Nico Rosberg : "Meine Mutter wollte, dass ich Tennisspieler werde"

Der WM-Sieg würde ihn nicht glücklicher machen, sagt Rennfahrer Nico Rosberg. Im Tagesspiegel-Interview spricht er über seine Titelchancen und seine Tennis-Leidenschaft.

Frage: Herr Rosberg, für Fernando Alonso sind Sie dieses Jahr ein Titelkandidat. Sind Sie stolz, dass der wohl beste Fahrer im Feld das sagt?

Nico Rosberg: Ich habe es von ihm selbst nicht gehört, deswegen will ich das nicht kommentieren. Aber ich merke, dass wir immer mehr wahrgenommen werden. Die anderen schauen mehr und reagieren immer allergischer auf uns. Das ist etwas sehr Schönes. Das zeigt, dass man Erfolg hat, wenn die anderen anfangen, einen als Gegner zu fürchten. Ansonsten: Ich denke nicht an den Titel, ich konzentriere mich Rennen für Rennen. Wir müssen das Beste daraus machen und den Elan im Team weiterführen.

Frage: Wenn man nicht wahrgenommen wird in der Formel 1, dann läuft etwas nicht richtig?

Rosberg: Wahrgenommen ist das falsche Wort. Wenn man nicht angegriffen wird, dann ist man nicht schnell genug.

Frage: Vor ein paar Wochen in Malaysia hat der frühere Formel-1-Pilot Marc Surer Sie noch als braven Soldaten bezeichnet, weil Sie die Mercedes-Stallorder befolgt und Ihren Teamkollegen Lewis Hamilton nicht überholt haben. Nun haben Sie zwei der letzten drei Rennen gewonnen. Eine Genugtuung für Sie?

Rosberg: Das ist keine Genugtuung. Wenn ich zurückschaue, würde ich die gleiche Entscheidung wieder treffen. Das ist mein Weg, dazu stehe ich. Für den Erfolg war es das richtige. Das war nicht schön, aber da muss man durch. Ich bin da durch und am Ende stark rausgekommen.

Frage: John Watson, ein anderer früherer Pilot, bezeichnet Sie als die Überraschung der Saison, weil Sie im Vergleich zum stark eingeschätzten Hamilton so gut abschneiden. Warum wurden Sie immer noch unterschätzt, obwohl Sie Michael Schumacher in Rente geschickt haben?

Rosberg: Ob ich jetzt unter- oder überschätzt werde, das weiß ich nicht. So etwas ist mir auch nicht wichtig. Ich habe Riesenrespekt vor Michaels Leistung, in dem Alter noch einmal zurückzukommen. Für mich ist er auf einem enorm hohen Level gefahren, er war ein harter Gegner. Ich bin happy, dass ich ihn schlagen konnte. Jetzt habe ich den nächsten harten Gegner.

Frage: Wer ist besser: Lewis Hamilton oder Michael Schumacher?

Rosberg: Das kann man nicht vergleichen, das möchte ich auch nicht sagen. Das waren verschiedene Situationen und verschiedene Autos.

Frage: Sie sind seit 2006 in der Formel 1 und hatten bis vor kurzem keine wirklichen Kontroversen. Waren Sie zu nett?

Rosberg: Zu nett für was? Zu nett für Kontroversen?

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