Wolfsburg - 46. Laudehr/1. FFC Frankfurt) - Lotzen (Bayern München - 73. Leupolz/SC Freiburg), Marozsan (1. FFC Frankfurt), Mittag (LdB FC Malmö) - Okoyino da Mbabi (1. FFC Frankfurt)

Niederlande: Geurts - Bito, Koster, Hoogendijk, van den Heiligenberg - Spitse, Slegers - van de Ven, van de Donk, Martens - Melis

Schiedsrichterin: Spinelli (Italien)

Zuschauer: 8.861

Gelbe Karten: Cramer, Keßler, Maier / Bito

Beste Spielerinnen: Angerer, Goeßling / Melis, Martens